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Ford: Die tun was – für den Klimawandel

Montag, den 18. Februar 2008

Seit einer Woche läuft auch hierzulande die spektakuläre Naturdokumentation Unsere Erde in den Kinos. „Fünf Jahre Produktionszeit“ haben die Macher nach eigenen Angaben auf die „atemberaubende Schönheit unserer Erde“ verwendet – und der Streifen ist von größter Aktualität: „Würden wir diesen Film in 10 oder 20 Jahren drehen“, sagt Regisseur Alastair Fothergill, „könnten wir viele dieser außerordentlichen Bilder gar nicht mehr einfangen.“ Weil dann das entsprechende Objekt zerstört oder ausgerottet sei.

Zum Glück aber, so die Macher, wachse das weltweite Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit unseres Planeten. Und deshalb brachten sie „Unterstützer“ mit ins Kino: unter anderem die BBC, den Öko-Energieversorger Naturstrom, die kanadische Eisenbahn VIA Rail und Ford. Ford? Der US-Autobauer nutzt den Film, um seine Internetseite www.dienaechstegeneration.de bekanntzumachen. Als Einstieg werden da zu lieblicher Musik Fotos von Tier-Embryos gezeigt – ein Eisbärchen zum Beispiel.

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Beworben werden damit die „Flexifuel“- Modelle der Firma. Unter diesem Label vertreibt Ford Fahrzeuge, die neben konventio- nellem Benzin auch Bio-Ethanol tanken können. „Der Klimawandel stellt eine der größten Heraus- forderungen der Menscheit dar“, heißt es auf der Ford-Homepage. Und tanke man Bio-Ethanol, so das Unternehmen, stoße ein Fahrzeug „erheblich weniger CO2 aus als ein Fahrzeug, das mit Super-Kraftstoff betrieben wird“. Das aber ist schlicht falsch – in der Pauschalität jedenfalls –, denn immer mehr Studien (siehe zum Beispiel hier, hier, hier und hier) warnen, dass bei der Herstellung von Bio-Ethanol häufig so viel Energie und Düngemittel eingesetzt werden, dass der CO2-Spareffekt gegenüber Treibstoff aus Erdöl verloren geht.

Außerdem hat Ford ein Klimaproblem im Inneren seiner Autos: Massiv sträubt sich der Konzern dagegen, in seinen Klimanlagen das derzeit eingesetzte Kältemittel R 134a zu ersetzen. Ein Kilogramm des fluorhaltigen R 134a (chemisch: Tetrafluorethan) heizt die Atmosphäre 1.430 mal stärker auf als die gleiche Menge Kohlendioxid. Bereits vor zehn Jahren wurde deshalb mit der Entwicklung von klimaschonenden Alternativen begonnen – heute ist es möglich, Kohlendioxid als Kältemittel (Handelsname: R744) zu verwenden. Der Verband der deutschen Auto-Hersteller (VDA) verpflichtete sich im vergangenen Herbst, künftig auf diese Technologie zu setzen. Doch Ford versucht in Brüssel mit „Informationen“ die Funktionstüchtigkeit der Alternativen beim Gesetzgeber zu diskreditieren. „Aufhalten wird Ford die Umstellung nicht können“, sagt Eva Lauer, Projektleiterin „Klimafreundliche Kühlung“ der Deutschen Umwelthilfe. „Aber sie versuchen, Zeit zu gewinnen und schnell noch Profit zu schlagen.“


Autobranche: Auf der Überholspur – aber ganz weit hinten

Mittwoch, den 6. Februar 2008

Matthias Wissmann (CDU) ist ein Politik-Profi. Er war unter Helmut Kohl Forschungs- und Verkehrsminister, saß mehr als dreißig Jahre im Bundestag und hat nebenher gut verdient – unter anderem als Partner in einer internationalen Anwaltssozietät oder im Beirat von Rolls Royce. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) holte ihn im letzten Jahr als Präsidenten, als die Branche in der Klimadebatte in die Kritik geriet.

Heute zeigte Matthias Wissmann wieder einmal, wie gute Krisen-PR aussieht: „Die deutschen Autohersteller haben nach eigenen Verbandsangaben bei Spritverbrauch und Senkung des schädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Frankreich und Japan aufgeholt“, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Und zitiert den VDA-Präsidenten: „Dank der hohen Innovationskraft unserer Hersteller und Zulieferer haben wir im vergangenen Jahr die höchsten Minderungsleistungen (beim CO2) erreicht.“ Japanische Firmen hätten den Ausstoß ihrer Autos um 0,6 Prozent gesenkt, französische Marken um 0,8 – die deutschen Hersteller aber um 2 Prozent.Brav transportiert dpa damit die freundliche Lesart des Lobbyisten Wissmann.

Bisher nämlich gehörten deutsche Autos zu den Spitzenreitern beim Kohlendioxid-Ausstoß. In Studien des BUND oder des Brüsseler Umwelt-Dachverbands Transport&Environment rangieren Audi, BMW & Co. regelmäßig ganz hinten. Deutsche Hersteller bauen demnach besonders schwere Autos mit besonders hohen CO2-Werten (deutscher Durchschnitt 173 Gramm/Kilometer, Japan: 161 g/km, Frankreich: 144 g/km). Damit liegen die deutschen Autobauer weit, weit über dem Wert von 140 g/km, den zu erreichen sie 1998 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung für das Jahr 2008 zugesagt hatten.

Bei so hohem Niveau ist das Sparen ziemlich einfach. Oder in der Autosprache: Wer von weit hinten kommt, kann viele überholen. „Der VDA rechnet sich die Welt schön“, kommentiert Gerd Lottsiepen vom umweltbewussten Verkehrsclub VCD.

Im letzten Absatz ihrer Meldung kommt die dpa dann der Wahrheit wieder etwas näher. Aber auch nur etwas. „Die deutschen Hersteller hätten vor allem den Verkauf ihrer Fahrzeuge mit einem Spritverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer steigern können“, steht da. Um 57 Prozent sogar. Nunja. Man könnte auch sagen, die Kunden haben stärker als früher sparsame Modelle gekauft.