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Airbus: Wie 275 Tonnen sich in heiße Luft auflösen

Donnerstag, den 28. August 2008

„Greenwashing“ in vollendeter Form gibt es jetzt auf der englischsprachigen Airbus-Website zu bewundern: Der Flugzeughersteller zeigt seinen Riesenjet A380 als luftige und grüne Silhouette – und verspricht eine „natürlichere Art zu fliegen“.

Der Inhalt der Kampagne lässt sich kurz zusammenfassen: Der A380 sei komfortabler und leiser als andere Flugzeuge und emittiere – pro Passagier und Kilometer – 17 Prozent weniger CO2. Und stehe besser da als so manches Auto.

Absolut betrachtet aber verbraucht der 275-Tonnen-Koloss 1700 Liter Kerosin auf 100 Kilometer. Pro Kopf und Kilometer entspricht das etwa einer DC-3, die im Jahr 1935 ihren Erstflug hatte (in Deutschland auch als Rosinenbomber bekannt). Die A380 repräsentiere „veraltete Technik im Großformat“, kritisiert denn auch Werner Geiß vom VCD. Und der europäische Umweltverband Transport & Environment bilanziert, die Effizienzgewinne der letzten Jahrzehnte hätten gerade mal den Mehrverbrauch beim Umstieg von der Propellermaschine aufs Düsenjet wettgemacht.

Der von Luftfahrtunternehmen gern gezogene Vergleich des Treibstoffverbrauchs mit Autos führt komplett in die Irre: Denn Flugzeuge emittieren neben Kohlendioxid noch andere klimaschädigende Stoffe wie Stickoxide, Rußpartikel und Wasserdampf, und die Abgase schädigen das Klima in Flughöhe rund dreimal stärker als am Boden. Der Pro-Kopf-und-Kilometer-Klimaeffekt des A380 entspricht dem eines Autos mit einem Verbrauch von knapp zehn Litern – und noch schlechter wird die Bilanz, wenn das Flugzeug nicht voll und das Auto mit mehr als nur dem Fahrer besetzt ist. Zudem wird der A380 auf Langstrecken eingesetzt, konkurriert also gar nicht mit dem Auto.

Schon im Jahr 2000 war die Luftfahrtbranche laut Transport & Environment weltweit für vier bis neun Prozent des menschengemachten Treibhauseffekts verantwortlich. Der Anteil wird aber nach allen Prognosen kräftig steigen, denn die Branche wächst so rasant, dass alle Effizienzgewinne binnen kürzester Zeit durch das Wachstum zunichte gemacht werden. Wenn es so weiter geht, berechnete das britische Tyndall Centre on Climate Change, wird der Flugverkehr in der EU im Jahr 2050 bis zu vier Fünftel der Menge an Treibhausgasen emittieren, die ganz Europa dann insgesamt noch ausstoßen darf.

P.S.: Die Pro-Kopf-Rechnung ist übrigens auch davon abhängig, wie der Käufer das Flugzeug bestuhlt. Der saudische Prinz al-Walid, der erste private Käufer des A380, will ihn sich als „fliegenden Palast“ einrichten. Käme er auf die Idee, damit alleine auf Reisen zu gehen, würde er es auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von 1,5 Tonnen auf 100 Kilometer bringen.


Autobranche: Auf der Überholspur – aber ganz weit hinten

Mittwoch, den 6. Februar 2008

Matthias Wissmann (CDU) ist ein Politik-Profi. Er war unter Helmut Kohl Forschungs- und Verkehrsminister, saß mehr als dreißig Jahre im Bundestag und hat nebenher gut verdient – unter anderem als Partner in einer internationalen Anwaltssozietät oder im Beirat von Rolls Royce. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) holte ihn im letzten Jahr als Präsidenten, als die Branche in der Klimadebatte in die Kritik geriet.

Heute zeigte Matthias Wissmann wieder einmal, wie gute Krisen-PR aussieht: „Die deutschen Autohersteller haben nach eigenen Verbandsangaben bei Spritverbrauch und Senkung des schädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Frankreich und Japan aufgeholt“, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Und zitiert den VDA-Präsidenten: „Dank der hohen Innovationskraft unserer Hersteller und Zulieferer haben wir im vergangenen Jahr die höchsten Minderungsleistungen (beim CO2) erreicht.“ Japanische Firmen hätten den Ausstoß ihrer Autos um 0,6 Prozent gesenkt, französische Marken um 0,8 – die deutschen Hersteller aber um 2 Prozent.Brav transportiert dpa damit die freundliche Lesart des Lobbyisten Wissmann.

Bisher nämlich gehörten deutsche Autos zu den Spitzenreitern beim Kohlendioxid-Ausstoß. In Studien des BUND oder des Brüsseler Umwelt-Dachverbands Transport&Environment rangieren Audi, BMW & Co. regelmäßig ganz hinten. Deutsche Hersteller bauen demnach besonders schwere Autos mit besonders hohen CO2-Werten (deutscher Durchschnitt 173 Gramm/Kilometer, Japan: 161 g/km, Frankreich: 144 g/km). Damit liegen die deutschen Autobauer weit, weit über dem Wert von 140 g/km, den zu erreichen sie 1998 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung für das Jahr 2008 zugesagt hatten.

Bei so hohem Niveau ist das Sparen ziemlich einfach. Oder in der Autosprache: Wer von weit hinten kommt, kann viele überholen. „Der VDA rechnet sich die Welt schön“, kommentiert Gerd Lottsiepen vom umweltbewussten Verkehrsclub VCD.

Im letzten Absatz ihrer Meldung kommt die dpa dann der Wahrheit wieder etwas näher. Aber auch nur etwas. „Die deutschen Hersteller hätten vor allem den Verkauf ihrer Fahrzeuge mit einem Spritverbrauch von weniger als fünf Liter auf 100 Kilometer steigern können“, steht da. Um 57 Prozent sogar. Nunja. Man könnte auch sagen, die Kunden haben stärker als früher sparsame Modelle gekauft.