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Steinkohleverband: Tricksen ist nachhaltig

Dienstag, den 9. Juni 2009

Mit diesen Worten hat der Gesamtverband Steinkohle (GVSt) die neueste Ausgabe seiner Info-, äh, Faltblatt-Reihe „Fakten – Analysen – Argumente“ überschrieben:

Donnerwetter!! Das ist ja ’ne dolle Nachricht!

So werden die Kohlelobbyisten auch gedacht haben, weshalb sie den gesamten Text gleich noch als bezahlte PR-Meldung von der Nachrichtenagentur dpa verschicken ließen. Kohlestrom, stand da weiter, habe „nachhaltig und langfristig geringere soziale Kosten“ als „viele erneuerbare Energien“. Zu diesem Ergebnis sei ein breites, EU-gefördertes und von 66 Universitäten, Instituten und Organisationen getragenes Forschungsprojekt namens NEEDS gekommen.

Das hat uns natürlich neugierig gemacht. Also suchten wir auf der Internetseite des Forschungsverbundes nach den Details zur Meldung. Details fanden wir tatsächlich zuhauf – NEEDS scheint ein wahres Mammutprojekt gewesen zu sein, mehr als vier Jahre wurde geforscht, mehr als zwei Dutzend, oft Hunderte Seiten dicke Berichte gibt es auf der Website – aber keine einzige Studie, die die spektakuläre Aussage der Kohlelobby unterfüttert.

Also, Anruf beim Verband in Essen. Der Sprecher bestätigt denn auch gleich: „Nein, Sie haben nichts übersehen.“ Es gebe keine Studie, die der Meldung zugrunde liegt. Man habe die Ergebnisse selbst „ausgewertet“, die auf dem Schlussworkshop von NEEDS in Brüssel vorgestellt wurden, vor allem einen Vortrag von Professors Rainer Friedrich von der Universität Stuttgart.

Ein weiterer Anruf, diesmal in Stuttgart, lässt dann die Propagandablase des GVSt platzen. Ja, ja, heißt es beim dortigen Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, es hätten schon einige verwunderte Journalisten nachgefragt. Aber dass Kohle „nachhaltig“ sei, das „hat nie jemand gesagt“.

In der Tat handelte der Vortrag, den Professor Friedrich in Brüssel hielt, von den Kosten verschiedener Energieträger, da wurden Investitions- und Betriebs- und andere Ausgaben für Wind-, Atom-, Solar-, Kohle- und anderen Kraftwerken verglichen, und es wurden auch die sogenannten externen Kosten betrachtet – also Umwelt- oder andere Schäden, die bei der Stromerzeugung angerichtet werden, für die aber außer der Natur bisher niemand zahlt. Mit nebenstehenden Worten fasst der Steinkohleverband den ganzen Vortrag zusammen.

Und diese Formulierung deutet dann schon auf den wesentlichen Haken an der ganzen Sache: Die Kohlekraftwerke, die angeblich so supergut abschneiden, die gibt’s noch gar nicht – denn die Technologie zur Abscheidung und unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid (CCS) ist noch längst nicht einsatzreif. Alle heutigen Kohlekraftwerke (und auch die gegenwärtig neu in Bau befindlichen) gehen bekanntlich ohne CCS ans Netz. Deshalb schneiden real existierende Kohlekraftwerke alles andere als „überdurchschnittlich gut“ ab.

Aus dem zwanzigminütigen Vortrag von Professor Friedrich hat sich der Steinkohleverband eine Grafik herausgepickt und auf seinem Faltblatt nachgedruckt (links). Beim Blick in das Originalmanuskript aber wird schnell klar, dass es das (für die Kohle) vorteilhafteste Häppchen aus der gesamten Arbeit ist. In einer anderen Grafik über externe Kosten beispielsweise schneidet die Kohle von allen Energieträgern am schlechtesten ab:

Und blickt man nicht auf das Jahr 2025, sondern auf 2050, dann sieht die Kohle miserabel aus. Selbst mit der hochgepriesenen CCS-Technologie liegt Kohlestrom auf dieser Grafik nur noch im Mittelfeld – und Braun- bzw. Steinkohlekraftwerke ohne CO2-Abscheidung landen ganz am linken Rand, also an vorletzter und letzter Stelle:

„Die Umweltschäden bei Kohlekraftwerken sind hoch“, sagte uns Professor Friedrich noch, und zwar „höher als bei allen anderen untersuchten Energieträgern.“ Außerdem werden Kohlekraftwerke selbst mit CCS noch größere Mengen an gesundheitsschädlichen Stoffen wie Feinstaub ausstoßen.

Aber wieso schneiden sie dann bei den „sozialen Kosten“, wie der Kohleverband schreibt, „überdurchschnittlich“ ab? Weil unter diesen wissenschaftlichen Begriff auch Betriebs- und Investitionskosten fallen – und da sind Kohlekraftwerke nunmal erheblich billiger als beispielsweise Solarzellen. Wenn die Kohlelobby das nachhaltig nennt, so Rainer Friedrich, dann „ist das natürlich problematisch“. Tatsächlich findet sich nirgends in Friedrichs Vortrag und auch nicht (wie der Gesamtverband Steinkohle in seiner Mitteilung suggeriert) im Namen des NEEDS-Projekts das Wort „nachhaltig“ (englisch: sustainable) – der Lobbyverband hat sich also offenbar einfach einen eigenen Nachhaltigkeitsbegriff kreiert. Das sollen dann wohl die Anführungszeichen in der Überschrift bedeuten – und nicht, wie man denken soll, äh, könnte, ein Zitat aus dem Forschungsprojekt kennzeichnen.

Letzter Anruf beim Gesamtverband Steinkohle: Ist denn der verbreitete Text oder die Überschrift mit Herrn Friedrich abgesprochen? Der Sprecher schweigt, atmet tief, sagt dann „Nein“. Aber für den Nachdruck von Friedrichs Grafik, betont er, dafür habe man selbstverständlich die Genehmigung eingeholt.

Danke an Hanjörg P. aus Leipzig für den Hinweis


Debriv: Wenn Lobbyisten Lobbyisten zitieren…

Donnerstag, den 14. Mai 2009

Inzwischen ist die Imagekampagne des Deutschen Braunkohlen-Industrie-Vereins (Debriv) fast schon mitleidserregend. Man lasse darin

zu Wort kommen, hatte die Kohlelobby eigentlich mal versprochen. Längst aber treten in der Werbung weder Unabhängige noch Experten auf – wahrscheinlich findet sich niemand mehr für diese platte Propaganda der Klimakiller-Branche. Jedenfalls ließ der Debriv diese Woche einen Lobbyistenkollegen auftreten, Maksymilian Klank, den Präsidenten des polnischen Steinkohleverbandes. Der ist, zumindest was den Kohlendioxid-Ausstoß von Kohlekraftwerken angeht, bemerkenswert ehrlich.

Schade, dass dieser Satz nicht zum Blickfang seines gesamten Beitrags wurde. Dafür wählten die Debriv-Werber lieber:

Dass der Chef des Steinkohleverbands und – laut offiziellem Lebenslauf - Vorstandsmitglied eines großen Bergbauzulieferers neue Kraftwerke will, ist nicht so wirklich überraschend. Aber offenbar folgt der Debriv einer alten PR-Strategie: Man zeige einen seriös wirkenden Herren in Anzug und Krawatte (ebenso geeignet sind Menschen in weißen Arztkitteln) und lasse ihn irgendetwas sagen. Das kann noch so verkehrt sein – wenn man es nur oft genug wiederholt, setzt es sich schon irgendwann fest in den Köpfen der Leute. Denn in Wahrheit haben die neuen Kohleblöcke, die hierzulande von den Konzernen derzeit gebaut oder geplant werden, zwar einen etwas niedrigeren CO2-Ausstoß als ihre Vorgänger aus den sechziger und siebziger Jahren – aber eben doch immer noch exorbitant hohe Werte.

Mit einer Grafik versucht die Annonce dann für diese Neuanlagen zu werben. Doch dies geht eher daneben: Schaut man sich das Bildchen auch nur etwas genauer an, zeigt  es bestechend, warum die ebenfalls von Herrn Klank (und dem Debriv) gepriesene CCS-Technologie der CO2-Abscheidung ein technologischer Rückschritt ist. Denn für diese (noch weit vom kommerziellen Einsatz entfernte) Technologie zeigt die Grafik rechts zwei kurze Balken, die einen niedrigen Treibhausgas-Ausstoß illustrieren sollen. Die Punkte im oberen Bereich der Grafik zeigen aber auch, was die teure und energieaufwändige CO2-Abscheidung für den Wirkungsgrad dieser „Wunderkraftwerke“ bedeutet: Sie werden ein Drittel schlechter sein als heutige Anlagen.

Würde man in diesem Bildchen mit einer roten Linie den Wert für die derzeit wirklich modernsten (fossilen) Kraftwerke eintragen, dann sähe die Grafik etwa so aus:

Blockheizkraftwerke (BHKW) auf Erdgasbasis nämlich, die flexibel und sauber zugleich Strom und Heizwärme erzeugen, stoßen (wenn man wie das Öko-Institut in einer Studie optimistische Annahmen wählt) pro erzeugter Kilowattstunde Elektrizität lediglich 49 Gramm Kohlendioxid aus – die Hälfte dessen, was die Kohlebranche für ihre vielleicht irgendwann einmal einsetzbaren CCS-Kraftwerke verspricht. Und raten Sie mal, wo in der Grafik man den Punkt setzen müsste für den Wirkungsgrad dieser Erdgas-BHKW? Richtig. Der wäre so weit oben (bei etwa 90 Prozent), dass er gar nicht auf das Bild passt.


US-Kohlelobby: Süßer die Lügen nie klingen

Samstag, den 17. Januar 2009

Schon mehrfach ging es auf diesem Blog um die PR-Kampagnen der deutschen Kohlebranche – aber beim Blick in die USA wirken RWE, Vattenfall und ihre Lobby-Verbände fast wie einfallslose Stümper. Mit gigantischem Werbeaufwand wird dort versucht, unter dem Siegel „Clean Coal“ Akzeptanz zu schaffen für neue Kohlekraftwerke. Geschickt wird mit dem unklaren Begriff „Saubere Kohle“ jongliert: Mal sind damit reduzierte Emissionen an Feinstaub oder Schwefelabgasen gemeint, mal ein sinkender Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in Kohlekraftwerken. Bei ersterem gab es auch in den USA in den letzten Jahrzehnten (gesetzlich erzwungene) Fortschritte, letzteres aber ist auch jenseits des Atlantiks noch ferne Zukunftsmusik. Anfang 2008 wurde beispielsweise das großangekündigte Projekt FutureGen gestoppt.

Eine Geschmacklosigkeit sondergleichen hatten sich die PR-Profis von der American Coalition for Clean Coal Energy (ACCCE) für das vergangene Weihnachtsfest ausgedacht: Trickfilme, in denen niedliche Kohlestückchen umgedichtete Weihnachtslieder sangen. Aus „Oh Tannenbaum“ wurde „Oh Technology“, aus „Stille Nacht“ machte man „Clean Coal Night“. Der populäre englische Song „Frosty, der Schneemann“ wurde zu „Frosty, the Coal Man“.

Umweltschützer protestierten, in vielen Blogs wurde Empörung laut. Und anscheinend bekam die Kohlelobby kalte Füße, jedenfalls nahm ACCCE die Clips nach wenigen Tagen (mit einer lauen Ausrede) vom Netz. Auf YouTube aber sind sie für die Nachwelt erhalten. Wir möchten die Filmchen gar nicht weiter kommentieren, sondern dokumentieren sie als ein ganz besonderes Stück Grünfärberei.

„Oh Tannenbaum“:

„Stille Nacht“:

„Frosty, the Snowman“:


Steinkohleverband: Manipulative Energie

Donnerstag, den 18. Dezember 2008

Der Gesamtverband Steinkohle (GVSt), in dem die deutschen Grubenunternehmen zusammengeschlossen sind, gibt jedes Jahr eine dicke Hochglanzbroschüre heraus. „Kompetenz in Sachen Kohle“ steht in großen Lettern auf dem Titelblatt des Jahresberichtes 2008. Ein paar Zeilen des 88-seitigen Papiers widmen sich der Klimawissenschaft, und hier zeigt der GVSt vor allem Kompetenz im Tricksen.

Schon der erste Satz, dass „wieder Ruhe eingekehrt“ sei „in der klimawissenschaftlichen Diskussion“, ist eine schräge Behauptung – nach wie vor werden in Nature, Science und anderen Fachzeitschriften praktisch ununterbrochen neue Forschungsergebnisse präsentiert und diskutiert. Erst vor ein paar Tagen veröffentlichten Wissenschaftler wieder neue, alarmierende Befunde über den Rückgang des Eises in der Arktis. Von Beruhigung kann da keine Rede sein. Die globale Mitteltemperatur von „Mitte 2008″ habe sich gegenüber „Anfang 2007 … sogar um 0,5 Grad abgekühlt“, schreibt der GVSt – und suggeriert, das sei etwas Ungewöhnliches. Doch aus solchen Schwankungen „zeichnet sich“ überhaupt nichts „ab“, schon gar nicht „immer deutlicher“. In Wahrheit ist der langfristige Erwärmungstrend ungebrochen.

Im folgenden Satz kommt es dann ganz dicke. Die Behauptung, dass „treibhausbedingte Klimaänderungen … eher am unteren Ende“ der vom Weltklimarat IPCC genannten Prognosen „stattgefunden“ hätten „bzw. stattfinden werden“, versucht die Steinkohlelobby mit einer Tabelle zu belegen.

Damit alles überzeugender wirkt, gibt es auch noch eine Grafik dazu.

Was denn davon zu halten sei, haben wir Stefan Rahmstorf gefragt, Professor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und einer der deutschen IPCC-Mitautoren. Die Szenarien der Wissenschaftler, sagt Rahmstorf, seien von der Kohlelobby „völlig falsch dargestellt“ worden, außerdem vergleiche man „Äpfel mit Birnen“. In der Tat: Ein Vergleich zurückliegender Messdaten mit Prognosen, die für die Zukunft abgegeben wurden, sagt herzlich wenig aus. Denn die IPCC-Prognosen beziehen sich ja gerade auf künftige Jahrzehnte, die anders sein werden als die zurückliegenden. In denen nämlich der erwartete (bzw. befürchtete) steigende Konzentration von Treibhausgasen zu einem weiteren Ansteigen der Temperaturen führen wird. Dass in der Vergangenheit (bei logischerweise weniger Treibhausgasen in der Atmosphäre) auch der Temperaturanstieg so niedrig war, dass er sich eher am unteren Ende der künftigen Prognosen bewegt, das ist so banal, dass wir uns schon fragen, wie die Steinkohlefritzenexperten überhaupt glauben konnten, daraus einen überzeugenden Beweis für die falsche Arbeit von Klimaforschern stricken zu können.

Stefan Rahmstorf weist auf seinem eigenen Klimablog noch auf weitere Fehler hin: Die Vorhersage aus dem 2001er IPCC-Bericht habe der GVSt schlicht falsch widergegeben (0,58 Grad pro Dekade statt der korrekten 0,53) – die Differenz klingt klein, macht aber über die Jahrzehnte das gelbe Feld in der Grafik deutlich größer. Zudem seien bei den Messwerten für die Vergangenheit Daten aus der Troposphäre gezeigt worden, die aber lägen stets niedriger als an der Erdoberfläche – durch diesen Trick liegen die blaue und die rote Linie besonders weit unten. „Der Steinkohleverband hatte zwei Möglichkeiten“ für seine Tricksereien, resümiert Rahmstorf, „die IPCC-Szenarien nach oben ‚pushen‘ oder die Messdaten nach unten. Beide hat er genutzt.“

Danke an Gerd R. aus Berlin für den Hinweis

P.S.: Wenn wir aus den vergangenen zwölf Monaten und den fast hundert bisher beleuchteten Fällen einen auswählen müssten als „Klima-Lügner 2008″ – dieser wäre unter den Favoriten. Denn die Grafik des Steinkohleverbandes ist keine der üblichen, der kleinen oder großen Politiker-, Lobbyisten- oder Werbe-Flunkereien. Für die oben beschriebene Grafik muss man sich nicht nur intensiv mit Klimatologie beschäftigen bzw. selbst Wissenschaftler sein, sondern auch eine ganze Menge manipulativen Ehrgeiz aufbringen.


Steinkohleverband: Etwas vergesslich?

Dienstag, den 19. Februar 2008

Wenn jemand am Boden liegt, sollte man nicht noch nach ihm treten. Deshalb wollen wir uns gar nicht im Detail mit der Pressemitteilung auseinandersetzen, die der Gesamtverband Steinkohle (GVSt) aus Essen gestern verbreitete. Bund und Länder haben sich ja im vergangenen Jahr geeinigt, die mit vielen, vielen Milliarden subventionierte Steinkohleförderung in Deutschland zum Jahresende 2018 auslaufen zu lassen. Stellungnahmen des GVSt klingen deshalb fast immer nostalgisch.

Fast eine Woche lang brauchte nun der Verband, um auf eine Pressekonferenz der Deutschen Umwelthilfe vom vergangenen Dienstag zu reagieren, bei der ein gesetzliches Verbot von Kohlekraftwerken (wegen ihres konkurrenzlos hohen Ausstoßes an Kohlendioxid pro erzeugter Kilowattstunde Strom) gefordert worden war. Die Steinkohlelobby versucht in ihrer Replik, alle möglichen Argumente für Kohlekraftwerke in Stellung zu bringen: Arbeitsplätze, die drohende Stromlücke, Schutz vor Enteignung, die Exportförderung. Und so weiter. Und so fort.

Ein Punkt der Stellungnahme aber erregt fast schon Mitleid: Würden Kohlekraftwerke künftig verboten, schreibt der GVSt da, werde „die Energieträgerbasis der Stromerzeugung in Deutschland … langfristig … auf (importiertes) Erdgas … verengt“. Mit einer drohenden Importabhängigkeit versuchen Energiekonzerne und konservative Politiker immer wieder gern, bei der Öffentlichkeit Angst vor der Energiewende zu schüren. Doch gerade beim Steinkohleverband in Essen sollte man wirklich wissen, dass schon heute etwa zwei Drittel der hierzulande verfeuerten Steinkohle importiert wird – und es ab dem Jahr 2018 sicherlich hundert Prozent sein werden.


Sigmar Gabriel: Lückenhafte Regierungserklärung

Donnerstag, den 17. Januar 2008

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel hat heute vor dem Bundestag eine Regierungserklärung abgegeben. Darin lobte er die Ergebnisse des Klimagipfels von Bali und sich selbst – letzteres zurecht, denn nach Einschätzung aller Beobachter hat er dort gute Arbeit geleistet.

Im Laufe der Rede pries Gabriel dann das Klimapaket der Bundesregierung vom letzten Dezember, und verschwieg natürlich, was darin alles fehlt – bzw. welche Maßnahmen ihm seine Ministerkollegen oder die CDU/CSU-Fraktion gestrichen haben.

Aber wir wollen hier gar nicht jeden Satz zerpflücken. Sondern nur zwei Kleinigkeiten ergänzen:

„Ohne Deutschland“, so Gabriel, „stünde die Europäische Union beim Klimaschutz schlecht da. Ohne uns hätte die EU-15, die das Kyoto-Protokoll unterschrieben hatte, gegenüber dem Ausgangsjahr 1990 nicht eine Minderung von zwei Prozent ihrer Treibhausgase erreicht, sondern sogar fast vier Prozent mehr in die Atmosphäre geblasen. Deutschland schafft allein 75 Prozent der insgesamt in der Europäischen Union für die Erfüllung der Verpflichtungen nach dem Kyoto-Protokoll notwendigen Minderung der Treibhausgase.“ Ja, klar, stimmt. Aber die deutsche Minderung geht weniger auf erfolgreiche Politik der Bundesregierung zurück, sondern zu mehr als der Hälfte auf den Zusammenbruch der DDR-Industrie nach der Wiedervereinigung. Oder, in Gabriels Stil: „Ostdeutschland schaffte allein fast 40 Prozent der EU-Verpflichtungen.“

Zweitens vermeldete Gabriel stolz, wieviel Geld der Bund in diesem Jahr für den Klimaschutz ausgebe: gut 2,6 Milliarden Euro. 2009 sollen es dann fast 2,8 Milliarden werden. Das ist schön, aber für die GESAMTE Klimapolitik alles andere als viel. Nur eine Vergleichszahl: ALLEIN für die Absatzförderung der deutschen Steinkohle wird der Bund im Jahr 2009 1,7 Milliarden Euro Subventionen zahlen. (Laut Steinkohlefinanzierungsgesetz summieren sich die – langsam zurückgehenden – Zahlungen bis 2018 noch auf fast 20 Milliarden Euro.)