Archiv des Schlagwortes ‘RWE’

RWE: Ohne jeden Respekt

Freitag, den 30. August 2013

Der Braunkohletagebau Hambach ist das tiefste Loch Europas: 370 Meter haben sich die 1.500 Tagebauer in die Erde gewühlt, um hier jährlich 40 Millionen Tonnen Braunkohle an die Luft zu holen – die dann zur Stromproduktion verfeuert wird. Damit das so bleibt, soll der Tagebau erweitert werden. Der Hambacher Forst, der vom heiligen Arnold von Arnoldsweiler im 8. Jahrhundert umritten wurde, muss dafür weichen.

Es gibt Menschen, die das nicht gut finden: Im Forst gab es wunderschöne Hainbuchen und Stieleichen. Tagebaubetreiber RWE lässt außerdem die Ortschaften Morschenich und Manheim umsiedeln, was auch nicht alle Bewohner gut finden. Und dann gibt es noch die Klimaschützer: Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger, pro Kilowattstunde Strom entstehen bis zu 1,23 Kilogramm Kohlendioxid. Zum Vergleich: Moderne Gaskraftwerke sorgen für “nur“ 430 Gramm.

Genug Gründe also, um gegen RWE zu protestieren. Dieser Tage gibt es neben dem Tagebau ein Klimacamp, das allerdings mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat: Zelte dürfen nicht aufgebaut werden, Essen darf nicht gekocht werden – Campen ohne Essen und Unterkunft also. Außerdem hat RWE tief in die Psycho-Kiste gegriffen. Mit einer Extra-Ausgabe seines Nachbarschaftsmagazins „hier“:

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Zu Wort kommt Karl Heinz-Wieland (Name geändert), der beim Werkschutz von RWE arbeitet. Der sagt: „Die Zerstörungswut dieser Täter ist unglaublich. Der bösartige Erfindungsreichtum, die kriminelle Energie, das habe ich in so einem Ausmaß noch nicht erlebt.“

Zu Wort kommt Werner Stump, der hier früher einmal Landrat für die CDU war. Der erklärt: „Die Polizei hat hervorragende Arbeit geleistet. Sie ist mit allen helfenden Einsatzkräften bis an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen. Keiner der Protestler hat einen persönlichen Schaden erlitten.“

Interviewt wird Professor Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim. Der Professor: „Es sind ganz kleine Gruppen, oft von auswärtigen Aktivisten, die die Dinge nur schwarz-weiß sehen, die keinen Respekt vor der Meinung Andersdenkender haben und die sich auf extreme Weise Gehör verschaffen. Und in unserer von Medien geprägten Welt, die auf schnelle Wahrheiten und spektakuläre Bilder setzt, bekommen sie diese Beachtung auch.“

Und dann bringt die Sonderausgabe des Nachbarschaftsmagazins folgende Darstellung:

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Das versteht RWE unter nachbarschaftlichem Respekt?

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit Gerangel um den Hambacher Forst. Tatsächlich hatte RWE einen Umweltaktivisten, der im vergangenen Jahr einen Gleisabschnitt der Hambacher Kohlebahn besetzt hatte, verklagt – und Recht bekommen. Bei den Ermittlungen zur Räumung des Hambacher Forsts im November des vergangenen Jahres hat die Staatsanwaltschaft aber keinerlei strafrechtlich relevante Sachverhalte ausmachen können. Alle 27 Verfahren gegen Waldbesetzer wurden eingestellt, keiner hatte gegen geltendes Recht verstoßen.

„Diffamare“ kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie „Gerüchte verbreiten“ oder „anschwärzen“. Das Camp läuft nun schon eine Woche. „Aktuell liegen keine rechtlichen Vorwürfe gegen Mitglieder des Camps vor“, erklärte Thomas Krämer, Sprecher des zuständigen Verwaltungsgerichts Köln gegenüber unserem Schwesterportal klimaretter.info. Tatsächlich betreibt RWE mit seinem „Nachbarschaftsmagazin“ also nichts anderes als die gezielte Verleumdung Dritter. So was ist übrigens strafbar.

 Danke an Timo S. für den Hinweis


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RWE: Hinterherhinken statt vorweggehen

Freitag, den 5. Juli 2013

Jetzt im Sommer kommen wir endlich dazu, mal den Schreibtisch aufzuräumen. Und da fällt uns doch diese hübsche RWE-Annonce in die Hand:

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Erschienen ist sie bereits im März in der ZEIT. Ein smarter Anzugträger steht da auf einer Windkraftanlage – so weit, so klar die beabsichtigte Botschaft: RWE = Windkraft. Der Mann hält ein Schild mit der Aufschrift: „Auf Augenhöhe statt von oben herab!“ Dessen Sinn ist schon weniger klar: Soll das ein Versprechen an die Stromkunden sein, wie RWE sie künftig behandeln will? Würde „auf Augenhöhe“ bedeuten, dass der stetig sinkende Börsenstrompreis irgendwann auch mal beim Kleinverbraucher ankommt?

Nee, nee, wär‘ ja auch zu schön gewesen. Das Motiv erschien im ZEIT-Ressort Chancen, wo es um Beruf und Karriere und so geht. Statt an RWE-Kunden richtete sich die Anzeige an Jobsuchende. Aber nicht nur der Augenhöhe-Spruch, auch das Kleingedruckte klingt rätselhaft:

Werden Sie Top-Consultant im Zukunftsmarkt Energie. Sie sind ein schlauer Kopf und möchten Ihre internationale Erfahrung in spannenden Projekten einsetzen? Werden Sie Inhouse-Consultant bei RWE und schauen Sie hinter die Kulissen eines Großkonzerns. Wir suchen motivierte Mitarbeiter, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen und den Dingen auf den Grund gehen. Die Energieversorgung von morgen beginnt schon heute!

Irgendwie sollen da „schlaue Köpfe“ zu „Top-Consultants“ werden, die dann irgendwas an der „Energieversorgung von morgen“ mitgestalten. Und irgendwer bei RWE meinte wohl, dass man solche Leute am besten mit dem Bild eines Windrads anlockt. Hm.

Tatsächlich kann der Konzern mit der Windkraftanlage nur seine Zukunft meinen. Würde RWE seinen Kraftwerkspark von heute wahrheitsgemäß abbilden, müsste der Mann in der Annonce auf einem rauchenden Braunkohleblock stehen – statt aus klimaschonender Windkraft gewinnt nämlich RWE nach wie vor den Löwenanteil seines Stroms aus dreckiger Kohle. Den ganzen Jammer der Energieversorgung von heute zeigt ein Blick auf die Firmenwebsite:

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Die Angaben beziehen sich auf die Jahre 2012, 2011, 2010, 2009 und 2008 – zwar steigen die Zahlen, aber auch fünfeinhalb Jahre nach vollmundigem Start einer „Öko-Offensive“ kommen bei RWE gerade einmal fünfeinhalb Prozent des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien! Hierzulande ist die Lage noch lausiger, denn die Firmenangaben beziehen sich auf das Gesamtunternehmen. Bei den 5,5 Prozent für 2012 sind also auch die Offshore-Windparks mitgezählt, die RWE seit langem vorzugsweise im Ausland errichtet hat, oder die Erneuerbaren-Kapazitäten der 2009 übernommenen niederländischen Essent. Aktuelle Detailzahlen für den deutschen Kraftwerkspark liegen uns nicht vor, aber hier dürfte der Anteil noch deutlich unter 5,5 Prozent liegen. (Für 2009 hatte eine Studie im Auftrag von Greenpeace (siehe S. 45f.) bei konzernweit 3,5 Prozent Ökostromanteil im Inland bloße 2,6 Prozent ermittelt.) Zur Erinnerung: Im deutschen Durchschnitt lag der Öko-Anteil beim Strommix 2012 bereits bei 22 Prozent, also bereits viermal so hoch wie bei RWE.

Aus Mitleid (und weil das Wetter grad so schön ist) schauen wir diesmal gnädig drüber hinweg, dass der Kohlekoloss RWE sich in der Annonce (nicht zum ersten Male) als Windkraftriese geriert. Und wünschen stattdessen dem vorweggehenden hinterherhinkenden Unternehmen, dass die Anzeige erfolgreich ist und RWE ganz viele schlaue Köpfe für eine wirklich saubere Energiezukunft findet!


Die grüne BahnCard: Millimeterstein fürs Klima

Freitag, den 5. April 2013

Auf unserem Schwesterportal klimaretter.info läuft gerade eine kleine Leserdebatte: Wie ist die Berichterstattung zur „grünen BahnCard“ zu bewerten? War die Redaktion unkritisch? Vielleicht gar, weil die Bahn – im Rahmen einer riesigen Werbekampagne – auch auf klimaretter.info für das neue Angebot wirbt?

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Es geht um den Knirps am rechten Bildrand, der – in einem lieblichen Fernsehspot – ganz begeistert ist, weil sein Papa jetzt echt was für die Umwelt tut.

Hilft er den Bäumen?

Rettet er Eisbären?

Macht er die Luft sauber?

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Nein, vieeel einfacher: Papa fährt mit der neuen BahnCard. Die Botschaft dahinter: Weil die Bahn jetzt so viel Ökostrom einkaufe, wie BahnCard-Kunden im Fernverkehr rechnerisch verfahren, werde ab 1. April die BahnCard grün. „Jetzt kann jeder etwas für die nächste Generation tun“, lautet das Motto der von der Edel-Agentur Ogilvy verantworteten Kampagne.

Natürlich hat die Sache ein paar Haken. Die ganze Aktion gilt sowieso nur für den Personenfernverkehr – Regional- und S-Bahnen fahren weiterhin vor allem mit Kohle- und Atomstrom (Güterzüge sowieso). Ein kleiner Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2011 in Deutschland insgesamt 2,4 Milliarden Fahrgäste den Schienen-Nahverkehr, im Fernverkehr gab es lediglich 120 Millionen Bahnkunden – also ein Zwanzigstel. Die fahren in den ICE-, IC und EC-Zügen zwar längere Strecken, und die Deutsche Bahn ist auch längst nicht mehr der einzige Nahverkehrsanbieter – andererseits fährt nur ein Teil der Fernverkehrskunden mit BahnCard und damit künftig „grün“. Unterm Strich ist die Reichweite der Stromrevolution bei der Bahn also ziemlich begrenzt. Das Unternehmen jedoch klotzt mit großen Worten, nach eigenen Angaben hat sie mit der Aktionbahn_oekobahncard3Keine Frage, Bahnfahren mit Ökostrom ist was Feines. Und dass die Deutsche Bahn stärker auf erneuerbare Energien setzt, finden wir selbstverständlich prima. Doch der konkrete Nutzen fürs Klima und die Energiewende hängt bekanntlich davon ab, woher genau der Ökostrom kommt. Die unschöne Anwort: Zum großen Teil von Eon und RWE – beziehungsweise aus deren Wasserkraftwerken, zum Beispiel an Rhein, Mosel und Ruhr, die teilweise seit vielen Jahrzehnten Elektrizität erzeugen. Durch den Schritt wird nun zwar der Fahrstrom der Bahn etwas grüner – der Strommix im allgemeinen Netz aber, das alle anderen Kunden versorgt, wird im selben Maße schlechter. Klimaeffekt: Null. Zudem stecken die Kohle- und Atomkonzerne RWE und Eon noch immer ein Gutteil ihrer Investitionen in klima- und umweltschädliche Anlagen, RWE beispielsweise plant weitere Braunkohle-Blöcke, und im Bunde mit Eon kämpft die Bahn mit harten Bandagen für das hoch umstrittene Steinkohle-Kraftwerk im nordrhein-westfälischen Datteln.

Ein kleiner Teil des grünen BahnCard-Stroms kommt immerhin von 48 Windrädern in Brandenburg und Niedersachsen, die die Bahn unter Vertrag genommen hat. Deren Strom wird nun nicht mehr über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet, sondern direkt von der Bahn. Für diese Windräder fällt also künftig keine EEG-Umlage mehr an. Würde die Bahn dies in größerem Maßstab machen, könnte der Strompreis sinken – denn würde die Bahn 480 oder gar 4.800 Windräder buchen, müssten die einfachen Stromkunden deren Betrieb nicht mehr über die Umlage finanzieren. So käme die Energiewende auch ohne jene „Strompreisbremse“ in Gang, mit der Schwarz-Gelb angeblich die Umlage für den Ökostrom stabil halten will. Die Bahn hätte irgendwann genügend Strom, um auch noch den Nahverkehr und den Güterverkehr grün zu machen. Das wäre dann wahrhaftig ein „Meilenstein“ und eine große Tat für die nächste Generation. Bei einem Jahresgewinn von aktuell 2,7 Milliarden Euro könnte das Unternehmen schon eine Menge bewegen … – Okay, okay, wir hören auf zu träumen.

Zurück zum konkreten Nutzen der „grünen BahnCard“ fürs Klima. Also zu dem, was der Papa aus dem Werbespot und die anderen rund fünf Millionen BahnCard-Kunden wirklich bewirken: der Effekt geht erstmal gegen Null. Denn sowohl die Wasserkraftwerke als auch die Windräder liefen ja schon, bevor die Bahn den Strom abnahm. Am Gesamtstrommix (siehe oben) und damit an den gesamten Treibhausgas-Emissionen ändert die „grüne BahnCard“ deshalb erstmal nichts. Der – wie es in der Fachsprache heißt – „zusätzliche Umweltnutzen“ von Ökostromangeboten hängt daran, ob durch ein Produkt wirklich neue Erzeugungsanlagen entstehen. Das wissen natürlich auch die Ökostrom-Experten bei der Bahn, weshalb sie in das werbewirksame Projekt – damit es kein Schmu ist – noch einen „Neuanlagenbonus“ eingebaut haben:

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Ein paar Cent pro Fahrkarte fließen in einen Fonds, aus dem „innovative Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland“ unterstützt werden sollen. Sonderlich viel hat der anscheinend noch nicht bewirkt, denn die Bahn nennt auf ihrer Website ein einziges gefördertes Projekt: 500.000 Euro flossen demnach in das Enertrag-Hybridkraftwerk im uckermärkischen Prenzlau, das Windkraftspitzen puffern und so das Stromnetz stabilisieren kann. Das Werbebudget zur „grünen BahnCard“ beträgt ein Vielfaches.

Also, liebe Bahn, ein „Meilenstein“ sieht anders aus – das Ganze wirkt eher wie millimeterhafter Fortschritt.


RWE / enviaM: Wässrige Werbung

Donnerstag, den 14. März 2013

RWE ist ja für besonders originelle Werbung bekannt. Unvergessen ist zum Beispiel das niedliche Kalb Vroni, das ein viel größerer Klimakiller sein sollte als der Kohlekonzern. Der tapsige Trickfilmriese und die barbusige Meerjungfrau. Oder der Versuch, sich ein bisschen in Helmut Schmidts Aura zu sonnen. Bei solchen Vorlagen will sich wohl auch die ostdeutsche RWE-Tochter enviaM nicht lumpen lassen, sie wirbt unter anderem mit diesem Motiv:

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Wenn das nicht vollmundig ist!? Auf der Firmenwebsite heißt es im Kleingedruckten darunter:

Die Energiewende in Deutschland sieht vor allem einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien vor. Bereits in den vergangenen Jahren hat die enviaM-Gruppe den Umbau der Energieversorgung im eigenen Erzeugungsbereich aktiv vorangetrieben. Seit 2000 investierte die enviaM-Gruppe rund 93 Millionen Euro in grüne Energien. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hat sich seitdem von 20 Millionen auf rund 145 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erhöht. Heute gehören 14 Wasserkraftwerke, vier Windparks, ein Biomasse-Heizkraftwerk sowie sechs Biogasanlagen zum grünen Erzeugungs-Portfolio des Unternehmensverbundes.

Voll super, die Firma, oder?

Nun ja, die envia Mitteldeutsche Energie AG (kurz: „enviaM“) beliefert in den neuen Bundesländern rund 1,5 Millionen Kunden – aber produziert selbst kaum Strom. Der Unternehmensverbund verfügt nur über eine Handvoll kleinerer Kraftwerke, wie Daten der Bundesnetzagentur zeigen. Bei kraftwerke-online.de sind lediglich sechs Anlagen mit insgesamt gerade 317 Megawatt (MW) verzeichnet. Im Wesentlichen wird von enviaM also bloß Strom vertrieben. (Vermutlich vor allem dreckiger Kohlestrom von RWE, aber das ist eine andere Geschichte …)

Wir konzentrieren uns jetzt mal auf die Aussage: „Die enviaM-Gruppe setzt auf Erneuerbare Energien“ – dem Werbefoto nach zu urteilen wohl besonders auf Wasser. Wir wollten das etwas genauer wissen und fragten die Pressestelle in Chemnitz, welche Kapazitäten denn die auf der Website gepriesenen eigenen Grünstrom-Anlagen haben. Antwort: Das Biomasse-Heizkraftwerk kommt auf 10,6 MW, die sechs Biogasanlagen kommen zusammen auf 3,8 MW, und die vier Windparks ebenso wie die 14 Wasserkraftwerke auf 10,4 MW. Im Klartext, bei allen Erneuerbaren zusammen kommt enviaM also auf gerade einmal 36 Megawatt! Zum Vergleich: Das ist nur gut ein Zehntel der fossilen Kapazitäten. Und entspricht ganzen fünf Exemplaren der neuesten Generation von Groß-Windrädern (etwa der Enercon E-126) – andere Firmen bringen locker mehr als 40 Megawatt in einem einzigen (!) Windpark unter.

Wir fragten dann weiter, wie lange die Wasserkraftwerke der Firma schon in Betrieb sind. Denn alte Anlagen sind ja schön und gut, haben aber wenig mit der notwendigen Energiewende zu tun. Die Pressestelle mailte in ihrer Antwort:

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Hoppla, in der Tat stammt beispielsweise die Anlage im sächsischen Mittweida bereits aus dem Jahr 1923. Eine weitere Nachfrage ergab dann, dass durch Investitionen von enviaM in den vergangenen Jahren die Leistung aller Wasserkraftwerke um insgesamt 450 kW gesteigert wurde – wohlgemerkt insgesamt! Von den 10,4 MW Wasserkraft, so könnte man also sagen, sind lediglich gut 0,4 MW der Firma zu verdanken, die behauptet, bei Ökostrom könne ihr „keiner das Wasser reichen“ – die anderen 10 MW existieren seit vielen Jahrzehnten.

Aber noch etwas war uns aufgefallen: Die Anlagenkapazität von 10,4 MW reicht niemals für die 215.000 Haushalte, die enviaM laut Werbung „in Ostdeutschland mit Strom aus Wasserkraft“ beliefert. Selbst wenn man nicht nur den Wasserstrom der Firma gelten ließe, sondern ihren gesamten Ökostrom (die auf der Website genannten 145 Millionen kWh), dann müsste der Durchschnittsverbrauch der ostdeutschen Ökostrom-Kunden bei sensationell niedrigen 675 kWh pro Haushalt liegen – weniger als ein Viertel des Bundesschnitts. Tatsächlich verbrauchen Ostdeutsche weniger Strom als Westler, aber nicht so deutlich; irgendwas, schwante uns, kann da nicht stimmen. Und tatsächlich, weitere Nachfragen ergaben, dass die 215.000 Haushalte gar nicht mit Strom von enviaM versorgt werden. Sondern? Hier die Antwort:

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Ui, das versteht man bei RWE also unter

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Wir bohrten noch ein bisschen weiter, fragten beispielsweise nach der exakten Anlage in Frankreich und deren Alter (andere Ökostrom-Anbieter geben darüber standardmäßig Auskunft), wir wollten die Zertifizierungsurkunde des vertriebenen Wasserstroms für 2012 oder zur Not auch nur für 2011 sehen (die Konkurrenz stellt solche Dokumente häufig zum Download auf ihre Website) und so weiter. Bedauerlicherweise endete an diesem Punkt die Auskunftsbereitschaft von enviaM, die letzte Mail der Pressestelle lautete:

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Ja, danke, liebe enviaM, das waren „alle notwendigen Angaben“ für eine Beurteilung Ihrer Werbung.

Danke an Charlotte S. aus Riesa für den Hinweis


Jürgen Großmann (RWE): Schönen Ruhestand!

Freitag, den 20. April 2012

Zugegeben, das Team vom Klima-Lügendetektor war anfangs über diesen Vorgang uneins: Ist das nun eine gute Nachricht? Oder eine schlechte?

RWE-Boss Jürgen Großmann hatte in dieser Woche seinen Abgang. Der Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Stromkonzerns hat letztmalig die Hauptversammlung seines Konzerns geleitet. Und ist von den Aktionären entlastet worden. Das war’s dann für ihn. Schluss, aus, vorbei: Ab Anfang Juli übernimmt der Niederländer Peter Terium die Geschäfte.

Für RWE-Aktionäre mag die Antwort auf die Eingangsfrage einfach ausfallen. Seit Großmann im September 2007 antrat, ist der Aktienkurs um mehr als die Hälfte gesunken. Nicht nur das: Projektverzögerungen, Gewinneinbruch, Sparprogramm – Jürgen Großmann mit seiner Fixierung auf Kohle- und Atomkraft hinterläßt einen größeren Scherbenhaufen, als er von seinem Vorgänger Harry Roels übernommen hatte.

Für den Klima-Lügendetektor ist die Sache defiziler. Kaum jemand hat uns so viel Stoff geliefert wie der PR-Rambo Großmann.

Das „Klumpenrisiko Deutschland“  müsse verringert werden, hatte er zum Beispiel vor einem Jahr der Süddeutschen Zeitung gesagt: Und damit gedroht Firmensitz und Investitionen von RWE ins Ausland zu verlagern – sollte die Regierung ernst machen mit dem Atomausstieg.

Bürgerproteste gegen den Ausbau der Stromnetze seien ein „Riesenproblem“, erläuterte Großmann im Herbst 2010 dem Stern. Und forderte, dass der Rechtstaat das Gewaltmonopol behalten müsse. „Ich würde mir jedenfalls nicht das Recht herausnehmen, eine Sprengladung an einen Hochspannungsmast zu setzen.“

Im Sommer würden wegen der Energiewende tagelange Stomausfälle drohen, warnte der RWE-Chef Anfang 2008 in der Bild. Und die bienenfleißigen Springer-Leute trugen flugs zusammen, was das bedeuten könne: Handy-Netze tot, kein Fernsehen, Verkehrschaos wegen ausgefallener Ampeln, und auch an Tankstellen gehe dann „gar nichts mehr“.

Insofern war Jürgen Großmann ein Segen für unsere Arbeit: Der Elefant polterte stets so herzhaft im Porzellanladen, dass es ein Leichtes war und großen Spaß machte, die Scherben hinterher auf dem Tablett zu präsentieren. Wo Großmann war, war immer etwas los – egal ob er nun in Berlin Elektroautos präsentierte, in Hamm mit Angela Merkel einen Grundstein legte oder zur Klimakonferenz nach Kopenhagen reiste.

Andererseits zeigte der RWE-Chef aber auch, was ein geschickter Kommunikator anrichten kann. Das Bild-Interview beispielsweise enthielt nicht eine einzige Zahl oder irgendeinen Beleg für Großmanns Stromausfall-Szenario – trotzdem verbreiteten Nachrichtenagenturen die Panikmache prompt. Sein Meisterstück aber war der „Energiepolitische Appell“ im Sommer 2010 – ohne Fukushima hätte Großmann sich durchgesetzt mit seiner Forderung nach einer jahrzehntelangen Zukunft für die Atomkraft in Deutschland.

Irgendwie ist es schade, dass wir diesen Blog künftig ohne Großmann füllen müssen. Aber es gibt ja würdige Nachfolger, etwa den ebenfalls ehemaligen RWE-Mann und Klima“skeptiker“ Fritz Vahrenholt. Insofern können wir dem Milliardär Jürgen Großmann von ganzem Herzen einen ruhigen Lebensabend in Gesundheit, Genuss und Frieden wünschen.

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Samstag, den 4. Februar 2012

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung:

Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die Menschheit aber nochmal Glück gehabt…

Was wird das wohl für ein Buch sein? Vielleicht die neueste Veröffentlichung des in Klimafragen weltweit führenden Goddard Institute for Space Studies der Nasa? Oder eine Neuerscheinung bei Cambridge University Press, Springer Wissenschaft oder einem anderen renommierten Wissenschaftsverlag? Nein, es ist die Ankündigung für ein Buch namens „Die kalte Sonne“, das diesen Montag bei Hoffmann und Campe erscheint. Ja, genau jener Verlag, der kürzlich mit unkonventionellen Werbemethoden für ein Christian-Wulff-Buch in die Schlagzeilen geriet. Aktuell finden sich im Programm von Hoffmann und Campe u.a. Bücher von Papst Benedikt und Helmut Schmidt. Diesen Montag erweitert das Haus nun seine Kompetenz hin zur hochkomplizierten Klimawissenschaft.

Mit dem Inhalt dürfen wir uns noch nicht detailliert befassen, denn der Verlag hat das Zitieren aus den vorab an Journalisten verschickten Druckfahnen untersagt. Nur soviel: Die Hauptthese ist, dass die Sonne demnächst in eine Phase extrem niedriger Aktivität eintrete, weshalb die Erderwärmung quasi von selbst gebremst werde. Diese These aber ist nicht revolutionär, wie Hoffmann und Campe glauben machen will, sondern ziemlich kalter Kaffee. Über die Effekte einer „kalten Sonne“ wird seit Jahren von sogenannten Klima“skeptikern“ wild spekuliert. Auch die Wissenschaft hat sich schon detailliert damit befasst. Ergebnis: Zwar wird die Sonne in den nächsten Jahrzehnten wohl tatsächlich weniger stark strahlen als in den letzten 50 Jahren, aber auf die menschengemachte Erderwärmung hat das einen allenfalls marginalen Einfluss. Durch eine „kalte Sonne“ würde der globale Temperaturanstieg bis 2100 wahrscheinlich um etwa 0,1 Grad Celsius gedämpft, höchstens um 0,3 Grad Celsius, so übereinstimmende Forschungsergebnisse. Die Erderwärmung aber wird bis 2100 laut IPCC zwischen 1,1 und 6,4 Grad Celsius betragen, also das Zehn- bis Fünfzigfache!

Dies sind die Fakten, wie sie die weltweite Forschergemeinde ermittelt hat. Und wer sind die Hoffmann-und-Campe-Autoren, die es besser wissen? Laut Verlagsankündigung

Sie heißen Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Ersterer ist Chemiker und Professor an der Universität Hamburg, war SPD-Umweltsenator in der Hansestadt, danach Spitzenmanager beim Ölriesen Shell, dem Windkraftpionier RePower und zuletzt dem Energiekonzern RWE. Co-Autor Lüning ist Geologe und arbeitet als Afrika-Experte für Dea, die Öl- und Gastochter von RWE.

Okay, auf der Gehaltsliste des zweitgrößten CO2-Verursachers Europas zu stehen, muss ja noch nichts heißen für die inhaltliche Güte eines Buches. Schauen wir stattdessen, was die Autoren zum Thema ihres Werkes bereits in Fachzeitschriften veröffentlicht haben. Dies ist in der Wissenschaft ein wichtiger Gradmesser für das Renommee und die Qualität von Forschungsergebnissen, denn bei Magazinen wie Nature, Science oder den Proceedings of the National Academy of Science werden Aufsätze von kompetenten Fachkollegen und mit großer Strenge begutachtet („Peer Review“). Das Ergebnis ist ernüchternd: Eine Suche bei Google Scholar fördert keine Klima-Fachaufsätze der beiden Autoren zutage. Und in der Spezialdatenbank Web of Science findet sich für Fritz Vahrenholt lediglich eine Handvoll Veröffentlichungen zu Chemie- und Umweltthemen, allerdings aus den siebziger und achtziger Jahren; Sebastian Lüning kommt auf noch weniger Publikationen, ausschließlich aus dem Bereich Geologie.

Das Buch, das den Stand der Klimaforschung komplett über den Haufen werfen will, stammt also – erstens – von Nicht-Fachleuten, die – zweitens – auch in ihren eigenen Wissenschaftsgebieten derzeit nicht zu den Top-Forschern gehören. Und auf deren Urteil soll man sich verlassen, wenn es um die Ursachen der Erderwärmung und erfolgversprechende Gegenmaßnahmen geht? Hm. Wenn bei Ihrem Kind eine Herzerkrankung diagnostiziert wurde und praktisch alle befragten Kardiologen dringend zu einer Operation raten – würden Sie da auf einen Zahnarzt hören, der von ganz anderen Ursachen der Erkrankung erzählt?

P.S.: Wir werden „Die kalte Sonne“ trotzdem aufmerksam lesen und den Inhalt hier auf dem Blog sicherlich nochmal zum Thema machen.


Wer ist Deutschlands übelster Lobbyist 2011?

Freitag, den 11. November 2011

Seit einigen Jahren gibt es auf EU-Ebene den „Worst Lobby Award“, einen Negativpreis für irreführende und manipulierende Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Nun holt eine der Trägerorganisation, der Kölner Verein Lobbycontrol, die Idee nach Deutschland: Ab  sofort kann jedermann und jedefrau an der Abstimmung über die „Lobbykratie-Me­daille“ teilnehmen.

„Wir wollen nicht hinnehmen“, schreibt die Organisation in ihrem Aufruf, „dass die Politik immer stärker durch irreführende Methoden, problematische Verflechtungen und das Übergewicht finanzstarker Lobbyis­ten verzerrt wird. Die Kandidaten stehen bei­spielhaft für verschiedene Formen undemokratischer Lobbyarbeit. Dabei geht es nicht nur um den größten Aufreger, sondern auch um Themen, die sonst nicht genügend Aufmerksamkeit erhalten.“

Fünf Kandidaten stehen zur Wahl, von Deutscher Bank über die PR-Agentur Shandwick bis zu RWE und der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR).

Eine Bundesbehörde ist gemeinsam mit einem Energiekonzern nominiert? Wie das? Die BGR, erklärt Lobbycontrol in der Begründung, „gehört zu den wichtigsten Beratungseinrichtungen der Bundesregierung, wenn es um Fragen der Nutzung natürlicher Ressourcen geht. In ihren Aufgabenbereich fällt auch die Risikobewertung der umstrittenen CCS-Technologie …  Nachdem die EU-Kommission Anfang 2008 eine Richtlinie für die Förderung von CCS-Projekten auf den Weg gebracht hatte, erteilte der Essener Konzern RWE gemeinsam mit Eon, Vattenfall und anderen einer Anwaltskanzlei den Auftrag, einen Gesetzentwurf für die Umsetzung der EU-Richtlinie auszuarbeiten. In dem Kanzleientwurf vom September 2008 wird der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe eine zentrale Rolle bei der Planung und Zulassung von Kohlendioxidspeichern zugewiesen, mit der Begründung, sie biete hierfür ‚die besten fachlichen Voraussetzungen‘. Dieselbe Funktion erhielt die Bundesanstalt in dem offiziellen Gesetzentwurf, der am 1. April 2009 vom Bundeskabinett verabschiedet wurde.“

Und jetzt kommt’s: RWE hat der BGR, der man selbst eine zentrale Rolle bei der Risikobewertung zuwies, zwei Mitarbeiter finanziert, die dann an neuen Richtlinien für die CCS-Technologie mitarbeiteten. Ist das nicht wirklich eine medaillienwürdige Idee?

Noch bis zum 1. Dezember können Sie Ihre Stimme abgeben – klicken Sie hier!


Und weiter geht’s: Bilds Ökostrom-Bashing

Samstag, den 8. Oktober 2011

So, da sind wir wieder. Der Klima-Lügendetektor macht weiter – Bild sei „Dank“. Zwar war unser Rettungsaufruf vom Sommer nicht ganz erfolgreich (obwohl, etwas hat er schon gebracht – mehr dazu nächste Woche). Doch als wir heute morgen die Schlagzeile von Springers Schlachtschiff sahen, war klar: Wir müssen weitermachen.

Denn wir bringen es einfach nicht übers Journalistenherz, diese Schlagzeile und den zugehörigen Text auf Seite 2 unwidersprochen zu lassen.

„Bild erklärt den Irrsinn“? Nein, das Blatt erklärt wenig, sondern macht vor allem Stimmung. Das fängt an bei der unterschwelligen Fremdenfeindlichkeit: Mehrfach betont das Boulevardblatt, „deutscher“ Strom werde „ins Ausland verschenkt“. Ginge es Bild nur um Aufklärung über ein (echtes oder vermeintliches) „Energie-Chaos“, wäre das keiner Erwähnung wert – denn für Netzstabilität und Versorgungssicherheit ist es reichlich irrelevant, ob überschüssiger Strom zu negativen Preisen an Abnehmer im In- oder Ausland geht.

Aber es kommt noch schöner tendenziöser in dem Text der Bild-Redakteure Stefan Ernst und Christin Martens:

Der erste Absatz ist gelinde gesagt unvollständig: An den meisten „schönen Sommertagen“ liegen „die Menschen“ nämlich nicht „am Strand oder im Schwimmbad“, sondern schwitzen in Büros. Wo dann zum Beispiel die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen. Und gerade mittags der Stromverbrauch am größten ist. Dass Solaranlagen just während dieser „Mittagsspitze“ den meisten Strom einspeisen, ist eher ein Vorteil für die Versorgungssicherheit. Die größten Diskrepanzen zwischen Ökostrom-Erzeugung und Elektrizitätsnachfrage gibt es weniger an Sommertagen, sondern eher nachts und an Wochenenden und vor allem im Herbst und Winter. Richtig hätte der Absatz etwa so lauten müssen: „In windigen Herbstnächten liegen die Leute im Bett, und viele Industrieanlagen stehen still – gleichzeitig speisen Windkraftanlagen jede Menge Energie ein.“

Regelrecht falsch ist dann der erste Satz des zweiten Absatzes: In der Klammer müsste stehen „z.B. Kohle, Atom“, nicht „Gas“. Denn Erdgaskraftwerke sind gerade nicht das Problem – sie können flexibel an- und abgeschaltet werden, um auf die fluktuierende Einspeisung der Erneuerbaren Energien zu reagieren. Die eigentliche Ursache für das „Energie-Chaos“ sind große, träge Kohle- und Kernkraftwerke, die künftig nicht mehr ins Energieversorgungssystem passen, wenn es auf sauberen, aber eben schwankenden Erneuerbaren basieren soll. Etwas verschämt wird dies im folgenden „Auch“-Satz eingeräumt: Für Eon, RWE & Co. ist es schlicht billiger, ihre Großmeiler weiterlaufen zu lassen, wenn die zur Nachfragedeckung eigentlich gar nicht gebraucht werden. Das Stromaufkommen von Wind- oder Solaranlagen macht nur deshalb Probleme, weil die Netze allzu oft mit Kohle- und Atomstrom aus unflexiblen Großkraftwerken verstopft sind. Bild müsste also nicht nur den Ökostrom, sondern auch die Kohle- und Atom-Konzerne zumindest mit-verantwortlich machen für Stromüberschüsse, Netzbelastungen und empörende Geschenke ans Ausland.

Stattdessen darf am Schluss des Textes ausgerechnet RWE-Chef Jürgen Großmann zu Wort kommen:

Genau, jener Herr, der vor zweieinhalb Jahren in Bild noch dramatisch davor warnen durfte, dass im Sommer hierzulande Strommangel drohe. Und dessen Unternehmen mit gerade 2,6 Prozent Ökostrom-Anteil den grünen Energie-Boom verpennt hat.

Bleibt die Frage, warum Bild ausgerechnet jetzt das Ganze hochzieht – wo doch das Thema Netzbelastung und negative Preise seit langem bekannt ist. Vielleicht weil am kommenden Freitag voraussichtlich der nächste Anstieg bei der Ökostrom-Umlage bekanntgegeben wird? Da kann man ja schonmal ein bisschen Stimmung machen.


RWE: Keine Antwort auf die Kernfragen

Donnerstag, den 23. Juni 2011

Der Atomkonzern RWE ist bekanntlich der, der vorweg geht. Auch rein werbetechnisch:

Insofern liegt es nahe, dass die Essener nun, nach der beschlossenen Energiewende, vorweg gehen, rein kommunikationstechnisch. In der „Freien Presse“, vor 20 Jahren noch die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung, mittlerweile leider zu einem Provinzblatt heruntergewirtschaftet, offeriert uns RWE ein verblüffendes Angebot:

Gerne, RWE! Los geht es:

Stimmt es, liebe RWE, dass Sie nicht mehr bereit sind, wie jeder vernünftige deutsche Steuerzahler seiner Steuerpflicht nachzukommen und das Gemeinwohl zu finanzieren? Spielplätze, Bibliotheken, Universitäten, Nahverkehr? Unsere erste Kernfrage: Stimmt es, dass Sie gegen die Brennelementesteuer Klage eingereicht haben?

Zweite Kernfrage, die wir an Sie haben:  Sie wollen vom Steuerzahler Geld dafür, dass Sie ihre Atomkraftwerke abschalten? Einen Ausgleich dafür, dass „Vermögenswerte“ – also Atomkraftwerke – jetzt bis Ende des Jahrzehnts schrittweise vom Netz gehen sollen?  Und das, obwohl Sie doch selbst im rot-grünen Atomkonsens dafür gestimmt hatten, dass die AKWs bis 2021 abgeschaltet werden?

Drittens: Trifft es weiterhin zu, dass RWE ein „Riesenproblem“ beim Netzausbau hat, wie Ihr Chef Jürgen Großmann dem Stern vor einem halben Jahr erklärte? Und falls ja: Steht der Verkauf des Netzes, den sie nun offenbar planen, damit in irgendeinem Zusammenhang?

Viertes: Stimmt es, dass Ihnen die Stromkunden in Deutschland schei… -egal sind, solange nur die Rendite stimmt? Das hatte doch gerade Ihr Vorstandschef der Süddeutschen Zeitung so gesagt: Das „Klumpenrisiko Deutschland“ müsse verringert werden, es zieht Sie ins Ausland?

Fünftens schließlich: Sie halten sich diesmal auch ganz ehrlich und versprochen und endgültig und jetzt wirklich an den Ausstieg aus der Atomenergie, weil die in Deutschland einfach keiner mehr haben will? Sie schießen nicht schon wieder quer, wie beim Dauerfeuer nach dem Atomkonsens des Jahres 2000?

Natürlich haben wir noch jede Menge anderer Fragen an Sie. Aber Sie wollten ja unsere „Kernfragen“.

Und hier nun die Antwort von RWE:

Danke an Ines B. für den Hinweis


Wer wird „Schlimmster Klima-Lobbyist 2010″?

Montag, den 15. November 2010

„Tausende Lobbyisten streifen durch die Gänge der Macht in Brüssel“, schreiben vier europäische Organisationen, darunter Friends of the Earth und Lobbycontrol, in einem Aufruf. „Sie arbeiten außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit, und viele zögern nicht, problematische Methoden anzuwenden. Sie täuschen vor, besorgte Umweltschützer zu sein, paralysieren die EU durch Panikmache, sichern sich privilegierte Zugänge zu Entscheidungsträgern.“

Seit 2005 loben die Organisationen regelmäßig den „Worst EU Lobbying Award“ aus. Mit diesem Preis soll auf „irreführende und manipulierende“ Werbung und Öffentlichkeitsarbeit hingewiesen werden. In diesem Jahr gibt es sogar eine eigene Kategorie „Klima“. Nominiert sind hier der Energieriese RWE, der im grünen Mäntelchen Lobbyarbeit für dreckige Kohlekraftwerke betreibe. Außerdem der Stahlkonzern ArcelorMittal, der erfolgreich und zum eigenen Vorteil den EU-Emissionshandel aufgeweicht habe. Sowie der Unternehmens-Dachverband Business Europe, der vehement gegen ambitionierte Klimaziele kämpfe.

Noch bis zum 26. November können Stimmen für „Europas schlimmsten Lobbyisten 2010″ abgegeben werdenklicken Sie hier.

Ein kleines Filmchen auf YouTube zeigt bereits Aktivisten des „Lobby Awards“, wie sie das Business-Europe-Büro besuchen – oder es zumindest versuchen …