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Porsche: Angst vor „putzigen Kleinwagen“

Freitag, den 25. Januar 2008

Auf der Hauptversammlung der Porsche AG hat sich Vorstandschef Wendelin Wiedeking – wieder einmal – über die geplanten EU-Vorschriften zum Kohlendioxid-Ausstoß von Neuwagen aufgeregt. Diese seien „ungeheuerlich“, sie bevorzugten südeuropäische Auto-Marken und ließen den deutschen Herstellern „kaum noch Luft zum Atmen“, so Wiedeking. Solche Worte kann man ja verstehen, wenn der ganze schöne Milliardenumsatz (und das eigene Jahresgehalt von 60 Millionen Euro) von der bisherigen Modellpalette abhängen.

Dann aber mokierte sich Wiedeking: „Allein das Herumzuckeln mit putzigen Kleinwagen aus Italien und Frankreich soll uns vor dem drohenden Untergang retten.“

Zweierlei fällt einem dazu ein:

Erstens scheinen gerade deutsche Männer sich besonders gern in Fahrzeugen mit der Größe und dem Gewicht eines Panzers fortzubewegen (wie ja auch ein Blick in die Geschichte zeigt).

Tesla Roadster
Der neue Porsche? Nein, leider nicht.
Dies ist der Tesla Roadster, ein Elektro-Sportwagen aus Kalifornien. Mit sauberem Strom wird er zum Öko-Renner

Zweitens fehlt es Porsche ganz offenbar an Ideen. Denn natürlich müssen Kleinwagen nicht putzig sein – was beispielsweise der Mini von Konkurrent BMW belegt. Und selbstverständlich kann man fetzige Sportwagen bauen – die trotzdem das Klima schonen. (Jedenfalls wenn Geld keine Rolle spielt, aber das tut es bei vielen Porsche-Kunden ja nichts.) Die kalifornische Firma TeslaMotors macht’s vor: Sie bietet einen Roadster mit 250 PS, Höchstgeschwindigkeit 210 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 in vier Sekunden. Angetrieben wird der Wagen von Elektromotoren, die 6.800 Lithium-Ionen-Akkus müssen erst nach 400 Kilometern wieder ans Netz. Der Preis liegt mit 100.000 Dollar am unteren Ende der Porsche-Skala. Kauft man sich dann noch ein paar Anteile an einem Windpark dazu, kommt man auf konkurrenzlos niedrige CO2-Werte pro Kilometer – und kann guten Gewissens rasen…


Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Deutschlands ungeliebte Klimaschuetzer

Ein Bündnis verschiedener Organisationen schreibt jedes Jahr einen Preis für die verlogenste Lobby-Arbeit in Europa aus, den Worst Lobby Award. 2007 wurde zusätzlich ein Preis in der Kategorie „Worst EU Greenwash“ ausgeschrieben – für Firmen, „deren Werbung, PR- und Lobbyrhetorik im Widerspruch zu den wahren Umweltauswirkungen ihres Kerngeschäfts steht“, so die Initiatoren.

Nominiert waren:

- Airbus („für eine Anzeigenserie, in denen Passagierflugzeug-Silhouetten mit schönen Landschaften ausgefüllt wurden, um Airbus-Flugzeuge grün und sauber erscheinen zu lassen“)

- der britische BAE Systems („weil sie tödliche Waffen als umweltfreundlich bewerben“)

- das Deutsche Atomforum (wegen „Missbrauch der öffentlichen Sorge um den Klimawandel zur Imagepflege für die Atomenergie“)

- der Ölkonzern ExxonMobil („nominiert für die Behauptung, das Unternehmen würde seine Treibhausgase reduzieren, während die Emissionen in Wirklichkeit anstiegen“)

- der Energieriese Royal Dutch Shell (weil er „den Eindruck erweckt, dass seine Ölraffinerien Blumen statt Rauch ausstoßen“)

Ausführliche Informationen zu allen Nominierten stehen hier.

Durchgesetzt hat sich – wie so oft auf dem Weltmarkt – deutsche Wertarbeit. Beim allgemein schlimmen Lobbying gewannen die Autokonzerne BMW, Daimler und Porsche. Und auch in der Sonder-Wertung für Grünfärberei lag die Bundesrepublik vorn: Das Deutsche Atomforum, das Akw in einer millionenschweren Werbekampagne als „Klimaschützer“ darstellte, deklassierte die gesamte Konkurrenz.

 

P.S.: Bei YouTube gibt es ein amüsantes Video – es zeigt, wie ein Vertreter des „Worst Lobby Award“ bei den Brüsseler Büros von BMW, Daimler und Porsche versucht, Blumensträuße loszuwerden…