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Terra Activ von Henkel: Putzen mit Palmen

Dienstag, den 13. April 2010

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Beim Namen seiner neuen Reiniger-Reihe haut der Chemieriese Henkel kräftig auf den Putz: „Terra Activ“, also aktive Erde. Das „e“ im Schriftzug ist ein Pflanzenblatt. Optisch dominieren das klassische Grün und die neue Öko-Trendfarbe Blau. Auf dem Etikett krabbelt ein niedlicher Marienkäfer, darüber prangt der Slogan „Bio+Kraft“. Man kann sich lebhaft ausmalen, wie Heerscharen von Werbeprofis an alldem getüftelt haben.

Auf einer eigenen Terra-Activ-Website erklärt der Konzern ausführlich, was es mit der Marke auf sich habe:

henkel_terraactiv_2„Nachwachsende Rohstoffe“, das klingt prima – jedenfalls schwingt dabei stets mit, sie seien ein Vorteil gegenüber endlichen Ressourcen wie Erdöl. Doch ob nachwachsende Rohstoffe tatsächlich etwas bringen für Umwelt und Klima, entscheidet sich bei deren Herstellung und Verarbeitung. Bei „Terra Activ“ werden die Tenside u.a. aus Palmkernöl produziert. Doch weltweit ist der Boom des Ölpalmenanbaus längst ein Umweltproblem: Zugunsten von Plantagen wurden und werden Tropenwälder abgeholzt – das heizt das Klima auf, und die letzten Orang-Utans verlieren ihre Lebensräume. Organisationen wie Rettet den Regenwald protestieren deshalb seit Jahren gegen Ölpalmen, Greenpeace hat kürzlich mit einer großen Kampagne gegen die Nestlé-Schokoriegel KitKat auf die Problematik hingewiesen.

henkel_terraactiv_4Gegen solche Kritik gat Henkel sich zu wappnen versucht, auf den Packungen findet sich ein Siegel namens „Greenpalm“. Und per Imagefilm im Internet wird eine indonesische Partnerfirma, United Plantation, präsentiert. Doch liest man auf Henkels Website die Erklärungen dazu aufmerksam, dann fällt auf, dass Henkel für seine Terra-Activ-Produkte direkt gar kein „nachhaltiges “ Öl bezieht. Man kaufe lediglich „Zertifikate“, über die „sichergestellt“ sei, dass „für die in jedem Terra Activ Produkt eingesetzte Menge an Palmkernöl eine entsprechende Menge an nachhaltigem Palmkernöl produziert und auf den Markt gebracht wurde“. Das sei ziemlich kompliziert, räumt eine Henkel-Sprecherin auf Nachfrage ein. Das Problem sei halt, dass man bei Lieferanten die Tenside als chemisches Zwischenprodukt einkaufe, aber eben nicht direkt den Rohstoff Palmkernöl. Dieser Zertifikatekauf sei im Moment die beste Möglichkeit, überhaupt etwas zu tun.

Henkel verweist außerdem auf den RSPO – hinter diesem Kürzel verbirgt sich der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“, der unter anderem vom WWF initiiert wurde. United Plantation ist dort Mitglied. Doch viele Umweltschützer kritisieren den Runden Tisch als Greenwashing-Instrument der Palmöl-Industrie, rund 250 Organisationen haben eine Protestdeklaration unterzeichnet. Die RSPO-Kriterien für „nachhaltiges“ Öl seien zu schwach, sagt Corinna Hölzel, Urwald-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland, beispielsweise werde nichts zum Schutz von klimarelevanten Torfböden gesagt oder zur Einsparung von Treibhausgasen. „Und nicht einmal diese schwachen Kriterien werden in der Praxis eingehalten“, so Hölzel. „Der RSPO existiert seit 2005, dennoch konnte die rasante Abholzung der wertvollen indonesischen Wälder nicht gestoppt werden. Es ist unverantwortlich, sich bei dem Thema Urwaldzerstörung auf den RSPO als Lösung zu verlassen.“ Laut Greenpeace-Recherchen habe der Henkel-Partner United Plantations seine Plantagen auch in Lebensräumen der Orang-Utans sowie in geschützten Seengebieten angelegt. Interessanterweise heißt es in dem (englischsprachigen) United-Plantations-Imagefilm auf der Henkel-Website (bei Minute 2:10) denn auch nur, die Firma produziere „einen Teil ihres Öls“ auf „nachhaltige“ Weise.

Als Sympathieträger für seine grüne Marke hat Henkel übrigens Esther Schweins eingekauft. Die Schauspielerin posiert in TV-Spots und auf der Website mit flotten Sprüchen für Terra Activ.

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Na, hoffentlich nicht den Regenwald.


Klein, aber oho (1): Stadtwerke Uelzen

Montag, den 18. Februar 2008

Vor ein paar Wochen hing im niedersächsischen Uelzen diese Werbung an den Haustüren.

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Zum 1. Februar, versprechen die örtlichen Stadtwerke, würden alle Haushalte der 35.000-Einwohner-Stadt mit hundertprozentigem Naturstrom aus Österreich versorgt. Zudem haben die Stadtwerke schon vor Jahren in Solar- und Wasserkraft-Anlagen investiert. So weit so gut.

Zuvor war das Unternehmen über Monate mit weniger schönen Dingen Stadtgespräch: Ein neues Block-Heizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung für Uelzen wird mit Palmöl aus Malaysia betrieben – einem höchst umstrittenen Brennstoff. Für die Stadtwerke ist er zwar billiger als heimisches Rapsöl, für das Klima aber kann Palmöl sehr teuer werden. Denn zur Anlage entsprechender Plantagen wird vielerorts Regenwald gerodet. Nach neuen Studien müsste auf den Flächen 423 Jahre lang Palmöl angebaut werden, ehe damit gegenüber dem Einsatz von Erdöl Kohlendioxid eingespart werden kann. Im übrigen dürften sich die Arbeitsbedingungen malaysischer oder kolumbianischer Plantagenarbeiter deutlich von denen niedersächsischer Bauern unterscheiden. Die Uelzener Stadtwerke versicherten zwar, dass ihre Lieferanten nachhaltig wirtschaften – haben sich vorsichtshalber aber doch nach neuen Partnern in Afrika und der Ukraine umgesehen. So weit, so umstritten.

Die spannende Frage ist nun: Was passiert eigentlich mit dem Palmöl-Strom, wenn künftig alle Uelzener Haushalte Wasser-Strom bekommen? Der Strom aus dem Block-Heizkraftwerk diene künftig „der Versorgung von Industriekunden“, erklärt der Pressesprecher der Stadtwerke. Zudem werde er „ins allgemeine Netz eingespeist“.

Im Klartext: Der vor Ort umstrittene Strom wird weiterverkauft und verschwindet im bundesweiten Energiemix. Und anders als in Uelzen werden anonyme Käufer oder Industriekunden kaum gegen unsaubere Anbaupraktiken auf Palmöl-Plantagen protestieren.

(Danke an Ulrich S. aus Uelzen für den Hinweis.)