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Vattenfall: Makabres Spielchen in Kopenhagen

Montag, den 14. Dezember 2009

Seit einer Woche tagt in Kopenhagen der UN-Klimagipfel; parallel dazu findet auf dem Rathausplatz der dänischen Hauptstadt „Hopenhagen LIVE“ statt, eine Art Weihnachtskirmes von Umweltfirmen – oder solchen, die dafür gehalten werden wollen. vattenfall_hopenhagenBesonders imposant ist der Auftritt am frühen Abend, wenn eine riesige, erleuchtete Erdkugel über dem Markt schwebt – darauf die Logos von Sponsoren wie Siemens oder auch Vattenfall.

„Ich weiß schon, dass Vattenfalls Ruf in Deutschland nicht unbedingt der beste ist“, sagt Andrine Nordby, die das schwedische Staatsunternehmen dort vertritt. „In Skandinavien ist der Ruf viel besser.“ Wie das kommt, lässt sich in „Hopenhagen“ besichtigen. Vattenfall schmückt sich dort mit Designprojekten – und natürlich nicht damit, dass das Unternehmen in Brandenburg ganze Dörfer umsiedeln lässt, um Klimakiller wie das Kraftwerk Jänschwalde mit Kohle zu versorgen, und auch nicht mit dem umstrittenen Neubauprojekt in Hamburg-Moorburg.

„Vattenfall hat mir die künstlerische Freiheit gegeben, die ich für mein Projekt benötigte“, sagt Ejvind Chang. Dass der Energiekonzern nach Greenpeace-Berechnungen mit einem CO2-Ausstoß von knapp 900 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist, davon hat der junge Designer noch nie gehört. Seine und die Arbeit vier anderer Studenten der dänischen Designschule werden hier ausgestellt. In spielerischen Filmen werden Begriffe aus dem Bereich Klimaschutz „kreativ“ verarbeitet – so greift in einem Film ein „Klimasuperheld“ immer dann ein, wenn etwa Glühbirnen zu lange brennen.

„Unser Konzern möchte Leute auf eine spaßorientierte und kreative Weise zum Klimaschutz bewegen“, erklärt Andrine Nordby. Und einen ganz besonderen „Spaß“ bietet Vattenfall in seinem Ausstellungswagen auf dem Weihnachtsmarkt tatsächlich: Per Knopfdruck können Besucher auf einem großen Bildschirm den Wasserstand in verschiedenen Küstenstädten um eine beliebige Anzahl von Metern steigen lassen. Die Simulation zeigt exakt, welche Straßen überschwemmt werden. „Man kann gucken, ob man überlebt“, frohlockt Andrine Nordby.

Echt lustig.

Wieviele Menschen den Klimawandel der nächsten Jahrzehnte überleben, wird nämlich auch davon abhängen, wann Vattenfall endlich seine dreckigen Kohlekraftwerke abschaltet.