Archiv des Schlagwortes ‘Greenpeace’

RWE: Jobs für die Energie von gestern

Donnerstag, den 20. Mai 2010

Sechsmal im Jahr veröffentlicht der SPIEGEL ein Sonderheft für Studierende, den UniSPIEGEL. rwe_jobs1Jeweils 220.000 Exemplare werden kostenlos an Hochschulen verteilt oder einem Teil der Abo-Exemplare des Mutterblattes beigelegt. Um „Karrieremöglichkeiten“ gehe es in der Zeitschrift, heißt es in einer Selbstdarstellung, und um die Frage, in welchen Branchen „die Zukunft“ liege. Der Energieriese RWE versucht in der aktuellen Ausgabe, mit einer ganzseitigen Anzeige die Frage selbst zu beantworten.

In der Annonce hält ein junger Mann ein Schild mit der Aufschrift: „Ich will, dass auch die Umwelt Karriere macht!“ Die Tafel verdeckt sein halbes Gesicht – als wolle er nicht erkannt werden. Was man ja durchaus verstehen könnte, wo er doch hier zweifelhafte Werbung macht für Europas größten Verursacher von Kohlendioxid.

Im Kleingedruckten heißt es dann:

rwe_jobs2

Naja, dass ein „Energieversorger erneuerbar sein sollte“, glauben auch wir. Doch bei dem Essener Konzern klafft eine große Lücke zwischen solch flotten Worten und der Realität: Gerade einmal 15 Prozent seiner insgesamt geplanten Investitionen will RWE in den Bereich Erneuerbare Energien stecken, ergab im vergangenen Jahr eine Analyse des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace. In Kohle- und Atomkraftwerke, so die Studie, wolle der Energieriese in den kommenden Jahren rund 16 Milliarden Euro investieren – hingegen stünden für Erneuerbare Energien nur rund 5 Milliarden bereit.

Dieses Bild bestätigt sich, wenn man sich auf der Website zur Annonce die Jobangebote des Konzerns genauer anschaut. Klar, da gibt es auch einige Ausschreibungen der Konzerntochter RWE Innogy, in der die Öko-Aktivitäten des Unternehmens gebündelt sind, etwa für „Projektentwickler Windenergie“ oder einen „Referenten Wasserkraft“. Doch daneben sucht der Konzern Leute, die

rwe_jobs3

arbeiten sollen – also dort, wo pro Kilowattstunde erzeugtem Strom mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird als bei jeder anderen Art von Kraftwerk. Gleich zehn Stellen werden im hessischen Biblis angeboten – dort betreibt RWE bekanntlich eines der störanfälligsten Atomkraftwerke Deutschlands, gegen dessen veraltete Sicherheitstechnik die Ärzteorganisation IPPNW seit Jahren prozessiert. Und reihenweise finden sich Jobs wie diese:

rwe_jobs4

rwe_jobs5

rwe_jobs6

Wirklich interessant, was RWE für „erneuerbar“ hält und mit „Energie von morgen“ meint…

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Terra Activ von Henkel: Putzen mit Palmen

Dienstag, den 13. April 2010

henkel_terraactiv_1

Beim Namen seiner neuen Reiniger-Reihe haut der Chemieriese Henkel kräftig auf den Putz: „Terra Activ“, also aktive Erde. Das „e“ im Schriftzug ist ein Pflanzenblatt. Optisch dominieren das klassische Grün und die neue Öko-Trendfarbe Blau. Auf dem Etikett krabbelt ein niedlicher Marienkäfer, darüber prangt der Slogan „Bio+Kraft“. Man kann sich lebhaft ausmalen, wie Heerscharen von Werbeprofis an alldem getüftelt haben.

Auf einer eigenen Terra-Activ-Website erklärt der Konzern ausführlich, was es mit der Marke auf sich habe:

henkel_terraactiv_2„Nachwachsende Rohstoffe“, das klingt prima – jedenfalls schwingt dabei stets mit, sie seien ein Vorteil gegenüber endlichen Ressourcen wie Erdöl. Doch ob nachwachsende Rohstoffe tatsächlich etwas bringen für Umwelt und Klima, entscheidet sich bei deren Herstellung und Verarbeitung. Bei „Terra Activ“ werden die Tenside u.a. aus Palmkernöl produziert. Doch weltweit ist der Boom des Ölpalmenanbaus längst ein Umweltproblem: Zugunsten von Plantagen wurden und werden Tropenwälder abgeholzt – das heizt das Klima auf, und die letzten Orang-Utans verlieren ihre Lebensräume. Organisationen wie Rettet den Regenwald protestieren deshalb seit Jahren gegen Ölpalmen, Greenpeace hat kürzlich mit einer großen Kampagne gegen die Nestlé-Schokoriegel KitKat auf die Problematik hingewiesen.

henkel_terraactiv_4Gegen solche Kritik gat Henkel sich zu wappnen versucht, auf den Packungen findet sich ein Siegel namens „Greenpalm“. Und per Imagefilm im Internet wird eine indonesische Partnerfirma, United Plantation, präsentiert. Doch liest man auf Henkels Website die Erklärungen dazu aufmerksam, dann fällt auf, dass Henkel für seine Terra-Activ-Produkte direkt gar kein „nachhaltiges “ Öl bezieht. Man kaufe lediglich „Zertifikate“, über die „sichergestellt“ sei, dass „für die in jedem Terra Activ Produkt eingesetzte Menge an Palmkernöl eine entsprechende Menge an nachhaltigem Palmkernöl produziert und auf den Markt gebracht wurde“. Das sei ziemlich kompliziert, räumt eine Henkel-Sprecherin auf Nachfrage ein. Das Problem sei halt, dass man bei Lieferanten die Tenside als chemisches Zwischenprodukt einkaufe, aber eben nicht direkt den Rohstoff Palmkernöl. Dieser Zertifikatekauf sei im Moment die beste Möglichkeit, überhaupt etwas zu tun.

Henkel verweist außerdem auf den RSPO – hinter diesem Kürzel verbirgt sich der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“, der unter anderem vom WWF initiiert wurde. United Plantation ist dort Mitglied. Doch viele Umweltschützer kritisieren den Runden Tisch als Greenwashing-Instrument der Palmöl-Industrie, rund 250 Organisationen haben eine Protestdeklaration unterzeichnet. Die RSPO-Kriterien für „nachhaltiges“ Öl seien zu schwach, sagt Corinna Hölzel, Urwald-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland, beispielsweise werde nichts zum Schutz von klimarelevanten Torfböden gesagt oder zur Einsparung von Treibhausgasen. „Und nicht einmal diese schwachen Kriterien werden in der Praxis eingehalten“, so Hölzel. „Der RSPO existiert seit 2005, dennoch konnte die rasante Abholzung der wertvollen indonesischen Wälder nicht gestoppt werden. Es ist unverantwortlich, sich bei dem Thema Urwaldzerstörung auf den RSPO als Lösung zu verlassen.“ Laut Greenpeace-Recherchen habe der Henkel-Partner United Plantations seine Plantagen auch in Lebensräumen der Orang-Utans sowie in geschützten Seengebieten angelegt. Interessanterweise heißt es in dem (englischsprachigen) United-Plantations-Imagefilm auf der Henkel-Website (bei Minute 2:10) denn auch nur, die Firma produziere „einen Teil ihres Öls“ auf „nachhaltige“ Weise.

Als Sympathieträger für seine grüne Marke hat Henkel übrigens Esther Schweins eingekauft. Die Schauspielerin posiert in TV-Spots und auf der Website mit flotten Sprüchen für Terra Activ.

henkel_terraactiv_3

Na, hoffentlich nicht den Regenwald.


RWE: Autostrom aus unbekannter Quelle

Freitag, den 18. September 2009

Stets „voRWEg gehen“ möchte der Essener Energieriese RWE nach eigener Darstellung, weswegen der Konzern nun auch damit beginnt, in deutschen Großstädten Ladestationen für Autostrom zu installieren. In Berlin gibt es laut Unternehmenswebsite bereits 56 E-Tankstellen, bis 2010 sollen es stolze 500 sein – obwohl bundesweit 2008 gerade einmal 1436 Elektroautos zugelassen waren. Und fast alle neuen E-Wagen, um die etwa auf der Automesse IAA so viel Wind gemacht wird, sind bisher lediglich Prototypen. Trotzdem lässt RWE in einer aufwändigen Werbekampagne schon mal „Super-Ingo“ für sich auftreten.

Nach Angaben des Unternehmens gehen „die RWE-Experten … davon aus, dass schon 2020 bis zu 2,5 Millionen Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen fahren werden“. Das ist – gelinde gesagt – sehr optimistisch. Nach Prognosen des Instituts für Entsorgung und Umwelttechnik (IFEU) und der Bundesregierung werden in elf Jahren nur rund eine Million E-Autos unterwegs sein. So oder so wird die Elektromobilität fürs Klima vorerst ziemlich egal bleiben. Selbst im RWE-Szenario würden 2020 immer noch mehr als 90 Prozent der hierzulande zugelassenen PKW mit Verbrennungsmotoren fahren. „Kurzfristig und in der nahen Zukunft ist von Elektromobilität kein nennenswerter klimaschützender Beitrag zu erwarten“, so Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte bei Greenpeace.

Die wichtigste Frage ist freilich, woher der Strom für die Elektroautos kommen soll. RWE wirbt neuerdings mit „100 Prozent Strommengen aus regenerativen Energiequellen“, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass sich die Vorstellung des neuen Projekts „e-mobility Berlin“ vor ziemlich genau einem Jahr, bei der RWE und Daimler stolz einen neuen stromgetriebenen Smart präsentierten, ziemlich schnell als grüne Nebelkerze erwies. Denn: Fährt ein E-Smart mit Strom aus dem konventionellen RWE-Mix, stößt dieser sogar mehr CO2 aus als das gleiche Modell mit Dieselmotor.

Doch selbst wenn der neue Autostrom tatsächlich ausschließlich aus erneuerbaren Quellen stammt, bedeutet das nicht automatisch einen Nutzen fürs Klima. Einen positiven Klimaeffekt haben Elektroautos nämlich nur, wenn für sie auch wirklich neue Ökostromkapazitäten installiert wurden. Andernfalls würde der grüne Autostrom ja lediglich aus dem bisherigen Energiemix ausgekoppelt, andere Kunden bekämen dann einfach etwas dreckigere Elektrizität. Ohnehin sollte man Ökostrom dort verwenden, wo er am meisten Kohlendioxid vermeiden kann – und das ist eher nicht der Autoverkehr. Wenn grüne Elektriztität etwa in Haushalten den bisherigen Strom aus Braunkohlekraftwerken ersetzt, wird vermutlich mehr CO2 vermieden, als wenn ein Elektroauto damit ein paar Kilometer fährt und das Benzin spart. Wir hätten zu gern gewusst, woher genau der RWE-Autostrom denn nun stammt. Unsere Frage danach ließ das Unternehmen leider unbeantwortet.

Auch Eon hat bereits ein eigenes Projekt mit E-Minis in Bayern gestartet. Dort hieß es in einer Pressemitteilung zum Start, die Fahrzeuge sollten mit „vorzugsweise regenerativ erzeugtem Strom“ versorgt werden. „Wir wissen selbst noch nicht, mit welchem Strom die Tankstellen in Zukunft betrieben werden könnten“, sagte Eon-Sprecher Stefan Pursche auf Anfrage und war damit wenigstens ehrlich. „In den nächsten drei bis vier Jahren wird sich auf dem Elektroautomarkt ohnehin nicht viel tun.“ Zwar sei vorstellbar, künftige Eon-Tankstellen mit Erneuerbaren zu versorgen, aber „man muss ja nicht alles erneuerbar machen“, so Pursche.

In der Tat. Vor allem dann nicht, wenn man hier und dort noch Kohlekraftwerke herumzustehen hat – oder für seine hochprofitablen Akw von einer möglichen schwarz-gelben Bundesregierung grad eine Laufzeitverlängerung geschenkt bekommen hat.

Danke an Christian B. für den Hinweis