Archiv des Schlagwortes ‘Flugverkehr’

Deutsche Bahn: Die Verantwortung vergessen

Donnerstag, den 26. Mai 2016

Die Deutsche Bahn hat sich ein neues Klimaziel gegeben: „Bis 2020 wollen wir unsere spezifischen CO₂-Emissionen, also pro Personen- und Tonnenkilometer, unserer weltweiten Verkehre um 30 % im Vergleich zu 2006 senken“, heißt es bei der Bahn. Und zur Begründung:

DB

„Auch die DB ist hier in der Verantwortung“: Die Bahn klärt uns auch auf, wie sie das Klima-Ziel erreichen will. „Unsere wichtigen Stellhebel zur Reduktion von CO₂ sind, mehr moderne und energieeffizientere Fahrzeuge einzusetzen, die Auslastung zu optimieren, energieeffiziente Fahrweise in allen Verkehren und der Einsatz erneuerbarer Energien. Den Ökostromanteil im Bahnstrommix wollen wir bezogen auf die DB eigenen Transporteure bis 2020 auf 45 Prozent erhöhen.“

Ohnehin ist die Bahn ja bereits eine Klimaschutz-Institution. Während ein Bahnreisender pro Personenkilometer im Fernverkehr 45 Gramm Kohlendioxid verursacht, sind es bei einem Flugreisenden 231 Gramm je Kilometer – mehr als das Fünffache. Bahnfahren ist damit eine der klimafreundlichsten Fortbewegungsarten, lediglich der Reisebus ist für noch weniger Kohlendioxid verantwortlich.

Neben dem Klima-Vorteil hat Bahnfahren aber auch noch andere. Zum Beispiel in den Nachtzügen. Deutschlandradio Wissen beschreibt deren andere Vorteile so:

  • Die Bahnfahrer können ohne Umsteigen lange Strecken zurücklegen,
  • sie kommen morgens ausgeschlafen an
  • und haben eine Nacht Hotelkosten weniger.

Also eine Win-win-win-win-Situation. Für den Geldbeutel, den Nachtschlaf, die Mobilität und das Klima.

Nun hat die Bahn aber bekannt gegeben, ihre Nachtzüge zum Jahresende stillzulegen.

DB2

Wer am nächsten Morgen also in Amsterdam, Rom, Zürich oder Warschau sein will oder muss, dem bleibt künftig nur das Flugzeug.

Halt! Stopp! Schnell nochmal zurückgespult!

Erstens: Reisen mit dem Nachtzug hat ausgeruhte Reisende zur Folge. Zweitens: Fliegen ist mehr als fünfmal so klimaschädlich wie eine Nachtzugreise. Drittens – und hier zitieren wir gern die Bahn noch einmal: „Der Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen, denen die Menschheit gegenübersteht.“

Wir meinen: Die DB ist hier auch mit ihren Nachtzügen in der Verantwortung.


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Luftfahrtindustrie: Das Entscheidende weglassen

Freitag, den 29. April 2016

Heute geht es um die Hippies. Also, zumindest um das, was sich verspießerte Werbetreibende und die Luftfahrtindustrie darunter vorstellen:

flieg

Dieser Schauspieler (der angesichts seiner schauspielerischen Leistung in seinem Leben garantiert noch nie ein Hippie-Gefühl unterm Hemd oder den Haaren genießen durfte) hat da mal was vorbereitet. „Ready fürs Festival?“

Autobahn? Oder doch lieber am Meer entlang? Aber die Spritkosten! Und die Maut!!

Aber zum Glück ist ja die Marie auch noch da: „Fliegen ist das neue Öko“.

Glauben Sie jetzt nicht? Ist aber so: „Pro Passagier verbrauchten die Flugzeuge der Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. im Jahr 2013 für alle In- und Auslandsflüge insgesamt durchschnittlich 3,68 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer“, heißt es im Kleingedruckten des Verbandes am Ende des Werbespots:

flie

Wow, 3,68 Liter auf 100 Kilometer! Schafft Ihr Auto garantiert nicht!

Ein lehrbuchmäßiges Beispiel für gute Werbung. Gute Werbung lügt nämlich nicht, gute Werbung lässt einfach die lästigen Details weg. 

In diesem Fall wird unterschlagen, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht.

Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte Klimaeffekt des Luftverkehrs sogar drei- bis fünfmal so groß wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine dermaßen komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug dann auch viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Eine Reise nach New York und zurück schlägt inklusive RFI-Faktor laut Atmosfair-Ausgleichsrechner mit 3.158 Kilogramm CO2-Äquivalent zu Buche – das „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 2.300 Kilogramm.

Danke an Michael H. und Karsten S. aus Hamburg für den Hinweis


ADAC-Motorwelt: Den Vereinsstatus gefährden

Samstag, den 24. Mai 2014

Erinnern Sie sich noch an Ihre Führerscheinausbildung? Den Theorieteil? Da ging es nicht immer nur um die Vorfahrt, sondern auch mal um Umweltschutz. Eine Frage spricht zum Beispiel indirekt das ökologische Desaster des fehlenden Tempolimits in Deutschland an: „Um wie viel Prozent erhöht sich bei Tempo 160 km/h im Allgemeinen der Kraftstoffverbrauch (l/100 km) eines Mittelklasse-Pkw gegenüber der Fahrt mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h?“

(a) um bis zu 5 %
(b) um bis zu 10 %
(c) um bis zu 35 %?

Jetzt sind Sie dran!

Kleiner Hinweis gefällig? Es ist mehr, als Sie vermutlich denken!

Ja, richtig ist Antwort (c).

Für Interessierte: Die Ursache hierfür liegt in der Physik. Bewegt sich ein Objekt immer schneller durch den Raum, wächst der Luftwiderstand, gegen den das Objekt ankämpfen muss, nicht linear, sondern exponentiell. Das heißt, auch der Energiebedarf steigt mit zunehmender Geschwindigkeit nicht stetig, sondern exponentiell. Die Sprit-Verbrauchskurve schießt damit steil nach oben – und mit ihr der Treibhausgas-Ausstoß.

Fahrschulprüfung und Physikunterricht scheinen bei den Redakteuren der ADAC Motorwelt schon sehr lange zurückzuliegen. Die nämlich erklären uns in ihrer Mai-Ausgabe der Mitgliederzeitung heute schon die Mobilität von „morgen“:

Scan_ADAC-Motorwelt_zugeschnitten

„Von London nach New York in drei Stunden“, heißt es da. „Mit dem Jet Spike Aerospace S-512 soll das bald möglich werden.“ Toll! Da lohnt dann nach dem Ende der Concorde-Flüge im Jahr 2003 auch endlich wieder der Wochenendtrip über den großen Teich. Freitag um 16 Uhr Büroschluss machen und um 20 Uhr schon am Broadway schick ins Musical gehen. Und pünktlich am Sonntagabend zum „Tatort“ zurück. Natürlich nur für gut betuchte Ausflügler.

Und zwar 18 an der Zahl. So viele Fluggäste sollen maximal in den Überschall-Jet passen, der mit mehr als 1.900 Kilometern pro Stunde „durch die Luft düsen“ soll, wie der ADAC schreibt. Spaß machen soll das auch noch: Zwar wird es in der Kabine keine Fenster geben, aber die Passagiere sollen „auf Großbildschirmen wahrnehmen, was draußen los ist“. Das sei der „besondere Gag“, wie die Motorwelt-Redakteure frohlocken.

Das Klima kommt dieses locker-flockige Kontinent-Hopping mit „Gag“-Faktor teuer zu stehen. Zwar macht der US-Konzern Spike Aerospace keine Angaben zum Spritverbrauch des Überschall-Jets. Aber die Gesetze der Physik (siehe oben) wird auch er nicht aushebeln können: Die rund 1.000 km/h, die der Überschall-Jet schneller fliegt als, sagen wir, eine herkömmliche Boeing 747, werden für eine verheerende Spritverbrauchs- und ergo Klimabilanz sorgen. A propos Spritverbrauch: Die Karriere des Überschall-Vorbilds Concorde bekam erstmals während des Ölschocks in den 1970er Jahren einen empfindlichen Dämpfer. Damals gestand sogar einer der Topmanager von Air France zu, dass ihr Sprit-Durst der Concorde noch zum Verhängnis werden könnte.

Lieber ADAC, wir vom Klima-Lügendetektor haben deshalb ein paar Fragen!

1. Ihr kämpft doch darum, den Vereinsstatus behalten zu dürfen, und wollt nachweisen, im Interesse des Gemeinwohls zu handeln? Angesichts der Erderwärmung ist doch klar, dass der Spike-Aerospace-Quatsch niemals Realität werden darf. Schon heute ist der internationale Flugverkehr für mindestens fünf Prozent des menschengemachten Emissionen verantwortlich (krititische Quellen sagen sogar: 14 Prozent) – Tendenz steigend. Euch ist also das Allgemeinwohl egal, ihr wollt mit solchen Geschichten den Vereinsstatus verlieren?

2. Nach all den Lügen, die ihr euren Mitgliedern aufgetischt habt, wolltet ihr doch seriöser werden! Sagt mal: Glaubt ihr den Ultraschall-Quatsch wirklich, den ihr da als „Mobilität von morgen“ verkauft? Oder ist das genauso seriös wie eure Wahl zum „Auto des Jahres“?

3. Spike Aerospace ist seit Jahren auf der Suche nach Investoren, um ihre nicht realisierbaren Mobilitätsvorstellungen von gestern doch noch irgendwie gewinnbringend an den Mann zu bringen. Und ihr vom ADAC wollt dabei helfen? Euren Mitgliedern noch mehr Geld als ohnehin schon aus den Taschen ziehen?

4. Kann es sein, dass es sich bei der „Vision“ für MORGEN gar nicht um EURE Vision handelt, sondern nur um eine Schleichwerbung, die HEUTE Geld in die ADAC-Kassen spülen soll und deshalb nicht als solche gekennzeichnet ist? (Das nämlich ist die Vermutung des Klima-Lügendetektors, die wir allerdings nicht als solche bezeichnen können – weil sie nicht beweisbar ist! Wir fragen deshalb nach.)

Antworten schicken Sie bitte an unser Hinweis-Portal! Sie können gewiss sein: Wir veröffentlichen sie!

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Tagesspiegel: Ein wenig schwanger

Mittwoch, den 2. April 2014

Das Fliegen ist bekanntlich die klimaschädlichste Art des Reisens: Zum einen ist es gegenüber den meisten anderen Verkehrsträgern relativ energieaufwendig, sodass der Treibhausgas-Ausstoß ohnehin sehr hoch ist. Zum anderen entstehen zusätzlich Kondensstreifen und Stickoxide durch die Kerosin-Verbrennung in den Flugzeugtriebwerken – was die Treibhauswirksamkeit vervierfacht.

Insofern interessiert sich auch die Redaktion des Klima-Lügendetektors für den Pilotenstreik und die veröffentlichte Meinung dazu. Im Berliner Tagesspiegel ist auf der Kommentarseite zu lesen:

tagesspiegel
Der Kommentator führt aus, dass die Piloten „sehr komfortabel vergütet“ werden, dass sie an „Besitzständen“ festhalten wollen und „ihrem Arbeitgeber massiv“ schaden. Fazit: „Insofern ist der Kurs der Piloten wenig nachhaltig“. Und das wurde dann schlagzeilengebend.

„Wenig nachhaltig“ ist in etwa dasselbe wie „ein bisschen schwanger“: großer Unfug. Entweder ist etwas nachhaltig oder es ist nicht nachhaltig. “Wenig schwanger“ würde der Kollege vom Tagesspiegel bestimmt nicht schreiben!

Das Wort „nachhaltig“ ist zerfleddert wie kaum ein anderes in unserer Sprache: Die Deutsche Bank will nachhaltig Wert schaffen: für unsere Kunden und Mitarbeiter, unsere Aktionäre“ – und spekulierte deshalb mit Lebensmitteln und finanziert die Atmosphärenschädigung durch Kohlekraft. Vattenfall behauptet, sich laufend und intensiv darum zu bemühen, „unsere Aktivitäten gesellschaftlich nachhaltig zu gestalten“ – und will noch mehr Menschen vertreiben, um ihre Heimat wegzubaggern. Daimler erhielt für Deutschlands nachhaltigstes Produkt 2010 den Nachhaltigkeitspreisund baut weiter die schlimmsten Klimasünder. Der FC Bayern ist selbstverständlich „nachhaltig rentabel“. Und das Wikiwörterbuch Wiktionary hat sogar eine Steigerung zu bieten: nachhaltig, nachhaltiger, am nachhaltigsten. Schwanger, schwangerer, am schwangersten …

Für das ständige Missbrauchen des Begriffs nachhaltig ist die Verkürzung der Wortbedeutung verantwortlich. Nachhaltig bedeutet eben nicht „anhaltend, lange nachwirkend, dauernd“, wie uns Wörterbücher glauben machen wollen. Nachhaltig geht auf ein Handlungsprinzip aus der Forstwirtschaft zurück, das die natürliche Regenerationsfähigkeit eines Waldes ins Zentrum rückt: Abgeholzt werden darf nie mehr als nachwachsen kann. Im 18. Jahrhundert im sächsischen Freiberg entwickelt, entdeckte dieses Prinzip die Brundtland-Kommission der UNO in den 1980er Jahren wieder: Eine nachhaltige Entwicklung sei eine, „Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“, heißt es im Bericht „Our Common Future“.

Nachhaltig im Zusammenhang mit Flugzeugen und dem Kurs der Piloten wäre also allenfalls, wenn die für immer am Boden blieben. Oder wenigstens innerdeutsche Flüge unterbleiben würden. Und die atmosphärenschädigenden Emissionen aus der Luftfahrt endlich einmal sinken würden, statt immer nur zu steigen. Statt „Wenig nachhaltig“ könnte der Tagesspiegel dann titeln: „Richtig schwanger“.

Das wäre dann immerhin sprachlich korrekt.


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Air Berlin: Das Kerosinsparwunder und die Details

Donnerstag, den 4. Oktober 2012

Toll! 3,5 Liter auf 100 Kilometer sind doch wirklich gut! Vor allem, wenn es sich nicht um einen Kleinwagen handelt, sondern ein ausgewachsenes Flugzeug. Air Berlin, die (noch) von dem früheren Bahnchef Hartmut Mehdorn gemanagte Airline, wirbt gerade in großen Anzeigen mit der Ökoeffizienz ihrer Flugzeugflotte. Schlappe 3,5 Liter pro 100 Passagierkilometer schlügen bei Air Berlin spritmäßig zu Buche, heißt es. Damit sei die Fluggesellschaft so „ökoeffizient wie kein anderer Netzwerk-Carrier in Europa“. Super, denkt sich der von seinem schlechten grünen Gewissen geplagte Leser, da könnte man ja vielleicht doch wieder etwas öfter in den Flieger steigen.

Noch stolzer als auf den Kerosinverbrauch seiner Flotte ist Air Berlin offenbar auf ÖkoGlobe, den, wie es auf der dazugehörigen Homepage heißt,  „ersten internationalen Umweltpreis für Mobilität“. Wie, Sie haben auch noch nichts von dem Preis gehört? Das liegt vielleicht daran, dass er von drei Firmen mit sagenhafter Öko-Kompetenz finanziert wird, der Versicherung DEVK, dem TÜV Rheinland und dem Finanzverlag (u.a. Euro am Sonntag). Ins Leben gerufen wurde der Preis von dem Kölner Aktionskünstler HA Schult, der vor langer Zeit einiges Aufsehen erregte, als er auf das Kölner Stadtmuseum ein Auto mit goldenen Flügeln setzte, um, wie er erklärte, auf den „Fetisch Auto“ aufmerksam zu machen. Ach ja, Wikipedia erinnert uns daran, dass Schult 2009 für eine Fortsetzung von Angela Merkels Kanzlerschaft warb.

Nun, jenseits irgendwelcher Preise bemüht sich Air Berlin offenbar wirklich um Effizienz. Das hat auch die Klima-Ausgleichsagentur Atmosfair herausgefunden, in deren Umweltranking es Air Berlin dieses Jahr immerhin auf Platz 13 (von 125 Fluggesellschaften) schaffte. Im Internet listet Air Berlin eine ganze Latte ökologischer Maßnahmen auf: höhere Reiseflughöhe, größere Genauigkeit beim Landeanflug, Leichtbausitze zur Gewichtsverringerung und ein papierarmes Cockpit (Flugkarten und Bord-Handbücher werden auf Computern angezeigt). Außerdem sei die eigene Flugzeugflotte mit fünf Jahren viel jünger als die der meisten Konkurrenten (globaler Durchschnitt: 14 Jahre).

So weit, so gut. Allerdings gibt es da schon noch ein paar Details, die Air Berlin verschweigt. Denn gute Werbung lügt nicht, wie regelmäßige Leserinnen und Leser wissen, sondern lässt einfach Dinge weg. Zur Wahrheit der„ökoeffzienten“ Fliegerei gehört nämlich auch, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht. Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte „Strahlungsantrieb“ (Klimaeffekt) des Luftverkehr sogar drei bis fünf mal so groß sei wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine derart komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Schickte man ein Auto mit Durchschnittsverbrauch von 3,5 l/100 km auf die 6.380 Kilometer weite Reise nach New York und zurück, käme sowieso ganz schön was zusammen an Abgasen. Inklusive RFI-Faktor ermittelt der Atmosfair-Ausgleichsrechner sogar 4.260 Kilogramm CO2-Äquivalentdas „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 3 000 Kilogramm.


Luftfahrtlobby: Tolle Passagierprognosen

Mittwoch, den 30. Mai 2012

Klaus-Peter Siegloch war einmal ein bekanntes Fernsehgesicht, jahrelang moderierte er zum Beispiel die ZDF-Nachrichten heute. Seit seiner Pensionierung versucht Siegloch, der deutschen Flugbranche ein Gesicht zu geben. Seine neueste Aktion ist eine – ja, nennen wir es ruhig so – Kampagne gegen die vor anderthalb Jahren eingeführte Steuer auf Flugtickets. Auf der Internetseite des Bundesverbandes der Deutschen Luftfahrtwirtschaft (BDL) heißt es:

Zum Start wurden ein paar Angestellte der Branche mit Transparent und Buttons vor Fotografen gestellt. In den kommenden Wochen sollen rund eine Million Faltblätter verteilt werden, die „über die schädlichen Folgen der Steuer informieren“. Unter www.bdl.aero darf außerdem über die Steuer „abgestimmt“ werden.

Zur Erinnerung: Ab 1. Januar 2011 musste Fluggesellschaften für jeden Passagier eine Steuer an den Bund zahlen, je nach Länge des Fluges zwischen acht und 45 Euro, seit Einbeziehung des Luftverkehrs in den EU-Emissionshandel sind es zwischen 7,50 und 42,18 Euro. „Die Steuer verteuert jeden Flug“, klagt nun Siegloch. „Das bekommen auch die Passagiere zu spüren“, heißt es weiter (obwohl, was er verschweigt, die Steuer nicht notwendigerweise auf die Ticketpreise umgelegt werden muss). Und natürlich wählt der erfahrene Journalist dann ein extremes Beispiel, um einen möglichst hohen Betrag zu errechnen: „Eine vierköpfige Familie muss zum Beispiel für einen Flug in die USA 168,72 Euro Luftverkehrsteuer zahlen. Für die Urlaubskasse ist das keine Kleinigkeit.“

Weiter heißt es in der Kampagne:

Hoppla, die Steuer bedeute fünf Millionen Passagiere weniger? Woher kommt denn diese Zahl?

Nach Angaben der Bundesregierung stiegen 2011 in Deutschland 199.685.497 Menschen in ein oder aus einem Flugzeug – exakt 9.390.181 mehr als im Vorjahr. Das ist ein größeres Wachstum als von 2009 auf 2010: Damals nahm die Zahl der Passagiere „nur“ um 8.419.961 zu. Trotzdem heißt es in dem BDL-Flugblatt: „Fakt ist: Im Jahr 2011 fehlten in Deutschland 5 Millionen Flugpassagiere“.

Wie kommen die Lobbyisten auf diese kernige Aussage? Ganz einfach, sie berufen sich auf eine Untersuchung des Instituts Intraplan, die sie offenbar selbst in Auftrag gegeben haben. Das Institut hat Erfahrung in solchen Hochrechnungen: Von Intraplan stammen beispielsweise Passagier-Prognosen für die Flughäfen München (Verdoppelung bis 2020) und Frankfurt/Main (75 Prozent plus bis 2020), auf deren Grundlage dann neue Startbahnen gebaut wurden. Diesmal lieferten die Experten eine Berechnung ab, deren Logik in ihrer Schlichtheit geradezu bestechend ist:

Es sei quasi ein Naturgesetz, dass der Flugverkehr stärker wächst als die Gesamtwirtschaft. In Deutschland sei das aber 2011 nicht der Fall gewesen. Im Klartext: Es flogen zwar mehr Leute als im Vorjahr, aber es hätten noch viel mehr sein müssen – ergo sei der Staat für fünf Millionen Minderpassagiere verantwortlich.

Zwar kommt das Bundesfinanzministerium, wie die Süddeutsche Zeitung vor ein paar Tagen berichtete, in einem Positionspapier zu ganz anderen Ergebnissen. Aber wir greifen die bestechende BDL-Logik gern auf. Erstens bedeutet sie: Die Bundesregierung hat offenbar ein Lenkungsinstrument entwickelt, das fünf Millionen Menschen auf klimafreundlichere Verkehrsmittel umgeleitet hat – wir gratulieren! Zweitens funktioniert es leider nicht so gut, dass es den klimaschädlichen Wahnsinn am Himmel vom weiteren Wachsen abhält. Es flogen ja trotz Steuer fast zehn Millionen mehr Passagiere als 2010, die Flugbranche hätte sogar gern 15 Millionen mehr gehabt. Die Luftverkehrssteuer muss also drittens deutlich erhöht werden, um noch besser in Richtung klimafreundliche Mobilität zu steuern. Gelegenheit zur Korrektur hat die Bundesregierung, will sie doch bis 30. Juni einen Evaluationsbericht zur Steuer vorlegen.

Doch nochmal zurück zu Intraplan. Wenn das Institut stets so seriös wie in diesem Fall mit Fluggastzahlen und -prognosen umgeht, dann sollte sich der Flughafen München die Pläne einer dritten Startbahn besser nochmal überlegen. Das jedenfalls ist Fakt!

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Mehdorn/Air Berlin: Hoffentlich nicht Alzheimer

Freitag, den 2. März 2012

Früher war Hartmut Bahnchef Mehdorn ganz auf Linie von Angela Merkel (CDU). „Fliegen muss teurer werden“, hatte Bundesumweltministerin Merkel in einem Bild-Interview 1997 erklärt: „Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den zunehmenden Luftverkehr.“

Das sah Hartmut Bahnchef Mehdorn früher genauso: Die Luftfahrtgesellschaften seien von steuerlichen Belastungen „vollständig befreit“, sagte der Bahnmanager 2008 im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Und weiter:

In der Tat: Die Bahn muss Mehrwertsteuer zahlen, die Fluglinien bei allen Flügen ins Ausland aber nicht. Die Bahn muss Treibstoffsteuer zahlen, die Airlines auf Kerosin aber nicht. Die Bahn muss Ökosteuer abführen, die Fluglinien aber nicht. Sogar geklagt hatte die Bahn gegen diesen „verkehrs- und klimapolitischen Unsinn“ vor dem höchsten Gericht der Europäischen Union. Die Richter entschieden aber, dass die geltende Steuerbefreiung nicht gegen EU-Recht verstößt. Mehdorn musste eine schwere Niederlage hinnehmen.

Bekanntlich hat sich die Rechtslage aber mittlerweile geändert: Kanzlerin Angela Merkel führte im vergangenem Jahr die Luftverkehrsabgabe ein. Alle Flugzeuge, die in Deutschland starten und landen, zahlen je nach Entfernung pro Passagier acht, 25 oder 45 Euro. „Fliegen muss teurer werden“, weshalb Deutschland auch den Klima-Plänen Brüssels zustimmte: Seit Januar 2012 sind die Airlines zudem auch noch zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet.

Bekanntlich hat sich auch das Beschäftigungsverhältnis von Hartmut Bahnchef Mehdorn geändert. Nach einem Datenskandal musste Mehdorn 2009 das „Bahnchef“ aus seinem Namen streichen. Im vergangenen Herbst heuerte Mehdorn bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin an. Nun sagt er zum Thema „Fliegen muss teurer werden“ in der Berliner Morgenpost :


Weiterhin war zu lesen:


Dass es Mehdorn ernst mit seinem „Kampf“ meint, machte er am Tag danach deutlich: Gemeinsam mit Lufthansa-Chef Christoph Franz  und dem Präsidenten des Luftverkehrsverbandes Klaus-Peter Siegloch trat er vor die Hauptstadt-Presse, um zu lobbyieren. Der Tagesspiegel titelte am Freitag:

Der Ex-Harmut Bahnchef Mehdorn holt sich zur Verstärkung jene, die er einst bekämpft hat?

Natürlich, der Mann ist schon alt, Ende Juli wird er siebzig Jahre. Air Berlin-Kunden sei aber gewünscht, dass Mehdorn nicht an einer dieser fiesen Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer leidet. Oder ist Hartmut Mehdorn einfach nur eine neue Illustration der alten Volksweisheit: „Wes‘ Brot ich fress, dess‘ Lied ich sing“?

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SAA: Spezielle Flugtarife für das Arktis-Eis

Donnerstag, den 15. Dezember 2011

Die Klimabelastung, die ein Flugzeug pro Passagier verursacht, ist bis zu fünfmal so groß wie die, die ein ICE bewirkt. Und im Vergleich mit den Kundenzahlen der Bahn sind die der Luftfahrtbranche geradezu explodiert: Rund 190 Millionen Menschen hoben 2010 von einem der 23 deutschen Verkehrsflughäfen ab, in diesem Jahr sollen es schon 200 Millionen sein. Mittlerweile trägt der weltweite Flugverkehr etwa neun Prozent zum menschgemachten Treibhauseffekt bei.  Wir haben also ein Problem, das sich in der südafrikanischen Tageszeitung Business Day so darstellt:

Über einem Foto, das offenbar brüchiges Meereis zeigt, steht da: „Wenn Du die Welt siehst, wie wir sie sehen, dann wirst du verstehen, warum die Klimakonferenz so wichtig ist.“ Die Annonce stammt von der südafrikanischen Fluggesellschaft South African Airways und erschien während des diesjährigen UN-Klimagipfels in Durban. Tatsächlich haben dort Wissenschaftler des Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) Alarm geschlagen: Der Klimawandel in der Arktis vollziehe sich deutlich schneller als einst vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt. Passiere nichts, werde der Arktische Ozean in den nächsten 20 bis 30 Jahren im Sommer komplett frei von Eis sein.

Es müsste also wirklich etwas passieren, damit der Anblick nicht noch schlimmer wird, der sich Piloten und Passagieren von South African Airways bietet. Die Fluglinie hat da auch was im Angebot:

In reichlich verschwurbelten Worten wird die neunfache Auszeichnung als „Beste Fluglinie Afrikas“ als Verpflichtung gedeutet, irgendwie Gutes zu tun. Weshalb man sich gern zur „Offiziellen Fluglinie der Klimakonferenz COP 17″ habe ernennen lassen und Delegierten spezielle Tarife biete: „Wir wollen dabei helfen, die Welt nach Durban zu bringen, um den Klimawandel zu bekämpfen.“

Nun wird das Fliegen bekanntlich sowieso schon künstlich verbilligt: Fluggesellschaften zahlen keine Kerosinsteuer, sind weitgehend befreit von der Mehrwertsteuer, mit Händen und Füßen wehrt sich die Branche gegen die Einbeziehung in den EU-Emissionshandel. Deshalb wird der SAA ihr „Spezialtarif“ nicht besonders schwergefallen sein. Speziell daran war nämlich nichts, nicht einmal das Feigenblatt der Klimakompensation wurde bemüht. Der „Spezialtarif“ war einfach nur besonders billig.

Weshalb die Delegierten in Durban dann unter anderem debattierten, wie man Fliegen teurer – und damit seltener – machen kann. So würden gleich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

Erstens soll aus einer Flugverkehrsabgabe jener Klima-Fonds gefüllt werden, der den Entwicklungsländern ab 2020 jährlich hundert Milliarden Dollar zur Verfügung stellen soll, damit die sich zumindest ein wenig an die schon nicht mehr vermeidbare Erderwärmung anpassen können.

Zweitens würde das Durch-die-Weltgejette zumindest etwas teurer und brächte so manchen Passagier zum Nachdenken, ob er wirklich am Samstag nach Mailand in die Oper oder nach London zum Shoppen muss.

Und drittens müssten sich dann die Leute von South African Airways nicht mehr so oft das schwindende Eis von oben angucken.


Luftfahrtstandort Hamburg: Fasziniert schweigen

Freitag, den 6. März 2009

Unter dem Motto Faszination Fliegen bietet eine „Initiative Luftfahrtstandort Hamburg“, ein Zusammenschluss von Unternehmen wie Airbus und Lufthansa sowie Behörden und Hochschulen in der Hansestadt, derzeit wieder eine Vorlesungsreihe für Kinder an.

Folgende Themen stehen in diesem Jahr auf dem Programm:

  • „Warum und wie fliegt ein Flugzeug?“
  • „Wie steuere ich ein Flugzeug?“
    und
  • „Woraus besteht ein Flugzeug?“

In der Ankündigung zur Vorlesung „Wie lebe ich in 10.000 Metern Höhe“? heißt es:

Wir finden die Idee, Kindern die Welt des Fliegens zu erklären, richtig klasse! Allerdings fehlen doch noch einige spannende Vorlesungsthemen, zum Beispiel:

Als weiterführendes Angebot würde bestimmt auch folgendes Thema die jungen Hamburgerinnen und Hamburger faszinieren:

Der Ankündigungstext könnte dann so lauten:

„Immer mehr Kinder werden zu Klimaflüchtlingen. Sie reisen mit den Eltern oder manchmal auch allein durch die weite Welt, weil immer mehr und schwerere Flut- und Dürrekatastrophen ihre Heimat zerstört haben. Allerdings reisen sie nicht mit dem Flugzeug, weil sie dafür kein Geld haben. Während andere Menschen Spaß haben und sich auf ihre nächste Flugreise freuen, müssen sie sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtfinden, in der es ganz anders ist als zu Hause. Wir erklären, wie das alles zusammenhängt!“

P.S.: Die Luftfahrt-Initiative veranstaltet jetzt auch einen Mal- und Bastelwettbewerb Wie würde euer ‚grünes’ Flugzeug aussehen? Ein „grünes“ Flugzeug? Was soll das sein? Und warum tauchen auf der zugehörigen Internetseite Wörter wie Klimawandel und Umweltschutz nirgends auf? Auf Nachfrage lud uns ein Sprecher zum nächsten Vortrag ein und erklärte, das „Weiterentwicklungsprogramm des Luftfahrtclusters in Hamburg und der Strategie des ‚neuen Fliegens‘“ beziehe sich „auch auf die Zunahme des Flugverkehrs und die Reduzierung der Emissionen“. Die Idee der Vorlesungsreihe für Kinder sei „ein Zeichen dafür, dass der Luftfahrtstandort Hamburg die Probleme der Luftfahrtindustrie bewusst behandelt.“ Toll.


Architektenkammer NRW: Eine feine Klima-Sause

Samstag, den 28. Februar 2009

Immer mehr spricht sich herum, dass der Klimawandel alle Bereiche des Lebens verändern wird. Auch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen hat es mitbekommen – und lädt für kommenden Juni zu einem Kongress „Natur und gebaute Umwelt“. Die Einladung erwähnt den Klimawandel als „unbestreitbare Tatsache“, als „Katastrophe mit Vorankündigung“. Und weiter:

Darüber wird auf der Tagung zu reden sein. In Palma de Mallorca.

Das ist jetzt kein Witz: Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (nach eigenen Angaben mit 30.000 Mitgliedern der größte der 16 deutschen Landesberufsverbände) lädt tatsächlich zum Klimakongress nach Mallorca. Um dort mit „renommierten Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen“ zu diskutieren. Etwa mit dem Chef des Deutschen Nachhaltigkeitsrates, Dr. Volker Hauff, über „Strategien für eine nachhaltige Entwicklung“. Oder mit Professor Konrad Ott aus Greifswald über „Aspekte der Umweltethik“. Oder mit Verfassungsrichter Udo di Fabio über „Kulturelle Werte und Globalisierung“.

Vielleicht hätte man im Vorfeld den Kongressort umweltethisch betrachten sollen. „Als Veranstalter eines solch renommierten Kongresses muss man diskutieren, was verantwortbar ist“, gibt Kammer-Sprecher Christof Rose zu. Doch Inselflair inspiriere Architekten nun einmal, die letzten Kongresse fanden auf Rügen, Lindau oder Usedom statt. Blöderweise schlägt ein einziger Hin- und Rückflug vom Airport Köln/Bonn laut Atmosfair mit einem Klimaschaden von 720 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche. Dies ist fast so viel, wie ein Inder oder eine Inderin in einem ganzen Jahr verursacht. 300 Teilnehmer kamen zur letzten Architekten-Tagung 2007 – übertragen auf dieses Jahr wird der „Umweltkongress“ der Architektenkammer NRW das Klima also mit mehr als 200 Tonnen Treibhausgasen belasten. Und das nur für An- und Abreise.

Fliegen ist die klimaschädlichste Fortbewegungsart überhaupt. Wer auch nur ab und zu ins Flugzeug steigt, könnte sich alle anderen Emissions-Sparbemühungen eigentlich schenken. „Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen“, hat es der britische Journalist George Monbiot in seinem Buch „Heat“ zugespitzt. Aber die Architekten fliegen ja nicht aus reinem Vergnügen, sondern in wichtiger Mission. Nämlich – wir erinnern uns – um Konzepte zu beraten, „den CO2-Ausstoß zu verringern“.

Noch mal die Einladung:

Wir wünschen viel Erfolg!

Danke an Florian P. aus Aachen für den Hinweis