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Uniper: Alte Energie in neuen Schläuchen

Dienstag, den 26. Januar 2016

Folgende Anzeige wurde uns eingereicht:

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Zunächst: Das stimmt! Tatsächlich gibt es einen neuen Energiekonzern auf dem deutschen Markt, der von sich reden machen wird.

Uniper nennt sich jene Abspaltung, mit der Eon diesmal seine Haut zu retten versucht. Wir hatten hier ja schon die satten Laufzeitverlängerungen zum Thema, die Schwarz-Gelb den Herren in den Chefetagen für ihre hochprofitablen Alt-Reaktoren versprochen hatte. Dann waren es die neuen Kohleblöcke Staudinger und Datteln, die das Eon-Säckel vollmachen sollten. Jetzt versucht es Europas größter Energiekonzern mit der Diät.

Alles, was nämlich alte Energiewirtschaft ist, wird einfach ausgelagert. Auf der Eon-Homepage findet sich folgender Hinweis:

eon

Die Sparte der erneuerbaren Energie bleibt bei Eon, bei Uniper findet sich das, was für das Energiesystem von gestern steht: Kohlekraftwerke, Gasspeicher, fossile Rohstoffe und jede Menge Treibhausgase.

Eine Art Kernspaltung im eigenen Haus! Deshalb müsste die Anzeige eigentlich folgenden Text haben:

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Danke an Tobias A. aus Berlin für den Hinweis


Eon: Professionelle 0,00613 Prozent

Donnerstag, den 8. Oktober 2015

Eon entdeckt jetzt die Solarkraft.

„Bei uns gibt’s ja immer mehr Solaranlagen“, sagt ein von dieser Entwicklung sichtlich überraschter Bartträger namens „Herr Koch“ im neuen Eon-TV-Clip. Um dann zu fragen: „Aber wer sorgt dafür, dass die auch nach Jahren noch in Form sind?“

Dann folgt jene viereckige Sprechblase, in die schon Julia Weiß, die fotogene Anna Kuhn, der coole Paul Wagner und, und, und … im Eon-Werbeformat gesprochen haben: „Sagt mal Eon: Packt ihr das an?“

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Leider versäumt es Eon, die „Packt-Ihr-das-an“-Frage zu beantworten. Der Sprecher sagt stattdessen: „Schon heute erzeugen die Solaranlagen in Deutschland grünen Strom für 20 Millionen Menschen“. Die Frage war doch aber: „Eon: Packt ihr das an?“

Also muss der Klima-Lügendetektor ran!

Photovoltaikanlagen speisten im Jahr 2014 insgesamt 32,8 Terawattstunden Solarstrom ins öffentliche Netz ein. Eine Terawattstunde, das sind eine Milliarde Kilowattstunden. Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ermittelte, stieg die Sonnenstromproduktion gegenüber dem Vorjahr damit um 1,8 Terawattstunden – 5,9 Prozent mehr. Insgesamt wurden 2014 in der Bundesrepublik 521 Terawattstunden Strom produziert, die Sonnenkraftwerke trugen also 6,3 Prozent bei.

Ob das tatsächlich, wie von Eon behauptet, für 20 Millionen Menschen reicht – das ist zu bezweifeln. Erstens muss man von der produzierten Strommenge den Exportüberschuss abziehen. Der lag 2014 bei einem neuen Rekord: 34 Terawattstunden. Das meiste dieses Stroms ging nach Polen, den Niederlanden und Tschechien. Rechnerisch hätten also auch 20 Millionen Polen, Niederländer oder Tschechen mit grünem Strom verorgt werden können. Welcher Strom nämlich physikalisch tatsächlich exportiert wurde, dass kann niemand wirklich sagen. Es könnte auch Strom aus Solaranlagen sein.

Zweitens ist der Pro-Kopf-Stromverbrauch für einen Zwei-Personen-Haushalt ein ganz anderer als für einen Vier-Personen-Haushalt. Deshalb gibt es keine seriöse Angabe zum Stromverbrauch von – sagen wir – einer Million Deutscher. Eon ist bei seinen „20 Millionen Menschen“ wohl eher grob mit dem Schätzdaumen vorgegangen.

Die entscheidende Information aber unterdrückt der Eon-Werbeclip geschickt: Unterstellen wir Eons Behauptung einmal, dass Solaranlagen in Deutschland grünen Strom tatsächlich für 20 Millionen Menschen erzeugen. Weil aber Eon die solare Wende eben nicht angepackt hat, trägt der Atom- und Kohlekonzern so gut wie nichts dazu bei – aus Mangel an eigenen Solaranlagen. „Sagt mal Eon: Wieviel Solarkraft habt ihr eigentlich?“

„Aus Wettbewerbsgründen veröffentlichen wir unsere genauen Installationszahlen nicht“, erklärt ein Eon-Sprecher dem Klima-Lügendetektor. Immerhin gibt es eine Liste mit Referenz-Projekten, die fast alle erst seit letztem Jahr am Netz sind. Dachanlagen auf Autohäusern zum Beispiel mit einer installierten Maximal-Leistung von 29 Kilowatt, die 28.000 Kilowattstunden im Jahr produzieren kann. Oder auf Firmendächern, wo 150.000 Kilowattstunden im Jahr produziert werden sollen. Die installierte Eon-Referenzleistung zusammengerechnet ergibt eine Jahres-Stromproduktion von 2.010 Megawattstunden. Damit trug Deutschlands größter Stromkonzern mit 0,00613 Prozent zur deutschen Solarstromproduktion bei.

Das ist natürlich nicht der Rede wert. Und trotzdem werden – werbetechnisch – daraus „Solarprofis“:

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PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


Eon: Glatt gefälscht

Dienstag, den 10. Februar 2015

Diesmal ist die Aufgabe relativ einfach, die an den Klima-Lügendetektor herangetragen wurde. Folgende Anzeige:

10984044_10203045865221595_8224589249328908263_nWir können nach einer nicht sehr schwierigen Recherche zweifelsfrei feststellen: Dieses Motiv sieht zwar aus wie ein Motiv aus der Anzeigenkampagne von Eon. Dieses Motiv stammt aber nicht aus der Werbeschmiede von Eon. Es ist auch nicht von Eons zuständigen Verantwortlichen abgesegnet, weder von Eon in Verkehr noch in Umlauf gebracht worden. Es sieht zwar so aus und es hat zwar mit Eon zu tun. Dieses Motiv ist aber nicht von Eon.

Es handelt sich um eine Fälschung:

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Wenn auch eine sehr gute!

Danke für den Hinweis an Ulrike S. aus Schwerin


Eon: Frau Jung veralbern

Samstag, den 24. Januar 2015

Neues von Eon: Der Konzern wird jetzt ganz grün. Im Dezember hatte der größte Energiekonzerns Europas eine neue Konzernausrichtung verkündet, nach der er sich künftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren will. In den kommenden elf Monaten soll der Konzern in zwei Gesellschaften aufgespalten werden: Die Geschäftsfelder „konventionelle Erzeugung“ und „globaler Energiehandel“ soll in eine neue, eigenständige Gesellschaft ausgegliedert werden.

Toll! Grüne Energie will jetzt jeder, sogar Eon. Und das läuft nun auch:

eonTatsächlich hatte der Konzern im vergangenen Jahr 180 neue regelbare Ortsnetztransformatoren neu in Betrieb genommen, weshalb sich Eon auch als „Technikpionier“ bezeichnet: Die RONTS genannten Transformatoren könnten nach Berechnung der Deutschen Energieagentur „bis 2030 allein im Niederspannungsnetz Kosten für den Netzausbau in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro“ einsparen, wie der Konzern stolz mitteilt.

Trotzdem stimmt etwas nicht mit der Antwort an Frau Jung. Dort heißt es nämlich erstens:

eon1Und zweitens steht in dieser Antwort: eon2Im Mai steht in Eons größtem Atomkraftwerk, dem AKW Grafenrheinfeld, der Wechsel der Brennelemente an. Dummerweise muss Eons 1.345 Megawatt starke Stromproduktionsmaschine am linken Mainufer nach dem Atomausstiegsgesetz Anfang 2016 abgeschaltet werden. Und dummerweise verstößt die deutsche Brennelementesteuer auch nicht gegen Europarecht, wie jetzt Maciej Szpunar, der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH), festgestellt hat.

Wechselt Eon im Mai die Brennstäbe, müsste das Unternehmen also Steuern zahlen – 80 Millionen Euro. Um das zu vermeiden, will der Konzern das AKW Grafenrheinfeld lieber schon jetzt vom Netz nehmen. Mit gravierenden Folgen.

Zu zweitens: Eon verliert klimafreundliche Erzeugerkapazität, der ohnehin noch nicht sehr grüne Strommix von Eon wird dann noch kohlelastiger.

Zu erstens: Es müssen dringend neue Leitungen nach Bayern gebaut werden. Denn wenn dort, wo die Industrie brummt, solch ein großes Kraftwerk wegfällt, muss der Strom ja irgendwo herkommen. Suedlink“ heißt das Trassenprojekt, das an die abgeschalteten AKWs in Bayern Windstrom aus dem Norden liefern soll.

Nicht falsch verstehen, liebe Eons: Natürlich finden wir den neuen, von euch eingeschlagenen Kurs super! Und natürlich wissen wir, dass ihr auf diesem Weg eine Menge Probleme bekommt! Aber gerade deshalb fänden wir´s nicht schlecht, wenn ihr Technikpioniere uns nicht für dumm verkaufen würdet!

Danke an Susanne S. aus Zossen für diesen Tipp!


Eon: Der Zukunft hinterherhinken

Donnerstag, den 14. August 2014

Neuester Schrei in der Konzernkommunikation sind die sozialen Medien. Wobei etliches, was auf Facebook publiziert wird, oder manch „Scheißsturm“ bei Twitter eigentlich die Bezeichnung „asozial“ verdient hätte. Aber sei es drum, die Konzernkommunikation von Eon fand es eine gute Idee, mit folgendem „empfohlenen Beitrag“ – wie Werbung bei Facebook heißt – auf Sendung zu gehen:

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Wie kommt man bei Windstille zu Strom? Komische Frage – ausgerechnet von Eon. Na, aus Atomkraftwerken von Eon zum Beispiel. Oder aus den Eon-Kohlekraftwerken.

Beide sind bekanntlich weder “intelligente Lösungen“ noch die „Energiezukunft“, wie es im Anreißer der Werbung heißt: Statt nach der intensiv zu suchen, hatte der größte Energiekonzern Europas jahrelang lieber all seine Energie in die Lobby-Arbeit für die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke gesteckt oder ins Anschalten illegal gebauter Kohle-Blöcke.

Aber seien wir nicht so voreingenommen und gönnen Eon den Klick. Denn darum geht es in der Internet-Werbewirtschaft, um Klicks: Was empfehlen uns denn die Werbeexperten des Fossilkonzerns auf die Frage, was passiert, wenn der Wind nicht weht?

Nichts Geringeres als die Zukunft:

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Abgebildet ist die Nordsee-Insel Pellworm. Weil es hier weder Kohle- noch Atomkraftwerke gibt, wurden 1983 auf dem 37 Quadratkilometer großen Eiland 17.568 Solarmodule vom Typ AEG PQ 10-20 an Netz gebracht und ein – heute museal anmutendes – Windrad Enercon-E-33 aufgebaut. Zukunfsfreundliche Stromversorgung, die gibt es für die 1.200 Pellwormer schon länger, als es Eon gibt – seit über 30 Jahren.

Aber natürlich ist auch auf der Insel der Stromverbrauch gestiegen. Und dann kommen immer mehr Touristen. Zwar gibt es für den Fall, dass es Nacht ist und der Wind nicht bläst, ein Untersee-Kabel zum stromversorgenden Festland. Seit 2013 aber gibt es das Projekt „Smart Region Pellworm“Die Schleswig-Holstein Netz AG erprobt hier gemeinsam mit der Fachhochschule Westküste, dem Fraunhofer-Institut, der Saft Group und der Aachener Universität RWTH, wie sich Strom speichern lässt. Die Pellwormer sollen im Kleinen testen, was irgendwann für alle Wirklichkeit werden soll: Ohne Atom- und Kohlestrom auszukommen, regenerativ und dezentral. Finanziell unterstützt wird das Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium, Eon stellt die Batterien.

So weit die Fakten. Im zur Kampagne gehörenden Eon-Werbespot brüstet sich Eon dafür: „Schon heute können wir ein ganzes Gebiet zuverlässig mit Erneuerbarer Energie versorgen“.

Schon heute?

Liebe Werbe-Leute von Eon: Kann ja sein, das euer Konzern damals beim Installieren der Pellwormer Autark-Systeme nicht dabei war. Eon hat die Zukunft glatt verschlafen. Die Zukunft der Erneuerbaren hat nämlich schon vor Jahren begonnen!

Vielen Dank für den Hinweis an Kathrin K. aus Erlangen!


Avacon: Bisschen grün waschen

Montag, den 21. Juli 2014

Die Arbeit des Klima-Lügendetektors ist zuweilen äußerst zwiespältig. Ein Leser schickt uns seine Anfrage, wir prüfen – und finden keine Lüge. Das ist natürlich schön für das Produkt, die Firma oder das Klima. Für uns aber bedeutet das: Wieder mal umsonst gearbeitet. Wir schicken dann dem Leser unsere Erkenntnis, publizieren diese aber nicht auf unseren Seiten, denn auf dem Klima-Lügendetektor sind eben nur die Lügner zu finden.

Wie schwer das manchmal ist, lässt sich gut an jenem Beispiel illustrieren, dass uns ein Leser jüngst eingeschickt hat:

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Die Avacon AG  ist einer der größten regionalen Strom- und Gasnetzbetreiber in Deutschland. Die Mehrheit des Avacon-Konzerns gehört Eon – 63,3 Prozent –, den Rest der Aktien teilen sich diverse Kommunen im Vertriebsgebiet zwischen Elbe und Elde, zwischen Frankfurt am Main und Schleswig-Holstein. Die Eon-Tochter wirbt damit, „den Anschluss an die Energie von morgen“ zu realisieren.

… Moment mal: Eon versucht doch gerade in Datteln sein längst überfälliges Steinkohle-Kraftwerk mit der Energie von gestern ans Netz zu bekommen?

Klarer Recherchefall für den Klima-Lügendetektor! Im Kleingedruckten heißt es in der Anzeige weiter:

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Nun ja: Die Eon-Tochter Avacon muss Solaranlagen, Windräder und Co. ans Netz anschließen, dazu hat der Gesetzgeber Netzbetreiber wie Avacon verpflichtet. Avacon muss heute schon die nötige Infrastruktur schaffen, „um die Region mit der Kraft der Sonne zu versorgen“ – auch das ist Gesetzesauftrag an den Netzbetreiber. Daraus eine positive Werbeaussage zu machen – Chapeau! Gelogen ist das zumindest nicht.

„Mehr zum Thema Energiewende: www.avacon.de“ – der Netzbetreiber bietet online den Solar-Dachatlas des Zweckverbandes Großraum Braunschweig (ZGB) an, Tipps für „Einspeiser“ und eine lächelnde Frau vor einer Rohrleitung, auf der „Biogas“ steht. Also wieder einmal umsonst gearbeitet?

Es bleibt die Frage, welcher Strom heute eigentlich durch die „Netze mit neuer Energie“ fließt. „Avacon verkauft selbst ja keinen Strom, wir sind reiner Netzbetreiber“, sagt Unternehmenssprecherin Kirsten Fricke. Aber der Strom sei zu 90 Prozent grün: „In unserem Vertriebsgebiet gibt es sehr viele Windräder, aber kaum Kohlekraftwerke.“

Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser, es scheint so, als ob wir uns schon wieder einmal die Mühe umsonst gemacht haben. Avacon verdient Geld mit grünem Strom. Und schaltet grüne Anzeigen. Wunderbar!

Wunderbar? „Der Bilanzgewinn für das Jahr 2012 beläuft sich auf 103.905.000 Euro“, teilt uns der Konzern mit. 63,3 Prozent von dem, was nicht reinvestiert wird, ging an den Besitzer Eon. Und der nutzte das feine Avacon-Geld, um damit neue Kohlekraftwerke, beispielsweise das Steinkohlekraftwerk in Datteln, zu bauen. Das bedeutet natürlich alles andere als

avacon1So etwas nennt man „Greenwashing“. Und das ist genau unser Thema.

 


Eon: Die Windkraft-Hochstapler (Teil 2)

Freitag, den 19. April 2013

Wir hatten ja schon ein bisschen Mitleid mit Eon, weil der Konzern anscheinend niemanden mehr fand, der für ihn Werbung machen wollte. Jedenfalls waren die Protagonisten der aktuellen Imagekampagne – Frau Kuhn, Frau Weiß und Herr Wagner – offenbar allesamt Phantasiefiguren. Nun aber gibt es immerhin eine ehemalige Spitzensportlerin, die dem Atom- und Kohleriesen ihr Gesicht verkauft: die frühere Biathletin Magdalena Neuner.

Nachdem der Ex-Biathlon-Star bereits für die Telefonfirma Telegate posierte und sich für den Unterwäschehersteller Mey auszog, sorgt sich Neuner nun also um unser aller Stromkosten. „Wenn Strom immer grüner wird“, lassen die Eon-Werber sie fragen, „kann sich das dann noch jeder leisten?“ Die Antwort des Unternehmens lautet:

Hallo Frau Neuner, wir arbeiten daran, dass Erneuerbare Energie bezahlbar bleibt. Unsere Energie soll sauberer und immer besser werden. Ein Beispiel: Bereits seit 2001 bauen wir Hochsee-Windparks. Durch unsere Erfahrung können wir Prozesse und Verfahren beim Bau und Betrieb immer weiter verbessern. Damit senken wir die Kosten schon jetzt nachhaltig. Unser Ziel: die Baukosten halbieren.

Hm, wir haben uns ein bisschen darüber gewundert. Denn zu Jahresbeginn hatte Eon-Chef Johannes Teyssen – unter anderem in der Rheinischen Post – noch darüber geklagt, dass Ökostrom viel zu billig und viel zu viel sei und den Markt für Eons fossile Kraftwerke kaputtmache. Aber vielleicht haben wir ihn da auch missverstanden…

Wir wollen mal der Werbung glauben. Die präsentiert uns Eon als verantwortungsvolles Unternehmen, das sich um die Strompreise hier in Deutschland echt ganz doll kümmert. Womit wird diese Aussage belegt? Damit, dass Eon „bereits seit 2001 … Hochsee-Windparks“ baue, was zu einem reichen Erfahrungsschatz und damit zu Kostensenkungen führe. Okay, klingt nicht übel. Aber machen wir mal einen schnellen Realitätscheck.

Auf seiner Website bezeichnet sich das Unternehmen als „weltweit drittgrößten Offshore-Windkraftbetreiber“. So weit, so gut. Was da nicht steht: Die Onshore-Windkraft, also Windräder an Land, die derzeit in Deutschland den Löwenanteil der erneuerbaren Energien in Netz bringen, hat Eon komplett verschlafen (und, wie manche sagen würden, lange Zeit bis aufs Messer bekämpft).

Egal, bleiben wir bei den „Hochsee-Windparks“. Scrollt man ein bisschen auf der Eon-Website herunter oder blättert durch das 66-seitige Offshore-Wind-Factbook, dann wird schnell klar, dass bisher kaum eine der duften Offshore-Windanlagen von Eon in deutschen Gewässern steht. Rödsand II ist ein dänischer Windpark, Robin Rigg und Scroby Sands britische. Das einzige deutsche und bereits realisierte Projekt heißt Alpha Ventus – aber das ist ein kleines Pilotvorhaben mit gerade zwölf Windrädern, an dem Eon einen Anteil von lediglich 26 Prozent hält. Für die deutsche Stromversorgung ist also Eon-Windkraft bislang praktisch bedeutungslos. (Klar, daneben treibt der Konzern größere Offshore-Projekte wie Amrumbank West voran – aber nachdem man im Kampf gegen die Energiewende gescheitert ist, bleibt Eon auch kaum etwas anderes übrig.)

Aber zurück zum Kernargument der Annonce, dem „Hochsee-Windpark“ von 2001. Damit kann Eon nur das britische Projekt Blyth meinen. Ohne die Bedeutung des damaligen Forschungsprojekts kleinzureden, wollen wir ein paar Sachen anmerken: Unter „Hoher See“ versteht man eigentlich Gewässer, die mehr als 200 Seemeilen oder 370 Kilometer von der Küste entfernt sind – der „Windpark“ Blyth aber steht lediglich einen Kilometer vor der nordenglischen Küste (Wikipedia spricht sogar nur von 800 Metern). Und was heißt überhaupt „Windpark“? Bei Blyth handelt es sich um ganze zwei (!) Windräder. Übrigens waren an dem Projekt damals neben Eon noch Shell und zwei andere Firmen beteiligt. Und 2001 war für ein Offshore-Pilotprojekt wirklich nicht besonders früh. Der erste Meeres-Windpark der Welt, Vindeby in Dänemark, war bereits zehn Jahre zuvor fertig.

Sorry, Eon. Sorry, Frau Neuner: Für unsere Nase riecht die Annonce doch arg nach Hochstapelei.


Die grüne BahnCard: Millimeterstein fürs Klima

Freitag, den 5. April 2013

Auf unserem Schwesterportal klimaretter.info läuft gerade eine kleine Leserdebatte: Wie ist die Berichterstattung zur „grünen BahnCard“ zu bewerten? War die Redaktion unkritisch? Vielleicht gar, weil die Bahn – im Rahmen einer riesigen Werbekampagne – auch auf klimaretter.info für das neue Angebot wirbt?

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Es geht um den Knirps am rechten Bildrand, der – in einem lieblichen Fernsehspot – ganz begeistert ist, weil sein Papa jetzt echt was für die Umwelt tut.

Hilft er den Bäumen?

Rettet er Eisbären?

Macht er die Luft sauber?

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Nein, vieeel einfacher: Papa fährt mit der neuen BahnCard. Die Botschaft dahinter: Weil die Bahn jetzt so viel Ökostrom einkaufe, wie BahnCard-Kunden im Fernverkehr rechnerisch verfahren, werde ab 1. April die BahnCard grün. „Jetzt kann jeder etwas für die nächste Generation tun“, lautet das Motto der von der Edel-Agentur Ogilvy verantworteten Kampagne.

Natürlich hat die Sache ein paar Haken. Die ganze Aktion gilt sowieso nur für den Personenfernverkehr – Regional- und S-Bahnen fahren weiterhin vor allem mit Kohle- und Atomstrom (Güterzüge sowieso). Ein kleiner Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt nutzten 2011 in Deutschland insgesamt 2,4 Milliarden Fahrgäste den Schienen-Nahverkehr, im Fernverkehr gab es lediglich 120 Millionen Bahnkunden – also ein Zwanzigstel. Die fahren in den ICE-, IC und EC-Zügen zwar längere Strecken, und die Deutsche Bahn ist auch längst nicht mehr der einzige Nahverkehrsanbieter – andererseits fährt nur ein Teil der Fernverkehrskunden mit BahnCard und damit künftig „grün“. Unterm Strich ist die Reichweite der Stromrevolution bei der Bahn also ziemlich begrenzt. Das Unternehmen jedoch klotzt mit großen Worten, nach eigenen Angaben hat sie mit der Aktionbahn_oekobahncard3Keine Frage, Bahnfahren mit Ökostrom ist was Feines. Und dass die Deutsche Bahn stärker auf erneuerbare Energien setzt, finden wir selbstverständlich prima. Doch der konkrete Nutzen fürs Klima und die Energiewende hängt bekanntlich davon ab, woher genau der Ökostrom kommt. Die unschöne Anwort: Zum großen Teil von Eon und RWE – beziehungsweise aus deren Wasserkraftwerken, zum Beispiel an Rhein, Mosel und Ruhr, die teilweise seit vielen Jahrzehnten Elektrizität erzeugen. Durch den Schritt wird nun zwar der Fahrstrom der Bahn etwas grüner – der Strommix im allgemeinen Netz aber, das alle anderen Kunden versorgt, wird im selben Maße schlechter. Klimaeffekt: Null. Zudem stecken die Kohle- und Atomkonzerne RWE und Eon noch immer ein Gutteil ihrer Investitionen in klima- und umweltschädliche Anlagen, RWE beispielsweise plant weitere Braunkohle-Blöcke, und im Bunde mit Eon kämpft die Bahn mit harten Bandagen für das hoch umstrittene Steinkohle-Kraftwerk im nordrhein-westfälischen Datteln.

Ein kleiner Teil des grünen BahnCard-Stroms kommt immerhin von 48 Windrädern in Brandenburg und Niedersachsen, die die Bahn unter Vertrag genommen hat. Deren Strom wird nun nicht mehr über das Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet, sondern direkt von der Bahn. Für diese Windräder fällt also künftig keine EEG-Umlage mehr an. Würde die Bahn dies in größerem Maßstab machen, könnte der Strompreis sinken – denn würde die Bahn 480 oder gar 4.800 Windräder buchen, müssten die einfachen Stromkunden deren Betrieb nicht mehr über die Umlage finanzieren. So käme die Energiewende auch ohne jene „Strompreisbremse“ in Gang, mit der Schwarz-Gelb angeblich die Umlage für den Ökostrom stabil halten will. Die Bahn hätte irgendwann genügend Strom, um auch noch den Nahverkehr und den Güterverkehr grün zu machen. Das wäre dann wahrhaftig ein „Meilenstein“ und eine große Tat für die nächste Generation. Bei einem Jahresgewinn von aktuell 2,7 Milliarden Euro könnte das Unternehmen schon eine Menge bewegen … – Okay, okay, wir hören auf zu träumen.

Zurück zum konkreten Nutzen der „grünen BahnCard“ fürs Klima. Also zu dem, was der Papa aus dem Werbespot und die anderen rund fünf Millionen BahnCard-Kunden wirklich bewirken: der Effekt geht erstmal gegen Null. Denn sowohl die Wasserkraftwerke als auch die Windräder liefen ja schon, bevor die Bahn den Strom abnahm. Am Gesamtstrommix (siehe oben) und damit an den gesamten Treibhausgas-Emissionen ändert die „grüne BahnCard“ deshalb erstmal nichts. Der – wie es in der Fachsprache heißt – „zusätzliche Umweltnutzen“ von Ökostromangeboten hängt daran, ob durch ein Produkt wirklich neue Erzeugungsanlagen entstehen. Das wissen natürlich auch die Ökostrom-Experten bei der Bahn, weshalb sie in das werbewirksame Projekt – damit es kein Schmu ist – noch einen „Neuanlagenbonus“ eingebaut haben:

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Ein paar Cent pro Fahrkarte fließen in einen Fonds, aus dem „innovative Projekte zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland“ unterstützt werden sollen. Sonderlich viel hat der anscheinend noch nicht bewirkt, denn die Bahn nennt auf ihrer Website ein einziges gefördertes Projekt: 500.000 Euro flossen demnach in das Enertrag-Hybridkraftwerk im uckermärkischen Prenzlau, das Windkraftspitzen puffern und so das Stromnetz stabilisieren kann. Das Werbebudget zur „grünen BahnCard“ beträgt ein Vielfaches.

Also, liebe Bahn, ein „Meilenstein“ sieht anders aus – das Ganze wirkt eher wie millimeterhafter Fortschritt.


Eon: Mit Drecksstrom sofort durchstarten

Montag, den 29. Oktober 2012

Hier also ein weiteres Motiv der aktuellen Eon-Kampagne, diesmal aus der Oktober-Nummer der ADAC Motorwelt, mit einer Auflage von mehr als 13 Millionen Stück immerhin Deutschlands größter Zeitschrift:

Okay, es war ja zu erwarten, dass sich auch Eon irgendwann mit dem hippen Thema Elektromobilität schmücken will – wie zuvor schon die Konkurrenz von RWE oder Vattenfall. Deutschlands größter Energieversorger schreibt also:

Klingt gut, oder? Aber lesen Sie die drei Zeilen bitte nochmal. Fällt Ihnen etwas auf? Der Konzern verspricht dort – streng genommen – nicht „CO2-freies Fahren“, sondern nur die Möglichkeit dazu.  Wer nämlich wirklich „sofort durchstarten“ will, wer dafür bei Eon ein Elektroauto bucht und den normalen Eon-Strommix tankt, der fährt alles andere als „CO2-frei“. Unter der Rubrik „Rechtliche Veröffentlichungspflichten“ heißt es nämlich auf der Firmenwebsite lediglich: „ Im Jahr 2030 werden wir 36 Prozent unseres Stroms in Erneuerbare-Energien-Anlagen produzieren.“ Und: „Bereits ab 2015 stehen uns über 10.000 Megawatt Windkraftkapazitäten zur Verfügung.“

Ja, ja, liebe Eon-Leute, aber wie hoch ist der Öko-Anteil am Eon-Strom heute?? Die Antwort hängt ab vom Wohnort des Kunden. Würde der freundlich lächelnde Paul Wagner aus der Annonce zum Beispiel in 22769 Hamburg wohnen, dann wären es (neben dem Anteil gesetzlichem EEG-Stroms) schlappe 4,2 Prozent – pro Kilowattstunde würden dann 453 Gramm CO2 freigesetzt. Wohnte Herr Wagner in 69221 Heidelberg, läge die Quote Eon-eigenen Ökostroms bei 7,1 Prozent (CO2-Emission pro kWh dort: 438 Gramm). Neben etlichen Atommeilern betreibt nämlich Eon einen großen Kohlekraftwerkspark – und steckt am hessischen Standort Staudinger oder im nordrhein-westfälischen Datteln sogar noch weitere Milliarden in neue CO2-Schleudern. Wer bei Eon einfach und sofort losfahren will, tut das also mit ziemlichem Drecksstrom.

Man muss ein Weilchen suchen, um auf der Firmen-Website reinen „Eon-Ökostrom“ zu finden ( zum Beispiel hier, dann ganz runterscrollen und auf „Ökostrom“ klicken) . Und da steht dann:

Nun sind Wasserkraftwerke nicht schlecht, und tatsächlich kann man den dort erzeugten Strom „CO2-frei“ nennen. Den Haken an Eons Wasser-Strom aber haben wir an dieser Stelle schon mehrfach erklärt, zum Beispiel 2008 oder 2009. Kurzgesagt ist das Problem, dass die meisten Anlagen schon einige Jahrzehnte alt sind. Und wenn ein Elektroauto-Kunde diesen Wasserstrom bucht, dann wird er aus dem ohnehin mageren Öko-Anteil des Eon-Strommixes herausgelöst: „Paul Wagner“ würde auf dem Papier tatsächlich „CO2-freie“ Elektrizität für sein Elektroauto kriegen – er würde aber im Gegenzug bei den anderen Eon-Kunden fehlen, ihr Energiemix würde im selben Maße dreckiger. Unterm Strich haben Umwelt und Klima deshalb gar nichts davon, wenn ein neues Elektroauto mit Strom aus alten Wasserkraftwerken fährt.

Liebe Leute von Eon, wirklich durchdacht ist diese „Lösung für CO2-freies Fahren“ also nicht!


Eon: Spät, aber doch…

Mittwoch, den 24. Oktober 2012

Unsere Leserin Konstanze S. aus dem Wendland hat uns folgende Eon-Anzeige aus der Elbe-Jeetzel-Zeitung zugesandt. Und um Prüfung gebeten:

Das Motiv gehört zur aktuellen Eon-Kampagne, die uns hier schon mehrfach beschäftigte. Diesmal will eine „Frau Weiß“ unter dem „Betreff: Speichertechniken“ wissen, ob es “ ’nen Akku für grünen Strom“ gibt.

„So was gibt es schon heute“, antwortet Eon. Und verspricht: „Wir arbeiten an weiteren Speichertechniken.“ Tatsächlich hat Eon in der vergangenen Woche im nördlichen Brandenburg den Grundstein für eine sogenannte „Power-to-Gas„-Anlage gelegt. Ab 2013 soll dort in einem Elektrolyseprozess mittels überschüssigem Windstrom Wasser gespalten und so Wasserstoff produziert werden, pro Stunde rund 360 Kubikmeter. Eon schreibt: „Dieser kann dann im bestehenden Erdgasnetz zwischengespeichert werden und ist so immer und überall verfügbar – auch wenn der Wind mal Pause macht.“

Deshalb, nein, liebe Leserin Konstanze S., der Klima-Lügendetektor hat an dieser Anzeige eigentlich nichts zu beanstanden. Wenn, ja wenn wir das kleine Detail ausblenden, dass Eons Formulierung („So was gibt es schon heute. Und wir arbeiten an weiteren Speichertechniken“) so verstanden werden kann, als gebe es so etwas auch schon heute bei Eon gibt. Denn in Wahrheit waren andere Unternehmen bei dieser Technologie Vorreiter, und ausgerechnet nicht die großen Energieriesen, sondern beispielsweise Enertrag oder GreenpeaceEnergy.

Danke an Konstanze S. aus Dannenberg für den Hinweis

P.S.: Und nächste Woche schauen wir uns dann das nächste Motiv aus der Eon-Kampagne an …