Archiv des Schlagwortes ‘Energieeffizienz’

taz: Blackout bei Energiesparlampen

Freitag, den 23. April 2010

Unter Politik- und Wirtschaftsjournalisten gibt es ein Schimpfwort: „Feuilleton“. Jedenfalls rümpfen die tendenziell herablassenden Schreiber aus den „harten“ Ressorts gern die Nase, wenn sich Kultur-Kollegen in flanierend-lockerem Ton zu ernsten Themen äußern. Angesichts des Textes, der diese Woche im Feuilleton der alternativen tageszeitung erschien, kann man die Arroganz fast verstehen. taz_gluehlampe1Unter der Überschrift „Da geht uns ein Licht aus“ schrieb die Feuilletonistin Brigitte Werneburg über einen Aufruf von rund 90 Künstlern, Designern und Galeristen in der neuen Ausgabe der Kunstzeitschrift Monopol. Die Petition richtet sich gegen das Verbot von Glühbirnen, das seit vergangenem September in der EU schrittweise eingeführt wird. „Auf die Vielfalt des künstlichen Lichts“ und auf Halogenlampen können die rund 90 Unterzeichner nach eigenen Angaben „unmöglich verzichten“, so der Aufruf, „traditionelle Glühbirnen“ seien „essenzieller Teil unserer Beleuchtungskultur“. Das klingt reichlich alarmistisch – aber natürlich wäre auch wenig dagegen einzuwenden, wenn als Ausnahme vom Verbot in der einen oder anderen Galerie auch künftig noch eine alte Lampen leuchten sollte. Dabei haben die Künstler in ihrem Furor offenbar übersehen, dass zumindest die gewohnten Halogenlampen weiter erlaubt sind.

Die taz-Journalistin Brigitte Werneburg aber hat sich vom Gezeter der Petition anstecken lassen. Und führt in ihrem Artikel einige der beliebtesten Gruselmärchen an, die an Kneipentischen und in Internet-Blogs kursieren. Die Sparlampen würden aufgrund „gefühlter“ Kälte mehr Heizenergie benötigen und wegen aufgrund ihres Quecksilbergehalts die Umwelt schädigen.

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Laut der Studie werde das 1,4-Fache der eingesparten Energie wieder rückinvestiert. Schon dabei hätte jeder Journalist und jede Journalistin stutzig werden müssen: Wieso soll eine Heizung fast anderthalb mal so viel Energie zum Heizen brauchen wie eine Glühlampe? Doch es geht noch weiter:

taz_gluehlampe3Donnerwetter! Sind wir etwa alle von den Lobbyisten der Energiesparlampenindustrie oder totalitären EU-Bürokraten betrogen worden? Ist das Glühlampenverbot in Wahrheit eine heimliche Maßnahme zur Energieverschwendung? Komisch nur, dass die von Brigitte Werneburg zitierte Behörde auf ihrer Website schreibt:

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Zu deutsch: „Durch das Ausmustern traditioneller Glühlampen werden wir alle weniger Energie und dadurch weniger Elektrizität brauchen.“ Des Rätsels Lösung: Die im taz-Text zitierte Studie existiert überhaupt nicht. Zwar haben sich tatsächlich mehrere Untersuchungen der Defra mit dem sogenannten Heat-Rebound-Effekt befasst, also der Frage, wieviel Heizenergie kompensiert werden muss, wenn energiesparende Geräte weniger Abwärme erzeugen. Die Untersuchung, auf die sich die taz indirekt bezieht, ist beim britischen Market Transformation Programme (MTP) unter dem Titel BNXS29 zu finden. Doch die genannten Aussagen über einen 1,4-fachen Verbrauch an Heizenergie oder „gefühlte“ Temperaturen durch veränderte Lichtfarben finden sich darin nicht.

Ursprung der Zeitungsente ist ein Artikel im Magazin Professional Lighting Design wo die Studie erwähnt und im weiteren über den psychologischen Faktor kalten Lichts spekuliert wurde. Hierzulande griff die Zeitschrift Öko-Test dies im Oktober 2008 auf und schrieb die Aussage direkt der Defra-Studie zu. Die Firma Megaman, einer der führenden Hersteller von Energiesparlampen, ging der Sache daraufhin nach. „Das MTP wurde darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Veröffentlichung BNXS29 in deutschen Medien zu kaltem Licht und seinen psychologischen Effekten zitiert wurde“, erklärte einer der Studienautoren, Arani Mylvaganam, gegenüber Megaman. „Aber diese Information kommt nicht vom MTP und BNX29 wurde bedauerlicherweise falsch zitiert.“

Und was ist mit dem zweiten Punkt im taz-Text, dem Quecksilber? Dieses hochgiftige Schwermetall ist tatsächlich in Energiesparlampen enthalten – pro Stück etwa 3 bis 4 Milligramm. Allerdings wird es nur frei, wenn die Lampe kaputtgeht oder nicht fachgerecht entsorgt wird. Und selbst dann noch ersparen die modernen Lampen der Umwelt Quecksilber. Grund für dieses Paradoxon ist die Tatsache, dass Kohlekraftwerke erhebliche Mengen Quecksilber durch den Schlot freisetzen – und durch den eingesparten Strom werden diese vermieden.

Das hätte Brigitte Werneburg übrigens auch auf der Website der von ihr zitierten Defra nachlesen können.


Edeka: Etikettenschwindel mit Energieeffizienz

Montag, den 1. Februar 2010

„ÖKO“, prangte groß in einem Prospekt, den die Edeka-Tochter Marktkauf kürzlich in Hamburg verteilen ließ. „Sparsam im Verbrauch“ und „A – Energieeffizienz“. Toll, werden sich etliche Kunden gedacht haben, der Preis des Gefrierschranks stimmt auch, da greif ich zu.

edekakaufland_beko1Aber, halt! Insider wissen, dass die Energieeffizienzklasse „A“ bei Kühlgeräten nur Mittelmaß ist. Die von A bis G reichende Skala hatte ihren Sinn, als sie Mitte der neunziger Jahre EU-weit eingeführt wurde. Seitdem aber ist die Technik viel weiter, nur wenige Geräte fallen überhaupt noch in die Klasse B. Schlechtere gibt es praktisch nicht mehr auf dem Markt, 2003 wurden deshalb zusätzlich die Klassen A+ und A++ eingeführt. Der Verbrauch des beworbenen Gefrierschranks Beko FS 210 liegt mit 247 Kilowattstunden denn auch satte 50 Prozent über dem aktueller A++-Geräte. Das angebliche ÖKO“-Produkt ist also in Wahrheit ein Stromfresser und verursacht unnötige CO2-Emissionen.

Als „grünen Etikettenschwindel und irreführend“ bezeichnet deshalb Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg die Werbung. Er hat Edeka/Marktkauf wegen des Prospekts abgemahnt, die Firma gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab. Eine grundsätzliche Lösung der verwirrenden Kennzeichnungspraxis aber ist das nicht. Dabei wäre sie ganz einfach: Die EU könnte die Label-Regeln so ändern, dass sich der jeweils pro Effizienzklasse erlaubte Verbrauch automatisch dem Fortschritt anpasst. Schlechte Geräte würden dann mit der Zeit in der Skala nach unten rutschen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern solche „dynamischen Labels“ seit langem, können sich jedoch nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite nämlich macht die Industrie Druck. Für sie sind die veralteten Klassen sehr bequem, denn mit ihr lassen sich selbst Stromverschwender noch mit dem positiv klingenden A-Siegel vermarkten. Eine gründliche Reform wurde Ende 2009 vereitelt, stattdessen wird es künftig noch komplizierter: Wer einen wirklich sparsamen Kühlschrank kaufen will, muss bald nach einem A mit drei Plus-Zeichen Ausschau halten.

Verständlich für Kunden ist dies nicht, und der Umwelt schadet die Unklarheit. Nur Hersteller und Händler ineffizienter Produkte können sich freuen – und natürlich die Energieversorger, die weiterhin schön viel Strom verkaufen können.


McDonald’s: (Energie-)Effiziente Werbemaßnahme

Donnerstag, den 23. April 2009

Heute eröffnet McDonald’s in Achim bei Bremen sein erstes energieeffizientes Restaurant. Laut Pressetext soll es als „weltweit einzigartiges Testlabor für alle anderen McDonald’s-Restaurants“ dienen. Um 12 Uhr werden die TV-Moderatoren Wigald Boning und Barbara Eligmann die installierten Öko-Technologien in Form einer Clever-Show präsentieren. Auf dem Dach der „EE-Tec“-Filiale prangen eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung, Solarkollektoren zur Warmwassergewinnung sowie ein Windrad mit dem gelben „M“, darüber hinaus kommen eine Geothermie-Wärmepumpe sowie diverse Energiespar-Technologien zum Einsatz. „Was sich im Praxistest bewährt, kann in weiteren McDonald’s Restaurants eingesetzt werden“, kündigt die Fastfood-Kette an.

Bravo, liebe McDonalds-Betreiber, ein beachtliches Projekt – aber so einfach kommt Ihr uns nicht davon. Wir hätten da noch ein paar Fragen:

1. Schön, dass Ihr in Achim eine Fotovoltaik-Anlage, Solarkollektoren und eine Wärmepumpe einem „Praxistest“ unterzieht – aber das haben doch schon Millionen vor euch getan! Bundesweit wollt Ihr in diesem Jahr 40 neue Filialen eröffnen. Warum wendet Ihr diese längst bewährten Technologien nicht gleich auch in den 39 anderen an?

2. Toll, dass Ihr in Achim einen „neu entwickelten Induktionsgrill“ testet, der „das Fleisch energieeffizient grillt“ – zu dumm nur, dass das Grillgut alles andere als energieeffizient erzeugt wurde. Laut Foodwatch trägt die Landwirtschaft zum Klimawandel genauso viel bei wie der Verkehr, und von allen Lebensmitteln hat ausgerechnet eure größte Spezialität mit Abstand die schlechteste Klimabilanz: das Fleisch von Methan rülpsenden Rindern! Warum habt Ihr eigentlich Euren einzigen vegetarischen Burger 2005 wieder aus dem Programm genommen? (Die Antwort wird vermutlich sein, dass er sich so schlecht verkauft hat. Aber mal ehrlich: Im Gegensatz zu vielen anderen Veggie-Burgern hat Euer „Gemüse-Mac“ wirklich fade geschmeckt – und der Name war auch nicht gerade appetitanregend.)

3. Danke, dass Ihr vorab so schöne Pressefotos verschickt habt – im Bild unten sticht da etwas ins Auge. Wenn es euch Ernst ist mit dem „weltweiten Vorbildcharakter“, warum ermuntert Ihr Eure Gäste nicht, energieeffizient zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen? Musste es in Achim denn ausgerechnet wieder ein McDrive sein?


Sony: Stromsparen ist halt relativ

Freitag, den 11. Juli 2008

Der Elektronikkonzern Sony berichtete im Februar auf seiner Internetseite von einem mit dem WWF ausgerichteten „Climate-Savers-Gipfel“ in Japan. Sony und andere führende Unternehmen hätten dort die „Tokyo Declaration“ unterzeichnet, die unter anderem „die Förderung eines kohlenstoffarmen Lebensstils bei Konsumenten und unseren Kunden“ zum Ziel habe. Das klingt gut.

Kurz darauf brachte Sony eine Innovation auf den Markt, die den verschwenderischen Lebensstil auf ein neues Niveau hebt: Alle Fernsehgeräte der Serien Bravia W4000, E4000 und W4500 sind jetzt mit einem „Picture Frame Mode“ ausgestattet, der auf dem Monitor ein Standbild erscheinen lässt – „eines der sechs vorinstallierten Bilder von Pop Art bis Van Gogh oder das persönliche Lieblingsbild“, wie es in der Presseerklärung zur Markteinführung hieß. Die Idee ist tatsächlich, dass der Fernseher auch dann läuft, wenn man gar nicht fernsieht. Schließlich wirke ein dunkler Bildschirm ja „nicht sonderlich attraktiv.“

Im Rahmen der „Climate-Savers-Initiative“ hatte Sony eine „transparente und konsequente Kommunikation über seine Umweltschutz-Erfolge“ versprochen – und getreu diesem Motto verkauft der Konzern seinen Bilderrahmen-Modus nun als ökologischen Fortschritt: „Die Bravia der W4000-Serie verbrauchen im Picture Frame Mode bis zu zehn Prozent weniger Strom als im Fernsehbetrieb“, heißt es in der Presseerklärung, „und helfen somit, Energie zu sparen.“

Laut den Datenblättern verbrauchen allerdings zum Beispiel die W4000-Geräte im Normalbetrieb je nach Größe zwischen 120 und 225 Watt. Im Bilderrahmen-Modus liegt der Verbrauch demnach immer noch bei rund 100 beziehungsweise 200 Watt – das ist 1000-mal mehr als im Stand-By-Modus. Genauso gut könnte man mehrere herkömmliche Glühbirnen vor sich hin brennen lassen. Wie war das mit „Energie sparen“?

Die Idee des „digitalen Bilderrahmens“ ist übrigens nicht neu – kleine Modelle, die man sich zum Beispiel auf den Nachttisch stellt, sind schon länger zu haben. Das Magazin Focus hat ausgerechnet, dass diese Geräte pro Jahr bis zu hundert Kilowattstunden Strom verbrauchen und Energiekosten von etwa 15 Euro verursachen. Dabei brauchen sie durchschnittlich „nur“ zehn Watt – einen Bruchteil der Bravia-Fernseher. Wer sich auf jeden Fall über die Produkte freuen dürfte, hat Focus aus ausgerechnet: Den Energieversorger brächten die kleinen Bilderrahmen, wenn sich nur jeder vierte Deutsche einen solchen anschaffte, einen zusätzlichen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro.

Danke an Tanja M. für den Hinweis