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EIKE: Auf den Fake hoffen

Freitag, den 18. März 2016

Folgende Meldung war auf den Seiten des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ zu finden:

„Edward Snowden: Globale Erwärmung ist eine Erfindung der CIA“.

Donnerwetter! Der Whistleblower und Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter hat ja schon einiges ans Licht gebracht, was wir uns niemals im Leben hätten denken können. Deshalb wurde er zu Recht vielfach geehrt und ausgezeichnet, vom Stuttgarter Friedenspreis über die Carl-von-Ossietzky-Medaille bis hin zum Alternativen Nobelpreis. Nun kommt raus: Edward Snowden verfügt über als geheim eingestufte Informationen, nach denen hinter der „Theorie der globalen Erwärmung“ niemand anderes als der US-Geheimdienst CIA steckt:

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Eine Meldung, die ganz nach dem Geschmack des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ sein dürfte. Denn EIKE – wie sich das „Institut“ abkürzt – ist ein „Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines ‚menschengemachten Klimawandels‘ als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung“ brandmarkt, wie es im Selbstbild des selbsternannten Instituts heißt

Die brisante „Snowden-Meldung“ hat EIKE fast wortwörtlich von der Webseite worldnewsdailyreport.com übernommen.

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Auf den Seiten von worldnewsdailyreport.com findet sich neben der Snowden-Story jede Menge weiteres brisantes Material. Beispielsweise wird über Zoomitarbeiter aus Florida berichtet, die beim Versuch starben, einen Alligator zur vergewaltigen. Es gibt einen Text über Hitlers Schädel, der in Stalins Familien-Nachlass gefunden wurde. Und einen Bericht über die zwölf Ehefrauen des Jesus von Nazareth.

Lauter Exklusiv-Meldungen also, die unschwer als Fake zu erkennen sind. Schließlich zählt worldnewsdailyreport.com zu den schärfsten Fake-Seiten, die es im englischsprachigen Web gibt. Das „Europäische Institut für Klima und Energie“ nahm den Snowden-Fake von worldnewsdailyreport.com ernst – einfach weil die EIKE-Leute sich so sehr wünschten, dass ihre kruden Theorien eben doch die Wahrheit und kein Fake sind? 

Er habe den Hinweis auf die Snowden-Meldung „von dritter Seite“ bekommen, aber erst später erfahren, dass es sich vermutlich um einen Fake handele, sagt EIKE-Vize-Präsident Michael Limburg auf Nachfrage des Klima-Lügendetektors. „Deswegen habe ich die Meldung vorsichtshalber runtergenommen“, betont der Diplom-Ingenieur, der gerne angebliche „systematische Fehler“ der Klimaforschung nachzuweisen versucht und seit einiger Zeit die AfD energie- und klimapolitisch berät.

Nein, er habe die Meldung vorab nicht auf Plausibilität überprüft, räumt Limburg ein. Gleichwohl müsse EIKE aus dem Fehler keine Konsequenzen ziehen. Limburg: „Wir werden weiter möglichst wahrheitsgetreu berichten.“

So lange, bis die kruden EIKE-Thesen endlich wahr werden.

Herzlichen Dank an Peter H. aus Bochum für den Hinweis!


FAZ: Klimaquatsch mit Dieter Ameling

Mittwoch, den 7. August 2013

Dinosaurier sterben zu sehen, macht schon ein bisschen traurig. Aber so ist halt das Leben: Ändert sich die Welt, müssen Arten sich anpassen – oder weichen. Man sollte bloß achtgeben, dass sie nicht noch irgendetwas zerdeppern, wenn sie verzweifelt im Todeskampf um sich schlagen …

Dieter Ameling war einmal ein wichtiger Wirtschaftslenker. Er war lange Jahre Manager bei Thyssen, Krupp und Saarstahl. Er war Präsident des Stahlwirtschaftsverbandes und Mitglied im Bundesverband der Deutschen Industrie. Man könnte noch viele Sätze über Dieter Ameling schreiben, die das Wörtchen „war“ enthalten. Aktiv werden kann er heute, so scheint es, fast nur noch beim Klimaesoterik-Verein EIKE, der Ameling auf seinen Konferenzen sprechen lässt. Nächste Woche feiert Dieter Ameling jedenfalls seinen 72. Geburtstag, und heute hat ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gemacht: Sie hat (wieder mal) einen Artikel von ihm gedruckt.

Zeitungsausriss mit Überschrift: "Freispruch für CO2 - Revision der Energiewende"

Der Inhalt lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: Die Energiewende ist zu teuer und ruiniert die arme deutsche Wirtschaft, die noch stärker ins Ausland flüchten wird, wenn die grünen Chaoten weitermachen wie bisher. Das kann man natürlich so sehen, nicht umsonst steht über dem Artikel „Standpunkt“ – die FAZ-Redaktion kennzeichnet den Text also als Meinungsbeitrag. Trotzdem sollten gewisse journalistische Standards gelten. Westhalb man das zwar konservative, gleichwohl seriöse Blatt schon fragen muss: Sollten Redakteure nicht auch auf Meinungstexte einen kritischen Blick werfen? Und zumindest grobe sachliche Fehler oder Irreführungen verhindern. Okay, der Text stand auf den Wirtschaftsseiten der FAZ, aber Fakten prüfen, das sollte man auch dort können. Oder?

Als Startrampe für seine Suada hat sich Ameling nämlich ein paar Sätze gebastelt, die vorgeben, etwas über die Klimawissenschaft auszusagen. Schauen wir sie uns einzeln an:Ausriss mit Zitat: "Der renommierte Meteorologe Hans von Storch hat jüngst im "Spiegel" sehr klar bekannt, dass eine Erderwärmung seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet."

Korrekt an dem Satz ist, dass Hans von Storch ein „renommierter Meteorologe“ ist und dem Spiegel kürzlich ein Interview gegeben hat. Doch hat er – wie sich hier nachlesen lässt – eben nicht „sehr klar bekannt, dass eine Erderwärmung seit 15 Jahren nicht mehr stattfindet“. Das wäre auch Quatsch. Diese Worte hat nur die Spiegel-Redaktion in ihrer Titelei zum Interview gewählt. Korrekt ist, dass die weltweite Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche in den vergangenen 15 Jahren weniger stark gestiegen ist als in den Jahrzehnten zuvor. Doch jeder Wissenschaftler – so auch von Storch – weiß, dass diese sogenannte Erdmitteltemperatur nur ein Indikator für die Erderwärmung ist. Und dass ein 15-Jahres-Zeitraum zu kurz ist, um verlässliche Aussagen über Klimatrends zu treffen – dafür nimmt man in der Regel 30 Jahre. Bei allen kürzeren Zeitspannen überlagern natürliche Klimaschwankungen den Langfristtrend. Und langfristig ist der Trend weiterhin klar, die Erde erwärmt sich. Nur eben, zugegeben, an der Erdoberfläche in den vergangenen 15 Jahren langsamer als zuvor und auch weniger stark, als es Klimamodelle vermuten ließen. Es lohnt ein genauer Blick auf die Worte, die von Storch im Interview wählte: Er sprach von „Stagnation“ der Erderwärmung oder von „Pause“ – aber eben nicht davon, wie Ameling, dass diese „nicht mehr stattfindet“.

Weiter im FAZ-Text: Ausriss mit Zitat: "Die Mittelwerte der Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen sogar einen Rückgang der Temperaturen, und das, obwohl die Kohlendioxidwerte (CO2) weiterhin von Jahr zu Jahr gleichmäßig steigen."

Der Satz mag, bei wohlwollender Auslegung, stimmen – aber er geht am Thema vorbei. Man weiß nicht recht, was Ameling mit „Mittelwerten der Daten des Deutschen Wetterdienstes“ meint, vermutlich die Temperaturdaten der letzten 15 Jahre (sie sind zum Beispiel hier dargestellt, siehe Seite 12). Aber erstens gilt auch hier, dass die letzten 15 Jahre wenig aussagen über langfristige Klimatrends. Und zweitens sagen Temperaturdaten nur für Deutschland noch weniger über die Entwicklung des Weltklimas. Wir nehmen an, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) die Daten besser deuten kann als der Ex-Stahlmanager Ameling. Und der DWD betonte erst im Mai: „Auch in Deutschland lag die Mitteltemperatur im Jahr 2012 mit 9,1 Grad Celsius (°C) erneut deutlich über dem vieljährigen Mittel von 8,2 °C. Das Jahr 2012 war damit kein Rekordjahr, aber das 16.-wärmste seit 1881. Nach Auswertungen des DWD waren 24 der vergangenen 30 Jahre in Deutschland zu warm. In diese drei Jahrzehnte fielen zugleich 9 der 10 wärmsten Jahre der inzwischen 132-jährigen Zeitreihe des nationalen Wetterdienstes.“ Am Klimawandel bestehe jedenfalls kein Zweifel:

Was aber schließt Ameling aus seinen ersten beiden Sätzen?Ausriss mit Zitat: "Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Gehalten der Luft und dem dadurch bedingten Temperaturanstieg existiert also nicht."

Der Satz ist streng genommen korrekt. Aber in diesem Zusammenhang trotzdem völlig irreführend. Denn niemand, jedenfalls kein Klimawissenschaftler, hat jemals behauptet, dass es einen „unmittelbaren Zusammenhang zwischen steigenden CO2-Gehalten der Luft und dem dadurch bedingten Temperaturanstieg“ gebe. Vielleicht glaubt Klein-DieterFritzchen, dass es einen linearen und direkten Zusammenhang gibt. Aber jeder Klimatologe weiß, dass das Klimasystem der Erde kompliziert ist: Dass es neben Kohlendioxid natürlich weitere Klimafaktoren gibt, etwa Methan, die Sonne oder Aerosole in der Atmosphäre, die das CO2 überlagern können. Dass Temperaturanstiege zeitlich versetzt stattfinden können. Dass die Energie im Klimasystem beständig umgewälzt wird und gigantische Wärmemengen in der Tiefsee „verschwinden“ können (dies ist eine mögliche Erklärung, warum an der Erdoberfläche der Temperaturanstieg momentan eher schwach ausfällt). Und so weiter. Dass 15 Jahre CO2-Anstieg in 15 Jahren linearem Temperaturanstieg münden, erwartet jedenfalls niemand. Außer vielleicht Dieter Ameling. Der weiter schreibt:Ausriss mit Zitat: "Von Storch vermutet, dass in den Klimamodellen der Klimaforscher ein fundamentaler Fehler steckt und die Vorhersagen korrigiert werden müssen."

Autsch, wieder eine Verfälschung des Spiegel-Interviews. Hans von Storch kritisiert darin zwar eine Reihe von Fachkollegen (wie er es übrigens oft und gern tut). Von Storch sagt auch, dass etwas mit den bisherigen Klimamodellen nicht stimmen könne (genau deshalb forscht die weltweite Wissenschaftscommunity ja weiter dran). Von Storch sagt wörtlich: „Wenn das so weitergehen sollte [mit der Stagnation des Lufttemperaturanstiegs], müssten wir uns spätestens in fünf Jahren eingestehen, dass mit den Klimamodellen etwas fundamental nicht stimmt.“ Haben Sie es gemerkt? Er sagt „in spätestens fünf Jahren“. Und selbst das würde, so von Storch, nicht bedeuten, dass es keinen Klimawandel gibt, sondern lediglich, dass er langsamer verläuft oder natürliche Klimaschwankungen stärker sind als gedacht. Auf die Interviewfrage, ob „die Theorie der globalen Erwärmung insgesamt auf dem Spiel“ stehe, antwortet von Storch: „Das glaube ich nicht. Wir haben weiterhin überzeugende Hinweise auf einen menschengemachten Treibhauseffekt.“

Da wirkt der weitere – tja, soll man dazu Argumentationsstrang sagen? – mehr als lächerlich: Ausriss mit Zitat: "Es ist höchste Zeit für einen Freispruch des CO2 mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen: Revision der CO2-Einsparziele. Klimaschutz durch CO2-Reduktion ist nicht möglich. Das Klima kann man nicht schützen. Klimawandel gibt es, solange die Erde sich dreht. Revision der Energiewende mit dem Schwerpunkt "Totaler Stopp für den Ausbau der erneuerbaren Energien". Der Ausstieg aus der Kernenergie soll dabei nicht revidiert werden. Revision der überzogenen CO2-Grenzwerte für die Automobilindustrie."

Für einen „Freispruch des CO2″ gibt es nicht den geringsten Grund, jedenfalls keinen wissenschaftlichen. Alles, was auf den folgenden gut drei Zeitungsspalten noch folgt, kann Herr Ameling ja gern glauben. Er kann auch gern eine „Revision der Energiewende“ fordern. Und weiter auf die fossilen Dinosauriertechnologien setzen, mit denen er groß geworden ist. Aber er kann seine Meinungen nicht aus dem Stand der Klimaforschung ableiten.

P.S.: Hans von Storch hat sich nun auf seinem eigenen Blog „Die Klimazwiebel“ zu Wort gemeldet und Ameling „Frechheit“ vorgeworfen.


FAZ: Prominenter Platz für Klima“skeptiker“

Mittwoch, den 9. März 2011

Herrje, heute sind die sogenannten „Klimaskeptiker“ im deutschen Bürgertum angekommen. Dieter Ameling, einst Chef der Wirtschaftsvereinigung Stahl und inzwischen Berater des bizarren Jenaer Klima“skeptiker“-Vereins EIKE, darf im Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter der Überschrift „Das Klima kann man nicht schützen“ zusammenfassen, was die Gemeinde so glaubt.

Schon früher als Industrielobbyist griff Ameling gern Klimaschutz-Instrumente wie den EU-Emissionshandel an. Von ihm ist zudem überliefert, dass er seinen Dienstwagen, einen 7er BMW, gern schnell fuhr, nämlich „zehn Prozent unter Höchstgeschwindigkeit“, was doch „ein guter Kompromiss“ sei. Und nun, im Ruhestand, zieht der Herr durch die Lande (unter anderem sprach er vergangenen Dezember auf einer „Skeptiker“-Tagung in Berlin) und versucht, dem Klimaschutz jegliche Grundlage zu entziehen – indem er auf eine vermeintlich wackelige wissenschaftliche Faktenbasis verweist. Nichts an Amelings Artikel ist neu oder spannend – neu ist lediglich, dass ein seriöses Blatt wie die FAZ ihm so viel Platz für so viel Quatsch einräumt.

Der Text ist eine Sammlung ebenso altbekannter wie längst widerlegter Thesen der „Klimaskeptiker“, allerdings rhetorisch durchaus geschickt aufbereitet. So schreibt Ameling beispielsweise:

Die Aussage ist ja durchaus korrekt. Nur dient sie Ameling dazu, den erdgeschichtlichen mit dem heutigen Klimawandel gleichzusetzen. Dabei vollzieht sich die gegenwärtige Erwärmung viel schneller als frühere, und vor allem ist sie nachweislich durch den Menschen verursacht. Amelings These ist zwar eingängig, aber ein Fehlschluss: Mit derselben Logik könnte man bestreiten, dass es Brandstifter gibt, nur weil es schon immer auch natürliche Waldbrände gab.

Dasselbe rhetorische Muster findet sich in diesem Satz:

Streng genommen stimmt auch er. Allerdings ist unter (seriösen) Forschern nur strittig, ob – salopp gesagt – der menschliche Einfluss groß, sehr groß oder sehr, sehr groß ist.

So geht das über insgesamt fünf FAZ-Spalten. Das perfide an Amelings Text ist, dass man für jeden Satz ein Vielfaches an Platz bräuchte, um ihn richtigzustellen. Genau dies ist der strategische Nachteil, den Klimatologen in der öffentlichen Debatte gegenüber „Skeptikern“ haben: Deren Thesen sind meist prägnant und kurz – ernsthafte Forscher hingegen formulieren kompliziert und langatmig. Aber weiter im Text:

Über all die natürlichen Klimafaktoren, die Ameling hier nennt, zerbricht sich die Wissenschaft seit Jahrzehnten den Kopf – dass sie in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle spielen, hat einen einfachen Grund: Diese Faktoren können den in den letzten Jahrzehnten beobachteten Temperaturanstieg auf der Erde einfach nicht erklären. Am beliebtesten unter Klima“skeptikern“ ist der Verweis auf die Sonne. Diese ist tatsächlich ein wichtiger Klimafaktor – aber er wird in jüngster Zeit immer mehr durch menschliche Einflüsse überlagert, etwa den anthropogenen CO2-Ausstoß oder die Vernichtung der Regenwälder. Im übrigen ist die Sonnenaktivität gerade auf einem historischen Tiefpunkt – und trotzdem war 2010 eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen.

Ein letztes Beispiel:

Mag ja sein, dass man in der Wirtschaft nur in Vier-Jahres-Rhythmen denkt – beim Klima aber geht es um längere Trends, mindestens um 30-Jahres-Zeiträume. Und langfristig betrachtet schmilzt das arktische Meereis dramatisch. Das von Ameling erwähnte Jahr 2007 war ein historischer Tiefststand – dass darauf ein paar Jahre folgten, die zwar weniger katastrophal waren, liegt in der natürlichen Variationsbreite. Doch selbst in diesen „besseren“ Jahren war der Eispanzer auf dem Nordmeer kleiner als im langjährigen Mittel.

Am Schluss seines Textes fordert Ameling,

Das ist keine schlechte Idee – weshalb sie auch schon viele Leute vor ihm hatten. George W. Bush beispielsweise ließ 2001 den Dritten Sachstandsbericht des Weltklimarats von der US-Akademie der Wissenschaften überprüfen – sie bestätigte die Befunde. Im vergangenen Jahr schaute sich der Weltverband der Akademien, das InterAcademy Council, im Auftrag der UN den IPCC genauer an – Ergebnis: Die Arbeit ist im Grundsatz in Ordnung, allerdings sollte das Management und die Kommunikation des Weltklimarats verbessert werden. Wenn Ameling nun noch einmal eine Überprüfung verlangt, ist das Motiv durchschaubar: Jede Verzögerung beim Klimaschutz bedeutet beispielsweise für die Stahlwirtschaft, dass sie länger Profite auf Kosten des Klimas machen kann.


Focus: Fakten, Fakten, Fakten??

Freitag, den 15. Januar 2010

Die Erderwärmung hat für Journalisten einen großen Nachteil: Während Themen wie Arbeitslosigkeit oder politische Stimmung durch ihr Auf und Ab laufend Nachrichtenstoff liefern, geht es beim Klima im Großen und Ganzen in die gleiche Richtung, seit der Mensch seine Finger im Spiel hat. Schlagzeilen und Auflage aber macht man bekanntlich eher mit Neuigkeiten.

Und so hat der Focus (Werbeslogan: „Fakten, Fakten, Fakten“) diese Woche – passenderweise ist das Wetter grad ziemlich kalt – eine drohende „Kalt-Zeit“ auf den Titel gehievt. In waschechtem Klimaskeptiker-Jargon steht da:

Das macht neugierig und reizt vermutlich wirklich viele Kunden zum Kauf. Aber das Fragezeichen am Ende der knalligen Schlagzeile sollte einen schon stutzig machen.

Über mehrere Seiten breitet das Münchner Nachrichtenmagazin aus, dass es in den vergangenen Monaten eine ungewöhnlich lange Phase ohne Sonnenflecken gab und angeblich einen Stillstand bei der Erderwärmung. Da werden Experten  zitiert, die schon immer der Ansicht waren, die Sonne und nicht der Mensch sei der bestimmende Faktor für das Erdklima: Horst Malberg etwa, Ex-Direktor des Instituts für Meteorologie der FU Berlin, der inzwischen nicht mehr unter deren Namen publizieren darf, Horst-Joachim Lüdecke vom klimaleugnerischen  Europäischen Institut für Klima und Energie e.V. – EIKE (offizielles Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!“) oder Khabibullo Abdusamatow, Astronom am Observatorium von St. Petersburg.

Doch der gesamte Text wirkt, als glaube Focus-Autor Michael Odenwald den drei Experten selbst nicht. Zu Recht: Natürlich bestimmt die Sonne das Erdklima mit, aber längst ist erwiesen, dass ihr Einfluss auf den derzeitigen Klimawandel deutlich kleiner ist als die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen. Der Focus lässt dann auch mehrere Experten zu Wort kommen, die diese von der großen Mehrheit der Sonnen- und Klimaforscher geteilte Sicht erklären: „Die fleckenlosen Perioden sind zu kurz, um signifikant auf das Erdklima zu wirken“, sagt etwa Wolfgang Schmidt vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. „Die Strahlungswirkung der Treibhausgase ist inzwischen um ein Mehrfaches stärker“, resümiert Manfred Schüssler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Eine Grafik am Rande des Artikels zeigt denn auch, wie in den letzten Jahrzehnten die Erdtemperatur kräftig steigt – bei gleichzeitig sinkender Sonnenhelligkeit.

Kurz gesagt: Die Sache mit der Sonne ist eigentlich ein alter Hut, und das weiß auch der Focus-Autor. Doch in der Top Ten der beliebtesten Klimaskeptiker-Argumente der BBC rangiert diese „Theorie“ auf Rang 6.

Und auch die Behauptung, der Klimawandel stagniere, entkräftet der Focus schließlich selbst. Zwar fragt die Redaktion im Inhaltsverzeichnis noch: „Legt die Erderwärmung nur eine Pause ein, oder droht gar eine globale Abkühlung?“ Im Artikel aber wird dann mit Stefan Rahmstorf ein Klimaforscher zitiert, der eine dritte – und wahrscheinlich zutreffende – These vertritt: Dass nämlich von einer Pause keine Rede sein kann, weil der geringere Temperaturanstieg der letzten paar Jahre im Bereich natürlicher Schwankungen liege. 2009 war nach den vorläufigen Daten das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Messungen, 2010 könnte nach einer Prognose des britischen Hadley Centers sogar noch heißer werden als das bisherige Rekordjahr 1998.

Ganz am Ende des Artikels – aber eben erst dort – kommt dann der endgültige  Storykiller: Die Sonne habe sich kurz vor Weihnachten (also Wochen vor Redaktionsschluss des Heftes) „eindrucksvoll“ zurückgemeldet, es kam zu einer „mächtigen Eruption“. Zum Jahresende tauchten dann auch wieder Sonnenflecken auf – die inzwischen kräftig gewachsen sind. Auf dem Cover steht trotzdem noch etwas von „fehlender Sonnenaktivität“.

Die sensationsheischende Frage des „Nachrichtenmagazins“, ob die Klimakatastrophe ausfalle, lässt sich also kurz und bündig beantworten: Leider nein!

P.S.: Die NASA hat gerade die Temperaturdaten für 2009 analysiert – es war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, auf der Südhalbkugel gar das wärmste überhaupt.