Archiv des Schlagwortes ‘Deutsche Wildtier-Stiftung’

Wildtierstiftung: Die Axt im Walde

Mittwoch, den 6. Januar 2016

Heute geht es um den Vogelschutz. Unser Leser Sebastian M. sandte uns folgenden Bericht aus der Neuen Osnabrücker Zeitung mit der Bitte um Prüfung zu:

Vögel

„Dass die Rotoren von Windrädern lebensgefährlich für Vögel sind, kritisieren Naturschützer schon lange“, schreibt die Osnabrücker. „Jetzt erheben Umweltverbände außerdem den Vorwurf, dass bereits vor dem Bau von Windparks Vögel sterben müssen.“

Dabei beziehen sich die Redakteure offenbar auf eine Pressemeldung der Deutschen Wildtier Stiftung von Anfang Dezember:

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Das ist wirklich die hohe Kunst der Pressearbeit: „Während in Paris der Klimagipfel tagt, laufen in Deutschland die Kettensägen.“ Vorwurf der Deutschen Wildtier Stiftung: Um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen, würden immer öfter geschützte Horstbäume illegal gefällt und Vögel getötet. Eigene Recherchen würden einen rasanten Anstieg solcher Straftaten belegen, so die Wildtier Stiftung:

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Meingott, vierzig Fälle! Das muss man sich mal vorstellen!

In welchem Zeitraum?

Das sagt uns die Deutsche Wildtier Stiftung nicht. Wir erfahren nur, dass es vor drei Jahren zwei Fälle gab, 2014 dann schon 10 und im vergangenen Jahr 19. Genau genommen erfahren wir auch nicht, ob 40 Horstbäume illegal gefällt oder 40 geschützte Vögel getötet wurden. Im Pressetext heißt es lediglich, dass es „mindestens 40 Fälle illegaler Verfolgung von Großvögeln“ gegeben hat. Wer die Daten wie erhoben hat? Es gibt einen Meldebogen zum Ankreuzen.

Wer etwas zu den Hintergründen wissen will, der kommt vielleicht beim Vorstandschef der Wildtier Stiftung Fritz Vahrenholt weiter. Der war einst mit den Erneuerbaren bei RWE gescheitert, seit seinem klima„skeptischen“ Buch Die Kalte Sonne steht Vahrenholt mit der Energiewende auf Kriegsfuß. Diesmal sagt er im Pressetext: „Biodiversität und Artenschutz werden unter dem Deckmantel der Windenergie und des Klimaschutzes gnadenlos geopfert.“

Nicht dass wir bezweifeln, dass die Windradbauer auch mal unkorrekt handeln! Wir bezweifeln aber, dass die Datenlage der Deutschen Wildtier Stiftung tatsächlich bedeutet, dass in Deutschland wegen der Windenergie die Kettensägen heiß laufen.

Just heute kam in Schleswig-Holstein der Jagd- und Artenschutzbericht 2015 heraus. Der belegt: Zwischen 2008 und 2015 wurden 70 in dem nörlichsten Bundesland verendete  Greifvögel untersucht. In 30 von ihnen wurden tödliche Vergiftungen – zumeist durch Jagdmunition – nachgewiesen, also fast bei jedem zweiten. Offensichtlich gibt es größere Gefahren für Schreiadler, Rotmilane oder Mäusebussarde. Aber dazu erfahren wir bei der Deutschen Wildtier Stiftung leider nichts.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis


Wildtierstiftung: Klima“skeptiker“ als neuer Chef

Mittwoch, den 28. März 2012

Fritz Vahrenholt wird wohl bald viel Zeit haben. Als Vorstand der RWE-Tochter Innogy, in der die bislang eher bescheidenen Aktivitäten des Konzerns auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien gebündelt sind, scheidet er ja Mitte 2012 aus. Sein klima“skeptisches“ Buch Die Kalte Sonne ist auf den Bestsellerlisten schon wieder im Sinkflug, die Zahl der Medienauftritte und Lesungen wird deshalb vermutlich auch schnell zurückgehen. Heute nun wurde sein neuer Job bekannt:

Wir gratulieren Herrn Vahrenholt!

Für eine Stiftung, die laut Selbstdarstellung „Lebensräume von Wildtieren in Deutschland“ erhalten will, gibt es bekanntlich einiges zu tun. Auch und vor allem wegen des Klimawandels. So heißt es auf der Website des Climate Service Center (CSC), das im Auftrag der Bundesregierung die Ergebnisse der Klimaforschung für Deutschland sammelt und aufbereitet:

Und das Bundesamt für Naturschutz schreibt im Internet:

Am Forschungszentrum Biodiversität und Klima in Frankfurt/Main, wo sich mehr als hundert Wissenschaftler mit dem Thema beschäftigen, fand im vergangenen Jahr eine große Konferenz zur Situation in Deutschland statt. Dutzende Vorträge wurden da gehalten, die im Internet nachlesbar sind. Deshalb hier nur ein Schlaglicht – eine Grafik über die Auswirkungen des Klimawandels auf Wildvögel:

Einige Brutvogel-Arten werden durch die Erderwärmung gewinnen, signifikant nimmt lediglich die Verbreitung von Star und Rabenkrähe zu (verzeichnet ganz am rechten Rand der Grafik). Die Zahl der Verlierer-Arten aber ist ungleich größer, deutlich zurückgehen wird demnach die Verbreitung von Singdrossel und Tannenmeise, Bachstelze und Zilpzalp, Feldsperling und Klappergrasmücke, Gartengrasmücke und Jagdfasan, Wintergoldhähnchen und Heckenbraunelle, Waldbaumläufer und Fitis.

Zur Erinnerung: Vahrenholt behauptet in seinem Buch, der Klimawandel werde in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten kein dramatisches Problem werden, einer sinkenden Sonnenaktivität und langfristigen Ozeanzyklen sei dank. Im neuen Job wünschen wir ihm viele neue Erkenntnisse.

Danke an Katrin R. aus Berlin für den Hinweis

P.S. am 29.03.: Im Hamburger Abendblatt hat Fritz Vahrenholt heute schonmal angedeutet, wie er seine künftige Rolle versteht. „Eine Vielzahl der großen Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace kümmert sich um alles Mögliche, von Energiepolitik bis Gesellschaftspolitik, aber der Naturschutz wird nicht mehr hinreichend vertreten“, sagte er dem Blatt. Dabei sei doch ein Verlierer der Energiewende ganz klar „die Natur“, nämlich „durch Vermaisung der Landschaft oder Abholzung von Wäldern für Windkraft- und Solaranlagen“.

Aha. Die Braunkohletagebaue seines bisherigen Arbeitgebers RWE gingen mit der Natur echt voll schonend um.