Archiv des Schlagwortes ‘CO2-Ausstoß’

Tetra Pak: Bloß 3. Klasse beim Werben

Dienstag, den 21. Juni 2011

Bahnkunden sollen doch bitteschön aus Tetrapaks trinken. Auf Bahnhöfen appellieren riesigen Werbeflächen an das ökologische Bewusstsein der ja ohnehin schon ökologisch bewussteren Bahnfahrer. Die Einweg-Getränkeverpackung sei „1. Klasse beim CO2 sparen“, wird da gepriesen. Und 1. Klasse ist ja irgendwie gar nicht so schlecht, wenn der Zug mal wieder voll ist.

Auch im Internet und in Zeitungs-Inseraten werden die Getränkekartons gelobt – als „CO2-Sparkönig“. Auf der Internetseite verweist die herstellende Firma Tetra Pak auf die Fortschritte in den letzten Jahren: „Durch verbesserte Energieeffizienz und stärkere Nutzung erneuerbarerer Energien hat Tetra Pak in den letzten fünf Jahren seine absouten CO2-Äquivalent-Emissionen um 12,9 Prozent verringert.“ Und das, obwohl doch die Produktion der Kartons gleichzeitig um 23 Prozent stieg! Tetra Pak: „Eine relative Verringerung um mehr als 30 Prozent, wie von unabhängiger Seite überprüfte Zahlen belegen.“

Absolut 12,9 Prozent weniger Kohlendioxid bedeuten eine relative Minderung des CO2-Ausstoßes um 30 Prozent – das ist mathematisch zwar sehr schwer darstellbar, aber immerhin! Geschafft haben will das Tetra Pak unter anderem durch einen Stromanbieter-Wechsel. In der Qualitätsbeschreibung heißt es: „Die Grüne Energie muss, wo verfügbar, die vom WWF empfohlenen Standards für erneuerbare Energien einhalten.“

Allein dieses „wo verfügbar“ ist ein exzellenter Werbetrick: Überall dort, wo bei der Recherche Tetra Pak nachgewiesen werden kann, dass in einer ihrer Fabriken, Büros, Lagerhallen, Datenverarbeitung … kein Grünstrom zum Einsatz kommt, ist er eben gerade nicht verfügbar! Wobei „Grünstrom“ und der WWF ebenfalls ein klassischer Fallstrick ist: Die zuletzt arg in die Kritik – auch vom Lügendetektor – geratene Naturschutzstiftung empfiehlt das „ok-power“-Label. Das aber garantiert erstens nicht, dass der Stromlieferant ausschließlich Ökostrom vertreibt und eben nicht noch das eine oder andere Fossilstrom-Milliönchen den beglückten Aktionären offeriert. Zweitens garantieren die „ok-powerer“ nicht, ihren Gewinn in den Bau neuer Grünstrom-Anlagen zu stecken – was ja eigentlich Voraussetzung für die grüne Energiewende ist. So ziemlich alle anderen Umweltverbände empfehlen Strom von jenen vier Anbietern, die nichts anderes als Ökostrom liefern und den Gewinn in die Energiewende auch wieder reinvestieren. Das „ok-power“-Label lehnen sie als Greenwashing ab.

Aber zurück zur „1. Klasse“: Den Beleg dafür, dass Tetrapaks tatsächlich klimafreundlich sind, bleibt die Firma Tetra Pak in ihrer PR-Offensive schuldig. Denn mit anderen Getränke-Verpackungen – Glas- oder Plastikflaschen etwa – werden die Tetrapaks überhaupt nicht verglichen. Etwas vage heißt es in der Werbung:

Mit der „1. Klasse beim CO2 sparen“ hat das nichts mehr zu tun: Selbst Tetra Pak ist vorsichtig und behauptet, nicht den „kleinsten“ Fußabdruck vorweisen zu können, sondern spricht in seiner Volksverdummungs-Kampagne von „einem der kleinsten CO2-Fußabdrücke unter den Einweg-Getränkeverpackungen“. Tatsächlich nämlich hat das Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie für das Bundesumweltministerium festgestellt: Deutlich Kohlendioxid-sparend sind Tetrapaks nur im Vergleich mit Dosen und Einwegflaschen aus Plastik, den so genannten PET. Die Verpackung von einem Liter Saft oder Wasser im Karton verursacht nur etwa halb so viel Treibhausgase wie die Nutzung von PET-Flaschen.

Aber schon wenn es auf die PET-Flaschen Pfand gibt, ist Tetra Pak mit seinen Kartons eine Klasse schlechter. PET-Mehrwegflaschen stoßen nur etwa halb so viele Klimagase in die Luft wie die Getränkekartons, wie die UBA-Grafik  zeigt, in der VBK „Verbundkarton“ bedeutet – also Tetra Pak:

Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe ist die Recycling-Quote von Getränkekartons mittlerweile auf die Hälfte gesunken, nur 35 Prozent der Kartons werden recycelt.

Das bedeutet: Doppelt so viel Müll, halb so geringer Klima-Nutzen und jede Menge „Graustrom“ in der Produktion: Die Tetra-Pak-Werbesprüche vom „CO2-Sparkönig“ sind allenfalls drittklassig!


ADAC: Brüllen für Mercedes

Mittwoch, den 8. Juni 2011

Stolz vermeldet der Allgemeine Deutsche Automobilclub  (ADAC) 494.000 neue Mitglieder,  die er im vergangenen Jahr gewonnen habe. Macht nunmehr 17,4  Millionen Beitragszahler.  Damit ist der ADAC der zweitgrößte Automobilclub der Welt (nach dem US-amerikanischen), und damit ist die Verbandszeitschrift das auflagenstärkste Druck-Organ, das es in der Bundesrepublik überhaupt gibt.

Auch wenn es ein wenig angestaubt klingt: „Druck-Organ“ ist die genau richtige  Bezeichnung für die „Motorwelt“, wie das ADAC-Blatt heißt. Nach eigenen Angaben erreicht es mit einer Gesamtauflage von monatlich 13.970.057 Exemplaren mehr als ein Viertel aller Deutschen. Nach dem Motto „Es steht in der Motorwelt, also stimmt es“ versucht der ADAC, die Meinung des motorisierten Deutschlands zu prägen.

In der Juni-Ausgabe heißt es beispielsweise:

Wie jetzt:  Mercedes verteidigt Platz 1? Der ADAC schreibt: Mercedes habe es geschafft, „durch neu entwickelte sparsame Diesel, Start-Stopp-Automatik, Hybridtechnik und das Ersetzen großvolumiger Motoren durch kleinere die CO2-Werte der Flotte drastisch zu senken“. Und weiter: „Die C-Klasse kommt nach ihrem Face-Lifting auf einen CO2-Ausstoß von rund 147 g/km und hat damit die Hauptkonkurrenten Audi A4 (170 g) und BMW Dreier (172 g) klar überholt. In der Umweltwertung des AutoMarxX punktet Mercedes mit der Traumnote von 1,5.“ Der Automobilclub urteilt:

Das aber ist wirklich sehr verwunderlich. Der EU-Internetdienst Europe’s Energy Portal kommt nämlich zu ganz anderen Schlüssen in der C-Klasse: Beispielsweise stoßen C-Klasse-Wagen des Typs 63 AMG 319 Gramm je Kilometer aus. Der 350er Elegance ist mit 232 Gramm genauso Klimasünder wie das 350er Coupe. Das CL-Klasse-Coupe 63 AMG sorgt für 355 Gramm je Kilometer, der Geländewagen ML 63 AMG sogar für sagenhafte 390 Gramm, und und und …

Aber wie sieht eigentlich die ADAC-Wertung für kleinere Autos aus, etwa Fiat? „Weil die Umweltbewertung nach Fahrzeugklassen erfolgt, hat Fiat hier eine vergleichsweise schlechte Note (2,7)“, so das ADAC-Organ. „Zwar stellen die Turiner fast nur kleinere Fahrzeuge her und haben absolut gesehen keine so hohen CO2-Werte. Von Kleinwagen erwartet der ADAC aber deutlich bessere Zahlen, das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.“ Die Italiener kommen im ADAC-Ranking gerade so auf Platz 29.

Schräg nur, dass just diese Woche die französischen Behörde für Umwelt und Energiesicherheit ADEME einen Bericht über den Kohlendioxid-Ausstoß der europäischen Autoflotten vorgestellt hat. Europas klimafreundlichster Autobauer bringt es – die gesamte Produktpalette in die Berechnung einbezogen – auf durchschnittlich 122 Gramm je Kilometer. Das sind heute schon acht Gramm weniger, als die EU für das Jahr 2015 als Grenzwert festgelegt hat. Der Name des Autobauers: Fiat.

Das Motto des ADAC lautet also offenbar: Man muss nur mit der knalligsten Überschrift laut und auflagenstark genug fürs grüne Image von Mercedes brüllen, dann glaubt es die Auto-Nation Nr. 1 auch irgendwann!

P.S.: Die französische Untersuchung hat übrigens auch Länderwerte ermittelt. Den geringsten CO2-Ausstoß je Kilometer haben demnach die Portugiesen (mit 129 g), der europäische Durchschnitt lag 2010 bei 141 Gramm – die deutschen Autofahrer (und ADAC-Mitglieder) gehören mit durchschnittlich 152 Gramm je Kilometer zu den Schlusslichtern.


grünskala.de: Ökosiegel auch für Spritschlucker

Donnerstag, den 23. Dezember 2010

Deutschland hält sich ja für den Nabel der Welt, jedenfalls was das Automobil angeht. In einem Punkt aber hinkt die Bundesrepublik, naja, wenn schon nicht der ganzen Welt hinterher, so doch dem Rest Europas. Während nämlich in anderen EU-Ländern Neuwagen schon lange mit farbigen Energieeffizienz-Labels gekennzeichnet werden (ähnlich wie Kühlschränke, Waschmaschinen etc.), fehlt hierzulande ein solches Orientierungssystem für Autokäufer.

Umwelt- und Verbraucherverbände fordern dessen Einführung seit fast zehn Jahren. Im Rahmen des Klimapakets der schwarz-roten Regierung 2007 hatte der damalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) immerhin schon einmal einen Entwurf vorgelegt, der aber schnell in der Versenkung verschwand. Sein Nachfolger, Medienstar Theodor zu Guttenberg, ließ das Thema liegen. Vor ein paar Monaten hat der jetzige Amtsinhaber, Rainer Brüderle (FDP), einen neuen Anlauf unternommen. Zwei Jungunternehmer aus Tübingen wollten ihn überholen und haben unter gruenskala.de bereits einen (angeblichen) Ökoratgeber gestartet. Die Website verspricht, ein

für die Umweltfreundlichkeit von Autos zu sein. Die Lifestyle-Plattform utopia.de hat das Angebot denn auch sofort übernommen. Doch gruenskala.de ist weder grün noch transparent. Überraschend positiv fällt beispielsweise die Bewertung für einen VW Touareg aus – obwohl dieser Stadt-Geländewagen mit satten 219 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ein echter Klimakiller ist, kommt er in die relativ positive Klasse B. Einem Audi A6 Avant verleiht gruenskala.de trotz 164 Gramm CO2-Ausstoß das Gütesiegel A.

Auf eine Anfrage, wie denn die Einordnungen zustande kommen, antworteten die beiden Jungunternehmer nicht. Anscheinend aber haben sie sich am Brüderle-Ministerium orientiert (der etwa vom ökologischen Verkehrsclub VCD scharf kritisiert wird). Ganz im Interesse der deutschen Autokonzerne mit ihren allzu oft übergroßen und -schweren Limousinen, setzen Regierung und grünskala.de den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge in Relation zu ihrem Gewicht.

An dem Brüderle-Vorschlag, der kommendes Jahr Gesetz werden soll, lässt sich im Detail besichtigen, wie man Rechenregeln beeinflussen muss, damit ein industriefreundliches Ergebnis herauskommt: Als erstes, wie gesagt, nimmt man das Gewicht als Vergleichsmaßstab (und nicht etwa die Fahrzeuggrundfläche, wie beim niederländischen Effizienlabel, oder die absoluten CO2-Emissionen, wie in anderen EU-Staaten) – davon profitieren schwere Wagen. Sodann definiert man ein schwaches Ausgangsniveau, bei Brüderles Auto-Label soll die deutsche Fahrzeugflotte des Jahres 2008 (!) der Referenzwert sein – so kann schon normaler Technikfortschritt dazu führen, dass heutige Autos weiter oben rangieren. Zum Schluss verwische man noch die klare Skaleneinteilung, indem man der Abstufung von „A“ bis „G“ weitere Klassen wie A+ oder A++ voranstellt – dadurch können sich selbst Autos der drittschlechtesten Effizienzstufe noch mit einem A-Rating schmücken.

Der VCD hat das Brüderle-Modell in einem ausführlichen Papier kritisiert. Eine Grafik verdeutlicht dort, wie sehr das deutsche Label (violette Linie) sich von einer Kennzeichnung unterscheiden wird, die auf dem EU-Grenzwert zum CO2-Ausstoß (blaue Linie) basieren würde.

Weil das Wirtschaftsministerium diese sogenannte Referenzkurve sehr steil ausgestaltet hat, dürfen schwere Fahrzeuge viel mehr Klimagase ausstoßen. Dies, so VCD-Experte Michael Müller-Görnert, „dient eher den Verkaufsinteressen der deutschen Autoindustrie, die ihre wuchtigen Spritschlucker absetzen will, und weniger der Verbraucherinformation sowie dem Klimaschutz“.

Wie gesagt, von gruenskala.de war keine Auskunft über die genaue Grundlage ihrer Bewertungen zu bekommen. Das Ergebnis aber ist ähnlich grünfärberisch.

Danke für den Hinweis an Christoph G. aus Hamburg


Klimagipfel Kopenhagen: Versager als Sponsoren

Montag, den 7. Dezember 2009

COP15_LOGO_web_shAls „wichtigste Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg“ hat der britische Regierungsberater Sir Nicholas Stern den UN-Klimagipfel in Kopenhagen bezeichnet. Für Mark Grundy ist es „die weltgrößte Gelegenheit fürs Klimamarketing in den nächsten vier Jahren – mindestens“. Grundy ist PR-Berater bei der weltweit agierenden Agentur Edelman, und bereits im Oktober 2008 riet er seinen Kunden, in Kopenhagen präsent zu sein, um im „grünen Image-Krieg“ zu punkten.

Die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Volvo und Honda haben – bewusst oder unbewusst – seinen Rat befolgt. Sie können sich nun schmücken, „Sponsor“ der Konferenz zu sein. Ja, richtig: Automarken dürfen bei der UN-Konferenz zur Rettung der Welt als Sponsoren auftreten! Was sie dafür tun müssen? Ganz einfach, sie brauchten dem Gastgeber, dem dänischen Außenministerium, bloß ein paar Limousinen zur Verfügung stellen.

Natürlich fahren Marketingprofis nicht irgendwelche Fahrzeuge  bei einer Klimakonferenz auf. Vielmehr repräsentieren die Autos „eine breite Spanne der Wege, wie die Sponsoren die Klima-Herausforderung angehen“, so die Konferenzwebsite. Die Volvos zum Beispiel werden mit Stroh-Sprit betankt, der aus einer gerade fertig gestellten Fabrik für Bioethanol der zweiten Generation nahe Kopenhagen stammt. Honda spendiert sein Hybridauto „Insight“, und BMW führt seinen „Hydrogen 7“ vor (den der Spiegel einmal einen „grünen Schluckspecht“ nannte – und den neuesten Meldungen zufolge auch der Konzern selbst als Irrweg erkannt hat). Mercedes schließlich hat Brennstoffzellen-Fahrzeuge nach Kopenhagen bringen lassen, die an der jüngst eröffneten ersten Wasserstoff-Tankstelle Dänemarks tanken – und darüber hinaus zehn Mercedes-Benz S 420 CDI Guard, „das erste in Serie produzierte gepanzerte Auto mit Dieselmotor“ (280 Gramm CO2/Kilometer).

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen bemüht sich die dänische Regierung, den Gipfel so „grün“ wie möglich zu gestalten. Doch, so heißt es, bei der Auswahl von Fahrzeugen, die den Sicherheitsstandards der Staatsgäste entsprächen, seien dem Gastgeber weitgehend die Hände gebunden gewesen.

Wirkliche Klimaschützer sind die vier Autokonzerne jedenfalls nicht. Im wahren Leben, also jenseits ihrer Vorzeigelimousinen, ist die Klimabilanz nämlich lausig. Mercedes-Neuwagen beispielsweise stoßen (im Durchschnitt der 2008 in Deutschland verkauften Neuwagen) satte 188,7 Gramm CO2 pro Kilometer aus, bei Volvo sind es 186,6 Gramm. BMW kommt immerhin auf 160,2 Gramm, Honda liegt bei 154 Gramm. Bei der Erfüllung ihres vor gut zehn Jahren selbstgesetzten Zieles, nämlich bis 2008 den Ausstoß ihrer gesamten Neuwagenflotte auf  140 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken, haben sie alle versagt.

Mit der gleichen Logik könnte sich die Weltgesundheitsorganisation WHO von Tabakriesen sponsern lassen – sofern diese auch ein paar Light-Zigaretten im Programm haben.


Peugeot iOn: 100 % verkürztes Denken

Donnerstag, den 12. November 2009

Herrje, wie oft muss man es noch sagen? Elektroautos sind höchstens so gut, wie der Strom mit dem sie fahren. Die potenziell gute Klimabilanz eines Strom-Smart oder Elektro-Mini wird dadurch versaut, dass sich Mercedes ausgerechnet RWE als Partner ausgesucht hat und BMW mit Vattenfall kooperiert. Beide Stromriesen setzen auf die besonders schädliche Braunkohle und investieren noch heute Milliarden in Kraftwerke mit exorbitantem CO2-Ausstoß – Elektroautos mit solchem Drecksstrom sind unterm Strich sogar noch klimaschädlicher als Kleinwagen mit sparsamen Dieselmotoren.

Heute nun hat Peugeot in der Süddeutschen Zeitung mit einer großen Anzeige für sein Modell iOn geworben, das Ende 2010 auf den deutschen Markt kommen soll.

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Und im Kleingedruckten heißt es:

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Hui, dachten wir, verkauft Peugeot sein Auto etwa zusammen mit einem Liefervertrag bei einem echten Ökostrom-Versorger? Leider nicht,wie ein Anruf bei Peugeot Deuschland ergab. Welcher Strom getankt wird, sei Sache des Kunden, so der Firmensprecher. Und „das ist doch logisch“, dass man in der Werbung nur auf den Kohlendioxid-Ausstoß direkt am Auto guckt.

„100% elektrisch. 100% echt“, lautet der Peugeot-Werbeslogan. „100% verkürztes Denken“, müsste man wohl ergänzen.


Audi & VW: Grüner wird’s nicht?

Mittwoch, den 14. Oktober 2009

In der Werbung wie in der Politik gibt es eine Devise: Aussagen müssen nicht unbedingt richtig sein; wenn man sie nur oft und laut genug wiederholt, dann wird schon etwas hängenbleiben davon.

Üppige 32 Seiten haben die Werbeabteilungen von Volkswagen und Audi in der aktuellen auto, motor und sport gekauft (Listenpreis pro Seite: 37.500 Euro zzgl. MwSt). In geballter Form versuchen die beiden Konzerne da, ihr Image grünzufärben. audivw_amspoloIn malerischer Landschaft, zwischen Wiesen und Wäldern, zeigt VW seine angeblich sauberen und sparsamen Modelle – die wir alle auch schon genauer betrachtet haben: Den Polo BlueMotion etwa, den es ausschließlich mit der finanziell besonders unattraktiven Trendline-Ausstattung zu kaufen gibt – und in der besonders sparsamen (3,3 l/100 km) noch gar nicht. audivw_amsgolfDen Golf BlueMotion, den Sie in keinem Autohaus zur Probe fahren können. Die Passat-Versionen BlueTDI und BlueMotion, bei denen niemand versteht, warum man in Wolfsburg den besonders sauberen Diesel, der bereits die Abgasnorm Euro 6 erfüllt, und den besonders sparsamen Diesel, der immerhin auf 114 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß kommen soll, in zwei unterschiedlichen Modellen anbietet statt sinnvoll in einem. audivw_amspassat2Warum sind die CO2-Emissionen der VW-Neuwagenflotte so mies, wenn es – wie die Werbung suggeriert – nur Sparwunder gibt? Weil es bei der Masse der Standardmodelle so gut wie keine Bewegung gibt und die Wolfsburger für ihre BlueMotion-Pakete Aufpreis verlangen. Das ist prima für die Rendite, aber nicht fürs Klima.

In kühlem Silbergrau und unter dem Slogan „100 Jahre Vorsprung durch Technik“ präsentiert sich 20 Seiten später Audi. audivw_ams_q7Dort wird der Monster-Geländewagen Audi Q7 als Ökoauto beworben – dabei ist der „TDI clean diesel“ nicht Ausdruck von besonderer Innovationskraft, sondern notgedrungene Folge strenger US-Abgasnormen. Bei dem Modell funktioniert zwar die Reduzierung der Stickoxide, aber beim CO2-Ausstoß liegt der Q7 weiter jenseits von Gut und Böse. audivw_ams_etronDer gegenwärtigen Mode folgend präsentieren die Ingolstädter auch ein Elektroauto („Bei diesem Wagen müssen Sie auf nichts verzichten – außer auf Kraftstoff“), das es längst noch nicht gibt.

Vollends grotesk wird es, wo Audi sein Streben nach Effizienz durch energiesparende Fahrzeuglampen (!) zu untermauern versucht:

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Bei solcherlei  Kosmetik ist es eigentlich kein Wunder, dass Audis CO2-Flottenwert zu den schlechtesten der deutschen Automarken gehört: 176 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer stießen die im Jahr 2008 neu zugelassenen Audi-Fahrzeuge im Durchschnitt aus. Das ist „Rückstand durch Technik“.


Audi: Leidenschaftlich nur beim Rasen

Montag, den 15. Juni 2009

Audi betont gern, dass „Verantwortung für die Umwelt“ ein „Unternehmensgrundsatz“ sei, schon vor zwei Jahren ist man der „Bayerischen Auto-Klima-Initiative“ beigetreten. Folglich wirbt der Ingolstädter Konzern mit großem Aufwand für seine – angeblich – spritsparenden Autos. Anfang Mai präsentierte Audi wortreich „neue Technologien“ aus seinem „modularen Effizienzbaukasten“ – doch bei genauem Hinsehen entpuppen die sich als alte Hüte (etwa eine eine simple Start-Stopp-Automatik oder Gangwechsel-Tipps vom Bordcomputer).

Wie wichtig sparsames Autofahren dem Unternehmen wirklich ist, zeigt wohl am besten ein Blick in den Sommerkatalog 2009 der „Audi driving experience“. Darin werden den Kunden „Fahrtrainings“ und „Erlebnistouren“ offeriert. Trefflich lässt sich aus derartigen Katalogen ablesen, wie eine Automarke gern gesehen werden will. „Dynamik, Leidenschaft, Faszination“ steht auf der Titelseite. Effizienz? Oder gar Sparsamkeit? Fehlanzeige.

Mit dieser Bildsprache geht es weiter im Innern der Hochglanzbroschüre.

Und als Trainingsfahrzeuge werden da die fettesten Boliden aus dem Audi-Programm angepriesen, beispielsweise die „neue, überragende 5.2 FSI quattro-Version“ des Straßenrennwagens R8 mit „atemberaubender Leistung“ (und einem Kohlendioxid-Ausstoß von fast 350 Gramm pro Kilometer, aber das steht dort natürlich nicht). Ein Tag mit diesem Ungetüm kostet – beispielsweise auf der Rennstrecke „Circuit de Catalunya“ nahe Barcelona – 1.700 Euro, inklusive ebenfalls klimaschädlichem Flug.

Der Werbetext dazu klingt, als sei den Audi-Leuten beim Formulieren der Sabber aus dem Mund gelaufen:

Aber, äh, was war noch mal mit Klimaschutz und Verantwortung für die Umwelt und so? Geradezu versteckt findet sich auf einer einzigen Seite im Katalog das Angebot eines „Effizienztrainings“ – illustriert mit einer phantasielos fotografierten Kombi-Familienkutsche und diesem Text:

Also, wirkliche Leidenschaft für effiziente Autos würde anders aussehen …

Danke an Thomas I. aus Essen für den Hinweis


Audi S4: Abrüstung in Trippelschrittchen

Dienstag, den 10. März 2009

Etwas Gutes hat die Krise – offenbar achten die deutschen Autokäufer endlich etwas stärker auf den Verbrauch. Die Hersteller von Kleinwagen fahren Sonderschichten, die rumänische Renault-Tochter Dacia und der tschechische VW-Ableger Skoda melden Rekordverkäufe. Bei Ford in Köln wurde die ankündigte Kurzarbeit abgesagt – weil sich die Modelle Ka, Fiesta und Fusion viermal so gut verkaufen wie vor einem Jahr.

Anders als Dacia, Ford und Skoda schaltet Audi derzeit teure Werbeanzeigen – zum Beispiel eine Doppelseite im aktuellen stern (Listenpreis: 112.800 Euro plus MwSt.):

Anscheinend ist man bei Audi hin- und hergerissen: Einerseits haben sich die Ingolstädter in den vergangenen Jahren so sehr auf sportliche Boliden festgelegt, dass ein ökologischer Kurswechsel ohne Schaden am Markenimage kaum möglich ist. Andererseits ist klar, dass es nicht mehr weitergeht wie bisher. Von Modellreihe zu Modellreihe hatten die Audi-Limousinen bei PS-Zahl, Fahrzeuggewicht, Geschwindigkeit und Leistung zugelegt. Am Ende dieses Rüstungswettlaufs standen beim S4 (der Sportversion der A4-Baureihe) 8-Zylinder-Ungetüme mit fast 350 PS und einem exorbitantem Kohlendioxid-Ausstoß von bis zu 321 Gramm pro Kilometer.

„Es ist ein Trugschluss zu meinen, die ganze Welt werde nur noch Kleinwagen fahren“, hatte Audi-Chef Rupert Stadler letzte Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gefrotzelt. Ein Kleinwagen ist der neue S4 wahrlich nicht. Und „weniger“ meint bei diesem Fahrzeug eine Kürzung um elf Pferdestärken (auf „nur“ noch 333 PS) und zwei Zylinder (auf sechs). Der großspurig beworbene Audi ist jetzt zwar zehn Kilogramm leichter als sein Vorgänger, mit gut 1,7 Tonnen aber immer noch 200 Kilogramm schwerer als ein S4 aus dem Jahr 1998.

Und der Spritverbrauch? Der Nach Audi-Angaben soll er um 3,6 auf 9,7 Liter pro hundert Kilometer gesunken sein – im Test der Zeitschrift auto, motor, sport allerdings schluckte der Wagen 14,1 Liter (deutlich mehr übrigens als der gleichfalls getestete und ebenso „sportliche“ BMW 335i). Zur Klimaschädlichkeit sagt das Kleingedruckte der Annonce

Klar, das ist weniger als beim Vorgänger – aber immer noch knapp das Doppelte des künftigen EU-Richtwerts von 120 Gramm Kohlendioxid. Dafür mit dem Wort „weniger“ zu werben – das ist, tja, frech? Jedenfalls ist es so, als würde ein Hersteller völlig überzuckerter Limonaden ein etwas kalorienreduziertes Getränk als Diät-Produkt anpreisen. Oder, um im oben schon einmal gewählten Rüstungsbild zu bleiben, als würde ein Staat sich für das Abwracken einiger Panzer loben – aber auch weiterhin eine waffenstarrende Armee unterhalten.

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


BMW & VW: Bald am Ziel – von vorgestern

Sonntag, den 22. Februar 2009

Neulich ließ Spiegel Online den obersten Entwickler von VW zu Wort kommen:

Mittlerweile habe man, hieß es weiter,

Schön. Aber ein Grund zum Protzen ist das nicht: Denn 140 Gramm Klimagift pro Kilometer sind nicht etwa ein ehrgeiziges Zukunftsziel, sondern Schnee von gestern. Bereits 1998 hatten die europäischen Autohersteller in einer „Freiwilligen Selbstverpflichtung“ zugesagt, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß all ihrer verkauften Neuwagen auf diesen Wert zu senken – und zwar bis 2008.

Die Bilanz für das vergangene Jahr wird von den Konzernen gehütet wie ein Staatsgeheimnis. Für 2007 zumindest hat das Greenpeace Magazin die Flottenwerte errechnen lassen – und da war VW alles andere als Spitze. 167 Gramm CO2 pro Kilometer verursachten damals die verkauften Neuwagen, und gegenüber 2002 waren sie sogar noch klimaschädlicher geworden. Marken wie Opel, Ford, Renault oder auch Fiat schnitten deutlich besser ab. VW rühmt sich also, dass es teilweise Fahrzeuge im Programm hat, die das Ziel von gestern erreichen, das aber für alle Autos galt. Natürlich schweigt Volkswagen über jene Modelle, die noch viel tiefer ins Spritglas gucken. Dabei muss man gar nicht zum Phaeton (ab 240 g CO2/km) greifen; auch der Bestseller Tiguan (ab 182 g CO2/km) oder ein 75-PS-Kleinwagen vom Typ Fox (159 g CO2/km) sind Klimaversager.

Diesen Zahlen-Trick haben sich die Wolfsburger wohl bei BMW abgeguckt. Dort werden Autos mit weniger als 140 Gramm CO2 pro Kilometer in ganzseitigen Zeitungsanzeigen beworben. Auf der BMW-Homepage gibt es gar einen eigenen „Car Configurator“ (siehe rechts). Und weil das noch nicht genug ist, werden Kurzfilme ins Netz gestellt und Fernsehmoderatoren aus Wissenschaftssendungen gekauft (links). Eine Welt der Wunder gibt es bei dem Münchner Konzern allerdings nicht zu kaufen. Nur 20 BMW-Modelle unter 140 g CO2/km – von mehr als 200, die das Gesamtprogramm umfasst.

Wie man auf einen Kohlendioxid-Ausstoß auf dem Niveau eines Golf Diesel von 1976 ernsthaft stolz sein kann, bleibt das Geheimnis der Werbeabteilungen in Wolfsburg und München. EU-weit gilt seit letztem Jahr als Nahziel für die Autobauer eine Grenze von 120 g/km, langfristig sollen es 95 g/km werden. Aber vielleicht lassen sich ja ein paar Käufer mit dem Wortgetöse beeindrucken. Fürs Klima jedenfalls sind 140 Gramm zu wenig. Und zu spät.


Bundesregierung: Hauptsache, das Geld stimmt

Dienstag, den 27. Januar 2009

Stellen Sie sich vor, Sie sind Autolobbyist und wollen eine klimapolitisch wirksame Kfz-Steuer verhindern. Was tun Sie? Sie schlagen erst etwas vor, was so abgrundtiefer Blödsinn ist, dass es wirklich jeden schockt. Wenn es später nicht ganz so katastrophal kommt, lässt sich das sogar als ökologisch verkaufen.

Genau dies war in den vergangenen Tagen bei der Neuregelung der Kfz-Steuer zu erleben. Fast zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass die Bundesregierung auf ihrer Kabinettsklausur in Meseberg eine „Umstellung auf CO2-Basis“ beschloss. Künftig sollten, so lautete 2007 der Beschluss, „sparsame Fahrzeuge steuerlich entlastet und Fahrzeuge mit einem hohen Verbrauch stärker belastet werden“.

Fast ebenso lange lag ein Vorschlag mit echter ökologischer Lenkungswirkung auf dem Tisch: Der Verkehrsclub VCD schlug 2007 ein Steuermodell vor, das mit höherem Ausstoß von Kohlendioxid jedes Gramm des Klimagases stärker besteuern würde. Solche progressiven Steuersätze sind in der Einkommensteuer gang und gäbe. Die spritschluckenden Gelände-Sportwagen SUV mit über 250 Gramm CO2-Ausstoß wären so um ein- bis zweitausend Euro pro Jahr teurer geworden.

Auf Drängen von CDU/CSU aber legte die Bundesregierung vergangene Woche ein Modell für die neue Kfz-Steuer vor, die das Gegenteil erreicht hätte. Der Vorstadtpanzer Audi Q7 Quattro wäre dabei sogar um 300 Euro pro Jahr entlastet worden. Es folgte ein Sturm der Entrüstung. Daraufhin taten die Sozialdemokraten, was seit 130 Jahren ihre Existenzberechtigung ist: Sie verhinderten Schlimmeres. Doch Audi, BMW & Co. konnten sich auf Hans-Peter Friedrich, den verdienten Autolobbyist in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, verlassen. Die Kfz-Steuer richtet sich auch künftig nicht wirklich nach dem Kohlendioxid-Ausstoß. Nach einem Sturm der Entrüstung bleibt es nämlich trotzdem bei einem Mischmodell, was der Autopolitiker laut Spiegel Online mit Haushaltsnöten begründete:

Ausriss

Vater Staat nämlich sorgt sich nicht zuallererst ums Klima, sondern um sein Geld. Und in der Tat standen die regierenden Autofreunde vor einem (selbstverschuldeten) Dilemma: Setzen sie die Grenzwerte streng an, ab der eine rein CO2-basierte Steuer erhoben wird, schützen sie jene Spritschlucker zu wenig, auf die sich die deutschen Autohersteller in den vergangenen Jahren spezialisiert haben. Bei einem lockeren Grenzwert aber, den viele Autos unterschreiten, drohte Risiko Nummer 2: Die Steuereinnahmen könnten ausfallen.

Die nun beschlossene Kombination aus Sockelbetrag (9,50 Euro pro 100 Kubikzentimeter beim Diesel, zwei Euro beim Benziner) plus CO2-Steuer (je zwei Euro pro Gramm, das eine Grenze von 120 Gramm pro Kilometer überschreitet) führt zu paradoxen Verzerrungen: Bisher waren etwa für ein den Hybrid-Wagen Toyota Prius 101 Euro per anno zu zahlen. Bei einer CO2-basierten Steuer hätte er mit seinen 104 Gramm CO2 künftig steuerfrei sein können – doch die hubraumbezogene Basissteuer verhindert das, es werden ab 1. Juli pro Jahr 30 Euro fällig. Die volle Absurdität zeigt sich, wenn der neue Prius auf den Markt kommt: Er wird weniger als 90 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen – doch der Steuersatz steigt um 20 Prozent, weil der Wagen künftig einen Motor mit größerem Hubraum haben wird. Gleichbleibend (auf niedrigem Niveau) hingegen wird der Audi Q7 V12 (298 g CO2/km) belastet. Statt bisher 926,40 Euro sind nach dem neuen Modell 926 Euro zu entrichten. Dem Staat ist offensichtlich schnuppe, was mit dem Klima passiert, solange die Kasse stimmt.

Noch ein Beispiel gefällig? Der Allerwelts-Golf mit 1,4-Liter-Benzinmotor kommt auf einen CO2-Wert von 149 Gramm. Seine Steuerlast wird nach der „Reform“ mit 87 Euro trotzdem nur etwa halb so hoch sein wie die des Spar-Golfs BlueMotion mit 1,6-Liter-Diesel (99 g CO2/km und 152 Euro). Doch nach dem Katastrophen-Vorschlag aus der letzten Woche freuen sich (fast) alle Medien, tagesschau.de titelt gar:

Ausriss mit Zitat: