Archiv des Schlagwortes ‘Air Berlin’

Johannes B. Kerner: Kein gutes Beispiel

Freitag, den 13. März 2009

Johannes B. Kerner hat gestern eine „ökologisch verträgliche Sendung“ zum Thema Klima gemacht und ist damit laut ZDF-Internetseite „mit gutem Beispiel“ vorangegangen. Das Catering war „Bio, aus der Region und jahreszeitgemäß“, und als besonderen Clou schaltete die Studiotechnik nach zehn Minuten die Studiobeleuchtung auf Neonröhren um, womit der Energieverbrauch angeblich auf ein Zweihundertstel des Üblichen sank.

Kerner wirkte fortan, ebenso wie seine Gäste, etwas bläulich. Mit Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dem Klimaforscher Mojib Latif und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer plauderte der nette Talkmaster dann darüber, was jeder Einzelne für den Klimaschutz tun kann – zum Beispiel Ökostrom beziehen, über Atmosfair die Klimaschäden von Flugreisen kompensieren und weniger Fleisch essen, weil für den Anbau von Soja als Futtermittel Regenwälder in Südamerika abgeholzt werden.

Eine schöne Idee, solch eine Sendung zu machen! Deshalb nur ein kleiner Hinweis: Wenn Kerner das mit dem Klima auch nur ein bisschen ernst nimmt und einigermaßen glaubwürdig sein möchte, möge er doch künftig darauf verzichten, sein ohnehin ordentliches ZDF-Gehalt mit Werbung für ökologisch fragwürdige Firmen und Produkte aufzustocken, wie zum Beispiel für

- Air Berlin, Deutschlands zweitgrößte Fluglinie, das die Einbeziehung des klimaschädlichen Luftverkehrs in den Emissionshandel ebenso ablehnt wie Angebote an seine Passagiere, zumindest freiwillig einen Teil der beim Flug entstehenden Klimaschäden zu kompensieren,

- den Geflügelwursthersteller Gutfried, der an seine Puten Soja verfüttert, das vermutlich nicht in Deutschland angebaut wird (es stamme aus „deutschen Futtermühlen“, versichert Gutfried auf seiner bunten Firmenhomepage, aber angebaut und geerntet wird es sicher ganz woanders)

oder

- das Tafelwasser Bonaqa vom Coca-Cola-Konzern. Dieses aber ist gewöhnliches Leitungswasser der regionalen Wasserwerke, das von dem Konzern lediglich in zentralen Anlagen in Plasteflaschen gefüllt und mit dieselverschwendenden Liefer-Lkw zum Kunden gebracht wird, der dafür dann teures Geld bezahlt – weshalb das Manager-Magazin Bonaqa als „großen Schmu“ bezeichnet.


Lufthansa & Co: "umweltschonende Flugzeuge"

Dienstag, den 11. März 2008

Preisfrage: Was ist ein „umweltschonendes Flugzeug“?

a.) ein Flugzeug, dessen Abgase nicht mehr zum Treibhauseffekt beitragen

b.) ein Flugzeug, das die Klimaschäden durch den Luftverkehr insgesamt senkt

c.) oder ein Flugzeug, das lediglich weniger Abgase ausstößt als ältere Flugzeuge

Na ja, wenn wir so fragen, können Sie sich die „richtige“ Antwort sicherlich denken. Jedenfalls können Sie sich denken, was der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) auf der am Wochenende zu Ende gegangenen Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin als großen Fortschritt gefeiert hat: dass nämlich die deutschen Airlines „neue, umweltschonende Flugzeuge“ kaufen. „Die Investition in moderne Technik stellt für uns eine wichtige Säule im Umweltschutz dar, um auf dem direkten Weg Emissionen einzusparen“, so BDF-Geschäftsführerin Tanja Wielgoß auf der ITB. Für insgesamt 20 Milliarden Euro haben demnach Lufthansa, Air Berlin & Co derzeit neue Flugzeuge bestellt.

Für das Klima ist das eigentlich eine Hiobsbotschaft – denn die Fluggastzahlen wachsen seit Jahren dramatisch, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Schon heute trägt die Luftfahrtbranche mit bis zu neun Prozent zum weltweiten Treibhauseffekt bei (zwar liegt ihr Anteil am globalen CO2-Ausstoß nur bei etwa drei Prozent, wie Flug-Lobbyisten gern schönrechnen, aber in den oberen Schichten der Atmosphäre richten die Flugzeugabgase etwa dreimal so viel Klimaschaden an wie am Boden).

Kürzlich hat Airbus seine Marktprognose nach oben korrigiert: In knapp 20 Jahren werde sich demnach der weltweite Flugverkehr verdreifachen, mehr als 24.000 neue Flugzeuge würden dann benötigt. Gleichzeitig kündigt Airbus an, dass man bis 2020 den Kohlendioxid-Ausstoß pro Passagier halbieren wolle.

Zweite Preisfrage: Um wieviel Prozent wird unterm Strich in diesem Zeitraum die ABSOLUTE Klimabelastung durch den Flugverkehr steigen - mit „umweltschonenden Flugzeugen“?