Hintergründe

Im Englischen gibt es ein hübsches Wort für das Phänomen, das wir beleuchten wollen: Greenwashing.

Dies ist, so die Definition bei Wikipedia, „eine PR-Methode, die einige Unternehmen nutzen, um in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsvolles Image zu erzeugen“. Zusammengesetzt ist das Wort aus „green“ für „grün“ und „wash“ wie „Waschen“ im Sinne von Geldwäsche oder „sich reinwaschen“. Die beste deutsche Übersetzung, die wir gefunden haben, lautet „Grünfärberei“. Manchmal ist auch davon die Rede, dass jemand seinen Aktivitäten „ein grünes Mäntelchen umhängen“ will. Beim Greenwashing werden, so Wikipedia weiter, „die Techniken der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik und der Manipulation benutzt, um einer Firmengeschichte eine reine Weste zu verpassen“.

Seit alle Welt über die Erderwärmung redet, erlebt „Greenwashing“ eine Renaissance. Kaum ein Unternehmen, Lobbyist oder Politiker wagt es heute noch, den Klimawandel und den menschengemachten Anteil daran rundheraus zu leugnen. Kaum jemand traut sich, die Notwendigkeit von Klimaschutz anzuzweifeln. Die Lösung in einer solchen Situation: das Thema selbst besetzen. Das eigene Unternehmen also – oder die eigene Partei – als Klima-engagiert darstellen. Eigene Aktivitäten, seien sie auch noch so klein oder symbolisch, groß herausstellen. Oder auch Begriffe wie „CO2-frei“ umdeuten. Und darauf setzen, dass niemand genau nachfragt.

Es sind nur selten glatte Lügen, mit denen heutzutage Grünfärberei betrieben wird. Vielmehr werden Informationen verdreht, weggelassen oder in irreführende Zusammen­hänge gestellt. Oder man schmückt sich mit Stars, schreibt Preise mit wohlklingenden Namen aus. Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat 2007 in einer Titelgeschichte fünf Methoden dieses „grünen Schmierentheaters“ beschrieben.

„Die neue Welle der grünen Imagewerbung ist weniger ein Zeichen für ein radikales Umdenken der Unternehmen als ein Ausdruck für den wachsenden Druck, unter dem sie stehen“, heißt es in einer Studie von LobbyControl, einer Kölner Organisation, die über verdeckte Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit aufklärt. Die Studie analysiert auch eine Reihe von Grünfärberei-Versuchen. Und sei sehr zur Lektüre empfohlen.

Wer noch mehr erfahren will über die Geschichte des „Greenwashing“ und über Beispiele – vor allem aus den USA –, findet dies in dem Buch „Giftmüll macht schlank“ von John Stauber und Sheldon Rampton (hier direkt bestellen). Die beiden sind Gründer und Mitarbeiter des Center for Media and Democracy und der Zeitschrift PR Watch.