Archiv des Themas ‘Wohnen‘

RWE: Falsche Werbung für Strom(ver)heizer

Freitag, den 5. Juni 2009

RWE-Chef Jürgen Großmann hat dolle Sache angekündigt. So will der Essener Stromriese in den kommenden Jahren viel etwas Geld in Erneuerbare Energien stecken, beispielsweise in Windkraftprojekte oder Biomasse-Kraftwerke. Energieeffizienz ist laut Großmann ebenso eine der zentralen „Herausforderungen“ – eine eigene Tochtergesellschaft für dieses Feld soll entstehen, der Universität Dortmund hat der Konzern kürzlich für eine halbe Million Euro eine Professur für Energieeffizienz gestiftet.

Fast hätten wir RWE dieses Engagement abgekauft. Denn auch mit der Dienstleistung Energiesparen kann ein Konzern ja gutes Geld verdienen. Und nun das: Für seine Kunden hat RWE einen fast 100 Seiten dicken „Energiekatalog 2009″ aufgelegt. Dass das Unternehmen sich darin selbst feiert – klar. Dass man Atomkraftpropaganda unterbringt („Kernenergie hilft, die Erneuerbaren in der Grundlast abzusichern“, heißt es etwa – was völliger Humbug ist, denn in Wahrheit taugen unflexibel laufende Reaktoren eben NICHT als Ergänzung von schwankender Wind- oder Solarenergie); aber o.k. – auch das war nicht anders zu erwarten. Doch dann, auf Seite 59 des Katalogs, preist RWE Nachtspeicherheizungen an – und das sogar in der Rubrik „Energie sparen“!

Auf einer ganzen Seite werden dort die falschen Argumente ausgebreitet, die Hersteller von Stromheizungen so gern bemühen: „Effizient und nahezu vollständig wandelt die Elektrospeicherheizung Strom in Wärme um“, heißt es etwa. Was streng genommen sogar stimmt – aber eben verschweigt, dass die vorherige Elektrizitätserzeugung durch Umwandlung von Wärme in Strom in den von RWE bevorzugten Kohlekraftwerken extrem ineffizient ist. „Die Elektro-Speicherheizung ist das Heizsystem der kurzen Wege“, schreibt RWE weiter, es entstehe „kein Verteilungsverlust, denn die Wärme wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird.“ Auch das ist Käse, denn bevor die Wärme in der Nachtspeicherheizung entsteht, ist der Strom aus den RWE-Kraftwerken oft über weite Strecken dorthin transportiert worden – mit entsprechenden Leitungsverlusten.

Aber wir brauchen hier gar nicht viele Worte machen. RWE weiß nämlich selbst, worauf Umwelt- und Verbraucherschützer immer wieder hinweisen – dass nämlich Elektroheizungen ineffizient, klimaschädlich und außerdem teuer sind. Auf seiner eigenen Internetseite bietet der Stromkonzern einen „Heizsystem-Vergleich“. Und dort ist zu der – im Energiekatalog so hochgelobten – Elektro-Speicherheizung dies zu lesen:

 

 

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – erstmals in der Geschichte des Klima-Lügendetektors können wir RWE voll und ganz zustimmen! Dass der Konzern trotzdem versucht, den Leserinnen und Lesern seines „Energiekatalogs“ unwirtschaftliche und ökologisch problematische Heizungen anzudrehen, kann man wohl nur als versuchte Ankurbelung des Stromabsatzes erklären.

Danke an Udo H. aus Düren für den Hinweis


Migros & Climatop: Besonders wenig ist relativ

Dienstag, den 26. Mai 2009

Damals, bei Oma und Opa gab’s irgendwann im Mai frisch gestochenen Spargel. Manchmal, wenn der Frühling ein besonders warmer war, sogar schon im April. Und an Johanni, dem 24. Juni, ist Schluss mit der Ernte.

Das ist lange her. Der moderne Mensch scheint es als großen Fortschritt anzusehen, Spargel auch zur Weihnachtsgans auf den Tisch bringen zu können. Spargel wird wie viele andere Agrarprodukte ganzjährig aus fernen Ländern eingeflogen, aus Neuseeland kommen sie, aus Afrika oder Südamerika. Der Schweizer Supermarktriese Migros macht nun Werbung für ein neues Gütesiegel namens „Climatop“. Produkte sollen damit gekennzeichnet werden, die „besonders tiefe CO2-Emissionen verursachen“. Und dieses Label klebt nun plötzlich auch auf Spargel aus Peru.

Wie das geht? Ganz einfach, wie die Pressemitteilung zum „climatop“-Spargel verrät: Das Siegel erhielten Produkte, die „einen wesentlich besseren CO2-Ausstoß als vergleichbare“ Waren hätten. Und, so die Argumentation zum Spargel aus Peru: Wenn dieser per Schiff statt mit dem Flugzeug komme, dann sänken die Klima-Emissionen auf ein Zehntel. Na bravo! Mit dem uralten rhetorischen Mittel des Vergleichs wird alles klein: Der Energieverbrauch eines Durchschnittseuropäers im Vergleich zu dem eines US-Amerikaners, der Spritdurst eines S-Klasse-Mercedes im Vergleich zum Militärauto Hummer, der Schaden durch Monokulturen auf Äckern im Vergleich zur Wüste Sahara – alles ist relativ.

Natürlich ist Schiffsspargel aus Peru weniger schädlich fürs Klima als eingeflogener. Auch gegenüber Spargel, der im Winter in aufwändig beheizten Gewächshäusern gezogen würde, ist er im Vorteil. Das alles ändert aber nichts daran, dass Spargel ein Saisongemüse ist. Wer im Frühsommer mit dem Fahrrad zum örtlichen Bauern fährt, hat die allerbeste Klimabilanz. Oma und Opa haben ganz automatisch das gegessen, was da war – und wenn es da war. Oma und Opa haben wahrscheinlich noch heute eine viel bessere Klimabilanz als so mancher aufgeklärte Konsument, der mit dem Auto zum Bioladen fährt und zweimal im Jahr in Urlaub fliegt. Spargel ebenso wie Erdbeeren und andere Produkte sollte man kaufen, wenn die Natur sie uns schenkt. Übrigens ist dann, nach langer Vorfreude, der Genuss auch größer!


MVV Mannheim: Wärme kommt aus der Wand

Sonntag, den 10. Mai 2009

Fernwärme ist eine feine Sache. Vor allem in Städten mit dichter Bebauung lässt sich viel Kohlendioxid einsparen, wenn Heizenergie gemeinsam mit Elektrizität erzeugt wird. Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wird das Prinzip genannt, bei dem die im Brennstoff enthaltene Primärenergie besonders gut ausgenutzt wird.

Kein Wunder also, dass der Mannheimer Energieversorger MVV derzeit groß Werbung macht. In seinem Kundenmagazin und mit Flugblättern, aber auch in Zeitungsannoncen wie dieser im Stadtteil-Blättchen Neckarau-Almenhof-Nachrichten stellt sich das größte börsennotierte Stadtwerk Deutschlands als Lieferant ökologischer Heizenergie dar. Auf der Firmenhomepage wird neben geringen Kosten, Wartungsfreundlichkeit und Komfort als Vorteil genannt:

Falsch ist das nicht. Doch es fällt auf, dass nirgends in dem wirklich umfangreichen Infoangebot der MVV mit einem Wörtchen erwähnt wird, woher die angepriesene Wärme eigentlich kommt. Genau dies ist natürlich entscheidend für die Klimabilanz von Fernwärme. Denn Heizenergie aus einem Kohlekraftwerk, in dem außer Wärme auch Strom erzeugt wird, verursacht natürlich weniger Kohlendioxid, als wenn die dreckige Kohle ausschließlich zum Heizen verbrannt würde. Doch deutlich klimaschonender ist es, statt Kohle Erdgas zu verbrennen. Betreibt man KWK-Anlagen mit Biogas, wird sogar fast CO2-neutrale Energie erzeugt. Durch geschicktes Formulieren erweckt die MVV in ihrem Infomaterial den Eindruck, ihre Fernwärme sei eine Erneuerbare Energie.

Anruf beim Pressesprecher der MVV Energie AG. Er weist den Vorwurf zurück, man verheimliche irgendetwas. In Mannheim kenne schließlich jeder das kohlebefeuerte Großkraftwerk GKM – deshalb müsse man niemandem erklären, woher die Fernwärme kommt. In diesem Kraftwerk will die MVV einen neuen Block 9 bauen, wogegen es massive Proteste gibt. Wortreich verteidigt der Sprecher die Charakterisierung der Fernwärme als klimaschonend, der CO2-Ausstoß „eigentlich null“. Denn, so erklärt er, man lege die Gesamtemissionen an Kohlendioxid (im neuen Block 9 schätzungsweise vier Millionen Tonnen pro Jahr) vollständig auf die erzeugte Elektrizität um und weise entsprechende Zahlen in der gesetzlichen Stromkennzeichnung aus. Klar, da bleibt dann – rechnerisch – eine Emission von null für die Wärme. Das sei, betont der MVV-Sprecher, im Einklang mit „gesetzlichen und politischen Definitionen“.

In Berlin hat der Energiekonzern Vattenfall nach heftigem Gegenwind kürzlich Pläne für ein neues Kohlekraftwerk ad acta gelegt und angekündigt, Strom und Fernwärme stattdessen aus Erdgas und Biomasse zu gewinnen. Im Prinzip, räumt der Sprecher ein, ginge das auch in Mannheim. Selbstverständlich könnte man beispielsweise Geothermie-Anlagen errichten und auf dezentrale Wärme- und Stromversorgung setzen. Das wäre aber teurer als ein Kohlekraftwerk, behauptet er. Vor allem wäre es wohl weniger profitabel für die MVV.

Danke an Daniel B. aus Mannheim für den Hinweis


RWE: „Fundierte Zweifel“ am Klimawandel

Mittwoch, den 1. April 2009

RWE ist ein verantwortungsbewusstes Unternehmen. Sagt RWE. Deshalb kümmert sich RWE echt ganz doll um die Minderung seines Treibhausgasausstoßes. Sagt RWE. Und damit die Öffentlichkeit das glaubt, investiert Europas größter Kohlendioxid-Verursacher viele Millionen in seine Werbung.

Doch wenn sie unter sich sind, dann reden die Leute von der Kohleindustrie – so scheint es – ganz anders. Matthias Hartung ist Vorstandsmitglied der RWE Power AG und dort zuständig für „Braunkohlengewinnung, -stromerzeugung und -veredelung“. Im Mai vergangenen Jahres hielt er auf dem 40. Delegiertentag des Rings Deutscher Bergingenieure in Essen einen sogenannten Festvortrag. Die Rede wurde im Juli 2008 in der Zeitschrift des Verbandes nachgedruckt. Dort kann man deshalb nachlesen, was Hartung im Kreise seiner Kohlekumpel zum Klimawandel sagte:

Der Anstieg des Ausstoßes von CO2 wird mit einer Veränderung des Weltklimas in Verbindung gebracht, von der jedenfalls eine Mehrheit der mit dem Thema befassten Wissenschaftler wohl überzeugt ist. Ich will an dieser Stelle die durchaus fundierten Zweifel an der These, dass die gemessenen Veränderungen des Klimas vorwiegend vom Menschen verursacht sind, nicht diskutieren. Das wäre ein eigener Vortrag. Es ist aber wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es solche Zweifel gibt und vielleicht ganz andere Zusammenhänge zum Klimawandel führen. Das muss man sich vor allem dann vergegenwärtigen, wenn man abwägt, welcher Aufwand eigentlich angemessen ist, um den Klimawandel zu stoppen, wie es heißt. Es könnte ja sein, dass weltweit hunderte von Milliarden Dollar oder Euro ausgegeben werden, um Techniken und Verbrauchsgewohnheiten zu ändern, und am Ende stellt man fest: Das Klima wandelt sich weiter, weil wir die Ursache nicht richtig erkannt haben. Aber das wäre, wie gesagt, ein eigener Vortrag.

Gern hätten wir gewusst, welche „fundierten Zweifel“ am menschengemachten Klimawandel Matthias Hartung denn meint. Wie seine persönliche Abwägung dessen, was in Sachen Klimaschutz „eigentlich angemessen ist“, denn ausfällt. Oder wie dieser kaum verhohlene Klimaskeptizismus eines RWE-Spitzenmanagers zu den grünen Imagekampagnen der Kohlelobby und des Unternehmens passt. Die RWE-Pressestelle in Essen erklärte aber lediglich, man möge den Vortrag bitte „nicht zu ernst nehmen“. Man gehe „schon davon aus, dass der Klimawandel durch CO2 verursacht wird“. Wolle aber doch festhalten: „Es hat niemand den hundertprozentigen Beweis.“

Klar. Nun verstehen wir auch besser, warum RWE immer noch munter Kohlekraftwerke baut.

Danke an ein Mitglied des RDB für Überlassung der Zeitschrift


EVO: Wirre Werbung für Elektroheizungen

Freitag, den 20. März 2009

Das ist Herr Barth. Herr Barth schreibt viele Briefe. Genauer gesagt bekommen viele Menschen in der ganzen Republik seinen Brief als Postwurfsendung. Zwei Seiten lang ist er, und oben drüber steht: „Warum Heizen mit Strom billiger ist“. Leider geht es im ganzen Brief dann nicht ein einziges Mal um Energiepreise – vielleicht, weil ein direkter Vergleich etwa mit Heizöl, Fernwärme oder Holzpellets in Wahrheit (jedenfalls in dieser Übersicht der Verbraucherzentrale NRW) zeigt, dass Strom extrem teuer ist. Eine möglicherweise billigere Anschaffung von Elektroheizern, so warnen Verbraucherschützer unisono, wird durch die hohen laufenden Kosten mehr als ausgeglichen.

Herr Barth preist in seinem Brief Teilspeicherheizungen der Firma EVO an – die mit „dem berühmten Speicherkern aus EVOLiT“! Wahnsinn, echt revolutionär, diese Mischung aus gutem alten Speckstein und Schamott! Unter Umwelt- und Verbraucherschützern ist EVO übrigens nicht für innovative Produkte berühmt, sondern für „sehr aggressive“ Werbung zugunsten von „Elektroheizungen, Nachtspeicheröfen, elektrische Radiatoren und andere Formen der Energieverschwendung“.

Werfen wir also einen Blick auf ein paar Passagen in Barths Brief:

Den ersten Satz, sorry, verstehen wir auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Unter der im Brief angegebenen Telefonnummer haben wir Herrn Barth leider nicht erreicht, um ihn zu fragen, was er meint – eine nette Telefonistin bot uns lediglich die Zusendung eines EVO-Katalogs an. Am zweiten Satz stimmt lediglich, dass Strom verlustlos in Wärme umgewandelt werden kann – aber bei der Erzeugung des Stroms in den üblichen Atom- oder Kohlekraftwerken gehen in der Regel zwei Drittel der Energie als Abwärme verloren. Aus der Steckdose kommt nur etwa ein Drittel der Energie an, die im Kraftwerk verfeuert wurde – egal wie toll der Elektroheizkörper konstruiert ist, er bleibt immer Teil einer verschwenderischen Heiztechnologie. Und zum „vernünftigen Umgang mit Energie“ regen Stromöfen vielleicht wirklich an – weil sie im Betrieb so teuer sind.

Diese Passage ist ähnlich wirr: Die Frage des Umweltnutzens von Elektroautos entscheidet sich nicht an den Ladeverlusten der Bordbatterien, sondern die Art und Weise der Stromerzeugung. Aber das haben sie mit Elektroheizungen gemein. – Weiter gehts:

Ja, ja, stimmt schon, Herr Barth. Aber warum erwähnen Sie nicht die Umweltschäden, die beim Uranabbau entstehen? Die Energie, die beim heute üblichen Import von Steinkohle aus Australien oder Südafrika aufgewendet wird? Die schwefeligen Abgasfahnen der Schiffsdiesel? Klar, Strom KANN überwiegend mit heimischen Energien erzeugt werden – derzeit ist dies leider vor allem Braunkohle, der dreckigste Energieträger überhaupt. Und, Herr Barth, wenn Sie schon Transportverluste thematisieren: Die derzeit in Deutschland üblichen Großkraftwerke führen dazu, dass Strom über weite Strecken geleitet werden muss – und dabei geht im Netz natürlich eine Menge Energie verloren.

Genau, Strom kommt jederzeit und überall einfach so aus der Steckdose. Die Zukunft liegt jedenfalls nicht in der Möglichkeit, den wertvollen Strom in ineffizienten Elektroheizungen zu verbraten.

Danke an Michael M. und Andreas S. für die Hinweise

P.S.: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat EVO kürzlich wegen zweifelhafter Aussagen abgemahnt. In Broschüren hatte die Firma unter anderem behauptet, Strom sei „das einzige Medium welches sich zu 100 % in Wärme wandeln lässt“ oder „Elektrisch heizen ist nicht teuer“.


Architektenkammer NRW: Eine feine Klima-Sause

Samstag, den 28. Februar 2009

Immer mehr spricht sich herum, dass der Klimawandel alle Bereiche des Lebens verändern wird. Auch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen hat es mitbekommen – und lädt für kommenden Juni zu einem Kongress „Natur und gebaute Umwelt“. Die Einladung erwähnt den Klimawandel als „unbestreitbare Tatsache“, als „Katastrophe mit Vorankündigung“. Und weiter:

Darüber wird auf der Tagung zu reden sein. In Palma de Mallorca.

Das ist jetzt kein Witz: Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (nach eigenen Angaben mit 30.000 Mitgliedern der größte der 16 deutschen Landesberufsverbände) lädt tatsächlich zum Klimakongress nach Mallorca. Um dort mit „renommierten Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen“ zu diskutieren. Etwa mit dem Chef des Deutschen Nachhaltigkeitsrates, Dr. Volker Hauff, über „Strategien für eine nachhaltige Entwicklung“. Oder mit Professor Konrad Ott aus Greifswald über „Aspekte der Umweltethik“. Oder mit Verfassungsrichter Udo di Fabio über „Kulturelle Werte und Globalisierung“.

Vielleicht hätte man im Vorfeld den Kongressort umweltethisch betrachten sollen. „Als Veranstalter eines solch renommierten Kongresses muss man diskutieren, was verantwortbar ist“, gibt Kammer-Sprecher Christof Rose zu. Doch Inselflair inspiriere Architekten nun einmal, die letzten Kongresse fanden auf Rügen, Lindau oder Usedom statt. Blöderweise schlägt ein einziger Hin- und Rückflug vom Airport Köln/Bonn laut Atmosfair mit einem Klimaschaden von 720 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche. Dies ist fast so viel, wie ein Inder oder eine Inderin in einem ganzen Jahr verursacht. 300 Teilnehmer kamen zur letzten Architekten-Tagung 2007 – übertragen auf dieses Jahr wird der „Umweltkongress“ der Architektenkammer NRW das Klima also mit mehr als 200 Tonnen Treibhausgasen belasten. Und das nur für An- und Abreise.

Fliegen ist die klimaschädlichste Fortbewegungsart überhaupt. Wer auch nur ab und zu ins Flugzeug steigt, könnte sich alle anderen Emissions-Sparbemühungen eigentlich schenken. „Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen“, hat es der britische Journalist George Monbiot in seinem Buch „Heat“ zugespitzt. Aber die Architekten fliegen ja nicht aus reinem Vergnügen, sondern in wichtiger Mission. Nämlich – wir erinnern uns – um Konzepte zu beraten, „den CO2-Ausstoß zu verringern“.

Noch mal die Einladung:

Wir wünschen viel Erfolg!

Danke an Florian P. aus Aachen für den Hinweis


Wibo-Werk: Verschwendung – jetzt noch besser!

Mittwoch, den 21. Januar 2009

Schon vor fast einem Jahr beschäftigte uns das Hamburger Wibo-Werk, ein Anbieter von Stromheizungen. Die Produkte sorgten für „co2-freie“ Wärme, hieß es damals auf Postwurfsendungen. Was natürlich Blödsinn ist – jedenfalls solange wie in Deutschland etwa die Hälfte des verbrauchten Stroms aus Kohlekraftwerken stammt.

In ihrer neuen Werbung behauptet das Wibo-Werk nun die Klimafreundlichkeit nur noch für Kunden von Ökostrom-Anbietern. Energieverschwendung ist das dann immer noch, weil in den Stromnetzen bei der Übertragung Elektrizität verloren geht und Strom ohnehin eine viel zu wertvolle Energieform ist, um damit Räume zu heizen. Aber egal.

Auch die anderen „Vorteile“, die Wibo in seiner Werbung aufführt, sind zweifelhaft: Mit Strom zu heizen sei „günstig“ – Verbraucherzentralen dagegen warnen regelmäßig vor diesem „Märchen“. Wer mit Strom heizt, zeige „ein Bewusstsein für die Umwelt“, behauptet die Firma, denn die „staatlich streng kontrollierten Kraftwerke“ hätten „hohe technische Wirkungsgrade“. Auch dies stimmt nicht, die üblichen Großkraftwerke auf Kohle- oder Atom-Basis haben lausige Wirkungsgrade, meist geht dort mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren.

Besonders schräg aber ist die Behauptung, mit Wibo-Stromheizungen seien „Einsparungen bis zu 40 Prozent“ möglich. Nicht ohne Grund findet sich hinter der Zahl ein Sternchen. Es verweist auf dieses Kleingedruckte:

Damit ist wohl gemeint: Die „hochentwickelten“ Wibo-Produkte verfügen über Thermostate, die den Heizkörper ab und zu auch mal abschalten, weshalb gegenüber einem ständig laufenden Stromfresser natürlich etwas weniger Energie verbraten wird. Das ist seit langem technischer Standard, auch bei anderen Heizungen.

Mit der Einsparung im Regelbetrieb, wie sie etwa Energiesparlampen gegenüber konventionellen Glühbirnen aufweisen, hat das nichts zu tun. Trotzdem wirbt das Wibo-Werk auf seinen Postwurfsendung mit diesem Motiv:

Danke an Michael M. aus Lechbruck für den Hinweis

P.S.: In einer früheren Version dieses Textes schrieben wir, das Wibo-Werk biete auch Nachtspeicheröfen an. Das war nicht korrekt. Im Sortiment der Firma finden sich – neben Elektrokaminen und „Elektro-Kachel-Öfen“ – nur „Elektrische Speicher-Flach-Heizungen“, die aber mit normalem Tagstrom betrieben werden. Das sei ökologisch „ja noch viel schlimmer“, sagt dazu Prof. Uwe Leprich, Heizungsexperte von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken. Denn wenn Elektroheizungen tagsüber ihren Strom ziehen, erhöhen sie den Elektrizitätsbedarf, wenn er ohnehin hoch ist. Für die Stromnetze und den Kraftwerkspark wäre das „verheerend“. Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt davor, mit Tagstrom zu heizen. Dies sei, wie eine Grafik auf der Internetseite zeigt, für Verbraucher der mit Abstand teuerste Energieträger. Immerhin will die Bundesregierung im Rahmen ihres Klimapakets festschreiben, dass besonders ineffiziente Nachtspeicherheizungen auf lange Sicht verboten werden.


RWE: Angst vor dem Stromwechsel?

Freitag, den 24. Oktober 2008

„RWE verliert 200.000 Kunden“, titelte vor ein paar Monaten Spiegel Online. Allein im ersten Quartal 2008 hätten damit fast so viele Stromabnehmer dem zweitgrößten deutschen Energiekonzern den Rücken gekehrt wie im ganzen Jahr zuvor. Dagegen unternimmt RWE natürlich einiges, Konzernchef Jürgen Großmann hat beispielsweise eine „Internationalisierung“ angekündigt. Und natürlich rührt RWE kräftig die Werbetrommel, hat die millionenschwere Imagekampagane „voRWEg gehen“ gestartet. Am vergangenen Wochenende schaltete die Regionalgesellschaft RWE Rhein-Ruhr in der Aachener Zeitung diese Annonce:

Nanu, fragt man sich, was soll das heißen? Denn natürlich ändert sich an der Steckdose des Verbrauchers physikalisch überhaupt nichts, wenn er den Anbieter wechselt. Weshalb auch die (elektrische) Spannung sich weder erhöht noch verringert, sie nicht mehr oder weniger schwankt als vorher. Denn es kommt dort nach wie vor derselbe Strom aus der Steckdose – nur wird die vom Kunden abgenommene Menge nach dem Wechsel von einem anderen Anbieter an anderer Stelle ins Netz eingespeist.

Der Sprecher von RWE Rhein-Ruhr bestätigt dies auf Nachfrage natürlich auch. „Rein physikalisch ist die Aussage so nicht haltbar“, gibt er zu, aber man betrachte den Spruch „als Metapher“ für die Servicequalität. Augenzwinkernd wolle man den Kunden sagen, dass man bei anderen Anbietern unliebsame Überraschungen erleben könne – bei RWE aber garantiert zufrieden sein werde. Dass man die Annonce auch anders verstehen könne, sagt er, das wundere ihn. Und wir seien auch die ersten, die in der Sache nachfragten. Allerdings sei der Spruch auch ganz neu im Werberepertoire von RWE. Aber niemand, wirklich niemand im Unternehmen, betont er, wolle damit Kunden verunsichern oder irgendwelche Ängste schüren vor einem Wechsel des Stromanbieters.

Na, dann ist ja gut.

Danke an Udo H. für den Hinweis


Stromlücke (6): Michael Glos biegt Studie zurecht

Mittwoch, den 13. August 2008

Das Bundeswirtschaftsministerium hat diese Woche routinemäßig seinen „Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung in Deutschland“ vorgelegt, zu dem es alle zwei Jahre verpflichtet ist. Ebenso routiniert nutzte Minister Michael Glos (CSU) den Anlass, um mal wieder vor einer „Stromlücke“ und höheren Strompreisen zu warnen – und daraus abgeleitet den Atom-Ausstieg in Frage zu stellen und noch mehr neue Kohlekraftwerke zu fordern. Der Bild war das gar eine Meldung auf Seite 1 wert, samt Ausrufezeichen und dem Wort „Alarm“:

Und wie das halt so ist, plapperten die anderen Medien – von stern.de bis Reuters - die Botschaft nach; einzig die Kollegin von zeit.de scheint vor Niederschrift ihres Textes auch einen Blick in den „Monitoring-Bericht“ selbst und die zugrundeliegende 186-seitige Experten-Studie geworfen zu haben und titelte zutreffend: „Keine Angst vorm Stromausfall!“ In dem Gutachten dreier Forschungsinstitute steht nämlich wenig, was Glos‘ Warnungen rechtfertigt – und im Punkt Atom-Ausstieg sogar genau das Gegenteil.

Detailliert rechnen die Experten darin vor, wieviel neue Kraftwerkskapazitäten hierzulande bis 2020 notwendig werden und fassen dann – etwas umständlich vielleicht – zusammen:

Gegenwärtig haben, das wird aus der Studie deutlich, die Energiekonzerne erheblich mehr Neubauten von Steinkohlekraftwerken in Planung oder bereits in Bau, als zur Deckung des zu erwartenden Bedarfes notwendig sein wird. Es sei jedenfalls kein Problem, so die Forscher auf Seite 66 ihrer Studie, dass in den letzten Monaten einige Projekte u.a. wegen lokaler Proteste aufgegeben wurden:

Am Interessantesten aber ist, was Glos‘ Gutachter zum Thema Investitionssicherheit schreiben:

Michael Glos ist also entweder dumm oder dreist, wenn er – mit Verweis auf exakt diese Studie! – erneut den Atomausstieg öffentlich in Frage stellt. Und das Wirtschaftsministerium macht seine eigenen Gutachter zu Idioten, wenn es in der Presseerklärung zum „Monitoring-Bericht“ behauptet, „alle rationalen Gründe“ sprächen „für eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten“.


Sony: Stromsparen ist halt relativ

Freitag, den 11. Juli 2008

Der Elektronikkonzern Sony berichtete im Februar auf seiner Internetseite von einem mit dem WWF ausgerichteten „Climate-Savers-Gipfel“ in Japan. Sony und andere führende Unternehmen hätten dort die „Tokyo Declaration“ unterzeichnet, die unter anderem „die Förderung eines kohlenstoffarmen Lebensstils bei Konsumenten und unseren Kunden“ zum Ziel habe. Das klingt gut.

Kurz darauf brachte Sony eine Innovation auf den Markt, die den verschwenderischen Lebensstil auf ein neues Niveau hebt: Alle Fernsehgeräte der Serien Bravia W4000, E4000 und W4500 sind jetzt mit einem „Picture Frame Mode“ ausgestattet, der auf dem Monitor ein Standbild erscheinen lässt – „eines der sechs vorinstallierten Bilder von Pop Art bis Van Gogh oder das persönliche Lieblingsbild“, wie es in der Presseerklärung zur Markteinführung hieß. Die Idee ist tatsächlich, dass der Fernseher auch dann läuft, wenn man gar nicht fernsieht. Schließlich wirke ein dunkler Bildschirm ja „nicht sonderlich attraktiv.“

Im Rahmen der „Climate-Savers-Initiative“ hatte Sony eine „transparente und konsequente Kommunikation über seine Umweltschutz-Erfolge“ versprochen – und getreu diesem Motto verkauft der Konzern seinen Bilderrahmen-Modus nun als ökologischen Fortschritt: „Die Bravia der W4000-Serie verbrauchen im Picture Frame Mode bis zu zehn Prozent weniger Strom als im Fernsehbetrieb“, heißt es in der Presseerklärung, „und helfen somit, Energie zu sparen.“

Laut den Datenblättern verbrauchen allerdings zum Beispiel die W4000-Geräte im Normalbetrieb je nach Größe zwischen 120 und 225 Watt. Im Bilderrahmen-Modus liegt der Verbrauch demnach immer noch bei rund 100 beziehungsweise 200 Watt – das ist 1000-mal mehr als im Stand-By-Modus. Genauso gut könnte man mehrere herkömmliche Glühbirnen vor sich hin brennen lassen. Wie war das mit „Energie sparen“?

Die Idee des „digitalen Bilderrahmens“ ist übrigens nicht neu – kleine Modelle, die man sich zum Beispiel auf den Nachttisch stellt, sind schon länger zu haben. Das Magazin Focus hat ausgerechnet, dass diese Geräte pro Jahr bis zu hundert Kilowattstunden Strom verbrauchen und Energiekosten von etwa 15 Euro verursachen. Dabei brauchen sie durchschnittlich „nur“ zehn Watt – einen Bruchteil der Bravia-Fernseher. Wer sich auf jeden Fall über die Produkte freuen dürfte, hat Focus aus ausgerechnet: Den Energieversorger brächten die kleinen Bilderrahmen, wenn sich nur jeder vierte Deutsche einen solchen anschaffte, einen zusätzlichen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro.

Danke an Tanja M. für den Hinweis