Archiv des Themas ‘Wohnen‘

Telekom und Utopia.de: Kuscheln im Grünen

Freitag, den 30. April 2010

„Changemaker“, wow, was für ein Titel! Die Internet-Plattform Utopia.de verleiht ihn an Firmen, die ein „Manifest“ zur „nachhaltigen Unternehmensführung“ unterschreiben. Die Utopia.de-Gründerin kommt aus der Werbebranche, und da muss es offenbar für alles ganz große, glänzende Begriffe geben. Neuerdings dürfen sich nicht nur anerkannte Öko-Vorreiter wie die GLS-Bank oder der Büroausstatter Memo „Veränderungsmacher“ nennen, sondern auch die Deutsche Telekom. Der Konzern freute sich so sehr darüber, dass er das sofort in riesigen Zeitungsannoncen publik machte. Zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung wurden die zehn Kernpunkte des Manifests abgedruckt, dazu ein aus vielen kleinen Menschen zusammengesetztes Telekom-Logo:

telekom_utopia1

Doch liest man die „Commitments“ (Utopia-Deutsch für „Zusagen“) genau, dann entpuppen sie sich als ziemlich luftig. Man mache „Nachhaltigkeit zur Chefsache“ heißt es dort etwa. Oder: „Wir vermeiden Abfall und optimieren unsere Stoffkreisläufe.“ Konkrete Zahlen, an denen sich Fortschritte messen ließen, gibt es nur wenige. Völlig schleierhaft ist zudem, wie Utopia.de die Einhaltung der Zusagen kontrollieren will. Man sei „gerade dabei“ sich dazu etwas zu überlegen, erklärt Utopia.de-Vorstand Meike Gebhard auf unsere Nachfrage. Die Firmen sollten jährliche Berichte schreiben, die dann vom Kuratorium der Utopia-Stiftung geprüft würden. Neben prominenten Fernsehgesichtern sitzen da zwar auch ein paar Professoren – aber ob sich hochmögende Kuratoriumsmitglieder wirklich durch Details eines Nachhaltigkeitsberichts ackern und diese dann auch noch mit der Realität vergleichen, das ist doch sehr zu bezweifeln. „Wir sind keine Prüforganisation“, gibt Meike Gebhard zu, sondern „ein kleiner Laden“ mit gerade zwölf Leuten, die Gutes tun wollten. „Unsere Community“ aber, also die rund 65.000 bei Utopia.de registrierten Nutzer, die werde ganz sicher ganz scharfe Blicke auf die Firmenberichte werfen. Und man könne sicher sein, dass es da zu jedem Spezialthema ein paar „Freaks“ gebe. Ein reichlich wackliges Fundament für den großen Titel „Changemaker“.

„Uns interessiert es, etwas in Bewegung zu bringen“, sagt die Utopia.de-Frau noch. Man erwarte nicht, dass Firmen schon ökologisch perfekt seien – sondern dass sie sich permanent verbessern. Schauen wir deshalb noch kurz auf eines der Telekom-“Commitments“:

telekom_utopia2

Das klingt prima. Doch in den Erläuterungen dazu heißt es, man beziehe bereits hundert Prozent Ökostrom und zwar – wie wir hier im Blog schon im vergangenen September schriebenauf der Basis umstrittener RECS-Zertifikate aus alten, skandinavischen Wasserkraftwerken. Wir fragten nun nochmal bei der Telekom nach, ob man als „Changemaker“ denn bei diesem Punkt vielleicht ein bisschen vorangekommen sei im Laufe des letzten halben Jahres. Oder zumindest beabsichtige, wirklich zum Ausbau der Erneuerbaren Energien beitragen – statt bloß Ökostrom zu verwenden, der ohnehin seit Jahrzehnten produziert wird. Nein, es habe sich nichts geändert, antwortete Ignacio Campino, der Nachhaltigkeits-Beauftragte der Telekom. „Die Kosten für direkten Bezug von Ökostrom mit Förderung des Aufbaus von neuen Windparks (oder ähnliche Anlagen für die Stromerzeugung) sind z.Z. einfach zu hoch“, so Campino. „Wir sind in einem extrem kompetitiven Markt tätig, und wir können niemals die Kosten aus den Augen verlieren. Es bleibt dabei: Nachhaltigkeit muss im Alltag die Balance zwischen den drei Dimensionen finden: Ökologie, Ökonomie und Soziales.“

Kurz gesagt: Ökostrom, der wirklich die Welt verändert, ist der Deutschen Telekom zu teuer. Und hier bewegt sich das Unternehmen offenbar kein bisschen.

P.S.: In einem umfangreichen Schreiben, das wir hier gern auszugsweise widergeben, hat Utopia.de auf unseren Beitrag reagiert (die Original-Stellungnahme von Meike Gebhard findet sich auch auf ihrem eigenen Blog – ebenso durchaus kontroverse Reaktionen der Utopia.de-Community): Wir hätten fälschlicherweise den Eindruck erweckt, „Utopia vergebe leichtfertig einen großen Titel und definiere erst ex post das Verfahren“, heißt es da, „das Gegenteil ist richtig“. Es gebe vier Bausteine zur Umsetzung des „Changemaker-Prozesses“, nämlich 1. die Formulierung „konkreter Ziele und Maßnahmen“, 2. einen jährlichen „Fortschrittsbericht“, und den schaue sich Utopia.de „genau an“. Es folge als dritter Schritt: „Ziele und Maßnahmen“ der Firmen „werten wir aus“, und dabei solle die Utopia.de-Community einbezogen werden. Viertens schließlich lade man die Unternehmen „zu einem Austauschforum ein, bei dem wir über diese Erkenntnisse und Fragestellungen kritisch und konstruktiv diskutieren werden“.

Oberstes Ziel sei „Dialog“, betont Gebard. „Wir sind keine Zertifizierer und keine ‚Richter‘, sondern verstehen uns als Mittler zwischen den Unternehmen und der Zivilgesellschaft. … Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Changemaker Manifest eine neue Qualität für den Dialog zwischen Unternehmen und Zivilgesellschaft geschaffen haben, der es ermöglicht, Fortschritte der Unternehmen bei der Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele ebenso zu erkennen wie Stillstand oder nicht gehaltene Versprechungen. … Es geht Utopia darum, eine Plattform für kritische Öffentlichkeit zu bieten, gleichzeitig geht es auch darum, die größten Hebel zu finden, mit denen man am Schnellsten Nachhaltigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft erreichen kann. Wenn sich ein großes DAX-Unternehmen wie die Deutsche Telekom in Bewegung setzt, dann ist das aus unserer Sicht so ein Hebel.“

Anmerkung der Redaktion: In ihrem Blog schreibt Meike Gebhard übrigens noch, die Mitarbeiter der jeweiligen Firmen seien „eine zentrale Instanz“ (!) der Kontrolle. Sie kündigt Verbesserungen im „Changemaker-Prozess“ an, genaue Kriterien aber fürs Bewerten der „Fortschritte“ fehlen offenbar weiterhin. Im übrigen sehen wir nicht, dass sich die Telekom etwa beim Thema Ökostrom „in Bewegung setzt“.


taz: Blackout bei Energiesparlampen

Freitag, den 23. April 2010

Unter Politik- und Wirtschaftsjournalisten gibt es ein Schimpfwort: „Feuilleton“. Jedenfalls rümpfen die tendenziell herablassenden Schreiber aus den „harten“ Ressorts gern die Nase, wenn sich Kultur-Kollegen in flanierend-lockerem Ton zu ernsten Themen äußern. Angesichts des Textes, der diese Woche im Feuilleton der alternativen tageszeitung erschien, kann man die Arroganz fast verstehen. taz_gluehlampe1Unter der Überschrift „Da geht uns ein Licht aus“ schrieb die Feuilletonistin Brigitte Werneburg über einen Aufruf von rund 90 Künstlern, Designern und Galeristen in der neuen Ausgabe der Kunstzeitschrift Monopol. Die Petition richtet sich gegen das Verbot von Glühbirnen, das seit vergangenem September in der EU schrittweise eingeführt wird. „Auf die Vielfalt des künstlichen Lichts“ und auf Halogenlampen können die rund 90 Unterzeichner nach eigenen Angaben „unmöglich verzichten“, so der Aufruf, „traditionelle Glühbirnen“ seien „essenzieller Teil unserer Beleuchtungskultur“. Das klingt reichlich alarmistisch – aber natürlich wäre auch wenig dagegen einzuwenden, wenn als Ausnahme vom Verbot in der einen oder anderen Galerie auch künftig noch eine alte Lampen leuchten sollte. Dabei haben die Künstler in ihrem Furor offenbar übersehen, dass zumindest die gewohnten Halogenlampen weiter erlaubt sind.

Die taz-Journalistin Brigitte Werneburg aber hat sich vom Gezeter der Petition anstecken lassen. Und führt in ihrem Artikel einige der beliebtesten Gruselmärchen an, die an Kneipentischen und in Internet-Blogs kursieren. Die Sparlampen würden aufgrund „gefühlter“ Kälte mehr Heizenergie benötigen und wegen aufgrund ihres Quecksilbergehalts die Umwelt schädigen.

taz_gluehlampe2

Laut der Studie werde das 1,4-Fache der eingesparten Energie wieder rückinvestiert. Schon dabei hätte jeder Journalist und jede Journalistin stutzig werden müssen: Wieso soll eine Heizung fast anderthalb mal so viel Energie zum Heizen brauchen wie eine Glühlampe? Doch es geht noch weiter:

taz_gluehlampe3Donnerwetter! Sind wir etwa alle von den Lobbyisten der Energiesparlampenindustrie oder totalitären EU-Bürokraten betrogen worden? Ist das Glühlampenverbot in Wahrheit eine heimliche Maßnahme zur Energieverschwendung? Komisch nur, dass die von Brigitte Werneburg zitierte Behörde auf ihrer Website schreibt:

taz_gluehlampe4

Zu deutsch: „Durch das Ausmustern traditioneller Glühlampen werden wir alle weniger Energie und dadurch weniger Elektrizität brauchen.“ Des Rätsels Lösung: Die im taz-Text zitierte Studie existiert überhaupt nicht. Zwar haben sich tatsächlich mehrere Untersuchungen der Defra mit dem sogenannten Heat-Rebound-Effekt befasst, also der Frage, wieviel Heizenergie kompensiert werden muss, wenn energiesparende Geräte weniger Abwärme erzeugen. Die Untersuchung, auf die sich die taz indirekt bezieht, ist beim britischen Market Transformation Programme (MTP) unter dem Titel BNXS29 zu finden. Doch die genannten Aussagen über einen 1,4-fachen Verbrauch an Heizenergie oder „gefühlte“ Temperaturen durch veränderte Lichtfarben finden sich darin nicht.

Ursprung der Zeitungsente ist ein Artikel im Magazin Professional Lighting Design wo die Studie erwähnt und im weiteren über den psychologischen Faktor kalten Lichts spekuliert wurde. Hierzulande griff die Zeitschrift Öko-Test dies im Oktober 2008 auf und schrieb die Aussage direkt der Defra-Studie zu. Die Firma Megaman, einer der führenden Hersteller von Energiesparlampen, ging der Sache daraufhin nach. „Das MTP wurde darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Veröffentlichung BNXS29 in deutschen Medien zu kaltem Licht und seinen psychologischen Effekten zitiert wurde“, erklärte einer der Studienautoren, Arani Mylvaganam, gegenüber Megaman. „Aber diese Information kommt nicht vom MTP und BNX29 wurde bedauerlicherweise falsch zitiert.“

Und was ist mit dem zweiten Punkt im taz-Text, dem Quecksilber? Dieses hochgiftige Schwermetall ist tatsächlich in Energiesparlampen enthalten – pro Stück etwa 3 bis 4 Milligramm. Allerdings wird es nur frei, wenn die Lampe kaputtgeht oder nicht fachgerecht entsorgt wird. Und selbst dann noch ersparen die modernen Lampen der Umwelt Quecksilber. Grund für dieses Paradoxon ist die Tatsache, dass Kohlekraftwerke erhebliche Mengen Quecksilber durch den Schlot freisetzen – und durch den eingesparten Strom werden diese vermieden.

Das hätte Brigitte Werneburg übrigens auch auf der Website der von ihr zitierten Defra nachlesen können.


Terra Activ von Henkel: Putzen mit Palmen

Dienstag, den 13. April 2010

henkel_terraactiv_1

Beim Namen seiner neuen Reiniger-Reihe haut der Chemieriese Henkel kräftig auf den Putz: „Terra Activ“, also aktive Erde. Das „e“ im Schriftzug ist ein Pflanzenblatt. Optisch dominieren das klassische Grün und die neue Öko-Trendfarbe Blau. Auf dem Etikett krabbelt ein niedlicher Marienkäfer, darüber prangt der Slogan „Bio+Kraft“. Man kann sich lebhaft ausmalen, wie Heerscharen von Werbeprofis an alldem getüftelt haben.

Auf einer eigenen Terra-Activ-Website erklärt der Konzern ausführlich, was es mit der Marke auf sich habe:

henkel_terraactiv_2„Nachwachsende Rohstoffe“, das klingt prima – jedenfalls schwingt dabei stets mit, sie seien ein Vorteil gegenüber endlichen Ressourcen wie Erdöl. Doch ob nachwachsende Rohstoffe tatsächlich etwas bringen für Umwelt und Klima, entscheidet sich bei deren Herstellung und Verarbeitung. Bei „Terra Activ“ werden die Tenside u.a. aus Palmkernöl produziert. Doch weltweit ist der Boom des Ölpalmenanbaus längst ein Umweltproblem: Zugunsten von Plantagen wurden und werden Tropenwälder abgeholzt – das heizt das Klima auf, und die letzten Orang-Utans verlieren ihre Lebensräume. Organisationen wie Rettet den Regenwald protestieren deshalb seit Jahren gegen Ölpalmen, Greenpeace hat kürzlich mit einer großen Kampagne gegen die Nestlé-Schokoriegel KitKat auf die Problematik hingewiesen.

henkel_terraactiv_4Gegen solche Kritik gat Henkel sich zu wappnen versucht, auf den Packungen findet sich ein Siegel namens „Greenpalm“. Und per Imagefilm im Internet wird eine indonesische Partnerfirma, United Plantation, präsentiert. Doch liest man auf Henkels Website die Erklärungen dazu aufmerksam, dann fällt auf, dass Henkel für seine Terra-Activ-Produkte direkt gar kein „nachhaltiges “ Öl bezieht. Man kaufe lediglich „Zertifikate“, über die „sichergestellt“ sei, dass „für die in jedem Terra Activ Produkt eingesetzte Menge an Palmkernöl eine entsprechende Menge an nachhaltigem Palmkernöl produziert und auf den Markt gebracht wurde“. Das sei ziemlich kompliziert, räumt eine Henkel-Sprecherin auf Nachfrage ein. Das Problem sei halt, dass man bei Lieferanten die Tenside als chemisches Zwischenprodukt einkaufe, aber eben nicht direkt den Rohstoff Palmkernöl. Dieser Zertifikatekauf sei im Moment die beste Möglichkeit, überhaupt etwas zu tun.

Henkel verweist außerdem auf den RSPO – hinter diesem Kürzel verbirgt sich der „Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl“, der unter anderem vom WWF initiiert wurde. United Plantation ist dort Mitglied. Doch viele Umweltschützer kritisieren den Runden Tisch als Greenwashing-Instrument der Palmöl-Industrie, rund 250 Organisationen haben eine Protestdeklaration unterzeichnet. Die RSPO-Kriterien für „nachhaltiges“ Öl seien zu schwach, sagt Corinna Hölzel, Urwald-Campaignerin bei Greenpeace Deutschland, beispielsweise werde nichts zum Schutz von klimarelevanten Torfböden gesagt oder zur Einsparung von Treibhausgasen. „Und nicht einmal diese schwachen Kriterien werden in der Praxis eingehalten“, so Hölzel. „Der RSPO existiert seit 2005, dennoch konnte die rasante Abholzung der wertvollen indonesischen Wälder nicht gestoppt werden. Es ist unverantwortlich, sich bei dem Thema Urwaldzerstörung auf den RSPO als Lösung zu verlassen.“ Laut Greenpeace-Recherchen habe der Henkel-Partner United Plantations seine Plantagen auch in Lebensräumen der Orang-Utans sowie in geschützten Seengebieten angelegt. Interessanterweise heißt es in dem (englischsprachigen) United-Plantations-Imagefilm auf der Henkel-Website (bei Minute 2:10) denn auch nur, die Firma produziere „einen Teil ihres Öls“ auf „nachhaltige“ Weise.

Als Sympathieträger für seine grüne Marke hat Henkel übrigens Esther Schweins eingekauft. Die Schauspielerin posiert in TV-Spots und auf der Website mit flotten Sprüchen für Terra Activ.

henkel_terraactiv_3

Na, hoffentlich nicht den Regenwald.


Compo Blumenerde: Moorleiche mit Bio-Stempel

Donnerstag, den 8. April 2010

compo_bioerde_grNun, endlich, ist der Frühling da. Auf Balkonen und in Gärten wird gewerkelt, was das Zeug hält. In den Bau- und Gärtenmärkten wimmelt es vor Kundinnen und Kunden. „Wow“, freuen die sich, neuerdings gibt es sogar Blumenerde in Bio-Qualität! Jedenfalls liegen diese Plastesäcke der Münsterschen Firma Compo, einer Tochter des Düngemittelgiganten K+S, in etlichen Baumärkten, beispielsweise bei der „toom“-Kette.

„Bio Universal-Erde“ also prangt auf den Säcken, dazu ein possierlicher Pinguin. Und vielleicht erinnern sich die Gartenfreunde, dass sie schon irgendwann einmal gehört hatten, dass die übliche Blumenerde ein ziemlicher Umweltfrevel ist – denn sie besteht größtenteils aus Torf, der in Mooren gestochen wird. Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Deutschland jährlich verbraucht – ein Großteil davon wandert in Hobbygärten, Blumentöpfe oder Balkonkästen. Von hierzulande einst 500.000 Hektar Hochmoorflächen, so die Umweltstiftung WWF, existieren heute noch 30.000. Beim Torfabbau gehen nicht nur Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten verloren, etwa von Birkhuhn, Kreuzotter oder Sonnentau, einer fleischfressenden Pflanze. Moore sind außerdem ein wichtiger Speicher für Kohlendioxid - weltweit binden sie mehr von dem Treibhausgas als alle Wälder zusammengenommen. Wird der Torf gestochen und der Luft ausgesetzt, wird das Kohlendioxid wieder frei. Wer wirklich einen grünen Daumen hat, kauft also keine torfhaltige Blumenerde.

Doch auf der Rückseite des Compo-Sacks dann die Überraschung – bei „Ausgangsstoffe“ steht: „75 % Hochmoortorf wenig bis stark zersetzt“. Die vermeintliche Bio-Erde ist also in Wahrheit ein Biotop-Killer. compo_bioerde_logoWohl um darüber hinwegzutäuschen, schmückt die Rückseite des Sacks gleich noch ein freundlich und grün wirkendes Logo. Und in einem langen Text (der sich wortgleich auf der Compo-Website findet) versucht man, die negativen Folgen des Torfabbaus kleinzuschreiben. Von „selbstverständlicher Verantwortung“ für die Natur ist da die Rede und von „klaren“ Naturschutzgesetzen. Hierzulande werde Torf „ausschließlich auf bereits seit Jahrzehnten degenerierten,
trockengelegten Flächen“ abgebaut, heißt es da. Das mag ja stimmen – doch wurden die Flächen eben doch vom Menschen trockengelegt. Und längst werden Millionen Tonnen Torf aus Osteuropa importiert, über die Zustände dort spricht die deutsche Garten- und Erden-Industrie ungern. Und nach dem Torfabbau, schreibt Compo, werde sowieso renaturiert, also die „natürliche Moorlandschaft“ wiederhergestellt:

compo_bioerde_kl2

Heidrun Heidecke, die beim BUND in Berlin für den Moorschutz zuständig ist, kann darüber nur lachen. „Compo verschweigt relevante Dinge“, sagt sie. Ein bisschen Wasser auf abgetorfte Böden zu kippen, das ergebe noch keine Moorlandschaft. „Frühestens in ein paar Jahrzehnten könnte man davon sprechen.“ Torfschichten wachsen nämlich nur um etwa einen Millimeter pro Jahr. Den Klimaschaden schließlich, den mache keine Renaturierung wett: Denn die Torfförderung bringt nun einmal Kohlenstoffmengen wieder an die Oberfläche, die besser im Boden geblieben wären. Für umweltbewusste Kunden hat der BUND deshalb einen Einkaufsführer erarbeitet, der torffreie Blumenerden empfiehlt.

Aber was hat denn dann das „Bio“ auf dem Compo-Sack zu suchen? Anruf bei der Firmen-Pressestelle: Die Rezeptur der Erde sei so gewählt, erklärt die Sprecherin, „dass sie für den ökologischen Landbau geeignet ist“. Aha, die Erde ist also kein Bio-Produkt, sondern sie ist für Bio-Produkte gedacht! „Compo darf das tatsächlich da draufschreiben“, sagt auch Umweltschützerin Heidecke. „Anders als etwa bei Lebensmitteln ist der Begriff ‚bio‘ bei Erden und Pflanzsubstraten nicht gesetzlich geschützt.“


Elna Nähmaschinen: Ganz ehrliche Grünfärberei

Mittwoch, den 17. März 2010

Seit dem Start dieses Blogs vor mehr als zwei Jahren war dieser Hinweis einer Leserin der schrägste: Sogar Nähmaschinen gibt es inzwischen mit grünem Anstrich! Die traditionsreiche Firma Elna nämlich vertreibt ein Produkt namens „Sew Green“, zu Deutsch: „Näh Grün“.

elna_1

Hat diese Maschine vielleicht einen besonders effizienten Elektromotor? Wurde das Gehäuse aus Recycling-Plaste gefertigt? Dient als kleine Leuchte über dem Nähfuß eventuell eine Energiesparlampe? Nein. Ist die Herstellerfirma auf Ökostrom umgestiegen? Fließt womöglich ein Euro vom Kaufpreis in den Schutz der tropischen Regenwälder? Weit gefehlt.

Die freundliche Dame am Elna-Servicetelefon sagt: „Das ist eine ganz normale Haushaltsnähmaschine im unteren Preissegment.“ Nein, mit Ökologie habe die Farbgebung nichts zu tun, „der Aspekt Umweltbewusstsein steckt da nicht drin“. Auch auf der Elna-Website werden lediglich Dinge angepriesen wie „das blendfreie Nählicht“, die praktische „Handrad-Schnellauslösung zum einfachen Aufspulen des Unterfadens“ und die vielen möglichen Stichvarianten („Neben dem Gerad- und Zick-Zackstich sind beispielsweise enthalten: Knopflochautomatik, Blind-Saumstich, Elastik-Zick-Zack, Overlockstich, Dreifach-Geradstich u.v.m.“). Und dann steht dort klar und deutlich, der einzige Unterschied zu anderen Nähmaschinen liege in der

elna_2

Wow, das ist doch endlich mal eine ehrliche Firma! Sie versucht nicht, ihre Kundinnen und Kunden mit windigen oder gar falschen Öko-Versprechen zu umgarnen. Nein, sie bekennt sich ganz offen dazu, eines ihrer Produkte lediglich grün anzumalen. All die großen Atom-, Öl-, Kohle- oder Autokonzerne, alle Industrielobbyisten und PR-Agenturen, alle Politikerinnen und Politiker, die sich so vorzüglich auf freches Greenwashing verstehen – sie alle sollten sich an dieser kleinen Schweizer Qualitäts-Firma ein Beispiel nehmen.

Danke an Annett L. für den Hinweis


Edeka: Etikettenschwindel mit Energieeffizienz

Montag, den 1. Februar 2010

„ÖKO“, prangte groß in einem Prospekt, den die Edeka-Tochter Marktkauf kürzlich in Hamburg verteilen ließ. „Sparsam im Verbrauch“ und „A – Energieeffizienz“. Toll, werden sich etliche Kunden gedacht haben, der Preis des Gefrierschranks stimmt auch, da greif ich zu.

edekakaufland_beko1Aber, halt! Insider wissen, dass die Energieeffizienzklasse „A“ bei Kühlgeräten nur Mittelmaß ist. Die von A bis G reichende Skala hatte ihren Sinn, als sie Mitte der neunziger Jahre EU-weit eingeführt wurde. Seitdem aber ist die Technik viel weiter, nur wenige Geräte fallen überhaupt noch in die Klasse B. Schlechtere gibt es praktisch nicht mehr auf dem Markt, 2003 wurden deshalb zusätzlich die Klassen A+ und A++ eingeführt. Der Verbrauch des beworbenen Gefrierschranks Beko FS 210 liegt mit 247 Kilowattstunden denn auch satte 50 Prozent über dem aktueller A++-Geräte. Das angebliche ÖKO“-Produkt ist also in Wahrheit ein Stromfresser und verursacht unnötige CO2-Emissionen.

Als „grünen Etikettenschwindel und irreführend“ bezeichnet deshalb Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg die Werbung. Er hat Edeka/Marktkauf wegen des Prospekts abgemahnt, die Firma gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab. Eine grundsätzliche Lösung der verwirrenden Kennzeichnungspraxis aber ist das nicht. Dabei wäre sie ganz einfach: Die EU könnte die Label-Regeln so ändern, dass sich der jeweils pro Effizienzklasse erlaubte Verbrauch automatisch dem Fortschritt anpasst. Schlechte Geräte würden dann mit der Zeit in der Skala nach unten rutschen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern solche „dynamischen Labels“ seit langem, können sich jedoch nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite nämlich macht die Industrie Druck. Für sie sind die veralteten Klassen sehr bequem, denn mit ihr lassen sich selbst Stromverschwender noch mit dem positiv klingenden A-Siegel vermarkten. Eine gründliche Reform wurde Ende 2009 vereitelt, stattdessen wird es künftig noch komplizierter: Wer einen wirklich sparsamen Kühlschrank kaufen will, muss bald nach einem A mit drei Plus-Zeichen Ausschau halten.

Verständlich für Kunden ist dies nicht, und der Umwelt schadet die Unklarheit. Nur Hersteller und Händler ineffizienter Produkte können sich freuen – und natürlich die Energieversorger, die weiterhin schön viel Strom verkaufen können.


Wie grün sind Flexstrom, Vattenfall & Co.?

Dienstag, den 12. Januar 2010

Na, auch mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr gestartet? Etwa mit dem, endlich zu Ökostrom zu wechseln? Prima! Blöderweise gibt es inzwischen eine schier unüberschaubare Vielfalt von Anbietern.

Verbraucherportale wie Verivox haben darauf mit Vergleichsrechnern ausschließlich für Ökostrom reagiert. An erster Stelle rangieren dort weithin unbekannte Anbieter – aber nicht wegen besonders grüner Elektrizität, sondern wegen niedriger Preise. Zum „Discountpreis“ tritt etwa Stromio an:

oekostrom_stromio

Diese Information zur Herkunft ist wenig erhellend. Denn RECS-Zertifikate allein sagen nichts über die Qualität des Ökostroms. Häufig stammt er aus uralten Wasserkraftanlagen irgendwo in Europa, er wird nun lediglich aus dem üblichen Energiemix ausgegliedert und – meist mit Aufschlag – an öko-bewusste Kunden verkauft. Umweltschützer kritisieren das RECS-System seit langem, denn man kann dreckigen Kohlestrom damit grün etikettieren, und bisweilen scheint RECS vor allem den Gewinnen der Stromanbieter zu nützen. Experten bewerten die Güte von Ökostrom danach, ob es einen „zusätzlichen Umweltnutzen“ gibt – ob also der Wechsel von Kunden dazu führt, dass wirklich neue Anlagen gebaut werden.

Das aber ist schwer herauszufinden, die Suche eines guten Anbieters gleicht deshalb einer mühsamen Odyssee. Auf der Website von Envacom etwa finden sich überhaupt keine Detailinformationen zur Stromherkunft. Und ein Anruf beim Kundentelefon verläuft bizarr: Man liefere Sonnen-, Wind- und Wasserkraft und zwar aus der Schweiz, sagt eine freundliche Frauenstimme, und, „ja, das müssten Neuanlagen sein“. Auf Nachfragen schaltet sie mehrfach die Wartemusik an und macht sich kundig. Am Ende heißt es, der Strom stamme größtenteils aus österreichischer Wasserkraft und nicht aus Neuanlagen – weiteres erfahre man auf der RECS-Website, so die abwimmelnde Antwort. Dort aber gibt es nur allgemeine Informationen zur Zertifizierung und natürlich nicht zum Envacom-Strom. Billig-Konkurrent Flexstrom verspricht einen „wertvollen Beitrag zum Klimaschutz“ („garantiert zertifiziert“) – doch bezieht auch er bloß RECS-Strom aus bestehenden Wasser- und Windkraftanlagen in Skandinavien. Mit niedlichen Affenbildchen und einem Regenwaldprojekt von Costa Rica versucht man hier die Kunden zu beeindrucken.

oekostrom_flexstrom

Nachfragen zur Stromherkunft oder dazu, wieviel Geld genau in den Schutz des Regenwald fließt, wollte die Flexstrom-Hotline nicht beantworten. Auf die erbetene E-Mail kam lediglich ein Formbrief zurück: „Wenn Sie Ihre Vertragsnummer nicht angeben, kann Ihre Anfrage leider nicht bearbeitet werden und wird automatisch nach 2 Wochen geloescht.“ Aha.

Orientierung in diesem Dschungel versprechen Tarif-Gütesiegel, das wohl wichtigste heißt „o.k. power“ und wird unter anderem vom Umweltverband WWF getragen. Anbieter mit diesem Siegel müssen beispielsweise nachweisen, dass ein Drittel ihres Ökostroms aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind. Fein! Aber auch hier wundert sich der Kunde, denn an erster Stelle im Preisvergleich rangiert ausgerechnet Vattenfall.

oekostrom_vattenfall

Nach dem Atom- und Kohlegiganten folgen etliche Stadtwerke und Kleinanbieter. Ihnen allen bescheinigt das Siegel, auf die eine oder andere Art Neuanlagen zu fördern. Und paradoxerweise ist das für Firmen wie Vattenfall besonders einfach: Die Stromriesen haben die Energiewende geradezu verschlafen, bei Vattenfall kommt hierzulande bisher nur etwa ein Prozent des Stroms aus neuen Windkraftanlagen (und drei Viertel aus der besonders dreckigen Braunkohle). In seiner Heimat Skandinavien baut Vattenfall seit langem Wasser- und Windkraftanlagen, und wegen des großen Nachholbedarfs muss der Konzern in Deutschland sowieso Milliardensummen in Ökostrom investieren – da kann er das schmückende o.k.-Gütesiegel quasi nebenher mitnehmen.

Dieses Dilemma kennen viele umweltbewusste Verbraucher: Der Smart von Daimler mag ja korrekt sein – aber der Konzern ist auch ein Waffenlieferant. Siemens hat energiesparende Haushaltsgeräte – aber baut auch Atomkraftwerke. Neuerdings gibt es Biomilch bei Lidl – doch die Discounterkette ist für ihren rüden Umgang mit Beschäftigten bekannt. Bei Ökostrom rät deshalb ein Bündnis von 21 Umweltverbänden wirklich öko-bewussten Verbrauchern, nicht nur auf Preis und Herkunft zu gucken, sondern auch auf den Lieferanten – und empfiehlt die unabhängigen Anbieter Lichtblick, Greenpeace Energy, EWS und Naturstrom. Denn auch wenn an Vattenfalls „Easy Natur Privatstrom“ direkt wenig auszusetzen sein mag, könnten die Gewinne daraus doch in neue Atom- oder Kohlekraftwerke fließen.

Danke an Manfred S. und Magdalena S. für die Hinweise


Puma: Ein bisschen Ökostrom

Mittwoch, den 7. Oktober 2009

„Gerecht, ehrlich, positiv, kreativ“ – das ist die Vision des Sportmode-Konzerns Puma, oder auf Englisch:

puma_vision

Ökostrom passt da prima. Und deshalb bezieht das Weltunternehmen aus dem bayerischen Herzogenaurach nun saubere Energie von Lichtblick. Zweifellos ist das eine gute Sache, denn der Treibhausgas-Ausstoß der Firma wird dadurch – heißt es in einer Pressemitteilung – um „jährlich mehrere Tausend Tonnen CO2″ gemindert. Man habe sich bewusst für Lichtblick entschieden, erklärt auf Anfrage eine Puma-Sprecherin, weil dieser ein reiner Ökostrom-Lieferant sei und die Glaubwürdigkeit deshalb besonders hoch.

Grün sind die Turnschuhe, Trikots oder Fußbälle von Puma deshalb aber noch lange nicht. Denn den korrekten Lichtblick-Strom gibt es nur für die Puma-Hauptverwaltung in Herzogenaurach, die Versandzentrale und drei deutsche Puma-Läden. Für die Fabriken aber, in denen der Konzern weltweit seine Produkte fertigen lässt, ändert sich durch den Schritt erst mal nichts. puma_sustainreportZwar kümmert sich Puma durchaus um Arbeits- und Umweltbedingungen in den Produktionsländern (und berichtet auf 122 Hochglanzseiten in seinem Nachhaltigkeitsbericht davon). Zwar habe, betont die Firmensprecherin, ein Lieferant in Indien eine eigene Windkraftanlage, ein anderer in Südafrika arbeite „klimaneutral“. Doch ein Großteil der Fabriken steht in China, und, ja, die produzieren wie dort üblich mit dreckigem Kohlestrom.

Deshalb bleibt ein Beigeschmack: In den Puma-Stores ist die Leuchtreklame künftig ökologisch korrekter als die eigentlichen Produkte.


Deutsche Telekom: Ein kleiner Anfang

Montag, den 7. September 2009

telekom_sz1Eine dreiseitige Farbbeilage zur Süddeutschen Zeitung hat sich heute die Deutsche Telekom geleistet – knapp 200.000 Euro (zzgl. Mehrwertsteuer) kostet so etwas laut offizieller Anzeigenpreisliste. „Ein Einzelner kann viel bewegen“, heißt es da über dem Bild eines kleines Männchens, das verloren auf der  Straße des 17. Juni im Berliner Tiergarten steht.

„Wenn er einer von vielen ist“, steht über dem nächsten Motiv. Diese Seite zeigt Tausende Menschen mit Deutschland-Fahnen – vermutlich haben die Telekom-Werber hier ein Bild von der Fanmeile der Fußball-WM aus dem Jahr 2006 recyelt.

telekom_sz2„Große Veränderungen fangen klein an“, lautet schließlich die magentafarbene Überschrift auf der dritten Seite der Telekom-Beilage. Diese Sprüche klingen nicht zufällig wie Slogans aus der Umweltbewegung. Im folgenden Anzeigentext geht es dann nämlich darum, was „wir alle“ tun müssten, „um unsere Welt besser und unsere Zukunft sicherer zu machen“. Kurz werden dort Energiespar-Häuser und Bio-Lebensmittel erwähnt, etwas länger dann Dinge wie Papiersparen oder die Wiederverwertung alter Telefone und einige andere, mehr oder weniger sinnvolle Sachen.

Ganz am Ende der Annonce heißt es dann:

telekom_sz3
Nanu? Sponsert die Telekom jetzt Umweltverbände? Unterstützt sie etwa lokale Bürgerinitiativen, die gegen klimakillende Kohlekraftwerke aktiv sind? Setzt sie nun ihre Lobbyisten in Bewegung, um sich bei der Bundesregierung oder der EU-Kommission für strenge Klimaschutz-Vorgaben einzusetzen?

Nein, nein, natürlich nicht. Die Telekom richtet lediglich – wie der nächste Satz enthüllt – ihre „Produkte und Serviceleistungen … konsequent an den Bedürfnissen unserer Kunden … unserer Umwelt und unserer Gesellschaft“ aus. Näheres erfährt man auf der neuen Website www.millionen-fangen-an.de, die Teil einer „Kommunikationsoffensive für Nachhaltigkeit“ ist. In aufwändigen Grafikanimationen und Fernsehspots wirbt die Telekom dafür, Rechnungen online zu beziehen – klar, das spart erst mal Papier und Transportenergie, aber viele Kunden drucken sie sich zu Hause dann doch aus, und ihr Computer verbraucht ja auch Strom. Der Konzern ruft dazu auf, alte Handys in T-Shops vorbeizubringen, um sie der Wiederverwertung zuzuführen – am ressourcensparendsten aber wäre es sicherlich, Mobiltelefone so lange wie möglich zu benutzen und nicht alle zwei Jahre mit Ablauf des Vertrages ein neues zu kaufen. Jedenfalls haben die meisten Punkte der Telekom-Werbung eher wenig mit Umwelt- oder Klimaschutz zu tun.

Am konkretesten ist noch, was der Konzern auf der Kampagnenwebsite als „Grünes Netz“ anpreist.

telekom_sz4
„Seit 2008 decken wir unseren gesamten Strombedarf, den wir zum Betrieb der Netzinfrastruktur benötigen, mit ‚grüner Energie‘, die aus regenerativen Ressourcen wie Wind, Wasser und Biomasse gewonnen wird“, heißt es da neben einem lieblichen Bild von Windrädern. Auf der weiterführenden Internetseite stellt die Telekom dann auch ihre (dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sehr profitablen) Solaranlagen vor. Doch erst nach mehrmaligem Klicken ahnt man, dass der Strom für das „grüne Netz“ nicht aus den beworbenen Sonnen- oder Windkraftwerken stammt. Laut Nachhaltigkeitsbericht 2009 nämlich geschehe der Strombezug

telekom_sz5
Diese RECS-Zertifikate aber sind in der Umweltszene umstritten, weil sie allein wenig aussagen über die grüne Güte des Stroms. Häufig nämlich werden die Papiere einfach bei alten Wasserkraftwerken eingekauft, um mit ihnen deutschen Kohle- oder Atomstrom preiswert zu Ökostrom umzuetikettieren. Ein wirklicher und zusätzlicher Nutzen fürs Klima aber entsteht erst durch den Neubau von Ökostromanlagen. Eine Nachfrage beim Chef der Nachhaltigkeitsabteilung der Telekom, Ignacio Campino, ergab denn auch, dass der Telekom-Strom vor allem aus alten Wasserkraftanlagen in Norwegen oder Schweden stammt. Mehr sei leider nicht möglich, so Campino, weil „wir als Unternehmen unter einem gewaltigen Wettbewerbsdruck stehen“. Bei Nachhaltigkeit müsse man den „Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem“ beachten. Im Klartext: Ökostrom, der die Kohlendioxid-Emissionen real senken würde, ist der Deutschen Telekom zu teuer.

„Große Veränderungen fangen klein an“, heißt der Kampagnenslogan. Sehen wir es so: Auch die Telekom fängt beim Klimaschutz erst mal klein an.


Samsung: Grüne Glotze?

Donnerstag, den 30. Juli 2009

samsung_praemie_gr1Der Erfolg der Abwrack-, sorry, Umweltprämie für Neuwagen lockt Nachahmungstäter: Weil die Deutschen offenbar wie verrückt Autos kaufen, wenn sie ein paar Euro obendrauf kriegen, möchte der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung genauso den Absatz seiner Fernsehgeräte fördern. Mit Zeitungsanzeigen und einer eigenen Website bewirbt die Firma derzeit eine „Umweltprämienaktion“. Zwei Jahre lang, so das Versprechen, übernehme Samsung die Stromkosten des neuen Fernsehers.

Zu einer vermeintlichen Öko-Aktion wird das Ganze, weil die neuen Modelle „bis zu 40 Prozent“ weniger Strom verbrauchen sollen. So könne man „umweltfreundlich fernsehen“, meint Samsung, und sich „grün sparen“. Allerdings waren Flachbildfernseher bisher nicht als besonders sparsam bekannt – im Gegenteil: Die Mode, sich neuerdings halbe Kinoleinwände ins oft viel zu kleine Wohnzimmer zu stellen, hat den Stromverbrauch pro TV-Gerät eher erhöht – denn Plasmafernseher können durchaus dreimal soviel Energie verbrauchen wie herkömmliche Röhrenfernseher. In etlichen Haushalten sind deshalb, obwohl die Glotze nur ein paar Stunden pro Tag genutzt wird, die Stromkosten fürs Fernsehen mittlerweile höher als für den rund um die Uhr laufenden Kühlschrank.

So entpuppt sich das Umweltversprechen von Samsung bei genauer Betrachtung denn auch als wacklig. Erst im Kleingedruckten der Website ist zu lesen, worauf sich die versprochene Energieersparnis überhaupt bezieht:
samsung_praemiezit_kl

Dass aber ein Verbraucher ein erst zwölf Monate altes Samsung-Gerät durch ein neues ersetzt, erscheint doch eher unwahrscheinlich. Und es ist gut möglich, dass sein alter Röhrenfernseher absolut weniger Strom verbraucht als der neue Samsung-Riesenmonitor. Beispielsweise saugt das Gerät, für das die höchste „Umweltprämie“ ausgezahlt wird, laut Datenblatt bis zu 240 Watt aus der Steckdose – das ist alles andere als wenig. Zudem verfügen alle angebotenen Geräte über einen Stand-by-Modus: Der zieht zwar nur noch weniger als ein Watt, was tatsächlich ebenfalls ein Fortschritt gegenüber früheren Flachbildgeräten ist. Aber ein komplettes Abschalten, das ist bei diesem „grünen“ Fernseher nicht möglich.

Finanziell gesehen dürfte die Aktion für Samsung übrigens ein ziemliches Schnäppchen sein: Als Prämie werden höchstens 115 Euro ausgezahlt – bei einem Gerätepreis von 1.900 Euro entspricht das grad mal einem Rabatt von sechs Prozent.