Archiv des Themas ‘Ernährung‘

Tetra Pak: Bloß 3. Klasse beim Werben

Dienstag, den 21. Juni 2011

Bahnkunden sollen doch bitteschön aus Tetrapaks trinken. Auf Bahnhöfen appellieren riesigen Werbeflächen an das ökologische Bewusstsein der ja ohnehin schon ökologisch bewussteren Bahnfahrer. Die Einweg-Getränkeverpackung sei „1. Klasse beim CO2 sparen“, wird da gepriesen. Und 1. Klasse ist ja irgendwie gar nicht so schlecht, wenn der Zug mal wieder voll ist.

Auch im Internet und in Zeitungs-Inseraten werden die Getränkekartons gelobt – als „CO2-Sparkönig“. Auf der Internetseite der herstellenden Firma Tetra Pak wird auf die Fortschritte in den letzten Jahren verwiesen: „Durch verbesserte Energieeffizienz und stärkere Nutzung erneuerbarerer Energien hat Tetra Pak in den letzten fünf Jahren seine absouten CO2-Äquivalent-Emissionen um 12,9 Prozent verringert“. Und das, obwohl doch die Produktion der Kartons gleichzeitig um mehr als 23 Prozent stieg! Tetra Pak: „Eine relative Verringerung um mehr als 30 Prozent, wie von unabhängiger Seite überprüfte Zahlen belegen.“

Absolut 12,9 Prozent weniger Kohlendioxid bedeuten eine relative Minderung des CO2-Ausstoßes um 30 Prozent – das ist mathematisch zwar sehr schwer darstellbar, aber immerhin! Geschafft haben will das Tetra Pak unter anderem durch einen Stromanbieter-Wechsel. In der Qualitätsbeschreibung heißt es: „Die Grüne Energie muss, wo verfügbar, die vom WWF empfohlenen Standards für erneuerbare Energien einhalten“.

Allein dieses „wo verfügbar“ ist ein exzellenter Werbetrick: Überall dort, wo bei der Recherche Tetra Pak nachgewiesen werden kann, dass in einer ihrer Fabriken, Büros, Lagerhallen, Datenverarbeitung … kein Grünstrom zum Einsatz kommt, ist er eben gerade nicht verfügbar! Wobei „Grünstrom“ und der WWF ebenfalls ein klassischer Fallstrick ist: Die zuletzt arg in die Kritik - auch vom Lügendetektor - geratene Organisation empfiehlt das „ok-power“-Label. Das aber garantiert nicht, dass der Stromlieferant erstens ausschließlich Ökostrom vertreibt und eben nicht noch das eine oder andere Fossilstrom-Milliönchen den beglückten Aktionären offeriert. Zweitens garantieren die „ok-powerer“ nicht, ihren Gewinn in den Bau neuer Grünstrom-Anlagen zu stecken – was ja eigentlich Voraussetzung für die grüne Energiewende ist. So ziemlich alle anderen Umweltverbände empfehlen Strom von jenen vier Anbietern, die nichts anderes als Ökostrom liefern und den Gewinn in die Energiewende auch wieder reinvestieren. Das „ok-power“-Label lehnen sie als Greenwashing ab.

Aber zurück zur „1. Klasse“: Den Beleg dafür, dass Tetrapaks tatsächlich klimafreundlich sind, bleibt die Firma Tetra Pak in ihrer PR-Offensive schuldig. Denn mit anderen Getränke-Verpackungen – Glas- oder Plastikflaschen etwa – werden die Tetrapaks überhaupt nicht verglichen. Etwas vage heißt es in der Werbung:

Mit der „1. Klasse beim CO2 sparen“ hat das nichts mehr zu tun: Selbst Tetra Pak ist vorsichtig und behauptet, nicht den „kleinsten“ Fußabdruck vorweisen zu können, sondern spricht in seiner Volksverdummungs-Kampagne von „einem der kleinsten CO2-Fußabdrücke unter den Einweg-Getränkeverpackungen“. Tatsächlich nämlich hat das Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie für das Bundesumweltministeriums festgestellt: Deutlich Kohlendioxid-sparend sind Tetra Paks nur im Vergleich mit Dosen und Einwegflaschen aus Plastik, den so genannten PET. Die Verpackung von einem Liter Saft oder Wasser im Karton verursacht nur etwa halb so viel Treibhausgase wie die Nutzung von PET-Flaschen.

Aber schon wenn es auf die PET-Flaschen Pfand gibt, ist Tetra Pak mit seinen Kartons eine Klasse schlechter. PET-Mehrwegflaschen stoßen nur etwa halb so viele Klimagase in die Luft wie die Getränkekartons, wie die UBA-Grafik  zeigt, in der VBK „Verbundkarton“ bedeutet – also Tetra Pak:

Nach Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe ist die Recycling-Quote von Getränkekartons mittlerweile auf die Hälfte gesunken, nur 35 Prozent der Kartons werden recycelt.

Das bedeutet: Doppelt so viel Müll, halb so geringer Klima-Nutzen und jede Menge „Graustrom“ in der Produktion: Die Tetra Pak-Werbesprüche vom „CO2-Sparkönig“ sind allenfalls drittklassig!


WWF: den Lebensraum verscherbeln

Mittwoch, den 25. Mai 2011

Was haben Pinzettfisch, Kaiserskorpion, Seestern und Tigersalamander gemeinsam? Richtig ist die Antwort: Der WWF schmeißt sie den Supermarkt-Kunden dieser Tage hinterher. Jeder, der für mehr als 10 Euro in einer der 3.300 REWE-Filialen einkauft, bekommt ein „Tier-Abenteuer“-Päckchen mit fünf  Stickern dazu. 180 verschiedene Motive gibt es, aufkleben kann man die in einem Sammelalbum, das 2,50 Euro kostet.

REWE – Eigenwerbung: „Jeden Tag ein bisschen besser“ – teilt weiterhin mit: „An den so genannten Jokertagen erhalten diejenigen Kunden, die einen Einkaufswert von mindestens 50 Euro erreichen, ein WWF-Tierquartett gratis.“ Der WWF liefert also einen guten Grund, den Einkaufskorb mal wieder richtig voll zu packen. Und dann sind da ja auch noch die Glitzersticker:

Glitzersticker
„Der Umwelt zuliebe“, das ist der Slogan des WWF. Eine Million Sammelalben wurden gedruckt, mindestens 180 Millionen Sammelbilder – und zwar in China. Zur REWE-Aktion gibt es diverse Devotionalien: das Tierglas-Set, Stückpreis 1,99 Euro, WWF-Platzdeckchen im 2er-Set zu 1,99 Euro, der WWF-Panda – „total flauschig“ – zum Aktionspreis von 8,99 und, und, und.

„Uns geht es darum, Kinder für ein Thema zu begeistern, das in ihrer Lebenswelt nicht unbedingt vorkommt“, erläutert WWF- Sprecher Christian Plaep. Naturschutz ist gemeint, also der Schutz der natürlichen Ressourcen.

Mit billigem Ramsch  ‚Made in China‘?

„Sie müssten mal die Begeisterung der Kinder erleben“, sagt der WWF-Sprecher. Nein, komplett durchgerechnet habe man die Umweltbilanz der Aktion seines Wissens nicht. Aber selbstverständlich stamme das verwendete Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft und sei FSC-zertifiziert. Von der zuständigen Fachfrau Annette Herr wird versichert: Die Ware würde des Klimas zu Liebe nicht aus China eingeflogen, man habe sich das ebenso vertraglich festschreiben lassen, wie den Einsatz von FSC-Papier bei der ganzen Aktion.


Dumm nur, wenn die Umweltschützer das nicht nachprüfen. Mitnichten ist beispielsweise das Papier des Werbeblatts, den das REWE-Marketing hunderttausendfach verteilt hat,  FSC-zertifiziert.  Aufgefallen war das dem WWF noch nicht, und so steht zu befürchten, dass die anderen Umweltstandards, die sich der WWF vertraglich sichern wollte, auch noch nicht überprüft worden sind.

Aber vielleicht liegt das auch daran, dass der WWF selbst ein blendendes Geschäft mit der Aktion macht: 50 Cent von jedem Sammelheftchen gehen an die Umweltschützer – macht eine halbe Million Euro. Fachfrau Annette Herr findet nichts dabei, mit Konsum die Verbandsarbeit zu finanzieren: „REWE hätte die Aktion in jedem Fall gemacht. Und da ist es doch pädagogisch besser, sie mit Tieren zu machen, statt beispielsweise mit Fußballern.“

Eine halbe Million Euro – mit diesem Geld kann der WWF dann Tipps zum klimafreundlichen Konsum geben. Zum Beispiel:  „Achten Sie auf wenig Verpackung, kaufen Sie bevorzugt Recycling-Produkte.“ Oder: Kaufen Sie Produkte mit Umwelt-Gütesiegeln wie Blauer Engel oder FSC. Und natürlich: Lange Transportwege vermeiden, beim Bier genauso wie bei den Birnen.


Nespresso: Teurer Kaffee, viel Müll

Freitag, den 25. Februar 2011

Der Werbespot ist inzwischen ein Klassiker, wahrscheinlich kennen auch Sie ihn: George Clooney kauft eine Kaffeemaschine, und als er aus dem Laden tritt, stürzt ein Klavier auf ihn; im Himmel steht er Gott gegenüber, der ihm einen Tausch anbietet – wenn Clooney die Kaffeemaschine herausrückt, bekommt er sein Leben wieder.

Das Filmchen wirbt für die Nestlé-Tochter Nespresso. Und ironischerweise ist das Hauptprodukt der Schweizer Firma in dem Spot gar nicht zu sehen. Den allergrößten Teil ihres Drei-Milliarden-Franken-Umsatzes macht Nespresso nämlich gar nicht mit den (relativ billigen) Kaffeemaschinen, sondern mit den (umso teureren) Kaffee-Päckchen: Fünf bis sechs Gramm Pulver, einzeln eingesargt in eine Aluminiumkapsel, kosten 33 bis 37 Cent – macht sagenhafte 35 Euro pro Pfund.

Nespresso, schrieb vergangenes Jahr der Spiegel, inszeniere zur Durchsetzung solcher Preise eine „geradezu religiöse Anbetung“ des profanen Getränks: Das Design der Aufbrüh-Geräte preist die Firma als „perfekte Harmonie“, in den Nachfüll-Kapseln stecken vorgeblich „die besten Kaffees der Welt“. Aluminium sei das „ideale Material für die Bewahrung der Aromen“, und die Alu-Kapseln lässt man dann sogar von Star-Fotografen ablichten. In Wahrheit ist Nespresso eine Art des Kaffeekonsums, die besonders viel Verpackungsmüll produziert. Rund ein Gramm des hochwertigen Metalls Aluminium werden pro Kaffeeportion benötigt – wer seinen Espresso in den üblichen vakuumverschweißten 250-Gramm-Tüten kauft, verursacht nur rund ein Zehntel der Abfallmenge.

Um die miese Ökobilanz zu verschleiern, lassen sich Nespresso und deren Werbeagentur McCann einiges einfallen. Unter dem Phantasienamen „Ecolaboration“ wurde beispielsweise ein „Nachhaltigkeits- programm“ gestartet, auf der Firmenwebsite gibt es einen großen Bereich zum Recycling, und in ganzseitigen Magazin-Annoncen wird ein Herr namens Christophe vorgestellt, der George Clooney „die Schau stiehlt“, wenn es „um die Entwicklung recycelbarer Kapseln“ gehe. Im Kleingedruckten dieser Annonce und auch sonst in der Nespresso-PR heißt es, Aluminium sei

Das ist ja durchaus richtig. Nur bedeutet „recycelbar“ eben nicht, dass das Aluminium auch tatsächlich recycelt wird. Nur einen Teil der verbrauchten Nespresso-Kapseln nämlich tragen die Kunden, wie von der Firma erbeten, in die Verkaufsstellen zurück oder werfen sie in die Gelben Tonne. Nespresso selbst spricht davon, die Quote bis 2013 „auf 75 Prozent zu verdreifachen“ – woraus sich schließen lässt, dass bislang bloße 25 Prozent wiederverwertet werden. Dieser Wert wirkt noch lausiger, wenn man den deutschen Durchschnitt kennt: Nach Angaben der Industrie werden hierzulande derzeit mehr als 80 Prozent der Alu-Verpackungen wiederverwertet – selbst mit ihrem Zielwert läge die Kaffeefirma also noch darunter.

Trotz allen Werbegetöses ist auch Nespresso selbst beim Recycling nicht vorbildlich: Für die Verschlussfolie der Kaffeekapseln wird Primär-Aluminium verwendet, dessen Produktion extrem energieaufwändig ist. Was die Firma sowieso verschweigt: Zwar braucht die Aufbereitung gebrauchtem Aluminiums weniger Energie als die Neu-Herstellung – aber auch das Recycling schluckt wertvolle Energie und verursacht Treibhausgase, Verpackungsvermeidung ist deshalb besser als jede Verwertung.

Rund sechs Milliarden Kaffeekapseln soll Nespresso im vergangenen Jahr weltweit verkauft haben – das bedeutete etwa 6.000 Tonnen Aluminium-Abfälle. Zur Verdeutlichung: Dies entspricht etwa einem massivem Würfel mit etwa 13 Metern Kantenlänge. Vielleicht sollte in den Werbespots George Clooney nicht von einem Klavier erschlagen werden, sondern von einem solchen Block Altmetall.


REWE/toom: Nachhaltige Startschwierigkeiten

Mittwoch, den 24. November 2010

Das Hauptmotiv der neuen Anzeigenkampagne der Rewe-Handelsgruppe ist ganz hübsch: Eine Kleinfamilie steht da mit ihrem gefüllten Einkaufswagen auf einem Waldweg, vor ihr ein großer Holzlaster, die Trucker gucken verblüfft: „Unsere Kunden bewegen mehr als ihren Einkaufswagen“, lautet der Slogan dazu. Der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands will sich so als Adresse für „verantwortungsvollen Einkauf“ empfehlen. Nachhaltigkeit, heißt es auf der Firmenwebsite, sei bei Rewe „fest in der Unternehmensphilosophie“ verankert.

Im Anzeigentext erfährt man dann leider, dass die „verantwortungsvollen“ Produkte nur einen Teil des Sortiments ausmachen. An einem neuen Label namens „Pro Planet“ sollen sie bei Rewe, toom und Penny ab sofort zu erkennen sein, es geht beispielsweise um Schreibblöcke aus Recyclingpapier oder Wandfarben ohne Lösungsmittel. „Dabei kombinieren wir Imagewerbung intelligent mit Verkaufsimpulsen“, erklärte Rewe-Vorstandschef Alain Caparros.

Die Realität bei Rewe sieht allerdings nicht ganz so glänzend aus wie die von der Edel-Agentur Scholz&Friends betreute PR-Kampagne. So wählte man als Partner für die Elektroauto-Ladestationen in Berliner Märkten ausgerechnet Vattenfall - jenen Konzern, dessen Braunkohlekraftwerke Unmengen von Kohlendioxid ausstoßen und der mit 890 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde laut Greenpeace „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist.

Zudem ging bei Rewes Baumarkttochter toom der Start der Öko-Offensive gründlich daneben, dort hat man Imagewerbung und Kaufimpulse tatsächlich sehr intelligent miteinander verbunden. Mit billigen Energiesparlampen lockte toom Kunden in die Filialen, schaltete dazu auf Seite 1 der Bild eine große Annonce. Für 99 Cent wurden da Lampen aus „Energieeffizienzklasse A“ angepriesen – doch tatsächlich zeigte und verkaufte toom schlechtere Energiesparlampen der Klasse B. Daraufhin ging die Deutsche Umwelthilfe (DUH) juristisch gegen Rewe und die Bild vor. „Mit falschen Angaben wurden die Verbraucher getäuscht und zum Kauf niederwertiger Energiesparlampen verleitet“, kritisiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes wird mit solchen Aktionen eine grundsätzlich positive Technologie wie die Energiesparlampe diskreditiert.“

Vor einigen Tagen fiel toom zum zweiten Mal negativ auf: Die Kette verkaufte Energiesparlampen mit überhöhten Quecksilberwerten. Bereits seit Juli 2006 beschränkt die RoHS-Richtlinie der EU die Menge dieses gefährlichen Schwermetalls auf höchstens fünf Milligramm pro Lampe, die DUH fand bei Testkäufen jedoch 5,7 und 6,35 Milligramm. Rewe rechtfertigte das gegenüber der DUH mit den Worten, man habe die beanstandeten Lampen schon im Mai 2002 eingekauft – dieses Datum sei juristisch der Zeitpunkt des Inverkehrbringens, mithin fielen die fraglichen Lampen auch heute noch nicht unter den EU-Grenzwert. Nachhaltig sei bei Rewe, so DUH-Mann Resch, „nur das Streben nach Gewinnmaximierung, notfalls auch zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher und der Umwelt“.

„Das ist zweimal wirklich blöd gelaufen“, sagt Rewe-Sprecher Andreas Krämer hörbar zerknirscht. Im ersten Fall sei einem Mitarbeiter der Werbeabteilung schlicht ein Fehler passiert, im zweiten Fall habe es sich um „eine minimale Restmenge“ alter Lampen gehandelt – und die Antwort des Firmenjuristen sei mit der Unternehmensspitze nicht abgestimmt gewesen. Krämer versichert, dass man es tatsächlich ernst meine mit dem Nachhaltigkeitsengagement. Die Vorfälle seien Rewe bzw. toom „wirklich unangenehm“ – und sollten nicht nochmal vorkommen.

Nun, wir werden ein Auge drauf haben.

Danke an Christian B. und Christoph S. für die Hinweise


Dosenindustrie: Greenwash-Slogans verschrottet

Donnerstag, den 2. September 2010

Mitte Juli getraenkedose_gruenedosehaben wir an dieser Stelle über den Versuch der Dosenindustrie berichtet, Getränkebüchsen grün anzumalen – und so deren Wiedereinführung auf dem Markt propagandistisch zu begleiten. Kurz darauf nahm sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) des Themas an. Und erreichte tatsächlich, dass die frechsten Aussagen zurückgezogen wurde. Aber der Reihe nach:

Beim renommierten IFEU-Institut hatte sich der Branchenverband BCME eine Ökobilanz erstellen lassen. Dabei hatte man Annahmen vorgegeben, mit denen für die Dose vorteilhafte Ergebnisse programmiert waren. In Presseerklärungen und auf einer Website „Forum Getränkedose“ schlachtete die Büchsenlobby das gewünschte Resultat dann aus. Man färbte Dosen – im wahrsten Sinne des Wortes – grün (siehe rechts), in einer bunten Broschüre behauptete man vollmundig:

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Das IFEU-Institut distanzierte sich daraufhin von seinem Auftraggeber. Und Anfang August ging die DUH die Dosenlobby frontal an: Deren Kampagne sei „ein Lehrstück an Verbrauchertäuschung“, sie sei „in hohem Maße irreführend, unseriös und unglaubwürdig“. In einem 19-seitigen Papier listete der Umweltverband auf, wie die Industrie Mehrwegverpackungen „mit nachweislich falschen Annahmen schlechtgerechnet“ habe. Die DUH verlangte vom Lobbyverband eine Unterlassungserklärung, zunächst erfolglos. Am Dienstag dieser Woche unterschrieb die Dosenindustrie dann doch – offenbar wenige Stunden nach Einreichung einer entsprechenden Klage beim Landgericht Hannover.

Das „Forum Getränkedose“, ein Zusammenschluss der Büchsenproduzenten Ball Packaging Europe, Rexam und Crown Bevcan Europe, darf nun nicht mehr behaupten: „Die Getränkedose ist jetzt auf Augenhöhe mit Mehrweg“, „Neue Ökobilanz des IFEU-Instituts zeigt: Getränkedosen sind ökologisch konkurrenzfähig“ und „Die Dose ist eine umweltfreundliche Verpackung, die ökologisch auf Augenhöhe mit Mehrwegflaschen liegt. Das bestätigt jetzt eine neue Ökobilanz“.

Die Dosenlobby sei damit „einer gerichtlichen Verurteilung zuvorgekommen“, kommentiert DUH-Anwalt Remo Klinger. „Eine derart dreiste Form der Täuschung des Verbrauchers habe ich selten erlebt.“ Welf Jung, einer der Sprecher des Lobbyverbandes, wies auf Anfrage die DUH-Vorwürfe „vehement zurück“. Man habe lediglich einen langen Rechtsstreit vermeiden wollen über „Formulierungen, die missverständlich sein könnten“. An der inhaltlichen Position aber wolle man festhalten.

Die grünfärberische Broschüre, in der die umstrittenen Ergebnisse der Ökobilanz nochmal zugespitzt worden waren, findet sich nun jedenfalls nicht mehr auf der Verbands-Website.


Dosenindustrie: Die hohe Kunst der Trickserei

Freitag, den 16. Juli 2010

Im Schatten der Fußball-WM hat die Industrie ein Comeback der Getränkedose versucht. Discounter wie Penny oder Netto, Abfüller wie Coca Cola und die Dosenindustrie wollen diese Verpackungsart, die nach Einführung des Einwegpfands vor bald zehn Jahren in Deutschland ein Nischendasein führte, wieder in den Markt drücken. Heutzutage wird so etwas natürlich mit einer (schein-)ökologischen PR-Kampagne flankiert.

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war im Juni eine Pressemitteilung des Branchenverbandes der Getränkedosenhersteller (BCME) überschrieben.

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hatte der Verband schon im Mai vollmundig behauptet. Den Vorwand Anlass bot eine Ökobilanz, die sich BCME beim renommierten Heidelberger Ifeu-Institut hat erarbeiten lassen. Aus deren Ergebnissen bastelte die Dosenlobby eine gefällige, bunte Broschüre. Darin ist von „nachhaltigem Umweltschutz“ die Rede und von „Verantwortung“. Dosen seien, so die Behauptung, „in puncto Umweltverträglichkeit heute mit anderen Verpackungsformen auf Augenhöhe“. Dies sei auf höhere Recyclingraten und ein verringertes Gewicht der Dosen zurückzuführen. Nun, erstere ist ein Erfolg des Einwegpfands, gegen das die Industrie jahrelang und trickreich Sturm gelaufen war. Und letzteres ist nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sehr zweifelhaft. Und beschäftigt man sich genauer mit der Ifeu-Studie, zerbröseln die Umwelt-Argumente der Industrie wie durchgerostetes Blech.

Neun Grafiken präsentiert die Dosenlobby in ihrer Broschüre, diese steht bei ihr an erster Stelle:

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Die Klimaschädlichkeit verschiedener Bierverpackungen wird darin verglichen. Die beiden dunkelgrünen Balken rechts zeigen die CO2-Bilanz von Alu- und Weißblechdosen; die linken Balken stehen für Glas-Mehrwegflaschen (der erste für eine einmalig verwendete, der zweite für eine fünffach, der dritte für eine zehnfach befüllte Flasche. Experten dürften hier schon stutzig werden, denn die sogenannte „Umlaufzahl“ (kurz: ULZ) von Mehrwegflaschen ist oft viel höher.

Und tatsächlich ergibt ein Blick in die vollständige Ifeu-Studie ein deutlich anderes Bild. Doch die Dosenlobby setzt wohl darauf, dass kaum ein Journalist (und schon gar kein Kunde) dieses 200-seitige Werk durcharbeitet. Die Vorlage für die Broschüren-Grafik findet sich dort auf Seite 108 – und sie hat neun Balken, also einen mehr.getraenkedose_oekobil_5

Am rechten Rand stehen auch hier Alu- und Blechdose. Aber für Glas-Mehrwegflaschen finden sich hier vier Balken, nämlich (von links) Nummer 2, 3, 4 und 5.  Der fünfte Balken in dieser Grafik stellt die Klimawirkung von Mehrweg-Bierflaschen dar, die 25-mal wiederbefüllt werden (was das realistischste Szenario sein dürfte). Vergleicht man nun in dieser Grafik den fünften Balken mit dem achten und neunten, steht die Alu-Dose plötzlich gar nicht mehr besser da – und die Weißblechdose sogar rund vierzig Prozent schlechter als die Pfandflasche. Bei der Vereinfachung der Studienergebnisse für die bunte Boschüre ist also  just jener Wert weggefallen, der die Mehrwegflasche am besten dastehen lässt. Welch ein Zufall…

Wollen Sie noch tiefer eintauchen in die hohe Kunst der Trickserei mit wissenschaftlichen Studien? Dann lesen Sie weiter. (Aber Vorsicht, es wird kompliziert.)

An der Ifeu-Studie lässt sich nämlich mustergültig besichtigen, wie ein Auftraggeber von seriösen Experten ein wunschgemäßes Ergebnis bekommen kann – und wie sich Wissenschaftler dagegen zu wehren versuchen. Die Ergebnisse von Ökobilanzen hängen nämlich ganz wesentlich von den zugrundeliegenden Annahmen ab, das ist bei dieser Studie über Bierverpackungen nicht anders. Penibel hat das Ifeu in der Untersuchung alle Annahmen erläutert (weshalb externe Gutachter ihr auch eine „hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit“ bescheinigen – siehe S. 196 der Studie). So wurden etwa verschieden weite Lieferwege der Biere durchgerechnet (alle hier gezeigten Grafiken beziehen sich auf eine Entfernung von 400 km zwischen Brauerei und Verbraucher, was übrigens relativ hoch ist und schwere Glasflaschen eher benachteiligt).

Den größten Einfluss auf das Ergebnis aber hatten die sogenannten „Allokationsregeln“ (siehe S. 13 ff.), also die Art, wie etwa der Energieverbrauch zur Herstellung von Werkstoffen auf Vor- und Nachprodukte aufgeteilt wird. Bei der Betrachtung von Dosen ist die Frage besonders heikel, weil beispielsweise die Produktion von Roh-Aluminium erheblich umweltschädlicher ist als die Verwendung von recycletem Aluminium. Üblich in der Wissenschaft ist, die ökologischen Vorteile von Recycling-Material zu gleichen Teilen aufzusplitten zwischen dem recycleten Produkt einerseits und andererseits dem Produkt, das später aus dem recyleten Material hergestellt wird. „50:50-Allokation“ wird dies von Experten genannt.

Für eine Studie aber, die Getränkedosen möglichst positiv erscheinen lassen soll, müsste man den Umweltvorteil durchs spätere Recycling  weggeworfener Dosen vollständig auf diese gutschreiben (statt nur zur Hälfte). Diese Methode wird „100:0-Allokation“ genannt. Und raten Sie mal, welche Variante die Dosenindustrie dem Ifeu-Institut vorgeschrieben hat? Genau, die 100:0-Allokation! Offenbar haben die Wissenschaftler dies nur mit Bauchschmerzen akzeptiert – und bestanden darauf, beide Methoden durchzurechnen und in ihrer Arbeit darzustellen (denn das Ifeu hat in der Fachöffentlichkeit einen Ruf zu verlieren). Und auf Seite 88 ihrer Studie haben sie in einer weiteren Balkengrafik sogar noch dargestellt, welch unterschiedliche Ergebnisse die beiden Methoden erbringen:

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Grau dargestellt ist hier das Ergebnis der 100:0-Allokation, wie sie die Industrie favorisiert (und wie es sich weiter oben in unserem Text, in der zweiten Balkengrafik wiederfindet). Die blauen Balken hingegen zeigen, was bei der 50:50-Methode herauskommt, die bei Ökobilanzen etwa des Umweltbundesamtes Standard ist. Für Mehrwegflaschen (zweiter Balken von links) sind die Differenzen marginal. Bei Alu-Dosen hingegen ergibt sich eine doppelt so hohe Klimaschädlichkeit, bei Weißblechdosen eine um rund 20 Prozent höhere.

Fassen wir zusammen: Geht man von realistischen Annahmen für die Wiedernutzung von Mehrwegflaschen aus und wählt man die weithin anerkannte Methodik für Ökobilanzen, dann sind Bierdosen (egal ob aus Alu oder aus Weißblech) etwa doppelt so klimaschädlich wie Glas-Pfandflaschen. Was aber hatte nochmal die Dosenlobby über ihre Pressemitteilung zur Studie geschrieben?

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Toll, oder? Offenbar waren die Ifeu-Experten so erbost über den Umgang mit ihrer Studie, dass sie eine eigene, fünfseitige Kurzfassung der Studie und später sogar eine regelrechte Gegendarstellung zu den Äußerungen der Dosenlobby veröffentlichten. Ihr Fazit - und eine erfrischend verständliche Empfehlung an die Verbraucher – lautet: Wer die Umwelt schonen will, sollte Bier aus einer regionalen Brauerei trinken, das in Standard-Pfandflaschen aus Glas abgefüllt ist.

Na dann, Prost!


Whole Earth Bio-Brause: Innen hui, außen pfui

Freitag, den 9. Juli 2010

Whole Earth ist eine Bio-Marke aus Großbritannien, seit kurzem versucht die Freiburger Firma CoSa Naturprodukte sie auch in Deutschland zu etablieren. „Die Welt ist kostbar“, lautet ihr Slogan. Man wolle „die Welt ein kleines bisschen besser machen“, so das Versprechen. Bei Whole Earth habe man sich auf die Fahnen geschrieben, heißt es auf der Firmenwebsite,

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Aber offenbar am Deckel ihrer Getränkeverpackungen. Neben Keksen, Erdnussbutter, Müsli und so weiter hat Whole Earth nämlich auch eine echte „Innovation“ auf dem Bio-Lebensmittelmarkt im Angebot: Limonade aus ökologisch erzeugten Grundstoffen, abgefüllt in Dosen. In der Fachpresse schaltet die Firma großformatige Anzeigen dazu:

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Wie bitte? Bio-Limonade in Dosen? „Ja“, sagt Firmensprecher Frank von Glan, als wir ihn anrufen, und fragt sofort zurück: „Haben Sie die schonmal getrunken?“ Die fünf Geschmacksrichtungen, versucht er Begeisterung zu verbreiten, die seien wirklich ganz, ganz lecker!

Als wir trotzdem weiter nach der Verpackung fragen, beginnt er etwas herumzudrucksen. Das schlechte Gewissen ist ihm deutlich anzumerken. „Die Ökobilanz von solch einer Dose ist schlechter als von Pfandflaschen, das ist klar“, gibt von Glan zu. „Wir sind uns der Problematik wohl bewusst.“ Aber man sei eben kein spezialisierter Getränkehändler, betont er, weshalb man es nicht schaffe, ein Mehrwegsystem aufzubauen. Bei den derzeitigen Stückzahlen – etwa 90.000 der in Belgien abgefüllten Dosen habe man in diesem Jahr hierzulande abgesetzt – lohne sich ein Mehrwegsystem ohnehin nicht. Seine Firma wolle halt mal ausprobieren, „was in Deutschland ankommt“.

Mit diesem Test liegt Whole Earth ziemlich im Trend. Nachdem Getränkedosen in Deutschland jahrelang out waren, versuchen ihr Discount-Ketten und Industrie gerade zu einem Comeback zu verhelfen. Whole-Earth-Sprecher von Glan betont allerdings, es sei „nicht in Stein gemeißelt“, dass man die Dosenbrause dauerhaft im Sortiment behält. Wenn also vielen Kunden der Widerspruch zwischen Inhalt und Verpackung auffällt, dann hat der Unfug vielleicht schnell wieder ein Ende.

P.S.: Falls jetzt jemand vorhat, uns auf die neueste Studie zu Ökobilanzen von Getränkedosen hinzuweisen, die einen ökologischen Nachteil der Dose bestreitet – die haben wir gesehen. Und mit Begeisterung gelesen. Sie ist nämlich ein wunderbares Beispiel dafür, wie Industrielobbyisten sich eine wissenschaftliche Grundlage für ihr Greenwashing produzieren lassen. Mehr dazu nächste Woche an dieser Stelle.


Bauernpräsident Sonnleitner: Dumm oder dreist?

Dienstag, den 26. Januar 2010

Am Sonntag ging in Berlin die 75. Grüne Woche zu Ende, die weltgrößte Schau der Ernährungsindustrie. Da waren wieder mal Potemkinsche Öko-Dörfer zu sehen, weil die Realität der Intensivlandwirtschaft die Besucher verstören würde. Um Klimaschutz ging es allenfalls am Rande, dabei ist die Landwirtschaft hierzulande für etwa 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich (weltweit sogar fürs Doppelte). Weil die Massentierhaltung eine der Hauptquellen für klimaschädliches Kohlendioxid, Methan oder Lachgas ist, fordern Experten seit langem weniger Fleischkonsum.

Und was macht Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes? Er holt aus zum bewährten Grünfärber-Dreischlag: Aktivität vortäuschen, Ablenken, Leugnen. Auf seiner Pressekonferenz zum Abschluss der Grünen Woche klang das dann so (und das DeutschlandRadio verbreitete es unkommentiert): Die Bauern sorgten etwa dafür, sonnleitner_1

Das einzig Richtige daran ist, dass eine schonende Behandlung der Äcker zu vermehrter Aufnahme von Kohlendioxid führt und dem Klima nützt – doch die Agrarindustrie, für die der DBV steht, geht eben nicht schonend mit den Feldern um. Im übrigen, kritisiert Reinhild Benning vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), wehrt sich der Bauernverband explizit gegen die EU-Bodenschutzrichtlinie.

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Nunja, der Bauernverband arbeitet vor allem an einem Ausbau von Massentierhaltung und Export von Fleisch- und Milchüberschüssen – mit allen ihren negativen Folgen für Umwelt und Tiere. Aber dann der Höhepunkt:

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Bei dieser Argumentation drängt sich die Frage auf, ob Sonnleitner dumm ist oder dreist. Denn selbst wenn man für eine Kuh auf der Weide das Bild des geschlossenen Kreislaufes gelten ließe, sieht die deutsche Agrar-Realität ganz anders aus. Kaum ein Tier nämlich steht auf der Weide (jedenfalls nicht bei konventionellen Bauern), und ausgeblendet wird in Sonnleitners demagogischen Vereinfachung aller Diesel, den Traktoren verbrennen, aller Treibhausgas-Ausstoß aus der energieintensiven Herstellung und Nutzung von Kunstdüngern und Pestiziden – und natürlich die Tatsache, dass mehr als 70 Prozent der eiweißhaltigen Futtermittel aus dem Ausland kommen. Für Futtersoja beispielsweise wurden und werden Regenwälder abgeholzt, mit verheerenden Folgen fürs Weltklima.

Auch hierzulande wurden (unter anderem wegen des Booms bei Energiepflanzen) in den vergangenen Jahren viele ökologisch wertvolle Wiesenflächen („Grünland“) umgepflügt und in Mais- oder Getreideäcker verwandelt. „Das verursacht erhebliche CO2-Emissionen“, erklärt BUND-Agrarexpertin Benning. Und ausgerechnet Sonnleitner habe sich dafür eingesetzt, dass das sogenannte Grünlandumbruchverbot aufgeweicht wurde.

„Der Verzicht auf Fleisch und die Reduktion tierischer Lebensmittel an unserer täglichen Kalorienzufuhr bilden das größte Potential für den Klimaschutz bei unserer Ernährung“, betont Benning. Um mehr als 40 Prozent lässt sich dadurch der Treibhausgas-Ausstoßes senken. Doch Sonnleitner biegt sich die Realität zurechtnicht zum ersten Mal übrigens: Vor mehr als einem Jahr wies ihn der Vizepräsident des Umweltbundesamt in einem persönlichen Brief darauf hin. Genützt hat es offensichtlicht nichts.

Danke an Gergely R. für den Hinweis


McDonalds: (K)ein grüner Hintergrund

Dienstag, den 24. November 2009

Der globale Fastfood-Riese McDonald’s nimmt den Grünfärberei-Werbetrend jetzt wörtlich: Statt auf rotem Hintergrund prangt das goldene M („Golden Arches“) ab sofort auf „gedecktem Grün“. Dazu kommen „Naturstein und edle Holztöne“ in der Außenarchitektur – hundert Filialen in Deutschland werden bis Jahresende im neuen Look erscheinen. Grün, Holz, Natur – mausert sich McDonald’s etwa zum Bio-Restaurant?

Der Farbwechsel sei auch als „Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt zu werten“, erklärt der Vizechef von McDonald’s Deutschland Holger Beeck der Financial Times Deutschland. Man wolle die „Verantwortung gegenüber dem Erhalt natürlicher Ressourcen verdeutlichen“, sagt er laut einer Presseerklärung. Die grüne Farbe ist also kein Zufall. Doch bei der Begründung hapert es. Die ist so dünn wie die neue Farbschicht.

Das Unternehmen sei doch im Dow Jones Sustainability Index gelistet – dort befindet es sich zum Beispiel in der zweifelhaften Gesellschaft des Lebensmittelkonzerns Nestlé, des Ölmultis Total oder des Pharmariesen Novartis. Außerdem gäbe es ja die energieeffiziente Filiale in Achim bei Bremen. Wie, mehr ist da nicht?

Natürlich verkauft McDonald’s auch weiterhin in großem Stil Burger aus dem Fleisch methanrülpsender Rinder – in Einwegverpackungen. Und die im Foto gezeigte – grüngestrichene – Filiale in Dissen ist wieder einmal ein McDrive - mit einer Fahrspur in Auto-, nicht in Fahrradbreite.  Im Klartext: Außer der Farbe ändert sich gar nichts.

Danke an Wayne C., Michael M., Sabine N. und Marie R. für die Hinweise


McDonald’s: (Energie-)Effiziente Werbemaßnahme

Donnerstag, den 23. April 2009

Heute eröffnet McDonald’s in Achim bei Bremen sein erstes energieeffizientes Restaurant. Laut Pressetext soll es als „weltweit einzigartiges Testlabor für alle anderen McDonald’s-Restaurants“ dienen. Um 12 Uhr werden die TV-Moderatoren Wigald Boning und Barbara Eligmann die installierten Öko-Technologien in Form einer Clever-Show präsentieren. Auf dem Dach der „EE-Tec“-Filiale prangen eine Fotovoltaikanlage zur Stromerzeugung, Solarkollektoren zur Warmwassergewinnung sowie ein Windrad mit dem gelben „M“, darüber hinaus kommen eine Geothermie-Wärmepumpe sowie diverse Energiespar-Technologien zum Einsatz. „Was sich im Praxistest bewährt, kann in weiteren McDonald’s Restaurants eingesetzt werden“, kündigt die Fastfood-Kette an.

Bravo, liebe McDonalds-Betreiber, ein beachtliches Projekt – aber so einfach kommt Ihr uns nicht davon. Wir hätten da noch ein paar Fragen:

1. Schön, dass Ihr in Achim eine Fotovoltaik-Anlage, Solarkollektoren und eine Wärmepumpe einem „Praxistest“ unterzieht – aber das haben doch schon Millionen vor euch getan! Bundesweit wollt Ihr in diesem Jahr 40 neue Filialen eröffnen. Warum wendet Ihr diese längst bewährten Technologien nicht gleich auch in den 39 anderen an?

2. Toll, dass Ihr in Achim einen „neu entwickelten Induktionsgrill“ testet, der „das Fleisch energieeffizient grillt“ – zu dumm nur, dass das Grillgut alles andere als energieeffizient erzeugt wurde. Laut Foodwatch trägt die Landwirtschaft zum Klimawandel genauso viel bei wie der Verkehr, und von allen Lebensmitteln hat ausgerechnet eure größte Spezialität mit Abstand die schlechteste Klimabilanz: das Fleisch von Methan rülpsenden Rindern! Warum habt Ihr eigentlich Euren einzigen vegetarischen Burger 2005 wieder aus dem Programm genommen? (Die Antwort wird vermutlich sein, dass er sich so schlecht verkauft hat. Aber mal ehrlich: Im Gegensatz zu vielen anderen Veggie-Burgern hat Euer „Gemüse-Mac“ wirklich fade geschmeckt – und der Name war auch nicht gerade appetitanregend.)

3. Danke, dass Ihr vorab so schöne Pressefotos verschickt habt – im Bild unten sticht da etwas ins Auge. Wenn es euch Ernst ist mit dem „weltweiten Vorbildcharakter“, warum ermuntert Ihr Eure Gäste nicht, energieeffizient zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu kommen? Musste es in Achim denn ausgerechnet wieder ein McDrive sein?