Archiv des Themas ‘Energie‘

Eon & Co.: Energievergangenheit für Deutschland

Samstag, den 21. August 2010

Sie müssen wirklich mächtig Fracksausen haben, die Herren in den Chefetagen der vier Akw-Betreiber Eon, RWE, Vattenfall und EnBW. Sie sind enttäuscht von Schwarz-Gelb – versprochen waren ihnen satte Laufzeitverlängerungen für die hochprofitablen Alt-Reaktoren, doch die wackeln; stattdessen soll nun erstmal eine milliardenschwere Brennelementesteuer kommen. bdi_energiepolappell1Letzte Woche drohten die Konzerne, ihre Meiler einfach abzuschalten (und wunderten sich, dass dies kaum jemanden schreckte – im Gegenteil). Nun hat die Atomlobby eine beispiellose PR-Kampagne gestartet: In ganzseitigen Zeitungsanzeigen lässt man 40 mehr oder weniger alte Männer aus Wirtschaft, Politik und High Society für sich auftreten (es ist tatsächlich nicht eine einzige Frau dabei!) – darunter sind Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Fußballer Oliver Bierhoff. Dahinter stehen der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und ein eigens gegründeter Verein „Energiezukunft für Deutschland“, der in Essen unter der Eon-Adresse residiert.

Der Anzeigentext unter der Überschrift „Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft“ ist ein gekonnter Mix aus scheinbar wohlwollenden Öko-Phrasen und clever gequirlten Unwahrheiten. Schauen wir uns einige Passagen genauer an:

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Gleich im ersten Satz der Annonce beginnt die geschickte Besetzung von Begriffen: Stünde das Wörtchen „sicher“ für die garantierte Abwesenheit unbeherrschbarer Risiken, dann schiede die Atomkraft sofort aus. Selbst die Bedeutung „verlässlich“ ist für Akw weit hergeholt – denn selbst die vermeintlich so zuverlässigen deutschen Reaktoren stehen immer wieder wegen Störfällen still, zudem müssen solche Großkraftwerke in den zunehmend heißen Sommern gedrosselt oder abgeschaltet werden (also genau dann, wenn große Mengen Strom für Klimaanlagen gebraucht werden), weil in den Flüssen das Kühlwasser knapp wird. Was also meinen die Stromkonzerne mit „sicher“? Offenbar nur, dass ihre Großanlagen rund um die Uhr dieselbe Menge Strom liefern. Wenn aber künftig mehr und mehr Strom aus fluktuierenden Quellen wie der Windkraft ins Netz fließt, dann sind die schwer regelbaren Atom- oder Kohlekraftwerke keine „sichere“ Energiequelle, sondern eine Gefahr für die Stabilität der Stromnetze.

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Klingt super, oder? Dieser Aussage können auch wir zustimmen. Doch Atomstrom ist – bei vollständiger Betrachtung und Einbeziehung beispielsweise der Emissionen aus Uranförderung und -anreicherung – überhaupt nicht CO2-frei. Laut einer Studie des Öko-Instituts werden für jede Kilowattstunde Strom aus den Reaktoren von Eon, RWE & Co. rund 32 Gramm Kohlendioxid freigesetzt. Dies lassen die Initiatoren der Annonce unter den Tisch fallen, sie wollen mit der Formulierung ihre riskanten und strahlenden Akw grünwaschen.

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Solches Eigenlob ist hierzulande üblich, aber völliger Quatsch. Der deutsche Treibhausgas-Ausstoß liegt mit mehr als zehn Tonnen pro Kopf deutlich über dem europäischen Durchschnitt von knapp neun Tonnen – und beträgt etwa das Zweieinhalbfache des weltweiten Durchschnitts von gut vier Tonnen. Ein Grund dafür sind die vielen, besonders klimaschädlichen Braunkohlekraftwerke von RWE und Vattenfall. Und der Rückgang der deutschen Emissionen seit 1990 geht neben dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft vor allem auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Ökosteuer zurück – beides sind rot-grünen Projekte und wurden von kaum jemandem so heftig bekämpft wie von den vier Stromriesen und dem BDI.

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Diese Passage ist der demagogische Höhepunkt der Annonce. Energiekonzerne wie Eon und RWE machen jedes Quartal Milliardengewinne – nicht zuletzt wegen großzügiger Ausnahmen im CO2-Emissionshandel und Steuervorteilen für die Atomkraft. Eine Brennelementesteuer würde der Kernenergie zumindest einen Teil ihrer finanziellen Privilegien nehmen. Und ökonomisch ist die Sache natürlich genau andersherum als in der Anzeige suggeriert: Steuern und Abgaben auf umweltschädliche Brennstoffe wie Kohle oder Uran sorgen dafür, dass Investitionen in Erneuerbare Energien rentabler werden. Sie lenken Investitionen in die ökologisch richtige Richtung. Wenn die Konzerne weiter in alte Energien investieren wollen, bitteschön. Dafür staatliche Unterstützung einzufordern, ist reichlich frech.

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Hier sehen wir einen altbekannten Propagandatrick: Man picke mit der Solarkraft die allerteuerste Erneuerbare Energie heraus und verschweige, dass etwa Windstrom längst so billig ist, dass er – zum Nutzen der Endkunden – die Börsenpreise für Strom drückt. Zudem werden die Milliardensubventionen ausgeblendet, mit denen hierzulande die Kernforschung gefördert wurde und wird – und milliardenschwere Folgekosten etwa für die Sanierung des abgesoffenen Atomlagers Asse verschweigt man sowieso. Schließlich: Kernenergie mag in der Erzeugung relativ billig sein – aber die niedrigen Betriebskosten der Alt-Akw erhöhen vor allem die Gewinnspanne von Eon, RWE & Co., bei den Endkundenpreisen kommt davon praktisch nichts an.

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Dies ist die Schlusspassage der Annonce – und deshalb besonders reich an Verdrehungen und Lügen. Natürlich, von heute auf morgen ist eine hundertprozentige Versorgung mit Ökostrom nicht zu machen. Es geht aber viel schneller, als Energiekonzerne und Großindustrie behaupten - das zeigen unter anderem Studien des Umweltbundesamtes, des Sachverständigenrates der Bundesregierung zu Umweltfragen, des Bundesumweltministeriums oder auch von McKinsey. Große Kohle- und Atomkraftwerke sind – wie schon erwähnt – gerade keine „flexiblen Partner“ für die Erneuerbaren, vielmehr werden als Back-up etwa für die Windkraft künftig schnell regelbare Gaskraftwerke gebraucht. Die deutschen CO2-Minderungsziele sind gut und preiswert auch ohne Akw erreichbar - mit Atomkraft könnte es in der Tat etwas billiger werden, dafür würde man sich aber die Risiken dieser Technologie einhandeln.

Und der letzte Satz vermischt schlicht Betriebs- und Volkswirtschaft: Es mag im Eigeninteresse der Stromkonzerne sein, die abgeschriebenen Atommeiler länger laufen zu lassen, mit dem Gemeininteresse hat das herzlich wenig zu tun. Ein baldiger Ausstieg aus der Atomkraft würde nicht gesellschaftliches Kapital, sondern private Profite in Milliardenhöhe vernichten. Um das zu verhindern, kann man schonmal ein paar Milliönchen Euro für ganzseitige Anzeigen springen lassen und darin die Wahrheit verdrehen.


Horst Seehofer: Der Ökoenergie-Hochstapler

Donnerstag, den 5. August 2010

Für die CSU-Spitze gehört Atom-Hurra-Patriotismus offenbar zur Staatsräson. Beim Tauziehen um das schwarz-gelbe Energiekonzept macht sich nun (nach Ex-Parteichef Erwin Huber und Medien-Darling Karl-Theodor zu Guttenberg) Horst Seehofer zum politischen Lautsprecher von RWE, Eon, Vattenfall und EnBW: „Unbegrenzten Laufzeiten“ für die alten, deutschen Atomkraftwerke verlangt der bayerische Ministerpräsident.seehofer_atom1 Sein Land bezieht derzeit noch rund zwei Drittel des Stroms aus Atomkraftwerken (mehr als Doppelte des Bundesdurchschnitts). Doch selbst Atomfundi Seehofer weiß, dass die übergroße Mehrheit der Bürger auf Erneuerbare umsteigen will. Wohl um bei ihnen glaubwürdiger zu sein, garnierte er am Wochenende in der ARD und im Bayerischen Fernsehen seine Atomforderungen mit der Behauptung: „Wir Bayern sind an erster Stelle in Deutschland bei der Nutzung der regenerativen Energien.“

Klingt gut, doch bei Strom aus erneuerbaren Quellen ist Bayern überhaupt nicht deutscher Spitzenreiter. Zwar liegt der Freistaat im Ländervergleich des Umweltbundesamtes mit rund 25 Prozent Öko-Anteil am Strommix auf einem der vorderen Plätze – allerdings deutlich hinter Mecklenburg-Vorpommern, der tatsächlichen Nummer 1. Auch in einem Ranking der Erneuerbare-Energien-Agentur (EEA) findet sich Bayern in der Spitzengruppe. Doch ist der Grund dafür nicht gute Politik, sondern Bayerns bergige Landschaft und die dadurch möglichen Wasserkraftwerke, die teilweise schon seit dem 19. Jahrhundert in Betrieb sind. Zuletzt boomte im Freistaat auch die Photovoltaik, was sich aber noch kaum auf den Strommix auswirkt. Bei der Windenergie hingegen hinkt Bayern weit, weit hinterher – im ganzen Freistaat stehen nach Angaben des Deutschen Windinstituts schlappe 396 Windkraftanlagen (und können lediglich 0,9 Prozent des Strombedarfs decken). Andere Länder (auch fernab der Küsten!) sind demnach viel weiter, etwa Brandenburg, Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt.

seehofer_atom2Lügt Seehofer also? Nein, betonte auf Anfrage die Staatskanzlei in München – und machte eine kreative  Zwei-Stufen-Rechnung auf: Der Herr Ministerpräsident habe sich erstens auf Statistiken zum Primärenergieverbrauch bezogen. Und betrachte man da, zweitens, die absoluten Zahlen, dann liege Bayern bundesweit mit Abstand an der Spitze.

Nun, die Vermischung von Primärenergie- und Stromverbrauch ist ein beliebter Trick in der Energiedebatte. Bei ersterem wird beispielsweise auch die gesamte Heizenergie bilanziert – durch diesen Kniff kann Seehofer die in Bayern besonders beliebten Holzpellet- und Hackschnitzel-Heizungen mitzählen. Die aber haben mit Stromerzeugung wenig bis gar nichts zu tun. Doch nur um diesen Teilmarkt der Energieversorgung geht es, wenn über Akw-Laufzeiten gestritten wird. (Auch Seehofer redete im Rest der beiden Fernsehinterviews immer nur von Strom.) Redlicherweise sollte man deshalb auch nur Stromstatistiken verwenden.

Doch selbst beim Primärenergieverbrauch liegt Bayern nicht „an erster Stelle“. Als das Bundesumweltministerium vor ein paar Jahren eine genaue Länder-Studie fertigen ließ, schnitt der Freistaat mit 9,7 Prozent Regenerativ-Energie am Gesamtverbrauch ziemlich gut ab – doch mit 10,8 und 11,4 Prozent waren Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen noch deutlich besser. Dass das große Bayern in absoluten Zahlen mehr regenerativ erzeugte Primärenergiemenge (196 Gigawattstunden pro Jahr) vorweisen kann als als die beiden viel kleineren Länder (mit 19 GWh bzw. 27 GWh), ist wenig verwunderlich.

„Des baun wir weiter aus“, hatte Seehofer im Bayerischen Fernsehen in Bezug auf die Öko-Energien gesagt. Schauen wir zum Schluss also noch einmal in das bereits erwähnte Länderranking der Erneuerbare-Energien-Agentur. Das relativ gute Abschneiden des Freistaats, so die Experten, sei „im Wesentlichen historisch bedingt“. Beim Zubau neuer Ökostrom-Kapazitäten hingegen ist die bayerische Bilanz ziemlich bescheiden. Und vergleicht man, was die einzelnen Bundesländer an Anstrengungen unternehmen für einen technologischen Wandel der Energieversorgung, dann ergibt sich dieses Bild:

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Nicht bei regenerativen Energien liegt Bayern also „an erster Stelle“ – eher beim Kampf für die Interessen der Atomindustrie.

Danke an Stefan B. aus Kehl und Raimund K. aus Augsburg
für die Hinweise


Shell: Let’s go – für mehr Treibhausgase

Freitag, den 23. Juli 2010

Für BP läuft es imagemäßig ja grad nicht so gut. Prima, wird man beim Konkurrenten Shell denken, kommt unsere neue Werbekampagne halt umso stärker zur Geltung. Unter dem Motto „Let’s go“ präsentiert sich der britisch-holländische Konzern derzeit als besonders zukunftsbewusst: shell_letsgo_1In lieblichen Werbefilmchen treten nicht etwa Ölarbeiter oder Tankwarte auf. Nein, Shell zeigt einen verliebten Teenager namens Kim, der mit seiner Freundin auf dem Mofa durch irgendeine asiatische Stadt knattert. Den japanischen Jungen Riku, der mit seiner E-Gitarre die Eltern nervt. Und zwei brasilianische Kinder, die am Strand von Rio einen Drachen steigen lassen wollen. Um deren Wohlergehen kümmere man sich, so die Botschaft. Süß!

Dazu schaltet der Ölriese doppelseitige Magazinanzeigen, etwa im Spiegel. Ist auf etlichen Websites mit Werbebannern präsent. Sogar bei Google hat der Ölriese Begriffe gekauft, sogenannte AdWords – wer etwa nach „Shell“ sucht, bekommt dies angezeigt:

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Etliche Millionen dürfte die ganze Kampagen kosten. „Lasst uns eine bessere Energiezukunft bauen“, lautet der Hauptslogan, „lasst uns starten!“

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Schauen wir also mal genauer hin, was Shell unter einer besseren, co2-armen Zukunft versteht. Auf der Kampagnenwebsite gibt es dazu viel – heiße Luft: Okay, der Konzern wirbt für Energieeffizienz und Kraftstoffsparen. Beides ist auch in Shells eigenem Interesse , denn dann kann man mit den bekanntlich knapper werdenden Ölvorräten der Erde länger Geschäfte machen. Unter dem Stichwort „Technologien“ präsentiert die Firma allen Ernstes das tiefste Tiefsee-Ölprojekt der Welt, pikanterweise im Golf von Mexiko – dabei weiß spätestens seit der dortigen BP-Katastrophe wirklich jeder, dass dies eine ökologisch hochriskante Technologie ist.

Sogenannte „Energiesicherheit“ verspricht der Konzern auf seiner Website (wieso eigentlich nicht in den Zeitungsannoncen oder Filmspots??) dadurch, dass er verstärkt in der ökologisch besonders sensiblen Arktis bohrt – wogegen Umweltschützer vehement protestieren. Und unter dem Punkt „CO2-Managment“ schmückt sich Shell mit einem Forschungsprojekt zur Abscheidung und unterirdischen Ablagerung von Kohlendioxid (CCS) im norwegischen Mongstad – obwohl die Regierung in Oslo kürzlich einen mehrjährigen Aufschub beschlossen hat.

Eine regelrechte Frechheit ist, was Shell beim Stichwort „Emissionen senken“ anbietet:

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Der Schlusssatz stimmt nur, wenn man „sauber“ ausschließlich auf Luftschadstoffe wie Staub oder Quecksilber bezieht – vorn im Text aber ist (wie überall in der Shell-Werbung) auch von Treibhausgasen und einer „CO2-armen Zukunft“ die Rede. Doch was das Klima angeht, ist Kohlevergasung eine ziemlich dreckige Angelegenheit. Die Umwandlung von Kohle in Gas ist nämlich energieintensiv und verursacht zusätzliches CO2. Vor einem „mehr als doppelt so hohem Ausstoß von Kohlendioxid verglichen mit konventionellem Erdgas“, warnen etwa Klimaexperten des US-Umweltverbandes NRDC. „Mit Blick auf die Erderwärmung ist das unakzeptabel.“ Dass das Endprodukt Synthesegas relativ sauber verbrennt, ist da eher belanglos.

Unter einer „bessereren Energiezukunft“ versteht Shell also nicht den Umstieg auf rundum saubere und erneuerbare Energien, sondern vor allem eine profitable Zukunft für sich selbst – durch Verlängerung des alten, allzu oft schmutzigen Kerngeschäfts mit Öl oder Gas.

P.S.: Interessant ist auch, was der Konzern auf seiner Kampagnenwebsite alles nicht anspricht: Dass Shell seine Investitionen in Wind- und Solarenergie gestoppt hat. Und stattdessen groß in den besonders umwelt- und klimaschädlichen Abbau von Ölsanden in Kanada eingestiegen ist. Oder dass Shell in Nigeria die Umweltprobleme der Ölförderung und Konflikte mit der lokalen Bevölkerung auch nach vielen Jahren noch nicht im Griff hat.


Eon, RWE & Co.: Brennelementesteuerschwindler

Dienstag, den 22. Juni 2010

Am Mittwochnachmittag will sich Angela Merkel im Kanzleramt mit den Spitzen der vier großen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW treffen. Ein Dreivierteljahr nach der Bundestagswahl will Schwarz-Gelb nun auf höchster Ebene mit den Akw-Betreibern über eine mögliche Laufzeitverlängerung für ihre alten Reaktoren reden. Doch inzwischen ist die Stimmung gereizt. Die einst sicher scheinende Anhebung des Rentenalters für Atomkraftwerke wackelt, stattdessen hat die Bundesregierung im Rahmen ihres „Sparpakets“ eine Brennelementesteuer beschlossen.

Jährlich 2,3 Milliarden Euro wollen sich die Konzerne natürlich nicht einfach nehmen lassen. Weshalb sie im Vorfeld bereits mächtig Druck machten und mit Klage gegen die Steuer drohten. Es gebe „erhebliche Rechtsfragen“, zitierte die Süddeutsche Zeitung am Wochenende eine anonyme Quelle bei RWE. Und Eon ließ verlauten

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Das ist – gelinde gesagt – Quatsch, wurde am nachrichtenarmen Wochenende aber trotzdem von zahlreichen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet.

Korrekt an der Behauptung der Atomlobby ist, dass mit Inkrafttreten des Energiesteuergesetzes vor vier Jahren fossile Brennstoffe generell nicht besteuert werden, wenn sie zur Stromerzeugung verwendet werden. (Dies gilt für die Kraftwerksbetreiber, hingegen zahlen die Endverbraucher eine Stromsteuer von derzeit rund zwei Cent pro Kilowattstunde.) Korrekt ist weiterhin, dass auch die EU-Energiesteuer-Richtlinie 2003/96/EG sogenannten „Energieerzeugnisse“ wie Mineralöl oder Erdgas grundsätzlich steuerfrei stellt, wenn sie zur Elektrizitätsgewinnung verbrannt werden. Doch die Akw-Betreiber verschweigen, dass Uran in Artikel 2, wo „Energieerzeugnisse“ im Sinne dieser EU-Richtlinie definiert werden, gar nicht erwähnt ist. Und dann auch noch in Artikel 14, Absatz 1. a), wo die grundsätzliche Steuer-Befreiung zum Zwecke der Stromerzeugung verankert ist, eine wichtige Einschränkung folgt:

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Im Klartext: Die Atomlobby beruft sich auf eine EU-Richtlinie, die eigentlich gar nicht für sie gilt – und außerdem sehr wohl eine Besteuerung zulässt. Und umweltpolitische Gründe für eine Belastung von Akw-Brennelementen gäbe es genug. Denn anders als bei fossilen Kraftwerksbrennstoffen verzichtet der Staat bisher beim Uran, ihm seine ökologischen Folgeschäden in Rechnung zu stellen. Diese (so der Fachjargon) „externen Kosten“ sind bei der Atomkraft immens, man denke nur an das absaufende Atommüll-Lager Asse oder die Behandlungskosten für Krebs durch Niedrigstrahlung, von den nur teilweise versicherten Schäden eines Reaktorunglücks ganz zu schweigen. Die Betreiber von Erdgas- oder Kohle-Kraftwerken werden bekanntlich im Rahmen des CO2-Emissionshandels der EU für ihre ökologischen Folgeschäden zur Kasse gebeten, zumindest teilweise. Bei Atomreaktoren hingegen fallen diese Kosten nicht an. Dies sei ein „ungerechter Wettbewerbsvorteil“, sagt Swantje Küchler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), das kürzlich im Auftrag von Greenpeace ein Atomsteuerkonzept verfasst hat. Mehr noch: Der wegen des Emissionshandels allgemein gestiegene Strompreis erhöht sogar die ohnehin üppige Gewinnmargen der Akw-Betreiber und spült ihnen fette Extra-Gewinne in die Kassen. Die Brennelementesteuer wäre also keine Diskriminierung, wie die Atomlobby behauptet, sondern eine überfällige Gleichbehandlung.

Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka zeigte sich vergangene Woche angesichts der schwarz-gelben Steuerpläne öffentlich besorgt und „in höchstem Maße verwirrt“. Komisch. Denn ausgerechnet in Schweden, seinem Heimatland, gibt es seit langem eine Atomsteuer – ohne dass sie juristischen oder irgendwelche anderen Probleme bereitete. Sie brachte der dortigen Regierung im vergangenen Jahr umgerechnet 350 Millionen Euro ein. Beim Treffen im Kanzleramt am Mittwochnachmittag könnte Merkel den Herrn Hatakka ja mal daran erinnern.


OIL!: Zusammen tanken wir die Umwelt weg

Donnerstag, den 10. Juni 2010

Es gibt Fälle von Grünfärberei, die braucht man eigentlich nicht zu kommentieren. Die „Klimacard“ der mittelständischen Tankstellenkette Oil! ist ein solcher. Die zugehörige Internetseite wirkt wie Realsatire – erst recht, wenn man die Bilder ölverschmierter Seevögel nach dem BP-Desaster im Golf von Mexiko im Kopf hat:

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Verlieren wir trotzdem ein paar Worte, denn es ist keine Satire. Die Firma meint das tatsächlich ernst! In einer Pressemitteilung behauptet sie, mit der „Klimacard“

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Dieses Wunder vollbringt die Ölfirma, die bundesweit rund 250 Filialen hat, so: Beim Tanken zahlen Klimacard-Kunden 1,25 Cent pro Liter extra. Diese Summe stockt das Unternehmen um denselben Betrag auf und leitet also 2,5 Cent pro Liter an ein Baumpflanz-Projekt weiter. Die Idee ist nicht neu, Konkurrent Jet hat zusammen mit der Hamburger Firma Arktik kürzlich ein ähnliches System gestartet. Dort aber macht man sich wenigstens noch die Mühe, die pro Liter Sprit verursachte Kohlendioxid-Menge genau auszurechnen und auszugleichen (was dann übrigens merklich teurer wird als hier bei Oil!). Dort fließt das eingenommene Geld auch in Projekte, die relativ hohen Standards genügen und von unabhängigen Gutachtern geprüft werden. Oil! hingegen leitet die Einnahmen an eine ominöse „Initiative Pro Klima“.

Diese wurde von der Tankstellenfirma selbst zusammen mit einigen Partnern aus der Branche gegründet. Ihre Internetseite besteht großteils aus zusammenkopierten Energiespartipps. Das mit der „Klimacard“ eingenommene Geld reicht die „Initiative Pro Klima“ offenbar bloß an die Schleswig-Holsteinischen Landesforsten durch. Und nirgends steht, dass es sich bei dem zu pflanzenden Wald wirklich um zusätzliche Flächen handelt - und nicht um Wald, den die Landesforsten vielleicht sowieso irgendwann angelegt hätten.

In der Pressemitteilung der Firma Oil! steht noch:

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Das mag ja stimmen. Aber die Umweltschäden, die pro Liter Benzin bei der Förderung des Erdöls, seinem Transport nach Deutschland, in Raffinerien und schließlich durch das Verbrennen im Automotor entstehen, die dürften deutlich größer sein als der Nutzen des mit 2,5 Cent finanzierbaren Waldes. Deshalb empfehlen wir als Slogan zu dieser angeblichen „Klimacard“: „Zusammen tanken wir die Umwelt weg!“

Danke an Johanna T. für den Hinweis


RWE: Jobs für die Energie von gestern

Donnerstag, den 20. Mai 2010

Sechsmal im Jahr veröffentlicht der SPIEGEL ein Sonderheft für Studierende, den UniSPIEGEL. rwe_jobs1Jeweils 220.000 Exemplare werden kostenlos an Hochschulen verteilt oder einem Teil der Abo-Exemplare des Mutterblattes beigelegt. Um „Karrieremöglichkeiten“ gehe es in der Zeitschrift, heißt es in einer Selbstdarstellung, und um die Frage, in welchen Branchen „die Zukunft“ liege. Der Energieriese RWE versucht in der aktuellen Ausgabe, mit einer ganzseitigen Anzeige die Frage selbst zu beantworten.

In der Annonce hält ein junger Mann ein Schild mit der Aufschrift: „Ich will, dass auch die Umwelt Karriere macht!“ Die Tafel verdeckt sein halbes Gesicht – als wolle er nicht erkannt werden. Was man ja durchaus verstehen könnte, wo er doch hier zweifelhafte Werbung macht für Europas größten Verursacher von Kohlendioxid.

Im Kleingedruckten heißt es dann:

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Naja, dass ein „Energieversorger erneuerbar sein sollte“, glauben auch wir. Doch bei dem Essener Konzern klafft eine große Lücke zwischen solch flotten Worten und der Realität: Gerade einmal 15 Prozent seiner insgesamt geplanten Investitionen will RWE in den Bereich Erneuerbare Energien stecken, ergab im vergangenen Jahr eine Analyse des Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag von Greenpeace. In Kohle- und Atomkraftwerke, so die Studie, wolle der Energieriese in den kommenden Jahren rund 16 Milliarden Euro investieren – hingegen stünden für Erneuerbare Energien nur rund 5 Milliarden bereit.

Dieses Bild bestätigt sich, wenn man sich auf der Website zur Annonce die Jobangebote des Konzerns genauer anschaut. Klar, da gibt es auch einige Ausschreibungen der Konzerntochter RWE Innogy, in der die Öko-Aktivitäten des Unternehmens gebündelt sind, etwa für „Projektentwickler Windenergie“ oder einen „Referenten Wasserkraft“. Doch daneben sucht der Konzern Leute, die

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arbeiten sollen – also dort, wo pro Kilowattstunde erzeugtem Strom mehr Kohlendioxid ausgestoßen wird als bei jeder anderen Art von Kraftwerk. Gleich zehn Stellen werden im hessischen Biblis angeboten – dort betreibt RWE bekanntlich eines der störanfälligsten Atomkraftwerke Deutschlands, gegen dessen veraltete Sicherheitstechnik die Ärzteorganisation IPPNW seit Jahren prozessiert. Und reihenweise finden sich Jobs wie diese:

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Wirklich interessant, was RWE für „erneuerbar“ hält und mit „Energie von morgen“ meint…

Danke an Christian B. aus Leipzig für den Hinweis


Wirtschaftsministerium: Wirres zur Wasserkraft

Donnerstag, den 11. März 2010

bmwi_ee-broschuere1Erneuerbare Energien sind eine feine Sache. Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine Druckschrift angefertigt. Um mal so richtig zu zeigen, was für eine feine Sache die Erneuerbaren sind. Nebenbei möchte das Haus mit der 44-seitigen Broschüre wohl auch beweisen, dass es sich nicht nur für Kohle- und Atomkraft interessiert.

Der Ausbau Erneuerbarer Energien in Deutschland sei „eine Erfolgsgeschichte“, heißt es beispielsweise. Wie wahr. Die Wasserkraft sei „eine wichtige regenerative Energiequelle“. Stimmt. Auf den Seiten 8 und 9 wird dann versucht, verschiedene Anlagentypen zu erklären: 1. Laufwasserkraftwerke, die „das natürliche Gefälle von Flüssen ausnutzen“; 2. Speicherkraftwerke, die „aus einem höher gelegenen Wasserreservoir (…) über Rohrleitungen Wasser in Turbinen“ leiten und in Strom verwandeln; 3. Pumpspeicherkraftwerke, die „zeitliche Differenzen im Strombedarf ausgleichen“ helfen. Soweit auch korrekt.

Aber dann steht da:bmwi_ee-broschuere2

Wie bitte? Pumpspeicherkraftwerke produzieren Strom? Falsch. Pumpspeicherkraftwerke können Energie speichern, aber eben nicht erzeugen. Denn die Energie, mittels derer sie bei Stromüberangebot das Wasser in höhergelegene Becken pumpen, um es bei Bedarf wieder abzulassen, in Strom zurückzuverwandeln und diesen ins Netz zu speisen – diese Energie kam ja vorher aus anderen Kraftwerken. Bislang waren es vor allem Kohle- und Atomeiler, die schwer regelbar sind und deshalb kaum auf Bedarfsschwankungen reagieren können. Künftig sollen Pumpspeicherwerke verstärkt dazu dienen, Strom aus Windparks zwischenzuspeichern - dann, aber auch nur dann, ist es korrekt, ihren Strom unter  „Erneuerbare Energien“ zu verbuchen. Derzeit aber ist die Formulierung einfach verkehrt. Auf Anfrage erklärte das Ministerium, man habe die Zahlen aus anderen, anerkannten Statistiken übernommen.

Zugegeben, die Broschüre erschien noch unter Michael Glos (CSU). Bleibt zu hoffen, dass das Ministerium in den kommenden Monaten mehr Kompetenz für Erneuerbare beweist, wo es doch gemeinsam mit dem Umweltressort das schwarz-gelbe Energiekonzept für die nächsten Jahrzehnte erarbeiten soll.

Danke an Martin R. für den Hinweis


Olympia: Grüngefärbte Spiele in Vancouver

Montag, den 15. Februar 2010

Das hatten die Olympia-Organisatoren wohl nicht gemeint, als sie dieses Jahr in Vancouver „grüne Spiele“ versprachen: Wegen des ungewöhnlich warmen Winters waren Wälder und Pisten bis vor wenigen Tagen tatsächlich noch ziemlich grün, mit Hubschraubern und 170 Lastwagen wurde Schnee herangeschafft – bis gerade noch rechtzeitig zum Start der Spiele natürlicher Schneefall einsetzte.

Nein, das örtliche Organisationskomittee VANOC hatte eine umwelt- und klimaschonende Großveranstaltung versprochen.

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„Nachhaltigkeit stand im Zentrum all unseres Handelns“, erklärte etwa VANOC-Chef John Furlang, „so haben wir eine neue Stufe nachhaltigen Auftretens erklommen.“ Auf der Olympia-Website werden etliche Einzelmaßnahmen gefeiert: Sportstätten in Energiespar-Architektur zum Beispiel oder das „Carbon Managment Program“ zur Senkung und Kompensation von CO2-Emissionen, die Sieger-Medaillen wurden teilweise aus Altmetall gefertigt. Doch alle Sparmaßnahmen zusammen haben den „CO2-Fußabdruck“ des Großereignisses um gerade einmal 15 Prozent reduziert, wie sogar die Organisatoren einräumen. In der Werbung ist zwar von „CO2-neutralen“ Spielen die Rede, doch die Organisatoren gleichen nur die direkten Treibhausgas-Emissionen an anderer Stelle aus – für die schätzungsweise 130.000 Tonnen Kohlendioxid, die allein durch die Anreise Zehntausender Zuschauer entstehen, sollen diese selbst sorgen.

„Die Spiele in Vancouver sind nicht so grün, wie sie hätten sein können“, kritisiert deshalb David Suzuki, einer der diesjährigen Träger des Alternativen Nobelpreises. Seine Stiftung hat die Öko-Bemühungen detailliert bewertet und VANOC lediglich eine Bronzemedaille zugebilligt. Reihenweise verschenkten die Organisatoren ökologische Möglichkeiten: Zwar werden durchaus Busse und Bahnen genutzt, zugleich aber für Milliardensummen Autobahnen neu- und ausgebaut – das hat führt langfristig zu mehr Autoverkehr und CO2-Emissionen. Die Organisatoren feiern sich für die Verwendung von Recycling-Papier, ließen aber für Straßen und Sportstätten Zehntausende von Bäumen fällen. Im Internet haben Olympia-Kritiker ökologische Vor- und Nachteile der Spiele zusammengestellt – ihre Ökobilanz kommt auf drei Plus- und 29 Minuspunkte.

olympia_vancouver2Besonders peinlich ist – wie schon beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen – die Auswahl der Sponsoren. So darf sich beispielsweise Petro-Canada in Vancouver als Förderer präsentieren – und ein grünes Image hat die Firma auch wirklich nötig: Im vergangenen Jahr nämlich fusionierte sie mit dem Konzern Suncor, gemeinsam ist man nun der weltgrößte Förderer von Öl aus Teersanden. Diese besonders dreckige Technologie ist nach Ansicht etwa des WWF eine Klimasünden ohne Gleichen. Ein zweiter Hauptsponsor, die Royal Bank of Canada (RBC), ist nach Angaben von Umweltschützern einer der größten Finanziers der Teersand-Ausbeutung.

Auch die olympische Autoflotte wird von Sponsor General-Motors schamlos zur Grünfärberei genutzt: Um die Spiele „so grün wie möglich“ zu machen, habe man „nur die besten“ Fahrzeuge nach Vancouver gebracht.

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Doch unter den mehr als 4.000 gesponserten Autos sind nur ein paar Hundert Elektro-, Hybrid-, Wasserstoff- oder Biodiesel-Fahrzeuge. Das Fachblatt Auto-Bild hat genau nachgezählt: 2.398 der vermeintlich klimaschonenden Olympia-Autos sind ganz normale, benzinfressende Riesen-Geländewagen.


Areva: Das Klima schützen? Die Erde zerstören!

Dienstag, den 9. Februar 2010

Der französische Konzern Areva sucht neue Mitarbeiter – und es scheint, als müsse sich das Unternehmen trotz Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosenzahlen ziemlich anstrengen, seine offenen Stellen zu besetzen. Jedenfalls schaltet Areva viele, viele Jobanzeigen, preist sich als einen der hundert besten deutschen Arbeitgeber und hat eine eigene Recruiting-Website ins Netz gestellt. Man liefereareva_1, so die Selbstdarstellung. Doch Areva baut nicht nur Windkraftanlagen, für die diese Umschreibung stimmen mag – das Hauptgeschäft sind Atomkraftwerke. Und die sind weder „CO2-frei“ noch „zuverlässig“ – denn auch Atomstrom verursacht CO2, und die Unzuverlässigkeit der Kernkraft belegen fast tägliche Störfälle ebenso wie immer neue Probleme beim Areva/Siemens-Prestigeprojekt „Olkiluoto 3″ in Finnland.

Umso hochtrabender ist der Werbespruch, mit dem Areva potenzielle Mitarbeiter/innen umschmeichelt:

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„Energie der Zukunft“? – Weil die weltweiten Uranvorkommen ziemlich begrenzt sind und wohl nur ein paar Jahrzehnte reichen, kann das Areva-Atomgeschäft damit kaum gemeint sein.

„Das Klima schützen“? – Wie gesagt, auch Akw verursachen Treibhausgase.

Doch am dreistesten ist der Teil 3 des Slogans, denn der Abbau von Uran zerstört die Erde und ist eine Gefahr für Natur und Mensch. Das zeigt sich auch und gerade im Niger. In dem bitterarmen afrikanischen Land baut Areva (bzw. seine Vorgängerfirmen) seit Jahrzehnten Uranerz ab. Heute sei die Gegend radioaktiv verseucht, kritisieren Anwohner, Menschenrechtler und Umweltschützer, die Zahl der Krebserkrankungen drastisch erhöht. Arbeiter bekämen keine Schutzkleidung, immer wieder tauche auf Märkten verstrahlter Schrott auf. In Wasser und Boden liege die Strahlenbelastung bis zu 110-fach über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, zuletzt im vergangenen November stieß ein Greenpeace-Team auf besorgniserregende Werte (was hinterher selbst Areva bestätigte). Zudem, so Kritiker, sorgten die Atom-Millionen aus Frankreich für Korruption und untergrüben die Demokratie im Niger. Selbst wenn man das Risiko verheerender Reaktorunfälle vollkommen außer Acht lässt, ist Atomkraft also das ziemliche Gegenteil von: „Die Erde bewahren“.

Soweit – etwas länger – die Stellenbeschreibung.

Danke an Gerhard B., René R. und Gunther von S. für die Hinweise


Wie grün sind Flexstrom, Vattenfall & Co.?

Dienstag, den 12. Januar 2010

Na, auch mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr gestartet? Etwa mit dem, endlich zu Ökostrom zu wechseln? Prima! Blöderweise gibt es inzwischen eine schier unüberschaubare Vielfalt von Anbietern.

Verbraucherportale wie Verivox haben darauf mit Vergleichsrechnern ausschließlich für Ökostrom reagiert. An erster Stelle rangieren dort weithin unbekannte Anbieter – aber nicht wegen besonders grüner Elektrizität, sondern wegen niedriger Preise. Zum „Discountpreis“ tritt etwa Stromio an:

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Diese Information zur Herkunft ist wenig erhellend. Denn RECS-Zertifikate allein sagen nichts über die Qualität des Ökostroms. Häufig stammt er aus uralten Wasserkraftanlagen irgendwo in Europa, er wird nun lediglich aus dem üblichen Energiemix ausgegliedert und – meist mit Aufschlag – an öko-bewusste Kunden verkauft. Umweltschützer kritisieren das RECS-System seit langem, denn man kann dreckigen Kohlestrom damit grün etikettieren, und bisweilen scheint RECS vor allem den Gewinnen der Stromanbieter zu nützen. Experten bewerten die Güte von Ökostrom danach, ob es einen „zusätzlichen Umweltnutzen“ gibt – ob also der Wechsel von Kunden dazu führt, dass wirklich neue Anlagen gebaut werden.

Das aber ist schwer herauszufinden, die Suche eines guten Anbieters gleicht deshalb einer mühsamen Odyssee. Auf der Website von Envacom etwa finden sich überhaupt keine Detailinformationen zur Stromherkunft. Und ein Anruf beim Kundentelefon verläuft bizarr: Man liefere Sonnen-, Wind- und Wasserkraft und zwar aus der Schweiz, sagt eine freundliche Frauenstimme, und, „ja, das müssten Neuanlagen sein“. Auf Nachfragen schaltet sie mehrfach die Wartemusik an und macht sich kundig. Am Ende heißt es, der Strom stamme größtenteils aus österreichischer Wasserkraft und nicht aus Neuanlagen – weiteres erfahre man auf der RECS-Website, so die abwimmelnde Antwort. Dort aber gibt es nur allgemeine Informationen zur Zertifizierung und natürlich nicht zum Envacom-Strom. Billig-Konkurrent Flexstrom verspricht einen „wertvollen Beitrag zum Klimaschutz“ („garantiert zertifiziert“) – doch bezieht auch er bloß RECS-Strom aus bestehenden Wasser- und Windkraftanlagen in Skandinavien. Mit niedlichen Affenbildchen und einem Regenwaldprojekt von Costa Rica versucht man hier die Kunden zu beeindrucken.

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Nachfragen zur Stromherkunft oder dazu, wieviel Geld genau in den Schutz des Regenwald fließt, wollte die Flexstrom-Hotline nicht beantworten. Auf die erbetene E-Mail kam lediglich ein Formbrief zurück: „Wenn Sie Ihre Vertragsnummer nicht angeben, kann Ihre Anfrage leider nicht bearbeitet werden und wird automatisch nach 2 Wochen geloescht.“ Aha.

Orientierung in diesem Dschungel versprechen Tarif-Gütesiegel, das wohl wichtigste heißt „o.k. power“ und wird unter anderem vom Umweltverband WWF getragen. Anbieter mit diesem Siegel müssen beispielsweise nachweisen, dass ein Drittel ihres Ökostroms aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind. Fein! Aber auch hier wundert sich der Kunde, denn an erster Stelle im Preisvergleich rangiert ausgerechnet Vattenfall.

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Nach dem Atom- und Kohlegiganten folgen etliche Stadtwerke und Kleinanbieter. Ihnen allen bescheinigt das Siegel, auf die eine oder andere Art Neuanlagen zu fördern. Und paradoxerweise ist das für Firmen wie Vattenfall besonders einfach: Die Stromriesen haben die Energiewende geradezu verschlafen, bei Vattenfall kommt hierzulande bisher nur etwa ein Prozent des Stroms aus neuen Windkraftanlagen (und drei Viertel aus der besonders dreckigen Braunkohle). In seiner Heimat Skandinavien baut Vattenfall seit langem Wasser- und Windkraftanlagen, und wegen des großen Nachholbedarfs muss der Konzern in Deutschland sowieso Milliardensummen in Ökostrom investieren – da kann er das schmückende o.k.-Gütesiegel quasi nebenher mitnehmen.

Dieses Dilemma kennen viele umweltbewusste Verbraucher: Der Smart von Daimler mag ja korrekt sein – aber der Konzern ist auch ein Waffenlieferant. Siemens hat energiesparende Haushaltsgeräte – aber baut auch Atomkraftwerke. Neuerdings gibt es Biomilch bei Lidl – doch die Discounterkette ist für ihren rüden Umgang mit Beschäftigten bekannt. Bei Ökostrom rät deshalb ein Bündnis von 21 Umweltverbänden wirklich öko-bewussten Verbrauchern, nicht nur auf Preis und Herkunft zu gucken, sondern auch auf den Lieferanten – und empfiehlt die unabhängigen Anbieter Lichtblick, Greenpeace Energy, EWS und Naturstrom. Denn auch wenn an Vattenfalls „Easy Natur Privatstrom“ direkt wenig auszusetzen sein mag, könnten die Gewinne daraus doch in neue Atom- oder Kohlekraftwerke fließen.

Danke an Manfred S. und Magdalena S. für die Hinweise