Lidl: Zu den Flaschen zählen

Heute geht es um Lidl. Konkret um die

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Lidl argumentiert: „Jede Flasche zählt!“ Für den Klimaschutz. Und der zweitgrößte Discounter der Welt (nach Aldi) mit etwa 9.900 Filialen sagt uns auch warum. Die Lidl-Kreislaufflasche funktioniert nämlich so:

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Im zugehörigen Film erklärt uns Lidl: „Es gibt viele Wege, CO2 zu sparen!“ Kürzer duschen. Weniger heizen. Weniger Licht.

Oder aber den oben beschriebenen Kreislauf wählen, für den „jede Flasche“ zählt. Im Film heißt es: „50.000 Tonnen CO2-Ersparnis!“

Natürlich nicht! Geht auch gar nicht: Die Werber verraten nämlich sicherheitshalber nicht, gegenüber welchem Vergleichswert die Einsparung überhaupt auftreten soll. Etwa pro Flasche, die nach einmaligem Benutzen nicht einfach verbrannt (sondern nach einmaliger Nutzung recycelt) wird? In einem Monat Einwegflaschen-Recycling? Als Prognose für das Lidl-Kreislaufflaschen-Kreislaufen bis zur nächsten Eiszeit?

Ist aber eigentlich auch egal, denn es ist ganz klar, dass Lidl-Kreislaufflaschen nicht das Klima retten. Gewiss: Recycling entlastet erst mal die Umwelt. Selbst die Kreislaufwirtschaft schafft es aber nicht, die Wachstumsspirale zu durchbrechen, also wirtschaftliches Wachstum vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln. Das liegt an gleich drei Blindstellen der Kreislaufphilosophie.

Erstens kommt sie an 70 Prozent der Stoffströme gar nicht ran – Bodenaushub auf dem Bau zum Beispiel oder Abraum im Braunkohletagebau. Zweitens gewinnt kein noch so guter Recyclingprozess hundert Prozent des eingesetzten Rohstoffs zurück – nicht mal beim Gold. Legt man am Beispiel der Einwegflaschen eine – schon ziemlich anspruchsvolle – Rückführquote von 75 Prozent zugrunde, sind nach 15 Durchläufen von der ursprünglich eingesetzten Menge 99 Prozent verschwunden.

Drittens schließlich: Energie ist nicht recycelbar. Und die Kreislaufwirtschaft selbst ist sehr energieintensiv: Einsammeln der Flaschen, Transport, Trennen, Wiederaufarbeiten, überall wird Energie gebraucht. Zwar sagt der erste Hauptsatz der Thermodynamik, dass Energie niemals verloren gehen kann. Geht sie auch nicht – sie wird an die Umwelt abgegeben und heizt das Klima weiter auf.

Richtigerweise hätten die Lidl-Werber also so plakatieren müssen:

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Um das noch für den Alltag zu übersetzen: Im Falle von Trinkflaschen ist das Recycling nach einmaliger Nutzung schlicht unnötig, das Verbrennen natürlich sowieso. Am besten für die Umwelt ist es, die nötigen Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen von einem regionalen Hersteller zu kaufen. Die werden nach der Rückgabe gereinigt und wieder befüllt.

Danke an unseren Leser Thorsten K. für den Hinweis!