Wildtierstiftung: Die Axt im Walde

Heute geht es um den Vogelschutz. Unser Leser Sebastian M. sandte uns folgenden Bericht aus der Neuen Osnabrücker Zeitung mit der Bitte um Prüfung zu:

Vögel

„Dass die Rotoren von Windrädern lebensgefährlich für Vögel sind, kritisieren Naturschützer schon lange“, schreibt die Osnabrücker. „Jetzt erheben Umweltverbände außerdem den Vorwurf, dass bereits vor dem Bau von Windparks Vögel sterben müssen.“

Dabei beziehen sich die Redakteure offenbar auf eine Pressemeldung der Deutschen Wildtier Stiftung von Anfang Dezember:

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Das ist wirklich die hohe Kunst der Pressearbeit: „Während in Paris der Klimagipfel tagt, laufen in Deutschland die Kettensägen.“ Vorwurf der Deutschen Wildtier Stiftung: Um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen, würden immer öfter geschützte Horstbäume illegal gefällt und Vögel getötet. Eigene Recherchen würden einen rasanten Anstieg solcher Straftaten belegen, so die Wildtier Stiftung:

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Meingott, vierzig Fälle! Das muss man sich mal vorstellen!

In welchem Zeitraum?

Das sagt uns die Deutsche Wildtier Stiftung nicht. Wir erfahren nur, dass es vor drei Jahren zwei Fälle gab, 2014 dann schon 10 und im vergangenen Jahr 19. Genau genommen erfahren wir auch nicht, ob 40 Horstbäume illegal gefällt oder 40 geschützte Vögel getötet wurden. Im Pressetext heißt es lediglich, dass es „mindestens 40 Fälle illegaler Verfolgung von Großvögeln“ gegeben hat. Wer die Daten wie erhoben hat? Es gibt einen Meldebogen zum Ankreuzen.

Wer etwas zu den Hintergründen wissen will, der kommt vielleicht beim Vorstandschef der Wildtier Stiftung Fritz Vahrenholt weiter. Der war einst mit den Erneuerbaren bei RWE gescheitert, seit seinem klima„skeptischen“ Buch Die Kalte Sonne steht Vahrenholt mit der Energiewende auf Kriegsfuß. Diesmal sagt er im Pressetext: „Biodiversität und Artenschutz werden unter dem Deckmantel der Windenergie und des Klimaschutzes gnadenlos geopfert.“

Nicht dass wir bezweifeln, dass die Windradbauer auch mal unkorrekt handeln! Wir bezweifeln aber, dass die Datenlage der Deutschen Wildtier Stiftung tatsächlich bedeutet, dass in Deutschland wegen der Windenergie die Kettensägen heiß laufen.

Just heute kam in Schleswig-Holstein der Jagd- und Artenschutzbericht 2015 heraus. Der belegt: Zwischen 2008 und 2015 wurden 70 in dem nörlichsten Bundesland verendete  Greifvögel untersucht. In 30 von ihnen wurden tödliche Vergiftungen – zumeist durch Jagdmunition – nachgewiesen, also fast bei jedem zweiten. Offensichtlich gibt es größere Gefahren für Schreiadler, Rotmilane oder Mäusebussarde. Aber dazu erfahren wir bei der Deutschen Wildtier Stiftung leider nichts.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis