COP 21: Der Gipfel der Grünfärberei

Was stellen Sie sich unter dem Spruch: „Kommen Sie und erleben Sie die Klima-Erfahrung!“ vor? Damit wirbt die Veranstaltung „Solutions“ am Rande der Pariser Klimakonferenz:

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Vielleicht kann man hier einen Tag in der sengenden Hitze und ohne Wasser ein Feeling dafür bekommen, was Dürre bedeutet? Einmal im Wasser auf einer Eisscholle stehen, die immer kleiner wird? Oder in einem Starkregen-Pavillon mal am eigenen Leib spüren, wie lebensgefährlich Sturzfluten sein können?

Weit gefehlt! Im Grand Palais im Zentrum von Paris laden europäische Wirtschaftskonzerne zu ihrem Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und zur UN-Vertragsstaatenkonferenz COP 21 ein. Im Werbevideo zum Event heißt es schunkelnd: „We can make a change, we can make a change“ – kurze Pause – „We can make a change, we can make …

Richtig toll!!!

Fragt sich nur: Warum macht ihr denn dann keinen „Change“? Mitorganisator GDF Suez beispielsweise – neuerdings heißt der Konzern Engie – hat in Deutschland gerade ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gebracht, dass die nächsten 35 Jahre jährlich 4,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugt. Davon erfährt man in der Pariser Innenstadt natürlich nichts!

Der Autoriese Renault – ein anderer Mitorganisator und „Changer“ – teilte frühzeitig mit:

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Auf dem Gelände der UN-Klimakonferenz kann „jede/r Delegierte“ elektromobil testfahren! Mit „null Emissionen“!!

Tolltolltoll!!

Dumm nur, dass es bei Renault außerhalb des UN-Konferenzgeländes mit den Emissionen nicht so super aussieht. Wie auch Volkswagen mussten sich die Franzosen gerade nachweisen lassen, dass zwischen offiziell gemessenem und dem realen Schadstoff riesige Unterschiede bestehen. Im Normalbetrieb überschreiten die Stickoxid-Emissionen eines Renault Espace 1.6 dCi den geltenden Grenzwert um das 13- bis 25-Fache.

Ganz auf „Change“ eingestellt ist auch Energiekonzern EDF:

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„98 Prozent des Stroms in Frankreich werden ohne CO2 hergestellt“, heißt es auf der EdF-Partnerseite. Atomkraft ist ja schließlich eine Lösung gegen den Klimawandel!

Geflissentlich verschweigt der Atomkonzern, dass die ältesten Reaktoren aus den Anfängen der 1970er Jahre stammen und in den kommenden Jahren abgeschaltet werden müssen. Neue Reaktoren will unter Marktbedingungen niemand mehr bauen - viel zu teuer, abgesehen vom Risiko, dass doch mal einer hochgeht.

„Der Klimawandel ist nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine Chance, unseren Alltag zu verbessern und lebenswerter zu machen“, heißt es auf den Seiten zur Veranstaltung „Solutions“. Jetzt gebe es Gelegenheit zum Wechsel. Spätestens an dieser Stelle wird der Sinn der „Change“-Veranstaltung klar: EdF, Renault, Suez und Co wollen einfach nur so weitermachen wie bisher.

EdF, Renault und Suez sponsern mit anderen großen Treibhausgasschleudern wie Air France den UN-Gipfel – und hoffen offenbar, dass niemand unter ihren Teppich guckt. 


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER