Alpengemeinden: Schluss mit dem Ski-Zirkus

Die Allianz der Alpengemeinden hat eine Erklärung an die Klimadiplomaten vor dem Klimagipfel COP 21 in Paris verabschiedet:

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„Aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen sind die Alpen besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Schmelzende Gletscher, Wetterextreme und schneearme Winter sind Beispiele für die negativen Folgen“, heißt es darin, und weiter:

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Die Gemeinden der Alpen fordern von den Delegierten der COP 21 „anspruchsvolle Klimaziele, die wirksame Maßnahmen in den Gemeinden möglich machen“.

Daraufhin hat nun heute die „Allianz der Klimadiplomaten“ ihrerseits eine Erklärung an die Alpengemeinden verabschiedet, die dem Klima-Lügendetektor exklusiv vorliegt:

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Und weiter heißt es:

„Wir, Klimadiplomaten und Delegierte zur 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 21), appellieren an die Gemeinden und Städte der Alpen, endlich verbindlich und anspruchsvoll gegen den Ski-Zirkus vorzugehen. Aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen sind viele unserer Staaten besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Während Ihr Euch mit Schneekanonen amüsiert, gehen unsere Inseln im Pazifik unter oder verheeren Stürme und Dürren unsere Länder“.

Tatsächlich wirbt das Schweizer Ski-Gebiet Sass Fe – natürlich Mitglied in der Allianz der Alpengemeinden – jetzt für Sommerski:

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Die Webseite Schneehoehen.de bescheinigt Sass Fe auch im Sommer „beste Bedingungen“:

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Das österreichische Pendant Silvretta Montafon in Schruns – selbstverständlich ebenfalls Mitglied der Alpenallianz – rühmt sich sogar seiner „Beschneiungsanlagen“:

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In den „News“ erfuhren die Leser Mitte Oktober: „In der Silvretta Montafon werden seit über einer Woche fleißig die Depots am Hochjoch beschneit. Wenn es die Temperaturen zulassen, sind bis zu 80 Schneeerzeuger im Einsatz. Ein Schwerpunkt der Beschneiung liegt in der Optimierung der Weltcup Montafon Strecke für die Ski- und Snowboardcrosser. Für den Bau der Kicker und Steilkurven werden im Dezember riesige Mengen an Schnee benötigt.“

Solche Beispiele lassen sich haufenweise finden, kein Alpen-Ski-Gebiet arbeitet ohne „Beschnei-Anlagen“, es gibt mittlerweile in Deutschland sogar „Kunstschneehallen“ auf dem platten Land, die Skifahren das ganze Jahr über unabhängig vom Wetter anbieten.

Aber – so die Allianz der Klimadiplomaten – „das können wir uns nicht mehr leisten“. Und jetzt kommt in dem Aufruf eine Passage, die den Gemeinden der Alpen zu denken geben muss: „Für uns geht es hier nicht um Spaß und Erlebnis, sondern ums Überleben.“

Der Kunstschnee-Wahn in den Alpen frisst gigantische Mengen an Strom und Wasser. Schon vor Jahren schätzten Wissenschaftler den Wasserbedarf der beschneiten Pisten auf jährlich 95 Millionen Kubikmeter – das entspricht dem Verbrauch einer Metropole mit 1,5 Millionen Einwohnern.

Mit entsprechendem Energieverbrauch: Nach Angaben des Arbeitskreises Alpen beim Bund Naturschutz wird derzeit in den Alpen eine Fläche so groß wie der Bodensee künstlich beschneit. Der Bodensee ist 54.000 Hektar groß – ergo verbraucht nach Datenlage des Verbandes der Seilbahnen und Skilifte die ganzjährige Beschneiung der Alpen um die 13,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. So viel Strom erzeugten übrigens die deutschen Braunkohlekraftwerke 2014 binnen eines Monats – bekanntlich die Klimakiller par excellence. 13,5 Milliarden Kilowattstunden fürs Skivergnügen – das ist fast doppelt so viel, wie ganz Sambia mit seinen 16 Millionen Einwohnern pro Jahr zur Verfügung stehen.

Und wegen des ausbleibenden Frosts ist die Beschneiungs-Tendenz steigend: Die Skiliftbetreiber versuchen uns die Taschen vollzulügen, um weitermachen zu können wie bisher. 2010 erzeugten die Gemeinden der Schweiz 2,2 Prozent mehr Treibhausgase, als ihre Klimadiplomaten im Kyoto-Protokoll 1997 vereinbart hatten, die Gemeinden aus Österreich lagen sogar um 8,2 Prozent über der Zusage ihrer Klimadiplomaten. Die deutschen Alpengemeinden stehen nur deshalb besser da, weil der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft – mit den Folgen für ihre Bevölkerung – das deutsche Klimaziel erreichbar gemacht hat.

Noch ein Zitat aus dem Aufruf der „Allianz der Klimadiplomaten“: „Statt von uns Fortschritte zu fordern, bitten wir Euch, endlich zu handeln und die energiefressenden Schneekanonen zu verbieten. Bei Euch geht’s nur um den ‚Fun‘. Bei uns ums nackte Überleben!“

PS: In diesem Fall fragt sich, wieso sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dafür hergibt, als Feigenblatt vor die unbequeme Wahrheit geschoben zu werden. „Der Appell ist der Abschluss einer Konferenz im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der Alpenkonvention im bayerischen Kloster Benediktbeuern“, teilte ihr Ministerium mit.

Achtung: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER