In eigener Sache: Ein Tag zu Greenwashing

Eine dolle Nachricht ist es, die das Magazin hier (Untertitel: „Das Nachbarschaftsmagazin von RWE Power“) meldet. Auf Seite 5 der Ausgabe 2/2015 wird über die Gründung einer neuen „Bürgerinitiative“ berichtet, ihr Name: „Unser Revier – unsere Zukunft – An Rur und Erft“.

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Die Gruppe „versteht sich als ‚Allianz für Realismus und Sachlichkeit‘ in der Energiepolitik“, ist dort zu lesen. „Konstruktiv und kreativ“ wolle man sich „in die gesellschaftspolitische Diskussion um die Zukunft der Braunkohle und des Reviers einbringen“. Auf dem zugehörigen Foto sind sieben Herren zu sehen, die meisten schon etwas älter und in Jackett. Sie halten Schilder, auf denen zum Beispiel steht: „Kohle sichert Existenzen“. Es geht hier nämlich um eine Pro-Braunkohle-Initiative.

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Das Magazin hier und diese „Bürgerinitiative“ kamen am Samstag auf einer Tagung an der Berliner Humboldt-Universität zur Sprache. Veranstaltet von Lobbycontrol, Robin Wood und unserem Mutterportal klimaretter.info im Rahmen der Linken Medienakademie (LiMA), ging es darum, wie Konzerne gesellschaftlichen Protest zu „managen“ versuchen, um unbequemer Kritik an ihrer Unternehmenspolitik die Spitze zu nehmen. Grünfärberei, wie sie uns auf diesem Blog seit 2008 beschäftigt, ist dabei eine Strategie. Die Gründung von Tarninitiativen (im Englischen „Astroturfing“ genannt) eine weitere.

Einen Tag lang wurden offene oder verdeckte Konzernstrategien beleuchtet – aber auch mögliche Reaktionsmöglichkeiten von Medien, Zivilgesellschaft und NGOs. Insgesamt gab es fast 20 Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops. So schilderte Kollege Christian Fuchs vom Investigativressort der Zeit seine Recherchen über Tarn-Bürgerinitiativen (zum Beispiel die Pro-Atom-Truppe „Bürger für Technik“). Lobbycontrol stellte einige der wichtigsten PR-Agenturen in diesem Feld vor (etwa Burson Marsteller oder Ketchum Pleon). Evelyne Lubbers von Spinwatch berichtete, wie (vor allem in Großbritannien) Umweltgruppen im Auftrag von Unternehmen unterwandert und ausspioniert werden. Es wurde darüber diskutiert, wie man mit Kohlebefürwortern umgeht oder mit Leugnern des Klimawandels, ob sich (echte) Bürgerinitiativen auf „Dialog“-Angebote von Unternehmen einlassen sollten wie etwa beim Großprojekt Stuttgart 21. Und, und, und.

Zurück zur Pro-Braunkohle-Initiative, die bei uns im Juni bereits Thema war. An ihrem Beispiel demonstrierte Ulrich Müller von Lobbycontrol, wie man Tarnorganisationen auf die Spur kommt. Man sollte sich Jahresberichte (soweit existent) ansehen, Geldflüsse erkunden oder schauen, ob verwendete Kontaktadressen oder Telefonnummern schon mal anderweitig aufgetaucht sind. Oder man kann sich die beteiligten Personen anschauen. Und da fällt dann bei „Unser Revier – unsere Zukunft“ gleich ein RWE-Betriebsrat auf. Und ein zweites Vorstandsmitglied war für Müller sogar ein alter Bekannter: Thomas Mock, Mitarbeiter eines großen Aluminiumkonzerns, und schon vor Jahren in einer Anti-Windkraft-Gruppe namens „Bundesverband Landschaftsschutz“ aktiv, der enge Verbindungen zur Industrie vorgeworfen wurden. Zur Erklärung heißt es von solchen Personen, das Engagement sei natürlich streng privat und werde aus eigener Tasche finanziert.

Mitschnitte einiger Vorträge gibt es hier, außerdem ist ein Tagungsband geplant.