CDU-Wirtschaftsrat: Nicht rechnen können

Der Streit um die Zukunft der Kohlenutzung ist in vollem Gange. Die CDU will die Klimapläne von SPD-Minister Sigmar Gabriel durchkreuzen und bemüht dabei die Mathematik:

feli

Donnerwetter! Warum überhaupt noch Emissionen senken? Wo nun sogar mathematisch nachweisbar ist, dass alles nichts bringt!

Quod erat demonstrandum: Nachgerechnet hat der Wirtschaftsrat der CDU. In einer Pressemitteilung erklärt deren Präsident Kurt J. Lauk, dass es unmöglich sei, den Kohlendioxid-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent zu senken – wie es doch die CDU beschlossen hatte. „Das sagen wir schon seit langer Zeit, weil wir die Grundrechenarten beherrschen.“ ὅπερ ἔδει δεῖξαι!

Vielleicht hat der kleine Kurt in den 50er Jahren einfach nicht richtig zugehört, als er in Baden-Württemberg die Schulbank gedrückt hat. Der inzwischen 68-jährige CDU-Politiker präsentiert nämlich eine Rechnung, die sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: Bisher wurde zu wenig Treibhausgas eingespart, also kann es auch in Zukunft keinesfalls klappen. Und deswegen sollten wir jetzt auch gar nicht erst probierenen, doch noch mehr Kohlendioxid einzusparen.

Aber Herr Lauk beherrscht nicht nur die Grundrechenarten, er übt sich auch in der Prozentrechnung. Das ehemalige  Vorstandsmitglied der Daimler-Chrysler AG argumentiert, dass in den kommenden Jahren die Emissionen stärker sinken müssten als in den vergangenen Jahren seit 1990:felix2Stimmt: Durch den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft ist der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich stärker zurückgegangen als in den übrigen Jahren. Nur: Bisher waren es stets die Umweltschützer, die auf den „DDR-Effekt“ hingewiesen haben – und die regierenden Politiker, oft von der CDU, haben das ignoriert, um die Fortschritte im Klimaschutz schönzureden und möglichst wenig zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen.

Ähnlich absurd wird es, wenn Lauk auf den EU-Emissionshandel zu sprechen kommt. Deutschland solle keine zusätzlichen Klimaschutzvorgaben für Sektoren beschließen, die bereits dem europäischen Emissionshandel unterliegen. Der Emissionshandel liegt  derzeit am Boden, die Tonne Kohlendioxid ist für weniger als fünf Euro zu haben, es gibt kaum einen Anreiz, in klimafreundliche Alternativen zu investieren. Und wer hat in den vergangenen Jahren gegen die Reparatur des Emissionshandels gekämpft? Die CDU!

Kommen wir noch einmal zur Mathematik: Was will uns Herr Lauk eigentlich sagen, wenn er davon spricht, dass die 2,5 Prozent „durchschnittlich noch in keinem Jahr erreicht“ worden seien, „trotz DDR-Effekt“? Wurden sie „in keinem Jahr“ erreicht? Das ist falsch, 1991 waren es nach Datenlage des Umweltbundesamtes beispielsweise ungefähr vier Prozent. Oder meint Herr Lauk, die 2,5 Prozent wurden „durchschnittlich“ in all den Jahren nicht erreicht?

Nochmal zurück zu den Grundrechenarten, weil deren Darstellung klarer ist als die Sätze des Herrn Lauk. Der Wirtschaftsrats-Chef  schreibt in seiner Pressemeldung:

felix4

Huhu, Herr Lauk!

2014 minus 1990 sind 24 Jahre!!
In 24 Jahren wurden 27 Prozent erreicht!!!

Wer so stolz wie Herr Lauk auf das so gute Beherrschen der Grundrechenarten ist, den muss man wirklich ernst nehmen!

Danke an Rüdiger H. aus Aachen für den Hinweis.