Schnee: So viel ist sicher

Kennen Sie den? Kommt ein kleiner Mann um die Ecke und sagt: „Die Rente ist sicher!“

Natürlich kennen Sie den! Norbert Blüm hat damit die „Ist-sicher“-Witzreihe einst begründet. Seitdem gibt es jede Menge Männer – große, kleine, graue etc. – die sich sicher sind. Hartmut Bahnchef Mehdorn zum Beispiel, der jüngst witzelte: „Die BER-Eröffnung 2017 ist sicher.“ Oder der Greenpeace-Mitbegründer Patrick Moore, der vor dem Super-Gau von Fukushima fabulierte: „Die Atomkraft ist sicher.“

Der neueste Lacher aus dieser „Ist-sicher“-Witzreihe geht so:

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Mittlerweile hatte der deutsche Skitourismus schon zwei Winter hintereinander mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel? Nicht doch, nicht doch! Der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) erklärt:

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„Nur geringe Auswirkungen!“ Das wird die Umsatzeinbußen-geplagten Liftbetreiber aber trösten! Vergangenen Winter gab es in deutschen Mittelgebirgen wie dem Harz gerade einmal 40 Schneetage, dieses Jahr immerhin 60 – damit sich der Skibetrieb rentiert, brauchen sie aber das Doppelte. „Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Klimawandel mit Temperaturanstieg zu tun hat“, meinte Skilift-Verbandssprecher Hannes Rechenauer in einem Interview.

Das ist eine ganz neue Erkenntnis! Und die kann der Verband der Skiliftbetreiber sogar wissenschaftlich unterlegen. Zitiert wird eine Studie der Klimawissenschaftlerin Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:

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Also Anruf bei Frau Fischer in Wien: „Der Schnee ist sicher?“ Empört reagiert die Wissenschaftlerin auf ihre Vereinnahmung. Erstens sei die Studie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemitteilung des VDS noch nicht fertig gewesen, sie soll erst in einigen Wochen veröffentlicht werden. Der Skilift-Verband hat also eine Studie benutzt, die sich noch in der Endredaktion befand. Zweitens sagt Fischer, dass „der Klimawandel natürlich mit einem tendenziellen Temperaturanstieg einhergeht“.

„30 Jahre Schneesicherheit“ – das kann die Klimawissenschaftlerin Andrea Fischer nicht bestätigen. Sie spricht von „großen regionalen Unterschieden“ und einer zu erwartenden hohen Variabilität beim Wetter. Es könne also sehr warme, aber auch sehr kalte Winter geben – Wetterprognosen seien nie „sicher“.

Der Verband der Skiliftbetreiber macht daraus:

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Sie kennen die Strategie des „Verbandes Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte“ gegen dieses „AUS“? Schneekanonen: Eine Schneeanlage für eine Fläche von 20 Hektar hat im Schnitt einen Energiebedarf von 250.000 Kilowattstunden pro Jahr, schreibt der VDS. Genau so viel Energie verbrauche ein Flug von München nach Mallorca und zurück mit 200 Passagieren. Was wohl dem alpinen Skitouristen das gute Gefühl geben soll, dass er nicht mehr sündigt als der Ballermann-Urlauber.

Nach Angaben des Arbeitskreises Alpen beim Bund Naturschutz wird derzeit allein in den Alpen schon eine Fläche so groß wie der Bodensee künstlich beschneit. Der Bodensee hat eine Fläche von 54.000 Hektar – ergo verbraucht, nimmt man die eigenen Angaben des Verbandes der Seilbahnen und Skilifte, die ganzjährige Beschneiung der Alpen um die 13,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. So viel Strom erzeugten übrigens die deutschen Braunkohlekraftwerke 2014 in einem einzigen Monat – bekanntlich die Klimakiller par excellence.

schnee3heißt es beim Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. „Deutsche Pisten sind langfristig schneesicher!“ Norbert Blüm dürfte sich vor Lachen schütteln!

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER