RWE: Den Bürger mimen

Heute geht es um Bürgerenergie. In Deutschland waren Ende 2012 insgesamt 47 Prozent der installierten Ökostromleistung in Deutschland nach der Eigentümerstruktur Bürger-Energieanlagen – installiert von Privatleuten oder Genossenschaften. Das geht zumindest aus einer Studie hervor, die auf der Internetseite
die-buergerenergiewende.de zu finden ist:

buerger

Der Untersuchung zufolge waren Ende 2012 regenerative Kraftwerke mit 73.000 Megawatt Nennleistung in Deutschland installiert. 34.000 Megawatt davon entfallen auf Privatleute und Genossenschaften, 30.000 Megawatt auf institutionelle oder strategische Investoren – etwa Banken-Fonds oder Aktiengesellschaften. 9.000 Megawatt entfallen auf die großen Stromkonzerne, das betrifft vor allem Wasserkraftanlagen und die Offshore-Windkraft.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten: Menschen wie du und ich sind die Träger der Energiewende. Und es werden immer mehr. Unser Leser Michael T. zum Beispiel. Der hat im Internet unter dem Stichwort „Energiewende in Köln“ gesucht. Und ist dabei gleich auf die Seite diebuergerenergie.de gestoßen. Allerdings sieht die plötzlich ganz anders aus:

bürger

www.diebuergerenergie.de – geschrieben wie die Website oben, nur ohne Bindestrich und ohne „-wende“ am Ende. „Gestalten Sie als Teil unserer Genossenschaft die Energiewende in Ihrer Region und in ganz Deutschland“, heißt es auf der Seite. „Bereits ab 50 € sind Sie dabei“, ist zu lesen. Und: „Mit der Überzeugungskraft einer wachsenden Gemeinschaft wollen wir den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben.“

Das klingt gut, dachte Michael T. – vielleicht ein bisschen zu gut. Das Misstrauen unseres Lesers ist berechtigt. Im Impressum steht:

Inhaltliche und redaktionelle Unterstützung:
RWE Effizienz GmbH
Flamingoweg 1
44139 Dortmund

Anders als bei die-buergerenergiewende.de stehen hinter diebuergerenergie.de also gar nicht die Bürger, sondern der fossile Großkonzern RWE, der „die Energiewende in Ihrer Region und in ganz Deutschland“ nicht vorantreibt, sondern sabotiert, wo er nur kann.

Ein Vorstand der RWE-Genossenschaft ist Andreas Waning (36). Der Diplom-Kaufmann arbeitet bei RWE und sagt, die Energiewende sei ein Thema, bei dem es „auf Vertrauen ankommt“. Und dann:Vertrauen bieten wir durch die langjährige Energiekompetenz der RWE.“

Deshalb: Bloß nicht investieren in diebuergerenergie.de! Schließlich besteht die „langjährige Energiekompetenz der RWE“ im Schädigen der Erdatmosphäre. Und im Vertrauen: Wer aus diesem erwiesenen Irrtum nicht sofort aussteigt, sondern weiterhin sein Kapital schlägt – dem sollte man besser nicht vertrauen!

Vielen Dank an Michael T. aus Köln für den Hinweis.