Spiegel Online: Schuld ist immer der Ökostrom!?

Oh Mann, das bekannte Ökostrom-Bashing bei Spiegel und Spiegel Online wird inzwischen offenbar zum Reflex. Wie wir darauf kommen? Heute nachmittag veröffentlichte das Web-Magazin einen Text seines Wirtschaftsredakteurs Florian Diekmann mit dieser Überschrift:

Ausriss mit Überschrift: " Kostenexplosion bei Strom, Öl, Gas: Energiearmut in Deutschland nimmt drastisch zu"

In dem Artikel ging es um die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der bündnisgrünen Bundestagsfraktion zum Thema „Energiearmut“. Demnach hat die Zahl der Bundesbürger, die mindestens ein Zehntel ihres Nettoeinkommens für ihre Energierechnungen ausgeben müssen, von 5,5 Millionen im Jahr 2008 auf 6,9 Millionen im Jahr 2011 deutlich zugenommen. In der Tat sind – jeder weiß es – die Energiekosten für Privathaushalte in den vergangenen Jahren teils drastisch gestiegen – jedenfalls stärker als die allermeisten Einkommen. Eine konkrete Zahl nennt der Spiegel-Online-Text: Um 43 Prozent wuchsen demnach zwischen 2002 und 2013 die Ausgaben für Heizung und Warmwasser. So weit, so schlimm.

Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energie (IWR), ein branchennahes Institut aus Münster, hat vor ein paar Wochen die Preisentwicklung der einzelnen Energieträger in den vergangenen 15 Jahren zusammengetragen. Demnach betrug der Anstieg zwischen 1998 und 2012 bei

  • Heizöl: 300 Prozent
  • Dieselkraftstoff: 150 Prozent
  • Erdgas: 100 Prozent
  • Benzin: knapp 100 Prozent
  • Strom: 66 Prozent

Das viel diskutierte Preisplus bei Strom mag für etliche Haushalte schmerzlich sein, kommentierte IWR-Direktor Norbert Allnoch. „Für viele Verbraucher sind die steigenden Preise für die Heizenergie und das Benzin für die tägliche Fahrt zur Arbeit aber ein viel größeres Problem.“ Dem können wir uns nur anschließen. Und könnten eine lange Abhandlung folgen lassen darüber, was man am besten gegen die Preisexplosion bei fossilen Energien tun sollte. Zügig auf Erneuerbare umsteigen? Energieeffizienz konsequent fördern? All so was?! Die Linkspartei fordert übrigens Sozialtarife für besonders Bedürftige.

Aber um diese Debatte geht es uns grad nicht, sondern um Spiegel Online. Erinnern wir uns an die Titelzeile: Von „Strom, Öl, Gas“ war da die Rede. Und jetzt raten Sie mal, womit die Redaktion ihren Text illustriert hat!? Mit einem Heizöl-Lkw? Einer Benzin-Zapfsäule? Einer Flamme auf dem Gasherd? Einem Heizungsthermostat? Alle diese Motive wären sachgerechter gewesen als das tatsächlich gewählte Foto – das dann auch gleich auf der Startseite prangen durfte, wohl, weil es so schön den üblichen Ressentiments entspricht. Es zeigt Hochspannungsleitungen – und ein Windrad:

Ausriss mit einem Foto, das ein Windrad und Hochspannungsleitungen zeigt

Dabei ist ausgerechnet Windstrom, könnte man argumentieren, in den vergangenen Jahren nicht teurer, sondern deutlich billiger geworden – sind doch (wie auch bei der Photovoltaik) die Einspeisetarife im Erneuerbare-Energien-Gesetz stetig gefallen …

Oh Mann!

P.S. vom 26. 02. 2014: Heute berichtet auch die Frankfurter Rundschau über die Anfrage der Grünen-Fraktion. Und schauen Sie mal, welches Foto dort gewählt wurde:

Ausriss mit Überschrift "In der Armutsfalle" und Foto einer Gasherd-Flamme

Das transportiert – unterschwellig – schon eine etwas andere Botschaft, oder?