Vattenfall: Sozialprobleme schönreden

In Cottbus und Umgebung lässt die Firma Vattenfall derzeit folgendes plakatieren:

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Wir konnten leider Gregor Ladusch aus Großräschen selbst nicht befragen, wie seine Zukunft aussieht. Die Telefonauskunft verrät seine Telefonnummer nicht. Verbrieft ist immerhin, dass Gregor Ladusch aus Großräschen echt ist. Beispielsweise beschrieb er den Ort Atterwasch als „perfekten Ort zum Lernen“: „Es macht Spaß, hier zu lernen. Die Anlage mit dem See gleich nebenan – das ist perfekt“, zitiert die Lausitzer Rundschau Gregor Ladusch aus Großräschen im Jahr 2006 – damals 14-jährig.

Dumm nur, dass Atterwasch keine Zukunft hat. Der „perfekte Ort zum Lernen“ wird demnächst von Schaufelrad-Baggern zermalmt, die aus dem „perfekten Ort“ dann den Braunkohletagebau Jänschwalde-Nord machen.

Mehr noch: In den kommenden Tagen beginnt die Erörterung für den neuen Tagebau Welzow-Süd II. Bis 2042 sollen Orte wie Proschim, Karlsfeld und Teile von Welzow geopfert werden, Vattenfall will sich im Genehmigungsverfahren durchsetzen. Gregor Ladusch aus Großräschen sagt in der Anzeige deshalb:

2Aber das ist glatt gelogen! Im neuen Koalitionsvertrag haben SPD und Union Klima-Ziele festgeschrieben: „National wollen wir die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand 1990 reduzieren“, heißt es auf Seite 50. Bis 2050 sollen es in Deutschland 80 bis 95 Prozent sein, nach den Ergebnissen der Pariser Klimaschutzkonferenz 2015 soll ein Plan mit Zwischen-Zielwerten bis dahin folgen. Und die Koalitionäre haben schon mal ein Zwischenbild gemalt: Bis 2035 sollen 55 bis 60 Prozent des deutschen Strombedarfs durch Sonne, Wind und Co gedeckt werden.

Braunkohle ist der klimaschädlichste aller Energieträger. Je nach Braunkohle-Art entstehen beim Verfeuern einer Tonne bis zu 1,3 Tonnen Kohlendioxid – dreimal so viel wie bei einem modernen Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk. Braunkohlekraftwerke sind heute für etwa die Hälfte des Kohlendioxid-Ausstoßes in Deutschlands Stromerzeugung verantwortlich. Völlig klar ist deshalb, dass im Jahr 2035 Braunkohle im Energiemix kaum noch eine Rolle spielen kann. Azubi Gregor Ladusch aus Großräschen wird dann 43 Jahre alt sein – und arbeitslos, weil er eben nur Braunkohle kann.

Die neue Brandenburger Landeschefin der Bündnisgrünen hat dieses kommende Sozialproblem bereits thematisiert: „Wir sollten im Braunkohlebereich keine Lehrlinge mehr ausbilden, sondern nur noch in erneuerbaren Energien“, sagte Petra Budke. Aber das will in der Lausitz kaum jemand hören. Man hofft hier halt auf Vattenfall und darauf, dass Klimaschutz nicht wichtig ist.

Vattenfall sucht aber schon mal einen Investor, an den der schwedische Konzern sein Braunkohle-Geschäft verkaufen kann. Offenbar ist das weder „wichtig“ noch „die Zukunft“.

Danke an Mike K. aus Fürstenwalde für den Tipp