Strompreisanstieg: Ein Drittel von dem Drittel

Was für ein Durcheinander! Am Montag hatten die vier Netzbetreiber die EEG-Umlage für das Jahr 2013 bekanntgegeben. Seitdem herrscht wilder Aufruhr in der Republik:

Diese Schlagzeilen stammen aus der Welt, aus der taz und der Berliner BZ. Tatsächlich nämlich steigt die EEG-Umlage im kommenden Jahr von 3,59 auf 5,277 Cent. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung heißt es:

Um in die Debatte ein wenig Licht zubringen: Der Strompreis steigt NICHT wegen der Umlage zur Förderung von Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG-Umlage. Das Öko-Institut hat gerade eine Untersuchung der Strompreisentwicklung vorgelegt. Ergebnis: Allein die Einkaufskosten für Kohle, Uran, Erdgas und Co. – die sogenannten Brennstoff-Kosten – verteuerten den Strompreis in den letzten zehn Jahren um sieben Cent pro Kilowattstunde. Derzeit werden nur 27 Prozent unseres Stromes aus kostenlosem Wind oder kostenlosen Sonnenstrahlen gewonnen. Der Rest muss immer teurer in Russland, Kolumbien oder Australien eingekauft werden.

Andere Fremd-Kosten wie die Netzkosten kommen hinzu: Vattenfall beispielsweise hat gerade angekündigt, dass die sogenannten Netzentgelte zum Jahresende in Berlin von bisher 4,91 Cent auf 5,10 Cent je Kilowattstunde, in Hamburg von 5,17 Cent auf 5,33 Cent je Kilowattstunde steigen werden. Kosten, die mit den Erneuerbaren direkt nichts zu tun haben.

Richtig formuliert müsste es also heißen: Der Strompreis steigt NICHT NUR, sondern auch wegen der EEG-Umlage.

Aber diese Umlage zur Förderung von Ökostrom steigt wiederum NICHT NUR wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien: 58 Prozent der diesjährigen Steigerung haben mit Sonne, Wind und Co. gar nichts zu tun.

Da ist zunächst der sogenannte „privilegierte Letztverbrauch“– die Befreiung von der EEG-Umlagen-Zahlung. In diesem Jahr waren das 813 Betriebe, denen dieses Privileg zugestanden wurde (die Liste vom März benennt 734 von ihnen): Statt der EEG-Umlage zahlten die Unternehmen mit mehr als 10.000 Megawattstunden Stromverbrauch pro Jahr lediglich einen Symbolbetrag von 0,05 Cent je Kilowattstunde.

Dann aber kam Röslers FDP und senkte diese Grenze um das Zehnfache (nachzulesen in § 41 des EEG): auf nur noch 1.000 Megawattstunden. Das ist so viel, wie 285 deutsche Vierpersonenhaushalte durchschnittlich im Jahr verbrauchen. 2013 werden deshalb nicht 813 Firmen privilegiert, sondern 2.023. Weil die nicht mehr zahlen, müssen alle anderen Haushalte die Kosten des jeweiligen Nachbarunternehmers mittragen: Die EEG-Umlage wird derart um 20 Prozent oder 0,34 Cent je Kilowattstunde teurer.

Die zweite große Kostensteigerung geht auf das Konto des zusammengebrochenen EU-Emissionshandels. Innerhalb eines Jahres hatte sich der Preis je Tonne CO2 auf sieben Euro nahezu halbiert – und hat damit auch den Strompreis auf Talfahrt geschickt. Damit hatte vor einem Jahr niemand gerechnet – ergo diese Eruption auch nicht in die EEG-Umlage für dieses Jahr eingepreist.

Weil sich die Höhe der EEG-Umlage aber aus der Differenz des Strompreises an der Börse und den festgelegten Einspeisetarifen berechnet, sorgten die tiefen Börsenpreise dafür, dass in diesem Jahr viel mehr Umlage notwendig wird, als vor Jahresfrist gedacht. Das EEG-Umlagenkonto war bereits im September sechsstellig im Minus: 20 Prozent der EEG-Umlage im kommenden Jahr dienen nur dazu, um diesen Fehlbetrag auszugleichen – 0,34 Cent je Kilowattstunde. Und damit so etwas nicht noch einmal passiert, beschlossen die Netzbetreiber eine sogenannte Liquiditätsreserve: Die schlägt mit 18 Prozent oder 0,30 Cent je Kilowattstunde zu Buche.

Richtig formuliert müsste es also heißen: Die EEG-Umlage steigt NICHT NUR wegen dem Ausbau der Erneuerbaren, sondern auch – ein bisschen. 29 Prozent des Anstiegs – oder 0,49 Cent je Kilowattstunde – entfallen immerhin auf den rasanten Zubau neuer Sonnenkraftwerke, bis zum September waren bereits knapp 5.300 Megawatt Leistung neu installiert. Der Ausbau von Windkraft, Wasserkraft, Biomasse oder Geothermie verteuert die EEG-Umlage insgesamt nur um etwa 6 Prozent  – 0,1 Cent je Kilowattstunde.

Vom Öko-Institut in einer Grafik visualisiert, sieht das dann in etwa so aus (wobei weder Stromsteuer, Netzentgelte noch Vertriebkosten berücksichtigt sind und in den 44 Prozent „Deutsche Energiewende“ auch noch etwa 7 bis 9 Prozent Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage enthalten sind):

Fassen wir zusammen: Die EEG-Umlage wird zu einem Drittel AUCH wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien teurer, Strom wird zu einem guten Drittel AUCH wegen des Anstiegs der EEG-Umlage teurer. Genau genommen ist aber ein Drittel von einem Drittel die ganze Aufregung nicht wert.

P.S.: Seit einem Jahr ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 finanzieren zu können. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER