Ökostrom: Die schärfsten Kritiker kritisieren…

„Viele junge Leute stellen kritische Fragen. Wir auch. Denn unsere schärfsten Kritiker sind wir selbst.“  Nett formuliert, diese Zeitungsanonnce, die am 26. Juni 1993 von der deutschen Stromwirtschaft in den Tageszeitungen platziert wurde:

19 Jahre später wird gerade wieder ganz heftig um die Energiewende, deren Sinn und vor allem ihre Kosten gestritten. Am heutigen Donnerstag stellte beispielsweise Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) seine „Reformpläne“ für das Erneuerbare-Energien-Gesetz vor. Und Hildegard Müller, ebenfalls CDU, ist ganz seiner Meinung.

Erinnern wir uns, Hildegard Müller war bis 2008 als Kanzleramtsministerin die rechte Hand von Angela Merkel (CDU). Dann wurde sie Cheflobbyistin der deutschen Stromwirtschaft. Und am heutigen Donnerstag erklärte die politischste Beauftragte der fossilen Großkraftwerke: „Die Energiewirtschaft teilt die wesentlichen Kritikpunkte am aktuellen EEG, die vom Bundesumweltminister angesprochen wurden. Es gibt bei der Förderung der Erneuerbaren Energien derzeit vermeidbare Mehrkosten und zunehmend energiewirtschaftliche Probleme.“

Das ist natürlich enorm bedauerlich! „Mehrkosten“ die zu vermeiden wären und „energiewirtschaftliche Probleme“ – wer will das schon!? Suchen wir uns doch noch einmal schnell die energiewirtschaftlichen Probleme im Kleingedruckten der Anzeige von 1993 heraus:

Natürlich, auch die deutsche Stromwirtschaft ist mittlerweile eines Besseren belehrt: Ja, Deutschland kann aus der „Kernenergie“ aussteigen, nein, das muss keine enorme Steigerung der Kohleverbrennung mit sich bringen – und doch, doch: Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können sogar kurzfristig mehr als 25 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Statt aber nun einmal aus falschen Prognosen zu lernen und endlich ein bisschen konstruktiv an der vom Wahlvolk präferierten Energiewende mitzuarbeiten, streut die atomar-fossile Energiewirtschaft schon wieder Sand ins Energie-Wende-Getriebe: In Form von „zunehmend energiewirtschaftlichen Problemen“.

Da sei dann doch noch einmal der Blick in die Historie bemüht. Altmaiers Vor-Vor-Vor-Vorgängerin plapperte den Anzeigeninhalt der deutschen Stromwirtschaft 1994 einfach nach: „Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 Prozent unseres Strombedarfs decken“, erklärte Bundesumweltministerin Angela Merkel damals im Interview. Mittlerweile ist die Frau Bundeskanzlerin, ihre ehedem engste Mitarbeiterin Cheflobbyistin der Stromwirtschaft und ihr treuester und erfolgreichster Mehrheitsbeschaffer in der CDU/CSU-Fraktion mittlerweile Umweltminister.

Das Motto des Anzeigentextes müsste im Herbst des Jahres 2012 also eigentlich lauten: Wer das Erneuerbare-Energien-Gesetz kritisch hinterfragt, muss noch längst kein Freund der Erneuerbaren sein.

P.S.: Seit einem Jahr ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2013 finanzieren zu können. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER