Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch Themen, etwa die menschengemachte Erderwärmung. Als 2007 der IPCC seinen 4. Sachstandsbericht zur Klimaforschung vorlegte, drehte Bild richtig auf. „Nur noch 13 Jahre zur Rettung der Welt“, titelte das Blatt alarmistisch, schrieb von einem „Neuen UNO-Schock-Bericht!“ und phantasierte eine „Sahara Deutschland“ herbei. Die Bild am Sonntag setzte gar eine „Klima-Kommissarin“ ein und nutzte das Thema trickreich zur Abowerbung. Teilweise wehrten sich Wissenschaftler gegen die reißerische Art des Springer-Blattes, doch Umweltverbände wie BUND, Greenpeace oder der WWF starteten gemeinsam mit Bild eine umstrittene „Klimaschutzaktion“.

Nun fährt der Fahrstuhl wieder runter. Seit drei Tagen lässt Bild den RWE-Manager Fritz Vahrenholt und seine Co-Autoren die Thesen ihres Buches „Die kalte Sonne“ ausbreiten: Weniger die menschengemachten Treibhausgase bestimmten den Klimawandel der letzten Jahrzehnte, sondern Schwankungen bei Sonnenaktivität und Ozeanströmungen. Dass Vahrenholt&Co. kein „renommiertes Expertenteam“ sind, wie Bild großspurig titelt, hatten wir ja am Wochenende schon geschrieben. Im aktuellen Spiegel hat der RWE-Mann das auch selbst zugegeben: „Ich betreibe ja keine Klimaforschung“, sagte er da. Entsprechend abwegig sind viele Aussagen und Bewertungen der Autoren.

Im ersten Teil der Bild-Serie etwa übertrieb der Dortmunder Physik-Professor Werner Weber heillos die Folgen der solaren Schwankungen Mittelalter:

 

 

 

 

 

 

 

In der Tat gab es die beschriebene Abkühlung. Aber nach dem aktuellen Stand der Forschung hatte diese „Kleine Eiszeit“ weniger mitder Sonne zu tun – sondern vor allem mit heftigen Vulkanausbrüchen, die damals große Mengen an Aerosolpartikel in die Atmosphäre schleuderten, die wie ein Sonnenschirm wirkten und die Erde kühlten.

Ein paar Absätze weiter wird den IPCC-Experten vorgeworfen:

 

 

 

 

Der erste Satz ist Quatsch, der Weltklimarat berücksichtigt in seinen Modellrechnungen selbstverständlich auch natürliche Klimafaktoren – wie ein Blick in den IPCC-Report (Teil 1, Kapitel 9.4.1.2) belegt. Und im Anhang sind in Tabelle S9.1 die für die 14 Modelle verwendeten Sonnendaten sogar detailliert aufgeführt. Falsch ist auch der zweite Satz. Die Theorien von Henrik Svensmark zum Einfluss von Sonne und kosmischer Strahlen aufs Klima hat der IPCC nicht ignoriert. Vielmehr sind sie im letzten IPCC-Report (Kapitel 2.7.1) explizit erwähnt – werden da aber (zutreffenderweise) als „sehr ungesichert“ und „noch nicht ausdiskutiert“ bewertet.

Ähnlich krude geht es in Teil 2 der Bild-Serie weiter:

 

 

 

 

Diese Aussage ist nicht komplett verkehrt, in der Tat zeigen die Temperaturaufzeichnungen des letzten Jahrzehnts – wenn man nur sie betrachtet – kaum einen Anstieg. Aber eine solche Betrachtung ist klimawissenschaftlich irrelevant. Zwölf Jahre sind nämlich zu kurz, um natürliche Klimavariabilität verlässlich von einem menschengemachten Klimawandel zu unterscheiden. Klimatrends werden stets über mehrere Jahrzehnte ermittelt, und da ist klar: Die vergangene Dekade war die wärmste je registrierte (egal ob sie in sich selbst eine Temperaturzunahme zeigte oder nicht).

Im letzten und dritten Serienteil schließlich ging es gar nicht mehr um Klimawissenschaft – dafür wurde endlich klar, worauf Fritz Vahrenholt die ganze Zeit hinauswollte:

Die Forderung mag paradox klingen für einen Manager, der in seinem Unternehmen RWE just für die Windkraft zuständig ist. Sie klingt weniger paradox, wenn man weiß, dass genau dieses Unternehmen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien weit, weit zurückhängt – und durch dezentrale Solaranlagen wie Windräder seine profitablen Kohlekraftwerke bedroht sieht.