Opel Ampera: Unrealistische CO2-Angaben

„Fahren Sie gegen den Strom. Mit Strom“, lautet ein Werbeslogan für den neuen Opel Ampera. „Elektrevolution“ reklamiert ein anderer. Ein dritter besagt:

Weiter heißt es in der Annonce: „Der neue Opel Ampera ist Fakt. Nicht Fiktion. Denn während andere noch am Elektroauto forschen, können Sie den Opel Ampera heute schon fahren. Mit einer Gesamtreichweite von über 500 km ist er uneingeschränkt im Alltag nutzbar.“ Bescheiden ist die Kampagne zur Markteinführung jedenfalls nicht. Und tatsächlich kann sich der Emissionswert im Kleingedruckten sehen lassen:

Das ist wirklich top im Vergleich zum – sagen wir – neuen Zafira 1.8, der es auf 169 Gramm je Kilometer bringt. Aber wie kommt Opel auf seine 27 g/km? Der Wert ist das Ergebnis des EU-weit standardisierten NEFZ-Testverfahrens. Dieses aber steht seit langem in der Kritik, selbst Opels Ampera-Blog nennt es „schwer nachvollziehbar“. Vereinfacht gesagt, ist im NEFZ das Leerfahren der Fahrzeugbatterie erlaubt; zumindest für die Strecke, die der Ampera rein elektrisch fährt, ist somit der CO2-Ausstoß offiziell „Null“. Nach 83 Kilometern muss sich laut Opel der eingebaute „Range Extender“ anschalten, ein kleiner, benzinbetriebener Generator (mit einem rechnerischen Verbrauch von fünf Litern pro hundert Kilometer). Dessen Emissionen ergeben jene schmeichelhaften 27 g/km.

Natürlich muss im echten Leben der Ampera an die Steckdose. Und vermutlich nicht erst nach 83 Kilometern. Denn in der Realität werden – anders als im NEFZ-Test – sicherlich niemals alle stromschluckenden Nebenaggregate ausgeschaltet sein (Heizung, Klimaanlage, Sitzheizung, Fensterheber, Stereo-Anlage etc. pp.), und es wird auch nicht das ganze Jahr über – wie im NEFZ-Test – eine Temperatur von rund 20 Grad Celsius herrschen.

Umso wichtiger ist die Frage: Wie kommt der Strom in die Steckdose? Natürlich aus Kraftwerken. Nach den Daten der Arbeitsgruppe Energiebilanzen stammten im vergangenen Jahr mehr als vierzig Prozent des deutschen Stroms aus Kohlekraftwerken:

Wenn aber fossiler Strom in die Steckdosen reinkommt, dann kommt er doch auch in den Opel Ampera, oder? Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes verursachte jede im Jahr 2010 verbrauchte Kilowattstunde mehr als ein halbes Kilo Kohlendioxid – exakt 563 Gramm. Nach Angaben von Opel verbraucht der Ampera (im  rein-elektrischen Betrieb) auf hundert Kilometer 16,9 Kilowattstunden Strom – macht rund 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Also  das Dreieinhalbfache der offiziellen Angabe, und bei Einbeziehung der Abgase des Range Extenders läge der Gesamtwert noch höher. In der Realität also und mit deutschem Durchschnittsstrom betrieben dürfte der Ampera nicht „revolutionär“ sein und auch nicht „Klassenerster“ – sondern allenfalls so klimafreundlich wie ein dieselgetriebener VW Golf BlueMotion mit seinen 99 g/km.

Danke an Peter S. aus Dortmund für den Hinweis

P.S.: Opel empfiehlt den Ampera-Kunden das Tanken von Ökostrom – womit der Kohlendioxid-Ausstoß tatsächlich auf Null sinke. Doch wieviele Kunden dem Rat folgen, ist offen. Genausogut könnte man Stromheizungen generell klimafreundlich nennen – denn die lassen sich ja auch mit Ökostrom betreiben.