WWF: den Lebensraum verscherbeln

Was haben Pinzettfisch, Kaiserskorpion, Seestern und Tigersalamander gemeinsam? Richtig ist die Antwort: Der WWF schmeißt sie den Supermarkt-Kunden dieser Tage hinterher. Jeder, der für mehr als 10 Euro in einer der 3.300 REWE-Filialen einkauft, bekommt ein „Tier-Abenteuer“-Päckchen mit fünf  Stickern dazu. 180 verschiedene Motive gibt es, aufkleben kann man die in einem Sammelalbum, das 2,50 Euro kostet.

REWE – Eigenwerbung: „Jeden Tag ein bisschen besser“ – teilt weiterhin mit: „An den so genannten Jokertagen erhalten diejenigen Kunden, die einen Einkaufswert von mindestens 50 Euro erreichen, ein WWF-Tierquartett gratis.“ Der WWF liefert also einen guten Grund, den Einkaufskorb mal wieder richtig voll zu packen. Und dann sind da ja auch noch die Glitzersticker:

Glitzersticker
„Der Umwelt zuliebe“, das ist der Slogan des WWF. Eine Million Sammelalben wurden gedruckt, mindestens 180 Millionen Sammelbilder – und zwar in China. Zur REWE-Aktion gibt es diverse Devotionalien: das Tierglas-Set, Stückpreis 1,99 Euro, WWF-Platzdeckchen im 2er-Set zu 1,99 Euro, der WWF-Panda – „total flauschig“ – zum Aktionspreis von 8,99 und, und, und.

„Uns geht es darum, Kinder für ein Thema zu begeistern, das in ihrer Lebenswelt nicht unbedingt vorkommt“, erläutert WWF- Sprecher Christian Plaep. Naturschutz ist gemeint, also der Schutz der natürlichen Ressourcen.

Mit billigem Ramsch  ‚Made in China‘?

„Sie müssten mal die Begeisterung der Kinder erleben“, sagt der WWF-Sprecher. Nein, komplett durchgerechnet habe man die Umweltbilanz der Aktion seines Wissens nicht. Aber selbstverständlich stamme das verwendete Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft und sei FSC-zertifiziert. Von der zuständigen Fachfrau Annette Herr wird versichert: Die Ware würde des Klimas zu Liebe nicht aus China eingeflogen, man habe sich das ebenso vertraglich festschreiben lassen, wie den Einsatz von FSC-Papier bei der ganzen Aktion.


Dumm nur, wenn die Umweltschützer das nicht nachprüfen. Mitnichten ist beispielsweise das Papier des Werbeblatts, den das REWE-Marketing hunderttausendfach verteilt hat,  FSC-zertifiziert.  Aufgefallen war das dem WWF noch nicht, und so steht zu befürchten, dass die anderen Umweltstandards, die sich der WWF vertraglich sichern wollte, auch noch nicht überprüft worden sind.

Aber vielleicht liegt das auch daran, dass der WWF selbst ein blendendes Geschäft mit der Aktion macht: 50 Cent von jedem Sammelheftchen gehen an die Umweltschützer – macht eine halbe Million Euro. Fachfrau Annette Herr findet nichts dabei, mit Konsum die Verbandsarbeit zu finanzieren: „REWE hätte die Aktion in jedem Fall gemacht. Und da ist es doch pädagogisch besser, sie mit Tieren zu machen, statt beispielsweise mit Fußballern.“

Eine halbe Million Euro – mit diesem Geld kann der WWF dann Tipps zum klimafreundlichen Konsum geben. Zum Beispiel:  „Achten Sie auf wenig Verpackung, kaufen Sie bevorzugt Recycling-Produkte.“ Oder: Kaufen Sie Produkte mit Umwelt-Gütesiegeln wie Blauer Engel oder FSC. Und natürlich: Lange Transportwege vermeiden, beim Bier genauso wie bei den Birnen.