Monatsarchiv für Februar 2011

Nespresso: Teurer Kaffee, viel Müll

Freitag, den 25. Februar 2011

Der Werbespot ist inzwischen ein Klassiker, wahrscheinlich kennen auch Sie ihn: George Clooney kauft eine Kaffeemaschine, und als er aus dem Laden tritt, stürzt ein Klavier auf ihn; im Himmel steht er Gott gegenüber, der ihm einen Tausch anbietet – wenn Clooney die Kaffeemaschine herausrückt, bekommt er sein Leben wieder.

Das Filmchen wirbt für die Nestlé-Tochter Nespresso. Und ironischerweise ist das Hauptprodukt der Schweizer Firma in dem Spot gar nicht zu sehen. Den allergrößten Teil ihres Drei-Milliarden-Franken-Umsatzes macht Nespresso nämlich gar nicht mit den (relativ billigen) Kaffeemaschinen, sondern mit den (umso teureren) Kaffee-Päckchen: Fünf bis sechs Gramm Pulver, einzeln eingesargt in eine Aluminiumkapsel, kosten 33 bis 37 Cent – macht sagenhafte 35 Euro pro Pfund.

Nespresso, schrieb vergangenes Jahr der Spiegel, inszeniere zur Durchsetzung solcher Preise eine „geradezu religiöse Anbetung“ des profanen Getränks: Das Design der Aufbrüh-Geräte preist die Firma als „perfekte Harmonie“, in den Nachfüll-Kapseln stecken vorgeblich „die besten Kaffees der Welt“. Aluminium sei das „ideale Material für die Bewahrung der Aromen“, und die Alu-Kapseln lässt man dann sogar von Star-Fotografen ablichten. In Wahrheit ist Nespresso eine Art des Kaffeekonsums, die besonders viel Verpackungsmüll produziert. Rund ein Gramm des hochwertigen Metalls Aluminium werden pro Kaffeeportion benötigt – wer seinen Espresso in den üblichen vakuumverschweißten 250-Gramm-Tüten kauft, verursacht nur rund ein Zehntel der Abfallmenge.

Um die miese Ökobilanz zu verschleiern, lassen sich Nespresso und deren Werbeagentur McCann einiges einfallen. Unter dem Phantasienamen „Ecolaboration“ wurde beispielsweise ein „Nachhaltigkeits- programm“ gestartet, auf der Firmenwebsite gibt es einen großen Bereich zum Recycling, und in ganzseitigen Magazin-Annoncen wird ein Herr namens Christophe vorgestellt, der George Clooney „die Schau stiehlt“, wenn es „um die Entwicklung recycelbarer Kapseln“ gehe. Im Kleingedruckten dieser Annonce und auch sonst in der Nespresso-PR heißt es, Aluminium sei

Das ist ja durchaus richtig. Nur bedeutet „recycelbar“ eben nicht, dass das Aluminium auch tatsächlich recycelt wird. Nur einen Teil der verbrauchten Nespresso-Kapseln nämlich tragen die Kunden, wie von der Firma erbeten, in die Verkaufsstellen zurück oder werfen sie in die Gelben Tonne. Nespresso selbst spricht davon, die Quote bis 2013 „auf 75 Prozent zu verdreifachen“ – woraus sich schließen lässt, dass bislang bloße 25 Prozent wiederverwertet werden. Dieser Wert wirkt noch lausiger, wenn man den deutschen Durchschnitt kennt: Nach Angaben der Industrie werden hierzulande derzeit mehr als 80 Prozent der Alu-Verpackungen wiederverwertet – selbst mit ihrem Zielwert läge die Kaffeefirma also noch darunter.

Trotz allen Werbegetöses ist auch Nespresso selbst beim Recycling nicht vorbildlich: Für die Verschlussfolie der Kaffeekapseln wird Primär-Aluminium verwendet, dessen Produktion extrem energieaufwändig ist. Was die Firma sowieso verschweigt: Zwar braucht die Aufbereitung gebrauchtem Aluminiums weniger Energie als die Neu-Herstellung – aber auch das Recycling schluckt wertvolle Energie und verursacht Treibhausgase, Verpackungsvermeidung ist deshalb besser als jede Verwertung.

Rund sechs Milliarden Kaffeekapseln soll Nespresso im vergangenen Jahr weltweit verkauft haben – das bedeutete etwa 6.000 Tonnen Aluminium-Abfälle. Zur Verdeutlichung: Dies entspricht etwa einem massivem Würfel mit etwa 13 Metern Kantenlänge. Vielleicht sollte in den Werbespots George Clooney nicht von einem Klavier erschlagen werden, sondern von einem solchen Block Altmetall.


Siemens: Öko-Image aus der Schneekanone

Montag, den 7. Februar 2011

Siemens legt Wert auf sein Image. Und das kann derzeit gar nicht grün genug sei. Konzernchef Peter Löscher lässt keine Gelegenheit aus, das „Umweltportfolio“ des Münchener Technologiekonzerns anzupreisen, für das man – ganz ohne Quote! – eigens eine Frau in den Vorstand berufen hat. Sie heißt Barbara Kux und trägt den wirklich prachtvollen Titel „Chief Sustainability Officer“.

Und damit in München wirklich jeder Depp merkt, wie ökomäßig Siemens jetzt drauf ist, hat das Unternehmen der Stadt ein tolles Geschenk gemacht: die „Siemens Snow City“. Anlässlich der Ski-WM, die noch bis zum 20. Februar in Garmisch-Partenkirchen stattfindet, wurde direkt vor der Konzernzentrale am noblen Wittelsbacherplatz eine künstliche Skipiste aus dem Boden gestampft. Die maschinell beschneite Rampe ist 42,5 Meter lang, zwölf Meter hoch und soll zu einem „Wintervergnügen der besonderen Art im Herzen der Stadt“ einladen. Bobs, Skier und Skischuhe werden vor Ort verliehen, ein Lift befördert die Winderfreunde an die Spitze der Rampe – von wo man schon nach wenigen Sekunden wieder unten sind.

Drumherum hat Siemens von einer Eventagentur ein ganzes Winterdorf errichten lassen, inklusive rustikaler Almhütte mit trendiger Eisbar. Eröffnet wird der „Mega-Event“ mit einer Licht- und Lasershow, an deren Ende ein „Pyrofeuerwerk“ (sic!) steht. Süße Kinder schlittern mit energiesparenden „Osram LED-Stäben“ und den Fahnen der WM-Teilnehmerstaaten die kurze Rampe herunter. Beiläufig sollen die Besucher in einem künstlichen Iglu mit den Meisterleistungen der Siemens Alpine Technology bekannt gemacht werden. Dazu zählen so dunkelgrüne Sachen wie Schneekanonen, Sessellifte mit Sitzheizung oder eine Maschine namens „Snowbox“, die sogar noch bei 35 Grad Plus einen Schnee produziert, der sich durch „hohes Kältepotential sowie seine strahlend weiße Farbe und firnähnliche Konsistenz“ auszeichnet.  Die Maschine verhilft auch der Münchner „Snow City“ zu einem angeblich ökologischen Belag – und zwar, wie Siemens betont – ganz „ohne jegliche chemischen oder biologischen Zusätze“. Nur Strom und Wasser brauche man.

Tja, genau dies ist der Haken: Der Kunstschnee-Wahn in den Alpen frisst längst gigantische Mengen an Strom und Wasser. Schon vor vier Jahren schätzten Wissenschaftler den Wasserbedarf der beschneiten Pisten auf jährlich 95 Millionen Kubikmeter – das entspricht dem Verbrauch einer Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Einzelne Flüsse in den französischen Alpen führen deshalb schon bis zu 70 Prozent weniger Wasser. Doch für Siemens zählen die Geschäfte, die sich mit Snowboxen und anderem Pisten-Equipment machen lassen. Rund 15 Milliarden Euro, schätzt der Konzern, würden im kommenden Jahrzehnt weltweit in den Neu- und Ausbau von Skigebieten investiert – ein Gutteil davon fließt in die Bemühungen traditioneller Skigebiete, sich gegen die klimawandelbedingte Schneearmut zu wehren.

Siemens betont bei seiner „Snow City“ sehr das Thema Nachhaltigkeit. Die Stromversorgung erfolge zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, die gesamte Veranstaltung werde durch den Kauf von CO2-Zertifikaten klimaneutral. Der Müll werde getrennt, beim Catering auf die „Verarbeitung regionaler und saisonaler Produkte“ geachtet, die Gäste aus „Politik, Wirtschaft und Showbiz“ chauffiere man mit umweltfreundlichen „Hybrid-Limousinen“. Doch der Alltag in Ischgl, Sölden und all den anderen Kommerz-Skiorten ist ein völlig anderer.

Die grüne Tünche am Siemens-Event wirkt wie die Ökoversprechen, mit denen sich München und Garmisch derzeit für die Olympischen Winterspiele 2018 bewerben – deren sogenanntes Nachhaltigkeitskonzept haben bayerische Umweltverbände als Schönfärberei und „olympische Lügen“ verdammt.