RWE: Das Riesen-Märchen vom guten Konzern

„Was haben Harry Potter und der RWE Energieriese gemeinsam?“, fragt der Essener Konzern neuerdings auf seiner Internetseite. Und gibt die Antwort sicherheitshalber gleich selbst: „Beide verändern die Welt, beide sind fantastisch und beide sind ab 16. Juli 2009 gemeinsam im Kino zu sehen.“

Genau: Der europaweit größte Verursacher von Treibhausgasen versucht jetzt, im Rahmen seiner millionenschweren Imagekampagne „voRWEg gehen“ auch (kleine und große) Kinder zu erreichen. Dazu hat er sich einen süßen Trickfilm im Stile des Blockbusters „Shrek“ produzieren lassen. Unterlegt mit dem populären amerikanischen Kinderlied „I love the Mountains“ wacht dort im Morgengrauen ein freundlich guckender, etwas tolpatschig wirkender Riese auf. Dann stapft er durch den Tag, stellt Windräder und Unterwasserturbinen auf, repariert eine verhedderte Hochspannungsleitung und macht andere putzige Sachen. Echt süß!

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Die Trickfilmfigur, erklärt RWE auf seiner Website, stehe „für Sympathie, Nähe und Tatkraft im XXL-Format und ist damit ein Sinnbild für gesundes Selbstbewusstsein“. Doch Windkraftanlagen, die in dem Film an erster Stelle präsentiert werden, besitzt der Stromkonzern hierzulande fast keine – mit 43 Megawatt Leistung machten sie laut einer Studie im Auftrag von Greenpeace im Jahr 2008 gerade 0,1 Prozent des RWE-Kraftwerksparks aus (im Bundesdurchschnitt trägt Windkraft bereits mit circa 7 Prozent zur Stromerzeugung bei). Investiert der sympathische Energieriese wenigstens so viel wie möglich in den Ausbau dieser klimaschonenden Energieart? Naja. Laut erwähnter Untersuchung fließen in den kommenden Jahren gerade mal schlappe 15 Prozent der gesamten RWE-Kraftwerksinvestitionen in erneuerbare Energien. Für neue klimaschädliche Kohlekraftwerke wird ein Vielfaches der Windkraft-Investitionen ausgegeben.

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So ähnlich geht es weiter: Das Meeresströmungskraftwerk, das der Riese hier errichtet, existiert in der Realität bisher nur auf dem Reißbrett. Die Hochspannungsmasten von RWE, die gezeigt werden, gerieten vor ein paar Jahren in die Schlagzeilen, weil sie im Winter umknickten und zu einem Gutteil noch aus der Vorkriegszeit stammten. rwe_riese4klUnd die Förderung von Braunkohle, aus der RWE den mit Abstand größten Teil seines hierzulande erzeugten Stroms gewinnt, wird in dem Filmchen in zehn kurzen Sekündchen gezeigt – doppelt so viel Zeit räumen die RWE-Werber der anschließenden Renaturierung der geschundenen Landschaft ein, symbolisiert durch das Ausrollen von Rollrasen durch den niedlichen Riesen. Die 170 Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 aber, die der Konzern mit all seinen Tochterfirmen jährlich verursacht (die Menge entspricht etwa einem Fünftel der deutschen Gesamtemissionen), wird überhaupt nicht erwähnt. Ebenso ausgeblendet bleiben die fünf Atomkraftwerke, in denen RWE hierzulande fast 20 Prozent seines Stroms erzeugt.

Noch etwas also haben Harry Potter und „der RWE-Energieriese“ gemeinsam: Es sind beides wunderschön ausgedachte Märchen.

Danke an Björn M. für den Hinweis