B.Z.: Lügen über Lügen

Titelbild mit Windrädern und der Zeile \Dass das umstrittene Windrad-Bashing von SpiegelOnline Kreise ziehen würde, war klar. Aber dass es so schnell ging, überraschte dann doch: Die B.Z., Springers Krawallblatt für die Hauptstadt, hob diese Woche „Die zehn größten Öko-Lügen“ auf den Titel.

Nun gehört die Umwelt- Berichterstattung sicher nicht zu den Kernkompetenzen der B.Z. (nicht zu verwechseln mit der seriöseren Berliner Zeitung). Und manche Kritiker lehnen es rundheraus ab, sich mit dem Wahrheitsgehalt von Boulevardmedien überhaupt zu befassen. Weil aber die B.Z. – laut Eigenwerbung „Berlins größte Zeitung“ – mit einer Auflage von 185.000 Stück eine gewisse Wirkung hinterlässt, schauen wir sie uns trotzdem mal genauer an.

Der Text der B.Z.-Redakteurin Bettina Irion ist eine bunte Mischung aus Fakten, Halb- und Unwahrheiten – und durch geschickte Kombination entsteht dann, was man eigentlich nur Lügen über Lügen nennen kann. Manche Formulierung klingt, als solle sie gezielt falsche Assoziationen auslösen, ohne etwas wirklich Unzutreffendes zu sagen. Typisch beispielsweise „Märchen 4″ zum Thema Energiesparlampen.

Ja, natürlich gibt es Modelle, die weniger als 80 Prozent Strom sparen. Auch mögen 6,50 Euro weniger auf der jährlichen Stromrechnung keine Riesensumme sein. In der Tat kosten Energiesparlampen „ein Vielfaches“ – aber eben nicht der im vorherigen Satz genannten Zahl von 6,50 Euro, sondern vom Preis konventioneller Glühbirnen. Natürlich verbraucht ihre Herstellung auch mehr Energie – aber über die Gesamtlebensdauer gerechnet sparen sie trotzdem. Ja, Energiesparlampen enthalten Quecksilber, weshalb sie nach Gebrauch in den Sondermüll gehören. Aber das giftige Schwermetall wird auch in Kohlekraftwerken freigesetzt, die in Deutschland (noch) die Stromerzeugung dominieren – und durch ihren niedrigeren Stromverbrauch vermeiden Energiesparlampen mehr Quecksilber, als sie selbst enthalten.

So geht das in fast jedem „Öko-Märchen“ der B.Z.: Als vermeintlich schlagendes Argument gegen das Heizen mit Holzpellets wird der Energieverbrauch bei deren Trocknung angeführt – doch sagt dieser allein herzlich wenig darüber, ob die Gesamtbilanz des Kohlendioxid-Ausstoßes besser ist als etwa bei Ölheizungen. Ist sie natürlich. Bei den Themen Wärmedämmung und Heizen mit Erdwärme macht die B.Z. (zweifelhafte) Kostenrechnungen auf – dabei ist Kostenersparnis etwas anderes als Öko-Nutzen. Bio-Gemüse serviert das Boulevardblatt auch flott ab: Es gebe „keinen wissenschaftlichen Beweis“ dafür, dass es „gesünder ist“. Aber darum geht es beim biologischen Landbau nicht (jedenfalls nicht in erster Linie). Öko-Bauern praktizieren eine umweltschonende Produktionsweise, die besser ist für Böden, Pflanzen, Tiere und auch fürs Klima – wenn die Produkte am Ende besser schmecken und weniger Giftstoffe enthalten, ist das ein willkommener Nebeneffekt.

Während B.Z.-Redakteurin Irion bei den meisten vermeintlichen „Öko-Lügen“ immerhin noch Daten zusammengetragen hat, schrieb sie in Sachen Windkraft ganz offensichtlich nur bei SpiegelOnline ab:

Wie in einem Brühwürfel hat die B.Z. den SpiegelOnline-Text und dessen falsche These konzentriert. Weshalb hier auch die Korrektur ganz kurz ausfallen kann (anders als letzte Woche unsere SpiegelOnline-Kritik): Die Zahl der europaweiten Kohlendioxid-Zertifikate bleibt NICHT gleich, sondern sinkt über die Jahre.

Immerhin bei zwei ihrer zehn „Öko-Märchen“ liegt die B.Z. richtig – wo sie auf negative Folgen des Agrosprit-Booms hinweist und die Abwrackprämie der Bundesregierung kritisiert. Zumindest 20 Prozent Wahrheit – vielleicht gar keine schlechte Quote für ein Springer-Blatt…

Danke an Marian B. aus Berlin für den Hinweis

P.S.: Die Energieexperten von der Kampagne „Klima sucht Schutz“ haben auf ihrer Website vier der zehn B.Z.-“Lügen“ en detail widerlegt.