Vattenfall: Erster Wortbruch in Moorburg

Hoch schlugen die Wellen, als Vattenfall vor gut zwei Jahren die Pläne für ein neues Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg bekanntmachte. Es gab heftige Proteste, fast wäre die schwarz-grüne Koalition in der Hansestadt an dem Klimakiller-Projekt gescheitert. Groß waren deshalb die Versprechen des Energiekonzerns: Mit Inbetriebnahme der neuen Anlage werde man ein altes Heizkraftwerk im nahen Wedel abschalten. Auf der Vattenfall-Homepage heißt es dazu, die Errichtung der neuen Anlage in Moorburg

Ausriss: soll bis zum Jahr 2012 abgeschlossen werden. Sie wird das dann 50 Jahre alte Kraftwerk in Wedel ersetzen.

Außerdem versprach Vattenfall, das neue Kraftwerk baldmöglichst mit einer Anlage zur Abscheidung von Kohlendioxid nachzurüsten.

Nun sind die Genehmigungen für Moorburg erteilt. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Der rechte Zeitpunkt also, alte Versprecher, äh, Versprechen abzuräumen. Das Hamburger Abendblatt meldete am Wochenende, Vattenfall habe „mit Verweis auf die unsichere Situation in der Energiepolitik“ mittlerweile seine Pläne geändert: Wedel soll nun doch nicht mit Inbetriebnahme von Moorburg stillgelegt werden. Dabei hatte es in den öffentlichen Diskussionen immer geheißen, die neue Anlage sei doch ganz toll fürs Klima, weil dann das alte Kraftwerk abgeschaltet werde. Bild brachte dieses (schon immer falsche) Argumente mit einer Schlagzeile auf den Punkt: „Sind die Grünen Umweltsünder?“, fragte sie angesichts des Widerstands der GAL gegen die Vattenfall-Pläne. Dass die alte Anlage siebenmal kleiner ist als der neue Kraftwerksriese und deshalb der Kohlendioxid-Ausstoß in Moorburg ein Vielfaches von dem in Wedel betragen wird, war dem Boulevardblatt wohl schon zu komplex.

Bei Regierung, Opposition und Umweltverbänden ist nun jedenfalls die Empörung groß. Von „Wortbruch“ und „gezielter Täuschung“ ist die Rede. Das Abendblatt zitiert eine Vattenfall-Sprecherin mit der kühlen Bemerkung, „die Versorgungssicherheit der Fernwärmekunden“ habe nun mal „Priorität“, deshalb brauche man für eine Übergangszeit beide Anlagen. Von zwei Jahren Aufschub für die Stilllegung von Wedel ist nun die Rede. Mal sehen, wie es weitergeht. Und wann der Konzern den Ausstieg aus dem zweiten, lauen Versprechen einleitet: dem Bau der CCS-Anlage in Moorburg.