RWE ProKlimaStrom: Da da da, ich lieb Dich nicht

Viele junge Leute werden die neueste Werbung von RWE vielleicht nicht verstehen – deshalb vorab eine kleine Erläuterung: Vor bald 30 Jahren, Anfang der 80er-Jahre des vergangenen Jahrtausends, gab es in Westdeutschland eine Pop-Gruppe namens Trio. Sie machte ziemlich dadaistische Musik mit minimaler Instrumentierung und bizarren Texten.

Diese Band ist der Hingucker in der Kampagne von RWE, die mit ganzseitigen Zeitungsannoncen, im Internet und in TV-Spots ein Produkt namens „RWE ProKlimaStrom 2011″ bewirbt. Man leiste mit dem Stromangebot, lockt der Essener Energieriese, „einen nachhaltigen Beitrag zur Schonung des Klimas“. Denn der Strom werde „aus erneuerbaren Energiequellen – überwiegend Wasserkraft – und bestehenden Kernkraftwerken in das Stromnetz eingespeist“.

Die Menge von Kohlendioxid, die pro Kilowattstunde verursacht werde, gibt RWE mit „null Gramm“ an. Dabei behauptet nicht einmal mehr die Atomlobby, dass Kernenergie CO2-frei sei. Bei einer Gesamtbetrachtung nämlich, also bei Berücksichtigung beispielsweise der energieintensiven Urangewinnung und -anreicherung, fallen pro kWh deutschem Atomstrom etwa fünf bis 33 Gramm Kohlendioxid an. Andere Studien sprechen von bis zu 120 Gramm. Auf Nachfrage erklärt ein RWE-Sprecher, man halte sich an den Leitfaden des Branchenverbandes BDEW zur Stromkennzeichnung – und der weise Atomstrom halt als CO2-frei aus. (Die anderen Risiken von Atomenergie wollen wir hier nicht diskutieren.)

Aber auch der Rest des Stroms entpuppt sich bei genauer Betrachtung als nur zweitbeste Wahl: Er stammt aus längst bestehenden Wasserkraftwerken, räumt der RWE-Sprecher ein, und der Effekt zur Förderung erneuerbarer Energien sei nur „indirekt“ – denn die Erlöse würden nicht in den Bau neuer Anlagen investiert. Etliche Anbieter von Ökostrom dagegen sichern ihren Kunden diese Verwendung der Einnahmen zu – und sind dabei sogar noch billiger als RWE, wo 22,31 Cent/kWh für den ProKlimaStrom verlangt werden.

Im Klartext heißt das: RWE verkauft einen Teil seines ohnehin produzierten Stroms zu einem nicht gerade günstigen Sondertarif an naive Kunden, die sich ums Klima sorgen. Offenbar möchte der Konzern auf diesem Weg Konkurrenten, die für eine echte Energiewende stehen, ein paar potenzielle Kunden abluchsen – und nebenbei der Kernkraft ein grünes Image verpassen.

Trio soll in der Logik der RWE-Werber für eine dreijährige Preisgarantie des Angebots stehen. Wirklich sehr originell! Möglicherweise sagt der größte Hit der Band aber auch etwas aus über das Verhältnis des Konzerns zum Weltklima: „Da da da, ich lieb Dich nicht Du liebst mich nicht aha aha aha“.