E.on WasserKraft: Alter Strom in neuen Schläuchen

„Wir freuen uns, treuen Kunden ein ganz besonderes Angebot zu machen“, heißt es in einem Brief, den E.on Bayern in diesen Wochen verschickt. „Wie wäre es, wenn Sie ganz unkompliziert einen Beitrag für eine saubere Zukunft leisten könnten?“ Prima Idee, denkt man. E.on sei, preist sich das Unternehmen in dem Brief, „Deutschlands größter Betreiber von Wasserkraftwerken“ – dabei sollte es für den größten Energieversorger Deutschlands eigentlich selbstverständlich sein, auch die meisten Wasserkraftwerke zu haben. Aber E.on versucht sich ja neuerdings mit vielerlei Mitteln ein grünes Image zu geben.

Egal. Unter dem Namen „E.on WasserKraft“ bietet das Unternehmen nun Strom an, der „komplett aus Wasserkraft gewonnen“ wird. Und dies zu „fairen Konditionen“, wie E.on schreibt – unter „fair“ versteht der Konzern offenbar, den eigenen Preis knapp unter dem von unabhängigen Ökostrom-Anbietern wie GreenpeaceEnergy oder Lichtblick zu kalkulieren. Auf deren umweltbewusste, potenzielle Kundschaft hat der Energieriese es offenbar abgesehen.

Auf dem  Hochglanz-Faltblatt, das dem Brief beiliegt, finden sich liebliche Fotos und blumige Worte – aber auch ein Versprechen, das dieser Zielgruppe besonders wichtig sein dürfte:

Dies Versprechen aber ist zumindest zweifelhaft. Der Strom, den E.on seinen Kunden hier anbietet, stammt nämlich aus den 133 Wasserkraftanlagen, die der Konzern ohnehin betreibt – das sagt E.on auf Anfrage auch ganz offen, und ebenso offen gibt man zu, dass die Einnahmen auch nicht direkt in neue Ökostrom-Erzeugungsanlagen fließen. Die Produktidee von E.on WasserKraft ist so schlicht wie profitabel: Den Wasserstrom, den man ohnehin produziert und der bisher anteilig an alle E.on-Kunden floss, löst der Konzern einfach aus seinem allgemeinen Strommix heraus und verkauft ihn teurer an umweltbewusste Abnehmer.

Im Kleingedruckten des Faltblatts ist dies auch – mit etwas Mühe – zu erkennen. Laut Gesetz müssen Stromanbieter offenlegen, wieviel Gramm des Klimakillers Kohlendioxid sie pro erzeugter Kilowattstunde ausstoßen. Für die von E.on insgesamt in Deutschland erzeugte Elektrizität sind es 299 Gramm. Für Bezieher von „E.on WasserKraft“ werden in dem Werbeblatt null Gramm angegeben – dafür schlagen im Gegenzug bei den restlichen E.on-Kunden 303 Gramm zu Buche. Sie erhalten in ihrem persönlichen Energiemix einfach ein Prozent weniger Wasserstrom – und dafür ein Prozent mehr Atom- und Kohlestrom. Im Klartext: Je mehr E.on-Kunden zum teureren Wasserstrom wechseln, desto höher steigt bei den weniger umweltbewussten Kunden der Kohlendioxid-Wert - aber die interessiert das ja sowieso nicht. Insgesamt und damit fürs Klima ändert sich dadurch nichts.

Lügt E.on also mit dem Versprechen, „WasserKraft“-Kunden erhöhten den „Anteil von sauberem Strom am Gesamtstromaufkommen“? Nein, natürlich nicht, darauf achtet das Unternehmen selbstverständlich. Auf Anfrage erläutert E.on, man schenke doch jedem neuen WasserKraft-Kunden ein Guthaben von 25 Euro. Dies könnten sie auf Wunsch spenden, und zwar für ein „innovatives Wasserkraftprojekt“, sie müssten auf dem Bestellschein nur ein entsprechendes Kästchen ankreuzen. Welche Wasserkraftprojekt dies denn sei und wo es entstehen werde, konnte der Unternehmensvertreter auf die Schnelle aber nicht sagen. Und erwähnte beiläufig, dass sowieso kaum jemand die 25 Euro spende…

Danke an Carl P. für den Hinweis