Kraftwerk Doerpen: Hocheffizient übertreiben

Das Adjektiv „effizient“ stammt vom lateinischen „efficiens“ ab, und es bedeutet laut Duden einfach nur „bewirkend“. In der Umgangssprache nennt man etwas „effizient“, wenn es wirtschaftlich ist, wenn Aufwand und Nutzen also in einem vorteilhaften Verhältnis stehen. Im niedersächsischen Dörpen hat der Schweizer Energieversorger BKW den Neubau eines Kohlekraftwerkes mit 900 Megawatt Leistung beantragt – dagegen regt sich massiver Widerstand. In der örtlichen Ems-Zeitung schaltete der Investor kürzlich eine großflächige Annonce, darin versprach er:

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Umweltverträglich? Laut Internetseite der Firma BKW soll die Anlage pro Jahr mehr als 4,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstoßen. Trotzdem heißt es in der Anzeige weiter, man habe vor,
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Hocheffizient? Das klingt prima. Doch eine Nachfrage beim Investor ergibt, dass der (elektrische) Wirkungsgrad der Anlage bei lediglich 46 Prozent liegen werde – das ist heutzutage bei neuen Kohlekraftwerken schlicht Stand der Technik. Und bedeutet im Klartext, dass weniger als die Hälfte der in der zugeführten Kohle enthaltenen „Primärenergie“ in Strom umgewandelt wird, 54 Prozent verpuffen ungenutzt.

Der BKW-Sprecher räumt zudem ein, dass der Wirkungsgrad durch den Eigenstrombedarf des Kraftwerks (wofür eine Kapazität von 70 MW eingeplant sei) noch sinken könne. Man hoffe aber, dass eine nahegelegene Papierfabrik einen Teil der anfallenden Wärme abnehme – damit seien dann bis zu 55 Prozent Gesamtwirkungsgrad möglich.

Doch ist dies alles andere als sicher. Und die Bezeichnung „hocheffizient“ erscheint selbst dann noch reichlich übertrieben. Zwar ist der Begriff rechtlich nicht geschützt. Aber einen Anhaltspunkt gibt die EU-Richtlinie 2004/8/EG: Laut ihrem Artikel 12 gelten Kraft-Wärme-Erzeugungs-Anlagen als „hocheffizient“, wenn ihr Gesamtwirkungsgrad bei mehr als 70 Prozent liegt. Moderne Gaskraftwerke erreichen dies spielend (sie kommen auf bis zu 90 Prozent), das Doerpener Kohlekraftwerk aber läge weit darunter. „Hocheffizient“ ist das Projekt nicht für den Klimaschutz, sondern die Unternehmensbilanz des Investors.

Danke an Frank R. für den Hinweis