E.on: Kraftwerk Staudinger – die Klima-Mogelpackung

Bundesweit wollen die Energieversorger etwa zwei Dutzend neue Kohlekraftwerke bauen, und eines der größten plant E.on im hessischen Großkrotzenburg nahe Hanau. Gegen das Projekt am Standort „Staudinger“ gibt es massive Widerstände in der örtlichen Bevölkerung. Der bekannte Grünfärber E.on hält mit lieblichen Anzeigen dagegen, zum Beispiel vergangene Woche im Seligenstädter Heimat-Blatt:

eon_staudinger.jpg

Drei alte Kraftwerke, so verspricht E.on, werde man „durch ein neues ersetzen“, das „hocheffizient“ sei und „modernste Technik“ nutze. Toll!

Der Haken an der Sache: Mit 1.100 Megawatt Leistung wird der geplante Block 6 eines der größten deutschen Kohlekraftwerke. Die drei alten Blöcke dagegen sind erheblich kleiner. Die Kraftwerksdatenbank des Umweltbundesamtes vermerkt für „Staudinger 1″ läppische 263 MW und für „Staudinger 3″ bloße 309 MW. Die beiden Blöcke werden – anders als der künftige Block 6 – im sogenannten Mittellastbetrieb gefahren, sind also in der Regel nur tagsüber in Betrieb. Und „Staudinger 2″ (ebenfalls 263 MW), dessen Stilllegung E.on ebenfalls zusichert, ist in Wahrheit schon seit 2001 nicht mehr im Einsatz. Mit großer Geste verweist der Konzern zudem auf die Erzeugung von 300 MW umweltschonender Fernwärme im neuen Block 6 – die alten Blöcke 1 und 2 aber kamen zusammen auf 400 MW.

Unterm Strich werden die E.on-Kraftwerke am Standort Staudinger deshalb in Zukunft nicht weniger, sondern deutlich mehr Kohlendioxid ausstoßen. In den Tiefen seiner Internetseite versteckt räumt das Unternehmen denn auch ein, dass die dortigen co2-Emissionen „von heute fünf auf zukünftig 7,5 bis acht Millionen Tonnen pro Jahr“ steigen werden.

Moment, was hatte E.on nochmal in seiner Annonce zum Kraftwerk Staudinger geschrieben?

eon_staudinger_kl4.jpg

Jawoll!

Danke an Matthias B. für den Hinweis