DEBRIV: www.braunkohle-halbwissen.de

Rummmms! Die Kohlelobby meldet sich zu Wort. Und wie! Im SPIEGEL, auf SpiegelOnline, in der Süddeutschen Zeitung, der ZEIT und etlichen anderen Medien brüllen einen seit ein paar Tagen Anzeigen des Deutschen Braunkohle-Industrieverbandes – DEBRIV – an (übrigens nie im Wirtschafts-, sondern stets im Politik-Ressort):

spon_braunkohle_sh.jpg
Mit Millionenaufwand – allein eine Doppelseite im SPIEGEL kostet knapp hunderttausend Euro – versucht die Braunkohle-Lobby damit, ihr Image aufzupolieren. Das hat sie auch nötig. Denn Braunkohle ist wegen der Förderung im Tagebau nicht nur extrem landschaftszerstörend, sondern auch ein lausiger Brennstoff: der Heizwert ist niedrig, der Wassergehalt hoch. Kein Energieträger verursacht bei der Stromerzeugung so viel Kohlendioxid wie Braunkohle.

Bis zu 1.200 Gramm CO2 werden in deutschen Braunkohlekraftwerken pro erzeugter Kilowattstunde Elektrizität ausgestoßen. Die Anlagen von RWE und Vattenfall in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen gehören zu den zehn klimaschädlichsten Kraftwerken in ganz Europa. Selbst modernste Braunkohlekraftwerke setzen noch etwa 800 Gramm Kohlendioxid pro kWh frei, mehr als das Doppelte von Erdgas-Kraftwerken und ein Vielfaches von Wind- und Solaranlagen. Neue Braunkohlekraftwerke sind so dreckig – stellte kürzlich das Umweltbundesamt in einer Studie fest –, dass die Kurve des CO2-Ausstoßes im Stromsektor nach oben ausschlägt, sobald auch nur ein einziges neues ans Netz geht.

All das erwähnt die Braunkohlelobby natürlich mit keinem Wort. Für ihre Werbekampagne interviewt sie ihr genehme „Energieexperten“, und mit den Protokollen der Gespräche druckt sie dann ihre Anzeigen voll – wohl in der Hoffnung, dass den gesamten Text niemand liest. In der ersten Annonce nämlich spricht der interviewte Prof. Achim Bachem relativ vorsichtig von einem notwendigen Energiemix, er fordert sogar explizit effizientere Kraftwerke und mehr erneuerbare Energien. Der von der DEBRIV brachial herausgehobene Satz „Die Abschaffung von Kohlekraftwerken zu fordern ist nicht sinnvoll“ aber, der findet sich in dem gesamten Gespräch nicht. In der zweiten Anzeige der Kampagne schwadroniert „Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. F. W. Wellmer“ sehr ausführlich – und durchaus zutreffend – über die Endlichkeit von Bodenschätzen. Was das mit der deutschen Braunkohle zu tun haben soll, erschließt sich erst auf den dritten Blick.

Das Argument, das die Braunkohlelobby mit ihrer Kampagne der Öffentlichkeit eintrichtern möchte, ist nämlich das des Energiemixes – Deutschland brauche für die Versorgungssicherheit viele Energiequellen und eben auch die Braunkohle. Genau betrachtet lässt sich dies aber sogar gegen die Braunkohle wenden: Kein Land der Welt nämlich setzt so sehr auf die Braunkohle wie Deutschland, nirgendwo wird mehr von diesem Klimakiller aus der Erde geholt und verfeuert als in Deutschland. „Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands“, stellt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe fest, „wird seit 1920 ununterbrochen die weltweit größte Jahresproduktion an Weichbraunkohle erbracht.“ Und selbst wenn ab sofort keine weiteren Braunkohlekraftwerke mehr gebaut würden, wird Braunkohle noch bis Mitte des Jahrtausends Teil des deutschen Strommixes sein – „dank“ der gerade in Boxberg (Sachsen) und Neurath (NRW) neu entstehenden Kraftwerksblöcke, die auf eine Laufzeit von etwa 40 Jahren ausgelegt sind.

Als Teil seiner PR-Offensive hat der DEBRIV auch noch zwei Internet-Portale gestartet. Das eine heißt www.braunkohle-wissen.de, das Wort „Klima“ sucht man dort natürlich vergebens. Stattdessen wird die gestiegene Effizienz neuer Kohlekraftwerke gelobt – und verschwiegen, dass sie immer noch weit unter der moderner Gaskraftwerke liegen. Dort werden CO2-freie Kraftwerke versprochen – die aber noch in weiter Ferne liegen.

Noch kunstvoller drückt sich das zweite Portal um das ungeliebte Thema: Auf www.braunkohle-forum.de gibt es ein lexikalisches Glossar. Von A wie „Abbau“ („planmäßige Gewinnung mineralischer Rohstoffe“) bis Z wie „Zwischenmittel“ („Abraumschicht zwischen zwei Flözen oder im Flöz“) erfährt man dort alles rund um die Braunkohle – aber wieder kein Wort zur Klimabilanz. Unter „K“ findet sich zwar dieser Text zu Kohlendioxid:

debriv2_sh.jpg

Danke, möchte man da fast der Braunkohle-Lobby zurufen, dass sie durch die Produktion von möglichst viel Kohlendioxid für angenehme Temperaturen auf der Erde sorgt. Kein Wort davon, dass das bei natürlich Prozessen entstehende CO2 Teil eines Kreislaufs ist und deshalb eben kein Problem fürs Klima. Und dass der CO2-Anteil in der Atmosphäre dramatisch steigt. Dass der angegebene Wert für die Kohlendioxid-Konzentration schlicht falsch ist (er liegt längst über 380 ppm, also 0,038 Prozent), fällt da schon fast nicht mehr ins Gewicht.

Schauen wir zum Schluss noch kurz ins Impressum der Homepage: „Der DEBRIV bemüht sich im Rahmen des Zumutbaren“, steht da, „auf dieser Website richtige und vollständige Informationen zur Verfügung zu stellen. Weder der DEBRIV noch die auf dieser Website genannten Gesellschaften und Personen jedoch übernehmen irgendeine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der auf dieser Website bereitgestellten Informationen.“ Etwas anderes hätte uns auch gewundert.