SPD: Den Parteichef verprügeln

Die SPD hat heute in ihrem Stammland Nordrhein-Westfalen eine „Erklärung der SPD-Landtagsfraktion zum ‚Eckpunktepapier Strommarkt‘“ veröffentlicht. „Einstimmig“, wie es aus Fraktionskreisen heißt. Darin lesen wir:

Hää?? Die SPD-Landtagsfraktion fordert die SPD-geführte Landesregierung auf, sich bei einer Bundesregierung mit SPD-Beteiligung „weiterhin“ für Klimaschutz und diese anderen Dinge einzusetzen? Was ist denn nun passiert?

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) – gleichzeitig SPD-Parteichef – hatte am Freitag ein „Eckpunkte-Papier Strommarkt“ vorgestellt. Darin ist ein „nationaler Klimabeitrag“ vorgesehen, quasi ein Kohlekraft-Deckel, der die uneffektivsten Altkraftwerke unwirtschaftlich machen würde. Die SPD hatte ja beschlossen, bis zum Jahr 2020 den Treibhausgas-Ausstoß um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken. Weil bis heute aber erst 25 Prozent geschafft sind und nur noch fünf Jahre bleiben, hat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks – auch SPD – im Dezember einen „Klimaschutz-Aktionsplan“ auf den Weg gebracht. Stromkonzerne sollen nach diesem Plan bis 2020 mindestens 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen

Parteichef Gabriel hat nun also mit seinem Klimabeitrag das Instrumentarium für diesen Weg geliefert. Und was passiert? Die Genossen prügeln auf ihn ein.

Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (selbstredend: SPD) wirft seinem Parteichef ideologische Verblendung vor:

Sachsens SPD-Parteichef und Wirtschaftsminister Martin Dulig findet seinen Parteichef orientierungslos:

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (auch SPD), will Gabriel bremsen:

Norbert Römer, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, erklärt:

Wir hätten noch den Landtagsabgeordneten Rainer Thiel, der „an der Seite der Menschen im Rheinischen Revier“ steht. Oder den Bundestagsabgeordneten Ulrich Freese, für den es „5 vor 12″ ist.

Oder, oder, oder!

Ein wahrer Shitstorm ist über SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hereingebrochen – aus der SPD.

Dazu vier Anmerkungen aus unserer Redaktion:

Erstens: Braunkohle ist der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger, Rohbraunkohle besteht zu 55 Prozent aus Wasser, zu fünf Prozent aus nicht brennbaren Bestandteilen und zu 40 Prozent aus Kohle. Deutschland ist der mit Abstand weltgrößte Braunkohleförderer, 17 Prozent aller Braunkohle auf der Welt wurden 2012 zwischen Neiße und Rur gefördert – Tendenz in den letzten Jahren steigend. Nebenbei ist Deutschland auch noch mit Abstand der weltgrößte Stromexporteur – wir können Braunkohlekraftwerke abschalten, ohne dass die Versorgungssicherheit irgend einen Schaden nähme.

Zweitens: Die SPD-Altvorderen erklärten vor Jahren, dass der Strukturwandel in den Kohlerevieren bevorsteht. Unmittelbar. Sozusagen morgen. 1991 war das zum Beispiel der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der versprochen hatte, dass Horno jetzt echt und ganz wirklich das letzte Dorf auf deutschem Boden sei, das einem Tagebau weichen muss. Weil nämlich Schluss sein muss mit der Braunkohle. Ihr – liebe SPD – aber macht immer so weiter. Unmittelbar. Ein neuer Tagebau hier, ein neues Kraftwerk dort – was kümmert euch der Strukturwandel! Abstruserweise geht ein Großteil der Gewinne aus der Braunkohle über den Staatskonzern Vattenfall nach Schweden – und demnächst vielleicht nach Tschechien, weil dort der Ausstieg aus der Braunkohle längst beschlossen ist.

Drittens: Just heute ist vorgerechnet worden, dass die von euch – liebe SPD – beschlossenen Klimaziele überhaupt nur zu erreichen sein werden, wenn allein im Rheinischen Revier zwischen 1,4 und 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle im Untergrund bleiben. Gefördert werden darf also maximal noch ein Drittel. Das bedeutet: Ihr müsst viel radikaler ran an die Braunkohle, als euer Parteichef es vorschlägt. Zumindest wenn euch eure Klima-Beschlüsse aus der Vergangenheit auch morgen noch etwas wert sind. 

Deshalb solltet ihr euch – viertens – an euer ureigenstes Motto erinnern:

Jedenfalls wollen wir, die Wähler – zumindest 26 Prozent davon – das ihr nicht so daherkrakeelt. Wir haben für euch die entsprechende Passage auf Seite 35 noch einmal angestrichen:

Das Wort „Braunkohle“ kommt übrigens auf den ganzen 120 Seiten des SPD-“Regierungsprogramms“ nicht ein einziges Mal vor. Dafür aber der Hinweis, was die SPD zum Erfolg führen wird:

Danke an Marcus M. aus Bochum, Benjamin R. aus Cottbus
und Jörg H. aus Berlin für ihre Tipps.


 

FAZ: Panik verbreiten

Seit Alters her gibt es Wahrheiten, die so unumstößlich sind, dass sich der Mensch an ihnen orientieren kann. Zum Beispiel: Die Erde dreht sich, Wasser ist nass, Liebe macht blind, Strom ist unsichtbar, tagsüber scheint die Sonne.

Insofern sorgen Ausnahmen von diesen unumstößlichen Wahrheiten stets für helle Aufregung. Zum Beispiel die partielle Sonnenfinsternis, die am kommenden Freitag – vormittags – bevorsteht. Die FAZ fragt aufgeregt:

sofi„Denn siehe, des Herrn Tag kommt grausam, zornig, grimmig, das Land zu verstören“, warnt FAZ-Autor Andreas Mihm der Prophet Jesaja, „die Sonne geht finster auf, und der Mond scheint dunkel“.

Die BILD wird etwas konkreter:

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Donnerwetter! Kann die das denn, die Sonnenfinsternis?

Offenbar. Schließlich berichtet die Hannoversche Allgemeine, wie sich die Feuerwehr auf die Katastrophe vorbereitet:

sofi4Ach du Heimatland! Was ist denn da bloß los?

Die FAZ schreibt:sofi1

Klingt logisch! Wenn sich am Freitag der Mond vor die Sonne schiebt, kommt keine Sonnenenergie mehr auf der Erde an. Die Sonnenfinsternis wird „auch in Südniedersachsen für die Dauer von 139,58 Minuten für teilweise Dunkelheit sorgen“, schreibt das Göttinger Tageblatt. Mehr als zwei Stunden kein Licht!

Aber lassen Sie uns bei der FAZ bleiben:

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wenn die Erzeugung plötzlich ausfällt, wie Autor Mihm weiter ausführt: „Die Folgen der Sonnenfinsternis betreffen nicht nur Deutschland, sondern auch Italien, Frankreich und die Beneluxstaaten.“ Europa im Dunkeln! Wegen der deutschen Energiewende!! Wegen des deutschen Einspeisevorrangs für Solarstrom, den es am Freitag plötzlich nicht mehr gibt!!!

Nun hat das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme eine Untersuchung der Auswirkungen der partiellen Sonnenfinsternis auf die deutsche Stromversorgung vorgelegt. Ergebnis: Es gibt keine Auswirkungen. „Der konventionelle Kraftwerkspark und insbesondere die flexiblen Pumpspeicherwerke sind technisch in der Lage, diese zeitlichen Änderungen der Photovoltaikleistung auszugleichen“, schreiben die Forscher.

Eine Einschätzung, die sich übrigens mit der der FAZ deckt. Denn wer sich dort die Mühe macht, das Schreckensszenario des Autors zu verfolgen, stößt früher oder später auf folgende Aussage: Die Probleme für die Stromversorgung seien

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Danke an Andreas L. und Nicole K. für ihre Hinweise!


 

Schnee: So viel ist sicher

Kennen Sie den? Kommt ein kleiner Mann um die Ecke und sagt: „Die Rente ist sicher!“

Natürlich kennen Sie den! Norbert Blüm hat damit die „Ist-sicher“-Witzreihe einst begründet. Seitdem gibt es jede Menge Männer – große, kleine, graue etc. – die sich sicher sind. Hartmut Bahnchef Mehdorn zum Beispiel, der jüngst witzelte: „Die BER-Eröffnung 2017 ist sicher.“ Oder der Greenpeace-Mitbegründer Patrick Moore, der vor dem Super-Gau von Fukushima fabulierte: „Die Atomkraft ist sicher“.

Der neueste Lacher aus dieser „Ist-sicher“-Witzreihe geht so:

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Mittlerweile hatte der deutsche Skitourismus schon zwei Winter hintereinander mit hohen Temperaturen zu kämpfen. Ein Zusammenhang mit dem Klimawandel? Nicht doch, nicht doch! Der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte (VDS) erklärt:

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„Nur geringe Auswirkungen!“ Das wird die Umsatzeinbußen-geplagten Liftbetreiber aber trösten! Vergangenen Winter gab es in deutschen Mittelgebirgen wie dem Harz gerade einmal 40 Schneetage, dieses Jahr immerhin 60 – damit sich der Skibetrieb rentiert, brauchen sie aber das Doppelte. „Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass Klimawandel mit Temperaturanstieg zu tun hat“, meinte Skilift-Verbandssprecher Hannes Rechenauer in einem Interview.

Das ist eine ganz neue Erkenntnis! Und die kann der Verband der Skiliftbetreiber sogar wissenschaftlich unterlegen. Zitiert wird eine Studie der Klimawissenschaftlerin Andrea Fischer vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften:

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Also Anruf bei Frau Fischer in Wien: „Der Schnee ist sicher?“ Empört reagiert die Wissenschaftlerin auf ihre Vereinnahmung. Erstens sei die Studie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pressemitteilung des VDS noch nicht fertig gewesen, sie soll erst in einigen Wochen veröffentlicht werden. Der Skilift-Verband hat also eine Studie benutzt, die sich noch in der Endredaktion befand. Zweitens sagt Fischer, dass „der Klimawandel natürlich mit einem tendenziellen Temperaturanstieg einhergeht“.

„30 Jahre Schneesicherheit“ – das kann die Klimawissenschaftlerin Andrea Fischer nicht bestätigen. Sie spricht von „großen regionalen Unterschieden“ und einer zu erwartenden hohen Variabilität beim Wetter. Es könne also sehr warme, aber auch sehr kalte Winter geben – Wetterprognosen seien nie „sicher“.

Der Verband der Skiliftbetreiber macht daraus:

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Sie kennen die Strategie des „Verbandes Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte“ gegen dieses „AUS“? Schneekanonen: Eine Schneeanlage für eine Fläche von 20 Hektar hat im Schnitt einen Energiebedarf von 250.000 Kilowattstunden pro Jahr, schreibt der VDS. Genau so viel Energie verbrauche ein Flug von München nach Mallorca und zurück mit 200 Passagieren. Was wohl dem alpinen Skitouristen das gute Gefühl geben soll, dass er nicht mehr sündigt als der Ballermann-Urlauber.

Nach Angaben des Arbeitskreises Alpen beim Bund Naturschutz wird derzeit allein in den Alpen schon eine Fläche so groß wie der Bodensee künstlich beschneit. Der Bodensee hat eine Fläche von 54.000 Hektar – ergo verbraucht, nimmt man die eigenen Angaben des Verbandes der Seilbahnen und Skilifte, die ganzjährige Beschneiung der Alpen um die 13,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. So viel Strom erzeugten übrigens die deutschen Braunkohlekraftwerke 2014 in einem einzigen Monat – bekanntlich die Klimakiller par excellence.

schnee3heißt es beim Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte. „Deutsche Pisten sind langfristig schneesicher!“ Norbert Blüm dürfte sich vor Lachen schütteln!

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

Aus dem Fundus (I): Das „Klumpenrisiko Deutschland“

In dieser Woche stellt RWE seine neuen Geschäftszahlen für das Wirtschaftsjahr 2014 vor. Und so viel steht schon fest: Gut werden die Zahlen deshalb nicht ausfallen, weil  RWE als einziger Großkonzern an seinem alten Geschäftsmodell festhält – der Braunkohleverstromung. Wir haben uns gefragt, wieso das Managment so sehr auf dem „Gesternkurs“  besteht. Und sind auf folgende Antwort aus dem Jahr 2011 gestoßen:

Der Atomkonzern RWE ist bekanntlich der, der vorweg geht. Auch rein werbetechnisch:

Insofern liegt es nahe, dass die Essener nun, nach der beschlossenen Energiewende, vorweg gehen, rein kommunikationstechnisch. In der Chemnitzer Freien Presse, vor 20 Jahren noch die auflagenstärkste deutsche Tageszeitung, mittlerweile leider zu einem Provinzblatt heruntergewirtschaftet, offeriert uns RWE ein verblüffendes Angebot:

Gerne, RWE! Los geht es:

Stimmt es, liebe RWE, dass Sie nicht mehr bereit sind, wie jeder vernünftige deutsche Steuerzahler seiner Steuerpflicht nachzukommen und das Gemeinwohl zu finanzieren? Spielplätze, Bibliotheken, Universitäten, Nahverkehr? Unsere erste Kernfrage: Stimmt es, dass Sie gegen die Brennelementesteuer Klage eingereicht haben?

Zweite Kernfrage, die wir an Sie haben:  Sie wollen von den Steuerzahlern Geld dafür, dass Sie ihre Atomkraftwerke abschalten? Einen Ausgleich dafür, dass „Vermögenswerte“ – also Atomkraftwerke – jetzt bis Ende des Jahrzehnts schrittweise vom Netz gehen sollen?  Und das, obwohl Sie doch selbst im rot-grünen Atomkonsens dafür gestimmt hatten, dass die AKWs bis 2021 abgeschaltet werden?

Drittens: Trifft es weiterhin zu, dass RWE ein „Riesenproblem“ beim Netzausbau hat, wie Ihr Chef Jürgen Großmann dem Stern vor einem halben Jahr* erklärte? Und falls ja: Steht der Verkauf des Netzes, den Sie nun offenbar planen, damit in irgendeinem Zusammenhang?

Viertes: Stimmt es, dass Ihnen die Stromkunden in Deutschland sch…egal sind, solange nur die Rendite stimmt? Das hatte doch gerade Ihr Vorstandschef der Süddeutschen Zeitung so gesagt: Das „Klumpenrisiko Deutschland“ müsse verringert werden, es ziehe Sie ins Ausland.

Fünftens schließlich: Sie halten sich diesmal auch ganz ehrlich und versprochen und endgültig und jetzt wirklich an den Ausstieg aus der Atomenergie, weil die in Deutschland einfach keiner mehr haben will? Sie schießen nicht schon wieder quer, wie beim Dauerfeuer nach dem Atomkonsens des Jahres 2000?

Natürlich haben wir noch jede Menge anderer Fragen an Sie. Aber Sie wollten ja unsere „Kernfragen“.

Und hier nun die Antwort von RWE:

Danke an Ines B. für den Hinweis

* Der Text erschien zuerst am 22. Juni 2011 auf diesen Seiten

PS: Drei Jahre können viel Zeit sein. Wer erinnert sich schließlich schon an sein Geschwätz von vor drei Jahren? Wir haben glücklicherweise ein Archiv, in dem wir ab und zu stöbern: Der Klima-Lügendetektor wird Sie ab sofort auf einige der bemerkenswertesten Fundstellen in diesem hinweisen. Um Ihre und unsere Sinne zu schärfen.


 

Taz: Gegen den Klimaschutz stinken

Die taz, diese von uns so geliebte, bewunderte und manchmal gehasste taz.die tageszeitung, hat mit einer Stromwechselkampagne vor 15 Jahren den persönlichen Klimaschutz erfunden. „Licht an“, hieß eine Kampagne, die unser Schwesterportal klimaretter.info gemeinsam mit der taz und anderen Partnern 2007 auf die Titelseite deutscher Medien hob. Immer wieder schreiben taz-Autoren wichtige Bücher über den „Tatort Klimawandel“, „Das Strompreiskomplott“ oder die „Glücksökonomie“.

Aber dann es gibt auch tazler, die überhaupt nicht einverstanden sind mit dem Klimaschutz. Zum Beispiel Friedrich Küppersbusch, dessen Moderation der WDR-Politiksendung ZAK in den 1990er Jahren Kultstatus einbrachte. Seit 2003 ist er jeden Montag in der taz vertreten mit seiner Interview-Kolumne:

küpper

An diesem Montag ging es Küppersbusch auch um Klimaschutz. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte überraschend die im Dezember beschlossene steuerliche Abschreibung der energetischen  Gebäudesanierung kassiert – „angeblich, um den Handwerkerbonus nicht zu gefährden“, wie die taz-Frager formulieren: „Ist er der Held des kleines Mannes?“

„Immerhin ist Horst, die lose Kanone, jetzt prima isoliert“, antwortet Küppersbusch, dessen Markenzeichen es ist, immer sehr witzig zu sein in seinen Kolumnen-Antworten. Beim Blick hinter die Fassade sei der Deal allerdings

küpper2Zack!

Dann ist Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dran, die „schüchtern“ „tremoliert “, „Energieeinsparung fange bei Dach und Heizkeller an“. Dabei verteile Hendricks

küpper3„Die Hauswende“.  Zack, zack, zack!

Jetzt nimmt Küppersbusch Anlauf fürs Finale.

Hier die Zeitlupe. „Kurz: Seehofer 

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Stinkstoffindustrie! Hihi!! Zack, das sitzt. Und: Bloß gut, keine Milliardensubventionen!

Das sitzt? Liebe taz, hallo Friedrich Küppersbusch, das ist natürlich lustig daher-Sprüche-geklopft. Aber leider zusammentremolierter Unsinn.

Styropor ist erstens nämlich nur EIN Dämmstoff für die Gebäudesanierung: Es gibt Mineralwolle, Steinwolle, Glaswolle, Baumwolle, Wärmedämmverbundsysteme aus Kork oder Hanf, Polyurethan-Hartschaum, Holzfasern oder Zellulose. Styropor? „Von rund 30 Millionen Kubikmetern Dämmstoffen, die pro Jahr verarbeitet werden, entfällt … der Löwenanteil auf Glas- und Steinwolle“, erfährt man beim Institut für Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Richtig wäre bei Küppersbusch also am ehesten ein „Durchmarsch der Glas- und Steinwoll-Lobby“ gewesen.

Die Bundesregierung hat zweitens 1,3 Millionen Euro zur drei Millionen Euro billigen Hauswende-Kampagne dazugegeben: Der andere Teil kommt vom Industrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik, vom Verband Fenster + Fassade, vom Bundesverband Flachglas, von vielen weiteren Partnern und AUCH von Wärme-Dämmverbänden, die neben der Holzfaser-Industrie, den Hanfbauern oder Hartschaum-Herstellern unter anderem AUCH die Styropor-Konzerne vertreten. Warum sollte Hendricks eine Broschüre, deren größter Einzelfinanzier die Bundesregierung ist, bittschön nicht verteilen sollen?

Horst Seehofer blockiert drittens nicht die „Stinkstoffindustrie“, sondern das deutsche Klimaziel. Wohngebäude sind für 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und ein Drittel des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Zwei von drei Gebäuden sind energetisch sanierungsbedürftig, weil sie vor der Einführung der Wärmeschutzverordnung 1977 errichtet wurden. Zuletzt war die energetische Sanierungsrate aber immer nur rückläufig, ohne einen Impuls aus der Politik wird Deutschland sein Klimaziel für 2020 nicht schaffen. In ihrem Aktionsprogramm hatte die Bundesregierung im Dezember deshalb verabredet, dass die energetische Gebäudesanierung nun doch endlich durch einen steuerlichen Anreiz angekurbelt werden soll. Jahrelang hatte die Politik über dieses Instrument gestritten, das 2012 schließlich am SPD-dominierten Bundesrat scheiterte. Und jetzt stellt sich Horst Seehofer quer.

Es ist gerade enorm schick, auf den Klimaschutz im Gebäudesektor einzudreschen: Schließlich ist es die „Stinkstoff“-Industrie, die das letzte sichere Geschäft der Atom- und Kohle-Konzerne zu zerstören droht: Die fossile Überversorgung der taz- und Küppersbusch-und-Co-Heizungen.

Danke an Serena K. aus Berlin für den Hinweis!


 

Hapag-Lloyd: Die Wahrheit vernebeln

Aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stammt die folgende Anzeige:

hpaMehr als Eis? Ist doch bekannt: Ruß und Schweiß!

Der Verkehr auf den Weltmeeren ist heute für zwei Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Das Bundesumweltministerium schreibt in seiner leider im Dezember eingestellten Zeitschrift Umwelt: „Ohne politische Gegenmaßnahmen könnten die Kohlendioxid-Emissionen des Seeverkehrs bis 2050 sogar um 250 Prozent steigen“.

Aber das ist nur ein Teil des Problems. Kreuzfahrtschiffe von Hapag-Lloyd und Co verbrennen Schweröle – ohne jeglichen Rußfilter. Nach Angaben des Naturschutzbundes stoßen die 15 größten Seeschiffe der Welt pro Jahr mehr Schwefeloxide aus als 760 Millionen Autos. Jedes Jahr würden 50.000 Menschen an Schiffsabgasen sterben. Das sind jährlich 50.000 Menschen – 33-mal mehr, als es Tote beim Unfall der Titanic vor 100 Jahren gab.

Nach einer Studie des UN-Umweltprogramms UNEP tragen Rußpartikel aus Schiffs- und anderen Dieselmotoren neben den direkten Emissionen auch noch auf andere Art ganz wesentlich zur Klimaerwärmung bei: Die schwarzen Rußpartikel werden bis an die Pole geweht und lagern sich dort auf dem Eis ab. Die dunkleren Eisflächen schmelzen durch die Sonneneinstrahlung dann deutlich schneller – Ruß und Schweiß.

Der Anstieg der globalen Temperaturen könnte bis 2050 um ein halbes Grad reduziert werden, wenn kurzlebige klimarelevante Emissionen von Dieselruß effektiv bekämpft würden, so die UNEP-Studie. Um zur Anzeige zurückzukommen: Auf www.mehr-als-eis.de heißt es:

hapag
Und tatsächlich stockt uns da der Atem: Von Emissionen keine Spur! Nix da mit Hinweisen auf den Dieselruß, Klimawandel und die schmelzenden Polkappen. Die Reederei Hapag-Lloyd spricht von einem „grandiosen Schauspiel der riesigen Tafeleisberge“ und lädt die Leserschaft der FAZ auf die „kleinen Expeditionsschiffe Hanseatic und Bremen“ ein. So, als ob es gar kein Problem gebe, wird die Wahrheit vernebelt.

Das es auch anders geht, zeigt der Konkurrent Aida. Der hat nämlich heute einen Vertrag mit Atmosfair unterschrieben, mit dem die entstandene „Klimaschuld“ der eigenen Kreuzfahrtschiffe künftig kompensiert werden soll. Die Ausgleichs-Agentur Atmosfair sagt zwar selbst, dass Kompensation das Klimaproblem nicht lösen kann, „weil sie nichts an den eigentlichen Kohlendioxid-Quellen ändert“. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich eines Problems bewusst wird oder es einfach ignoriert. Bei Atmosfair heißt es zur Kompensation: „Sie ist aber so lange als zweitbeste Lösung notwendig, solange die beste Lösung noch nicht existiert.“

Nun ist es nicht so, dass Hapag-Lloyd überhaupt noch nichts vom Klimaschutz gehört hat. Auf den Seiten der Reederei findet sich – wenn auch ziemlich versteckt – ein „Klimarechner“, mit dem die Kreuzfahrtkunden ihre Klimaschuld berechnen können. Auch auf www.mehr-als-eis.de wird auf diesen „Klimarechner“ – im Versteck versteckt – verwiesen. Im Unterpunkt „Nachhaltigkeit“ heißt es:

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Der Unterschied Nummer zu Aida ist aber, dass Hapag-Lloyd nur „freiwillig“ kompensieren läßt. Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, gegenüber dem Klima-Lügendetektor: „Aida kompensiert nicht nur, Aida hat sich auch ein glaubhaftes Filterprogramm gegeben, mit dem der Dieselruß verringert werden soll.“ Außerdem habe sich der Aida-Konzern ein Klimaschutzprogramm gegeben, das beispielsweise den Einstieg in die Treibhausgas-freie Energieerzeugung an Bord der Kreuzfahrtschiffe vorsieht.

Das Urteil des Klima-Lügendetektors: MEHR ALS EIS geht jedenfalls mehr, als bei Hapag-Lloyd!


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im ersten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

Spiegel: Diesmal ohne Klima-Hysterie

Ehrlich, diesen Lügendetektor-Text hätten wir uns gern erspart! „Der verheizte Planet“ heißt die aktuelle Titelstory des Spiegels, und – ja, wir bekennen – das hat uns tatsächlich dazu verleitet, seit vielen Ausgaben nun doch mal wieder 4,60 Euro in „Das deutsche Nachrichten-Magazin“ zu investieren. Bei Energie- und Klimathemen nämlich – nur da können wir es profund beurteilen – sind das Blatt und seine Online-Ausgabe völlig abgedriftet vom Pfad der journalistischen Tugend. Statt Nachrichten verbreitet „Das deutsche Nachrichten-Magazin“ häufig Polemik oder Lügen, weshalb der Spiegel und sein Online-Auftritt regelmäßig auf dem Klima-Lügendetektor zu finden sind.

Diesmal nun also das:

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Es geht um die Küste von Louisiana, die sich immer weiter ins Landesinnere verschiebt, um den Kohlehunger im chinesischen Xingtai und die Klimakonferenzen. Horand Knaup aus dem Spiegel-Hauptstadtbüro hat mit seinen Kollegen aus Peking und dem Auslandsressort ein solides Stück Arbeit abgeliefert, an dem es nichts zu beanstanden gibt. Abgesehen davon vielleicht, dass es ziemlich bieder ist.

Kein Grund also, Alarm beim Klima-Lügendetektor zu schlagen.

Kein Grund? Selten haben sich so viele Leser gleichzeitig so aufgeregt: „Schlechter Stil“, meint unser Leser Bernd R. aus Merseburg. Es geht allerdings gar nicht um den Aufmacher, sondern um ein Interview mit der kanadischen Buchautorin Naomi Klein im Anschluss daran, deren neues Buch im März in der deutschen Übersetzung „Die Entscheidung – Kapital vs. Klima“ erscheinen wird. Das Besondere an diesem Interview sind die Fragen, die Redakteur Klaus Brinkbäumer stellt. Nach ihrer Bucharbeit kommt Naomi Klein zu dem Schluss, dass der Kapitalismus schuld am Klimadilemma sei und folglich abgeschafft werden müsse. Darauf Brinkbäumer:

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Naomi Kleins Erwiderung ist tapfer. Die Strategie, auf sparsamere Glühlampen umzusteigen und den Emissionshandel zu etablieren habe die Erderwärmung nicht stoppen können, sagt sie. Deshalb sei der Systemwechsel notwendig: Alle großen „gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 150 Jahre waren die Folge von sozialen Massenbewegungen“, sagt Klein. Aber Interviewer Klaus Brinkbäumer weiß es noch einmal besser. Und so stellt er wieder keine Frage, sondern behauptet:

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„Der Interviewer wird  zum Statement-Geber“, kritisiert Jörg W. Mag sein, denn ein Interview „fragt um Auskunft“, wie es im Standardwerk Einführung in den praktischen Journalismus von Walther von la Roche auf Seite 167 heißt. Aber Interviewer Klaus Brinkbäumer ist nicht irgendein „Redakteur“, wie es im Spiegel lapidar heißt. Klaus Brinkbäumer ist seit Januar der neue Chefredakteur des Spiegels.

Deshalb wollten wir uns diesen Text hier auf dem Klima-Lügendetektor eigentlich auch sparen. Schließlich ist es ganz schön pingelig, Brinkbäumer schlechten journalistischen Interview-Stil vorzuwerfen, wenn doch seine Vorgänger noch ganz, ganz andere Titelgeschichten auf Lager hatten:

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Wir danken Charlotte N., Bernd R., Jens W.
und Carlotta S. für ihre Hinweise!


 

Shell: Falsche Lösung Erdgas

Die aktuelle Werbekampagne des Ölriesen Shell ist typisch für grünfärberische Imagewerbung: Der Slogan ist weitgehend inhaltsleer („Let’s go“), und auch die Motive haben praktisch nichts mit Energie zu tun – sondern sind vor allem gefühlig: zwei Kinder im Bademantel auf einem Ufersteg, Tüftler und ein futuristisches Auto, ein Paar vor beeindruckend beleuchteter Großstadt-Skyline. Oder dieses Motiv hier, nahezu perfekt fürs fußballbesessene Deutschland:

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Im Anzeigentext geht es um das Bevölkerungswachstum und das Jahr 2050. Bis dahin, heißt es, werde das Erdenvolk auf neun Milliarden Menschen angewachsen sein – von derzeit 7.296.082.800 Menschen, zumindest waren es beim Produzieren dieses Textes so viele. Neun Milliarden Menschen – wow, superviele Kunden! Nein, das schreibt Shell natürlich nicht. Sondern verweist in demonstrativ fürsorglichem Ton darauf, dass diese Bevölkerungszahl „erhebliche Herausforderungen für die Umwelt mit sich“ bringe.

Der dazugehörige Kampagnen-Auftritt im Internet wird konkreter: „Der globale Energieverbrauch wird bis 2050 voraussichtlich um 80 % steigen.“ Aber natürlich will Shell mit seiner Annonce keine Angst machen, sondern sich als Lösung präsentieren:

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Erdgas soll helfen, die Lichter für die nächsten 250 Jahre am Brennen zu halten? Moooment!

Es stimmt zwar, dass Erdgas der sauberste unter allen fossilen Energieträgern ist – aber trotzdem bleibt es ein fossiler Energieträger. Wird in einem modernen und effizienten Erdgas-GuD-Kraftwerk eine Kilowattstunde Strom erzeugt, so entstehen dabei rund 428 Gramm Kohlendioxid. Zwar ist das nur etwa ein Drittel dessen, was bei der Verstromung von Braunkohle freigesetzt wird, weshalb Gaskraftwerke für die Übergangszeit auch Braunkohlekraftwerken vorzuziehen sind. Aber 428 Gramm sind fast das Zwanzigfache der Emissionen, die Windkraftanlagen pro Kilowattstunde erzeugten Stroms verursachen. Viel zu viel also, um wirklich zukunftsfähig zu sein.

Shell möchte dem Publikum die einfache Formel vermitteln: „mehr Erdgas = weniger Treibhausgase“. Doch die ist, in dieser Pauschalität, leider falsch. Am Beispiel des US-Energiemarktes haben Forscher kürzlich in den Environmental Research Letters vorgerechnet, dass ein Erdgasboom, wie er durch das umstrittene Fracking ausgelöst wurde, dem Klima wenig bringt oder sogar schaden kann. Weltweit ist das Ergebnis ähnlich, so ein internationales Team von fünf Forschungsinstituten in einer in Nature erschienenen Studie. „Leider erweist sich die Hoffnung als irrig, dass Erdgas zu einer Verringerung der Erderwärmung beitragen kann“, hat Nico Bauer vom beteiligten Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den Kollegen der Süddeutschen Zeitung erklärt.

Mehr und billigeres Erdgas hatte demnach drei Folgen: Es verdrängte zwar zehn Prozent der klimaschädlichen Kohle aus dem Energiemix – aber auch emissionsärmere Technologien wie erneuerbare Energien oder Atomkraft. Zweitens wurde mehr Energie verbraucht, weil durch das billige Erdgas die Preise sanken. Drittens stiegen durch die vermehrte Erdgasförderung auch die Leckagen aus undichten Rohren oder Bohrlöchern oder Ähnlichem. Und weil Erdgas – chemisch CH4, Methan – als Treibhausgas mehr als 30-mal so stark wirkt wie Kohlendioxid, bedeuten mehr Erdgaslecks auch viel mehr Treibhauseffekt. Selbst das beste der durchgerechneten Szenarien brachte gesamtwirtschaflich lediglich eine Senkung des CO2-Ausstoßes um magere zwei Prozent – im schlechtesten Fall stiegen die Emissionen sogar um elf Prozent!

Erdgas ist also alles andere als eine saubere Lösung – hilfreich fürs Klima ist es allenfalls, wenn sein Einsatz durch kluge politische Maßnahmen begleitet wird, etwa durch eine Kohlendioxid-Steuer. Schon gar nicht sichert Erdgas

shell5Mag ja sein, dass alles Erdgas der Welt für zweieinhalb Jahrhunderte reichen würde. Nur darf es schon in viel näherer Zukunft, nämlich in knapp hundert Jahren, keine Netto-Emissionen von Kohlendioxid mehr geben, wenn die Menschheit die Erderwärmung in halbwegs beherrschbarem Rahmen, also unter zwei Grad Celsius halten will. Für Lichter ist Kohlendioxid auch gar nicht notwendig – die Sonne schickt uns genügend Energie, um alle zu betreiben.

Auf Erdgas sind jedenfalls weniger die Menschheit angewiesen oder das Klima, sondern vor allem Shell selbst. Seine Investitionen in erneuerbare Energien hat der Konzern nämlich schon vor vielen Jahren gestoppt, seine einstige Solarsparte längst abgestoßen. Stattdessen will Shell künftig selbst in der hochempfindlichen Arktis bald Öl und Gas fördern. Die Konsequenzen solcher Bohrungen hat Greenpeace in einem Videoclip ausgemalt – auch der ist gefühlig, aber ganz anders als die Shell-Werbung.

 

 Vielen Dank an Jörg S. für den Hinweis


 

Eon: Glatt gefälscht

Diesmal ist die Aufgabe relativ einfach, die an den Klima-Lügendetektor herangetragen wurde. Folgende Anzeige:

10984044_10203045865221595_8224589249328908263_nWir können nach einer nicht sehr schwierigen Recherche zweifelsfrei feststellen: Dieses Motiv sieht zwar aus wie ein Motiv aus der Anzeigenkampagne von Eon. Dieses Motiv stammt aber nicht aus der Werbeschmiede von Eon. Es ist auch nicht von Eons zuständigen Verantwortlichen abgesegnet, weder von Eon in Verkehr noch in Umlauf gebracht worden. Es sieht zwar so aus und es hat zwar mit Eon zu tun. Dieses Motiv ist aber nicht von Eon.

Es handelt sich um eine Fälschung:

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Wenn auch eine sehr gute!

Danke für den Hinweis an Ulrike S. aus Schwerin


 

Eon: Frau Jung veralbern

Neues von Eon: Der Konzern wird jetzt ganz grün. Im Dezember hatte der größte Energiekonzerns Europas eine neue Konzernausrichtung verkündet, nach der er sich künftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren will. In den kommenden elf Monaten soll der Konzern in zwei Gesellschaften aufgespalten werden: Die Geschäftsfelder „konventionelle Erzeugung“ und „globaler Energiehandel“ soll in eine neue, eigenständige Gesellschaft ausgegliedert werden.

Toll! Grüne Energie will jetzt jeder, sogar Eon. Und das läuft nun auch:

eonTatsächlich hatte der Konzern im vergangenen Jahr 180 neue regelbare Ortsnetztransformatoren neu in Betrieb genommen, weshalb sich Eon auch als „Technikpionier“ bezeichnet: Die RONTS genannten Transformatoren könnten nach Berechnung der Deutschen Energieagentur „bis 2030 allein im Niederspannungsnetz Kosten für den Netzausbau in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro“ einsparen, wie der Konzern stolz mitteilt.

Trotzdem stimmt etwas nicht mit der Antwort an Frau Jung. Dort heißt es nämlich erstens:

eon1Und zweitens steht in dieser Antwort: eon2Im Mai steht in Eons größtem Atomkraftwerk, dem AKW Grafenrheinfeld, der Wechsel der Brennelemente an. Dummerweise muss Eons 1.345 Megawatt starke Stromproduktionsmaschine am linken Mainufer nach dem Atomausstiegsgesetz Anfang 2016 abgeschaltet werden. Und dummerweise verstößt die deutsche Brennelementesteuer auch nicht gegen Europarecht, wie jetzt Maciej Szpunar, der Generalanwalt am Europäischen Gerichtshof (EuGH), festgestellt hat.

Wechselt Eon im Mai die Brennstäbe, müsste das Unternehmen also Steuern zahlen – 80 Millionen Euro. Um das zu vermeiden, will der Konzern das AKW Grafenrheinfeld lieber schon jetzt vom Netz nehmen. Mit gravierenden Folgen.

Zu zweitens: Eon verliert klimafreundliche Erzeugerkapazität, der ohnehin noch nicht sehr grüne Strommix von Eon wird dann noch kohlelastiger.

Zu erstens: Es müssen dringend neue Leitungen nach Bayern gebaut werden. Denn wenn dort, wo die Industrie brummt, solch ein großes Kraftwerk wegfällt, muss der Strom ja irgendwo herkommen. Suedlink“ heißt das Trassenprojekt, das an die abgeschalteten AKWs in Bayern Windstrom aus dem Norden liefern soll.

Nicht falsch verstehen, liebe Eons: Natürlich finden wir den neuen, von euch eingeschlagenen Kurs super! Und natürlich wissen wir, dass ihr auf diesem Weg eine Menge Probleme bekommt! Aber gerade deshalb fänden wir´s nicht schlecht, wenn ihr Technikpioniere uns nicht für dumm verkaufen würdet!

Danke an Susanne S. aus Zossen für diesen Tipp!