Betonwirtschaft: Die falsche Antwort auf die Frage

Ist Bauen mit Beton nachhaltiges Bauen?

Gute Frage. Und eine extrem wichtige – wie der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) auf seiner Seite Beton.org klarmacht:

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Weiter heißt es: „Der Verein Deutscher Zementwerke (VDZ) ist der wirtschaftspolitische Zusammenschluss der deutschen Zementhersteller.“ Als solcher „vertritt er seine Mitglieder im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen insbesondere die industrie- und baupolitischen Herausforderungen.“ Also auch der Klimaschutz.

Um zur selbst gestellten Frage zurückzukommen:

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Entschuldigung: Die Frage ging doch aber ganz anders! Der Verband wollte wissen:

Ist Bauen mit Beton nachhaltiges Bauen?

Wenn man das Karlsruher Institut für Technologie fragt – immerhin ein nationales Forschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft – muss die Antwort so lauten:

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Die Südwest Presse aus Ulm hat berechnet, dass das drei- bis viermal so viel ist, wie der gesamte weltweite Flugverkehr zu verantworten hat.

Teile der Zementwirtschaft haben sich – anders als die „Betonkopf-Lobbyisten“ vom Verein Deutscher Zementwerke – des Problems angenommen und sich an die Entwicklung von Alternativen gemacht. Eine heißt „Celitement“ – und die ist nur für halb so viel Kohlendioxid verantwortlich, wie herkömmlicher Zement verursacht.

Für wirklich nachhaltiges Bauen empfiehlt das Umweltbundesamt übrigens Holz. Mit diesem Baustoff wird nämlich Kohlendioxid für die Lebensdauer des Gebäudes „zwischengelagert“. Und danach kann es weiterverwendet werden. Ist gut für die Umweltbilanz, zumindest wenn das Holz aus nachhaltiger Bewirtschaftung stammt.

Herzlichen Dank an Josefine L. aus Bonn für den Hinweis!


 

Luftfahrtindustrie: Das Entscheidende weglassen

Heute geht es um die Hippies. Also, zumindest um das, was sich verspießerte Werbetreibende und die Luftfahrtindustrie darunter vorstellen:

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Dieser Schauspieler (der angesichts seiner schauspielerischen Leistung in seinem Leben garantiert noch nie ein Hippie-Gefühl unterm Hemd oder den Haaren genießen durfte) hat da mal was vorbereitet. „Ready fürs Festival?“

Autobahn? Oder doch lieber am Meer entlang? Aber die Spritkosten! Und die Maut!!

Aber zum Glück ist ja die Marie auch noch da: „Fliegen ist das neue Öko“.

Glauben Sie jetzt nicht? Ist aber so: „Pro Passagier verbrauchten die Flugzeuge der Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. im Jahr 2013 für alle In- und Auslandsflüge insgesamt durchschnittlich 3,68 Liter Treibstoff auf 100 Kilometer“, heißt es im Kleingedruckten des Verbandes am Ende des Werbespots:

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Wow, 3,68 Liter auf 100 Kilometer! Schafft Ihr Auto garantiert nicht!

Ein lehrbuchmäßiges Beispiel für gute Werbung. Gute Werbung lügt nämlich nicht, gute Werbung lässt einfach die lästigen Details weg. 

In diesem Fall wird unterschlagen, dass sich Verbrennungsabgase von Flugzeugen in großer Höhe weitaus schädlicher aufs Klima auswirken als etwa solche von Autos am Boden. Und zwar deshalb, weil beim Fliegen unter anderem Kondensstreifen und Zirruswolken (Eiswolken) entstehen, die in viel beflogenen Regionen oft den ganzen Himmel bedecken können und verhindern, dass Wärme von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückgestrahlt wird. Sie vergrößern somit den Treibhauseffekt, der durch die Verbrennung des Kerosins allein entsteht.

Um die wirkliche Klimawirkung abzuschätzen, muss der Spritverbrauch von Flugzeugen deshalb mit dem sogenannten RFI-Faktor multipliziert werden. Atmosfair nimmt dafür die Zahl 2,7 an, laut Umweltbundesamt ist der gesamte Klimaeffekt des Luftverkehrs sogar drei- bis fünfmal so groß wie der reine CO2-Effekt.

Aber eine dermaßen komplizierte Erläuterung passt natürlich schlecht in eine Werbeanzeige.

So bleibt die Suggestion, Flugzeuge seien nicht schlimmer fürs Klima als ein total ökoeffizientes Auto. Dass ist natürlich Quatsch, zumal mit dem Flugzeug dann auch viel weitere Strecken zurückgelegt werden als mit einem Kleinwagen: Eine Reise nach New York und zurück schlägt inklusive RFI-Faktor laut Atmosfair-Ausgleichsrechner mit 3.158 Kilogramm CO2-Äquivalent zu Buche – das „klimaverträgliche Jahresbudget eines Menschen“ liegt bei gerade mal 2.300 Kilogramm.

Danke an Michael H. und Karsten S. aus Hamburg für den Hinweis


 

Donald Trump: Vom Tweet eingeholt werden

Och, Mann! Und natürlich: Menno, Frauen!

Sich mit der AfD befassen zu müssen war schon grausam. Dann die Klima“skeptiker“ von EIKE zu bearbeiten – harter Tobak! Wir dachten: Schlimmer kann’s nicht werden! Doch dann kam Donald Trump:

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„Stammt das wirklich von DEM Trump?“, will Marlene J. aus Hamburg wissen. „Die Position des nächsten US-Präsidenten“, kommentierte Jan P. aus Moers. Charlotte S. aus Schkopau schickte uns den Tweed ohne Kommentar.

Zunächst: NEIN, wir wissen nicht, ob das die Position des nächsten US-Präsidenten ist. Zwar baute Donald Trump als republikanischer Präsidentschaftskandidat dank der Vorwahlen in Arizona seinen Vorsprung auf den parteiinternen Konkurrenten Ted Cruz weiter aus. Richtig ist auch, dass seit dem Demokraten John F. Kennedy nie wieder nach einem demokratischen Präsidenten ein Demokrat Präsident der USA wurde: Es siegte stets ein Republikaner. Nach dem Gesetz der Serie folgt damit auf Obama ein Republikaner, und der wird alles tun, um den Klimaschutz und den Paris-Vertrag zu zerstören. Aber ob Trump tatsächlich nächster US-Präsident wird, wissen auch wir natürlich nicht vor dem 9. November.

Aber: JA, @realDonaldTrump ist der Twitter-Account des wahren Donald Trump. Und genau dort findet sich die obige Aussage, nach der die Erderwärmung eine „Erfindung der Chinesen“ ist.

Donald Trump twittert gern. Und viel. Am 24. Februar beispielsweise:

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Es gibt Leute, die das als glatte Lüge bezeichen, „persönlich hat er sich nur 250.000 Dollar gegeben“, behauptet beispielsweise der Satiriker John Oliver in seiner Late Night Show. Aber das ist nicht das Feld des Klima-Lügendetektors, weshalb wir bei den Tweets von @realDonaldTrump bleiben: Am 15. März twitterte er:

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Jobs „zurück nach Amerika“? Doch nicht etwa von den Chinesen, die – das haben wir ja im erstzitierten Tweet gelernt – durch die Erfindung des Klimawandels jede Menge Aufträge geklaut haben? Trump verspricht im Tweet außerdem, auf Kriegsveteranen aufzupassen, Obamas Gesundheitsreform zurückzudrehen und eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu bauen. Eine Analyse der Carnegie Mellon University bescheinigt Donald Trump übrigens das Sprachniveau eines Sechstklässlers (die Demokratin Hillary Clinton ist in ihrem Wahlkampf lediglich zwei Klassen besser, ihr Parteikollege Bernie Sanders erreicht immerhin das Niveau der elften Klasse).

Gucken wir uns den fraglichen Tweet noch einmal genauer an: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde erschaffen von und für die Chinesen, um die US-Wirtschaft ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu berauben“, steht da.

Jepp: DAS ist ein Trump, wie er im Buche steht.

Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Wir MÜSSEN fairerweise sagen, dass der jetzt rausgekramte Tweet vom 6. November 2012 stammt – und damit aus einer Zeit, in der der Milliardär nichts als ein Milliardär war:

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Damals hatte Trump gerade mal 2.800 Follower, für den Weltverlauf waren solche Aussagen egal. Was das dusselige Gezwitscher zwar nicht besser macht. Aber es ist der Tweet von gestern. Und heute hat Trump dazu nichts abgesetzt.

Dafür hat die Washington Post ihn in dieser Woche nach dem Klimawandel gefragt. In dem langen und reichlich konfusen Gespräch sticht die Antwort sogar hervor, denn Trump geht hier tatsächlich einmal auf die gestellte Frage ein. „Ich bin kein großer Anhänger des vom Menschen verursachten Klimawandels“, sagt der Kandidat. „Es gab eine globale Abkühlung in den 1920er Jahren, und jetzt gibt es eine globale Erwärmung, obwohl man heute nicht weiß, ob es eine globale Erwärmung gibt.“ Mit anderen Worten: Trump ist Klimaskeptiker geblieben – und er hat vom Klimawandel immer noch keine Ahnung.

Danke für den Hinweis an Marlene J. aus Hamburg, Charlotte S. aus Schkopau, Reinhold L. aus Berlin und Jan P. aus Moers


 

EIKE: Auf den Fake hoffen

Folgende Meldung war auf den Seiten des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ zu finden:

„Edward Snowden: Globale Erwärmung ist eine Erfindung der CIA“.

Donnerwetter! Der Whistleblower und Ex-Geheimdienst-Mitarbeiter hat ja schon einiges ans Licht gebracht, was wir uns niemals im Leben hätten denken können. Deshalb wurde er zu Recht vielfach geehrt und ausgezeichnet, vom Stuttgarter Friedenspreis über die Carl-von-Ossietzky-Medaille bis hin zum Alternativen Nobelpreis. Nun kommt raus: Edward Snowden verfügt über als geheim eingestufte Informationen, nach denen hinter der „Theorie der globalen Erwärmung“ niemand anderes als der US-Geheimdienst CIA steckt:

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Eine Meldung, die ganz nach dem Geschmack des „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ sein dürfte. Denn EIKE – wie sich das „Institut“ abkürzt – ist ein „Zusammenschluss einer wachsenden Zahl von Natur-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaftlern, Ingenieuren, Publizisten und Politikern, die die Behauptung eines ‚menschengemachten Klimawandels‘ als naturwissenschaftlich nicht begründbar und daher als Schwindel gegenüber der Bevölkerung“ brandmarkt, wie es im Selbstbild des selbsternannten Instituts heißt

Die brisante „Snowden-Meldung“ hat EIKE fast wortwörtlich von der Webseite worldnewsdailyreport.com übernommen.

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Auf den Seiten von worldnewsdailyreport.com findet sich neben der Snowden-Story jede Menge weiteres brisantes Material. Beispielsweise wird über Zoomitarbeiter aus Florida berichtet, die beim Versuch starben, einen Alligator zur vergewaltigen. Es gibt einen Text über Hitlers Schädel, der in Stalins Familien-Nachlass gefunden wurde. Und einen Bericht über die zwölf Ehefrauen des Jesus von Nazareth.

Lauter Exklusiv-Meldungen also, die unschwer als Fake zu erkennen sind. Schließlich zählt worldnewsdailyreport.com zu den schärfsten Fake-Seiten, die es im englischsprachigen Web gibt. Das „Europäische Institut für Klima und Energie“ nahm den Snowden-Fake von worldnewsdailyreport.com ernst – einfach weil die EIKE-Leute sich so sehr wünschten, dass ihre kruden Theorien eben doch die Wahrheit und kein Fake sind? 

Er habe den Hinweis auf die Snowden-Meldung „von dritter Seite“ bekommen, aber erst später erfahren, dass es sich vermutlich um einen Fake handele, sagt EIKE-Vize-Präsident Michael Limburg auf Nachfrage des Klima-Lügendetektors. „Deswegen habe ich die Meldung vorsichtshalber runtergenommen“, betont der Diplom-Ingenieur, der gerne angebliche „systematische Fehler“ der Klimaforschung nachzuweisen versucht und seit einiger Zeit die AfD energie- und klimapolitisch berät.

Nein, er habe die Meldung vorab nicht auf Plausibilität überprüft, räumt Limburg ein. Gleichwohl müsse EIKE aus dem Fehler keine Konsequenzen ziehen. Limburg: „Wir werden weiter möglichst wahrheitsgetreu berichten.“

So lange, bis die kruden EIKE-Thesen endlich wahr werden.

Herzlichen Dank an Peter H. aus Bochum für den Hinweis!


 

Deutsche Bank: Zu wenig wissen

Die Deutsche Bank schaltet derzeit eine Anzeige mit einem wirklich traumhaften Motiv:

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Zu sehen sind die „Gärten an der Bucht“ in Singapur, ein 101 Hektar großes Parkparadies, das dem Meer abgetrotzt wurde. Auf dem Motiv sehen wir die bis zu 50 Meter hohen Super Trees - pflanzenbewachsene Stahlgerüste, die unter anderem der Aufzucht von seltenen Pflanzen dienen. Aber per Photovoltaik gewinnen diese „Superbäume“ auch noch die Elektrizität für Beleuchtung und Kühlsysteme, sie sammeln in ihren offenen „Baumkronen“ Niederschläge zur Bewässerung der Pflanzen. Einige der „Superbäume“ dienen außerdem als Kühltürme für die Klimasysteme der benachbarten Glashäuser, in denen alpine Berg-Flora wie Orchideen, Bromeliengewächse oder Flamingoblumen gezeigt werden – in einem künstlich geschaffenen alpinen Klima, wie es sonst in einer Höhe von bis zu 3.000 Metern über dem Meeresspiegel herrscht.

Ein echter Knaller für Umweltfreunde, irgendwie wie „Ökotopia in echt“. „Das Wissen zu den Anlagetrends von morgen“, lautet der Slogan, den die Deutsche Bank mit diesem real gewordenen Zukunftstraum kombinierte. Und im Kleingedruckten steht dann:

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Sicherlich: Grafisch ist das mit dem Kleingedruckten nicht optimal gelöst. Aber es geht ja ohnehin darum, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Jahresausblick 2016 zu lenken. Damit der dann sein Geld in “Das Wissen zu den Anlagetrends von morgen“ investiert.

Unsere Bitte: Lassen Sie die Finger davon!

DRINGEND!

Schließlich hört beim Geld der Spaß auf. Tatsächlich nämlich plant die Deutsche Bank eine gigantische Geldvernichtung. Mit Kohlekraftwerken, also dem Gegenteil des Anzeigenmotivs. Wir wollen nicht, dass Sie unter den Opfern sind! Auf den Seiten der Deutschen Bank heißt es:

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Kohlekraftwerke müssen in der Regel 40 Jahre laufen, um sich zu refinanzieren. Nach den Klimabeschlüssen von Paris ist aber klar, dass keines der heute gebauten Fossil-Kraftwerke dann noch am Netz sein kann. Für die „zweite Hälfte des Jahrhunderts“ schreibt das Paris-Abkommen „Klimaneutralität“ vor.

Die Deutsche Bank ist einer der größten Kreditgeber für Konzerne mit großem Kohlendioxid-Ausstoß. Zwischen Jahresbeginn 2012 und Ende 2014 hat die Bank mehr als 1,4 Milliarden Euro Kredite an international tätige Energieriesen wie RWE, Gazprom, Shell, Chevron und Saudi Aramco vergeben. Das geht aus dem Bericht „Dirty Profits“ der Nichtregierungsorganisation Facing Finance hervor. Zum „Wissen zu den Anlagetrends von morgen“ gehört aber: Klimaschädliche Investitionen sind nicht nur klimaschädlich, sie lohnen auch einfach nicht mehr. RWE oder Vattenfall, die in Deutschland ihr Kohlegeschäft loswerden wollen, können davon ein Lied singen!

Wer sich trotz dieses Wissens immer noch so offen zur Kohlefinanzierung bekennt wie die Deutsche Bank, dem sollte man UM GOTTES WILLEN sein Geld nicht mehr anvertrauen.

Unser Tipp für Ihr sauer Erspartes: Wechseln Sie zu einer Zukunftsbank!

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2016 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER (besonders, wenn Sie immer noch Kunde bei der Deutschen Bank sind: Dort ist Ihr Geld augenscheinlich eh nicht mehr sicher!)


 

AfD: Läddagschwäddz für Deutschland

Sie selbst nennt sich ja „Alternative für Deutschland“. Zurzeit ist die Partei auch mit populistischen Attacken auf die Energiewende auf Wählerfang. Im Wahlprogramm der baden-württembergischen AfD heißt es auf Seite 47:

AFDGanz Deutschland zittere unter der „Angst vor Treibhausgasen und der Kernenergie“, die zur „einseitigen Bevorzugung der sogenannten Erneuerbaren Energien“ führen würde. Wen „die Politik“ meint, ob nur die deutsche Regierung oder die gesamte deutsche Parteienlandschaft – oder gar die 195 Staaten, die im Dezember 2015 einen Weltklimavertrag in Paris unterzeichneten – bleibt im „Alternative für Deutschland“-Programm unklar.

Stattdessen wird dort das alte Lied der „überreichlichen Subventionierungen“ für Erneuerbare angestimmt. Sämtliche Milliarden, die in den letzten Jahrzehnten an die Atom- und Kohleindustrie gingen, bleiben jedoch selbstverständlich unerwähnt. Dümmer gehts nimmer – oder wie der Schwabe sagen würde: So a Läddagschwäddz, ein saudummes Gerede halt.

AFD1Diese Aussage zum Start besagter Klimakonferenz in Paris stammt von der AfD-Frontfrau Frauke Petry.

AFD2Kann die Frau nicht lesen? Oder: Versteht sie einfach nicht, was jeder lesen kann?

Auf die Beschlüsse von Paris reagierte die Partei gar nicht – wahrscheinlich zu viel Lesestoff.

Ein Sammelbecken für Klimaskeptiker und Läddagschwäddz war die AfD schon bei ihrer Gründung.  Im Bundesparteiprogramm wird diese Haltung noch diplomatisch verpackt. Dort heißt es:

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Immerhin wird hier eingeschränkt, dass „im Rahmen internationaler Abkommen eine graduelle Reduktion von CO2-Emissionen vereinbart werden“ könne.

Allerdings lassen es die Mitglieder der Partei in öffentlichen Statements an Läddagschwäddz zum Thema Klima und Energie nicht fehlen: Der Klimawandel sei Panikmache und die Anstrengungen Deutschlands, Kohlendioxid einzusparen, ergäben wenig Sinn, meinte Stephan Boyens, Vertreter des Fachausschusses für Energiepolitik der Partei AfD, im Jahr 2013: „Das hat ungefähr so viel Wirkung, als würde eine Dreijährige Pipi in einen Baggersee machen“, schwurbelte der damalige Manager der Rheinenergie AG, die von den Kölner Stadtwerken und RWE betriebenen werden.

So ausgewählt drücken sich hochgebildete Manager und Lobbyisten aus, die – aus purem Altruismus – mithalfen, die sogenannte „Alternative für Deutschland“ aus der Taufe zu heben. Dazu gehören auch Klima“skeptiker“ wie Michael Limburg, der Vizepräsident des klimaskeptischen „Europäischen Instituts für Klima und Energie“ (EIKE) – seit Jahren Mitglied in der AfD-Arbeitsgruppe für Energiepolitik.

Die deutsche Tea Party AfD kann mit ihrem Läddagschwäddz vielleicht den einen oder andern Protestwähler in seinem Frust für sich gewinnen. Doch die Erkenntnis, dass die Erde keine Scheibe ist, wird sich auch mit ein paar regionalen Wahlerfolgen nicht mehr kippen lassen.

Dank an Susanne G. aus Berlin für ihren Hinweis!


 

Lidl: Zu den Flaschen zählen

Heute geht es um Lidl. Konkret um die

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Lidl argumentiert: „Jede Flasche zählt!“ Für den Klimaschutz. Und der zweitgrößte Discounter der Welt (nach Aldi) mit etwa 9.900 Filialen sagt uns auch warum. Die Lidl-Kreislaufflasche funktioniert nämlich so:

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Im zugehörigen Film erklärt uns Lidl: „Es gibt viele Wege, CO2 zu sparen!“ Kürzer duschen. Weniger heizen. Weniger Licht.

Oder aber den oben beschriebenen Kreislauf wählen, für den „jede Flasche“ zählt. Im Film heißt es: „50.000 Tonnen CO2-Ersparnis!“

Natürlich nicht! Geht auch gar nicht: Die Werber verraten nämlich sicherheitshalber nicht, gegenüber welchem Vergleichswert die Einsparung überhaupt auftreten soll. Etwa pro Flasche, die nach einmaligem Benutzen nicht einfach verbrannt (sondern nach einmaliger Nutzung recycelt) wird? In einem Monat Einwegflaschen-Recycling? Als Prognose für das Lidl-Kreislaufflaschen-Kreislaufen bis zur nächsten Eiszeit?

Ist aber eigentlich auch egal, denn es ist ganz klar, dass Lidl-Kreislaufflaschen nicht das Klima retten. Gewiss: Recycling entlastet erst mal die Umwelt. Selbst die Kreislaufwirtschaft schafft es aber nicht, die Wachstumsspirale zu durchbrechen, also wirtschaftliches Wachstum vom Rohstoffverbrauch zu entkoppeln. Das liegt an gleich drei Blindstellen der Kreislaufphilosophie.

Erstens kommt sie an 70 Prozent der Stoffströme gar nicht ran – Bodenaushub auf dem Bau zum Beispiel oder Abraum im Braunkohletagebau. Zweitens gewinnt kein noch so guter Recyclingprozess hundert Prozent des eingesetzten Rohstoffs zurück – nicht mal beim Gold. Legt man am Beispiel der Einwegflaschen eine – schon ziemlich anspruchsvolle – Rückführquote von 75 Prozent zugrunde, sind nach 15 Durchläufen von der ursprünglich eingesetzten Menge 99 Prozent verschwunden.

Drittens schließlich: Energie ist nicht recycelbar. Und die Kreislaufwirtschaft selbst ist sehr energieintensiv: Einsammeln der Flaschen, Transport, Trennen, Wiederaufarbeiten, überall wird Energie gebraucht. Zwar sagt der erste Hauptsatz der Thermodynamik, dass Energie niemals verloren gehen kann. Geht sie auch nicht – sie wird an die Umwelt abgegeben und heizt das Klima weiter auf.

Richtigerweise hätten die Lidl-Werber also so plakatieren müssen:

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Um das noch für den Alltag zu übersetzen: Im Falle von Trinkflaschen ist das Recycling nach einmaliger Nutzung schlicht unnötig, das Verbrennen natürlich sowieso. Am besten für die Umwelt ist es, die nötigen Getränke in Mehrweg-Pfandflaschen von einem regionalen Hersteller zu kaufen. Die werden nach der Rückgabe gereinigt und wieder befüllt.

Danke an unseren Leser Thorsten K. für den Hinweis!


 

Neues aus dem Fundus (IV): Das vorhergesagte RWE-Drama

„Energiekonzern spielen“ war früher (also kurz nach unserer Kindheit) sehr beliebt. Man gewann immer. Zum Beispiel, wenn man die RWE-Spielkarte gezogen hatte: 2010 gab es pro Aktie 8,14 Prozent Rendite

Nun hat die RWE heute ihre Geschäftszahlen für das Jahr 2015 vorgelegt. Und: Ätschätschätsch – wer sich früher immer die RWE-Spielkarte ermogelt hatte, ist jetzt der Looser. Deutschlands zweitgrößter Energiekonzern musste 2015 nämlich einen Verlust in Höhe von 200 Millionen Euro verbuchen. Rendite nun: 0,0000…

Sie fragen sich, wie so etwas (in so extrem kurzer Zeit) passieren konnte? Ganz hinten im Hinterkopf erinnert uns das an eine Sache aus dem Jahr 2008.

Wir zitieren einmal uns selbst:

RWE-Chef Jürgen Großmann hat dolle Sachen angekündigt. So will der Essener Stromriese in den kommenden Jahren viel etwas Geld in erneuerbare Energien stecken, beispielsweise in Windkraftprojekte oder Biomasse-Kraftwerke. Energieeffizienz ist laut Großmann ebenso eine der zentralen „Herausforderungen“ – eine eigene Tochtergesellschaft für dieses Feld soll entstehen, der Universität Dortmund hat der Konzern kürzlich für eine halbe Million Euro eine Professur für Energieeffizienz gestiftet.

Fast hätten wir RWE dieses Engagement abgekauft. Denn auch mit der Dienstleistung Energiesparen kann ein Konzern ja gutes Geld verdienen. Und nun das: Für seine Kunden hat RWE einen fast 100 Seiten dicken „Energiekatalog 2009″ aufgelegt. Dass das Unternehmen sich darin selbst feiert – klar. Dass man Atomkraftpropaganda unterbringt („Kernenergie hilft, die Erneuerbaren in der Grundlast abzusichern“, heißt es etwa – was völliger Humbug ist, denn in Wahrheit taugen unflexibel laufende Reaktoren eben NICHT als Ergänzung von schwankender Wind- oder Solarenergie), o.k. – auch das war nicht anders zu erwarten. Doch dann, auf Seite 59 des Katalogs, preist RWE Nachtspeicherheizungen an – und das sogar in der Rubrik „Energie sparen“!

Auf einer ganzen Seite werden dort die falschen Argumente ausgebreitet, die Hersteller von Stromheizungen so gern bemühen: „Effizient und nahezu vollständig wandelt die Elektrospeicherheizung Strom in Wärme um“, heißt es etwa. Was streng genommen sogar stimmt – aber eben verschweigt, dass die vorherige Elektrizitätserzeugung durch Umwandlung von Wärme in Strom in den von RWE bevorzugten Kohlekraftwerken extrem ineffizient ist. „Die Elektro-Speicherheizung ist das Heizsystem der kurzen Wege“, schreibt RWE weiter, es entstehe „kein Verteilungsverlust, denn die Wärme wird dort erzeugt, wo sie verbraucht wird.“ Auch das ist Käse, denn bevor die Wärme in der Nachtspeicherheizung entsteht, ist der Strom aus den RWE-Kraftwerken oft über weite Strecken dorthin transportiert worden – mit entsprechenden Leitungsverlusten.

Aber wir brauchen hier gar nicht viele Worte zu machen. RWE weiß nämlich selbst, worauf Umwelt- und Verbraucherschützer immer wieder hinweisen – dass nämlich Elektroheizungen ineffizient, klimaschädlich und außerdem teuer sind. Auf seiner eigenen Internetseite bietet der Stromkonzern einen „Heizsystem-Vergleich“. Und dort ist zu der – im Energiekatalog so hochgelobten – Elektro-Speicherheizung dies zu lesen:

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen – erstmals in der Geschichte des Klima-Lügendetektors können wir RWE voll und ganz zustimmen! Dass der Konzern trotzdem versucht, den Leserinnen und Lesern seines „Energiekatalogs“ unwirtschaftliche und ökologisch problematische Heizungen anzudrehen, kann man wohl nur als versuchte Ankurbelung des Stromabsatzes erklären.


 

Uniper: Alte Energie in neuen Schläuchen

Folgende Anzeige wurde uns eingereicht:

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Zunächst: Das stimmt! Tatsächlich gibt es einen neuen Energiekonzern auf dem deutschen Markt, der von sich reden machen wird.

Uniper nennt sich jene Abspaltung, mit der Eon diesmal seine Haut zu retten versucht. Wir hatten hier ja schon die satten Laufzeitverlängerungen zum Thema, die Schwarz-Gelb den Herren in den Chefetagen für ihre hochprofitablen Alt-Reaktoren versprochen hatte. Dann waren es die neuen Kohleblöcke Staudinger und Datteln, die das Eon-Säckel vollmachen sollten. Jetzt versucht es Europas größter Energiekonzern mit der Diät.

Alles, was nämlich alte Energiewirtschaft ist, wird einfach ausgelagert. Auf der Eon-Homepage findet sich folgender Hinweis:

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Die Sparte der erneuerbaren Energie bleibt bei Eon, bei Uniper findet sich das, was für das Energiesystem von gestern steht: Kohlekraftwerke, Gasspeicher, fossile Rohstoffe und jede Menge Treibhausgase.

Eine Art Kernspaltung im eigenen Haus! Deshalb müsste die Anzeige eigentlich folgenden Text haben:

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Danke an Tobias A. aus Berlin für den Hinweis


 

Wildtierstiftung: Die Axt im Walde

Heute geht es um den Vogelschutz. Unser Leser Sebastian M. sandte uns folgenden Bericht aus der Neuen Osnabrücker Zeitung mit der Bitte um Prüfung zu:

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„Dass die Rotoren von Windrädern lebensgefährlich für Vögel sind, kritisieren Naturschützer schon lange“, schreibt die Osnabrücker. „Jetzt erheben Umweltverbände außerdem den Vorwurf, dass bereits vor dem Bau von Windparks Vögel sterben müssen.“

Dabei beziehen sich die Redakteure offenbar auf eine Pressemeldung der Deutschen Wildtier Stiftung von Anfang Dezember:

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Das ist wirklich die hohe Kunst der Pressearbeit: „Während in Paris der Klimagipfel tagt, laufen in Deutschland die Kettensägen.“ Vorwurf der Deutschen Wildtier Stiftung: Um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen, würden immer öfter geschützte Horstbäume illegal gefällt und Vögel getötet. Eigene Recherchen würden einen rasanten Anstieg solcher Straftaten belegen, so die Wildtier Stiftung:

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Meingott, vierzig Fälle! Das muss man sich mal vorstellen!

In welchem Zeitraum?

Das sagt uns die Deutsche Wildtier Stiftung nicht. Wir erfahren nur, dass es vor drei Jahren zwei Fälle gab, 2014 dann schon 10 und im vergangenen Jahr 19. Genau genommen erfahren wir auch nicht, ob 40 Horstbäume illegal gefällt oder 40 geschützte Vögel getötet wurden. Im Pressetext heißt es lediglich, dass es „mindestens 40 Fälle illegaler Verfolgung von Großvögeln“ gegeben hat. Wer die Daten wie erhoben hat? Es gibt einen Meldebogen zum Ankreuzen.

Wer etwas zu den Hintergründen wissen will, der kommt vielleicht beim Vorstandschef der Wildtier Stiftung Fritz Vahrenholt weiter. Der war einst mit den Erneuerbaren bei RWE gescheitert, seit seinem klima„skeptischen“ Buch Die Kalte Sonne steht Vahrenholt mit der Energiewende auf Kriegsfuß. Diesmal sagt er im Pressetext: „Biodiversität und Artenschutz werden unter dem Deckmantel der Windenergie und des Klimaschutzes gnadenlos geopfert.“

Nicht dass wir bezweifeln, dass die Windradbauer auch mal unkorrekt handeln! Wir bezweifeln aber, dass die Datenlage der Deutschen Wildtier Stiftung tatsächlich bedeutet, dass in Deutschland wegen der Windenergie die Kettensägen heiß laufen.

Just heute kam in Schleswig-Holstein der Jagd- und Artenschutzbericht 2015 heraus. Der belegt: Zwischen 2008 und 2015 wurden 70 in dem nörlichsten Bundesland verendete  Greifvögel untersucht. In 30 von ihnen wurden tödliche Vergiftungen – zumeist durch Jagdmunition – nachgewiesen, also fast bei jedem zweiten. Offensichtlich gibt es größere Gefahren für Schreiadler, Rotmilane oder Mäusebussarde. Aber dazu erfahren wir bei der Deutschen Wildtier Stiftung leider nichts.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis