Areva: Das Klima schützen? Die Erde zerstören!

Der französische Konzern Areva sucht neue Mitarbeiter – und es scheint, als müsse sich das Unternehmen trotz Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosenzahlen ziemlich anstrengen, seine offenen Stellen zu besetzen. Jedenfalls schaltet Areva viele, viele Jobanzeigen, preist sich als einen der hundert besten deutschen Arbeitgeber und hat eine eigene Recruiting-Website ins Netz gestellt. Man liefereareva_1, so die Selbstdarstellung. Doch Areva baut nicht nur Windkraftanlagen, für die diese Umschreibung stimmen mag – das Hauptgeschäft sind Atomkraftwerke. Und die sind weder „CO2-frei“ noch „zuverlässig“ – denn auch Atomstrom verursacht CO2, und die Unzuverlässigkeit der Kernkraft belegen fast tägliche Störfälle ebenso wie immer neue Probleme beim Areva/Siemens-Prestigeprojekt „Olkiluoto 3″ in Finnland.

Umso hochtrabender ist der Werbespruch, mit dem Areva potenzielle Mitarbeiter/innen umschmeichelt:

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„Energie der Zukunft“? – Weil die weltweiten Uranvorkommen ziemlich begrenzt sind und wohl nur ein paar Jahrzehnte reichen, kann das Areva-Atomgeschäft damit kaum gemeint sein.

„Das Klima schützen“? – Wie gesagt, auch Akw verursachen Treibhausgase.

Doch am dreistesten ist der Teil 3 des Slogans, denn der Abbau von Uran zerstört die Erde und ist eine Gefahr für Natur und Mensch. Das zeigt sich auch und gerade im Niger. In dem bitterarmen afrikanischen Land baut Areva (bzw. seine Vorgängerfirmen) seit Jahrzehnten Uranerz ab. Heute sei die Gegend radioaktiv verseucht, kritisieren Anwohner, Menschenrechtler und Umweltschützer, die Zahl der Krebserkrankungen drastisch erhöht. Arbeiter bekämen keine Schutzkleidung, immer wieder tauche auf Märkten verstrahlter Schrott auf. In Wasser und Boden liege die Strahlenbelastung bis zu 110-fach über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, zuletzt im vergangenen November stieß ein Greenpeace-Team auf besorgniserregende Werte (was hinterher selbst Areva bestätigte). Zudem, so Kritiker, sorgten die Atom-Millionen aus Frankreich für Korruption und untergrüben die Demokratie im Niger. Selbst wenn man das Risiko verheerender Reaktorunfälle vollkommen außer Acht lässt, ist also die Atomkraft das ziemliche Gegenteil von: „Die Erde bewahren“.

Soweit – etwas länger – die Stellenbeschreibung.

Danke an Gunther von S. und Gerhard B. für die Hinweise


 

Edeka: Etikettenschwindel mit Energieeffizienz

„ÖKO“, prangte groß in einem Prospekt, den die Edeka-Tochter Marktkauf kürzlich in Hamburg verteilen ließ. „Sparsam im Verbrauch“ und „A – Energieeffizienz“. Toll, werden sich etliche Kunden gedacht haben, der Preis des Gefrierschranks stimmt auch, da greif ich zu.

edekakaufland_beko1Aber, halt! Insider wissen, dass die Energieeffizienzklasse „A“ bei Kühlgeräten nur Mittelmaß ist. Die von A bis G reichende Skala hatte ihren Sinn, als sie Mitte der neunziger Jahre EU-weit eingeführt wurde. Seitdem aber ist die Technik viel weiter, nur wenige Geräte fallen überhaupt noch in die Klasse B. Schlechtere gibt es praktisch nicht mehr auf dem Markt, 2003 wurden deshalb zusätzlich die Klassen A+ und A++ eingeführt. Der Verbrauch des beworbenen Gefrierschranks Beko FS 210 liegt mit 247 Kilowattstunden denn auch satte 50 Prozent über dem aktueller A++-Geräte. Das angebliche ÖKO“-Produkt ist also in Wahrheit ein Stromfresser und verursacht unnötige CO2-Emissionen.

Als „grünen Etikettenschwindel und irreführend“ bezeichnet deshalb Immo Terborg von der Verbraucherzentrale Hamburg die Werbung. Er hat Edeka/Marktkauf wegen des Prospekts abgemahnt, die Firma gab daraufhin eine Unterlassungserklärung ab. Eine grundsätzliche Lösung der verwirrenden Kennzeichnungspraxis aber ist das nicht. Dabei wäre sie ganz einfach: Die EU könnte die Label-Regeln so ändern, dass sich der jeweils pro Effizienzklasse erlaubte Verbrauch automatisch dem Fortschritt anpasst. Schlechte Geräte würden dann mit der Zeit in der Skala nach unten rutschen. Umwelt- und Verbraucherschützer fordern solche „dynamischen Labels“ seit langem, können sich jedoch nicht durchsetzen. Auf der anderen Seite nämlich macht die Industrie Druck. Für sie sind die veralteten Klassen sehr bequem, denn mit ihr lassen sich selbst Stromverschwender noch mit dem positiv klingenden A-Siegel vermarkten. Eine gründliche Reform wurde Ende 2009 vereitelt, stattdessen wird es künftig noch komplizierter: Wer einen wirklich sparsamen Kühlschrank kaufen will, muss bald nach einem A mit drei Plus-Zeichen Ausschau halten.

Verständlich für Kunden ist dies nicht, und der Umwelt schadet die Unklarheit. Nur Hersteller und Händler ineffizienter Produkte können sich freuen – und natürlich die Energieversorger, die weiterhin schön viel Strom verkaufen können.


 

Bauernpräsident Sonnleitner: Dumm oder dreist?

Am Sonntag ging in Berlin die 75. Grüne Woche zu Ende, die weltgrößte Schau der Ernährungsindustrie. Da waren wieder mal Potemkinsche Öko-Dörfer zu sehen, weil die Realität der Intensivlandwirtschaft die Besucher verstören würde. Um Klimaschutz ging es allenfalls am Rande, dabei ist die Landwirtschaft hierzulande für etwa 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich (weltweit sogar fürs Doppelte). Weil die Massentierhaltung eine der Hauptquellen für klimaschädliches Kohlendioxid, Methan oder Lachgas ist, fordern Experten seit langem weniger Fleischkonsum.

Und was macht Gerd Sonnleitner, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes? Er holt aus zum bewährten Grünfärber-Dreischlag: Aktivität vortäuschen, Ablenken, Leugnen. Auf seiner Pressekonferenz zum Abschluss der Grünen Woche klang das dann so (und das DeutschlandRadio verbreitete es unkommentiert): Die Bauern sorgten etwa dafür, sonnleitner_1

Das einzig Richtige daran ist, dass eine schonende Behandlung der Äcker zu vermehrter Aufnahme von Kohlendioxid führt und dem Klima nützt – doch die Agrarindustrie, für die der DBV steht, geht eben nicht schonend mit den Feldern um. Im übrigen, kritisiert Reinhild Benning vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), wehrt sich der Bauernverband explizit gegen die EU-Bodenschutzrichtlinie.

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Nunja, der Bauernverband arbeitet vor allem an einem Ausbau von Massentierhaltung und Export von Fleisch- und Milchüberschüssen – mit allen ihren negativen Folgen für Umwelt und Tiere. Aber dann der Höhepunkt:

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Bei dieser Argumentation drängt sich die Frage auf, ob Sonnleitner dumm ist oder dreist. Denn selbst wenn man für eine Kuh auf der Weide das Bild des geschlossenen Kreislaufes gelten ließe, sieht die deutsche Agrar-Realität ganz anders aus. Kaum ein Tier nämlich steht auf der Weide (jedenfalls nicht bei konventionellen Bauern), und ausgeblendet wird in Sonnleitners demagogischen Vereinfachung aller Diesel, den Traktoren verbrennen, aller Treibhausgas-Ausstoß aus der energieintensiven Herstellung und Nutzung von Kunstdüngern und Pestiziden – und natürlich die Tatsache, dass mehr als 70 Prozent der eiweißhaltigen Futtermittel aus dem Ausland kommen. Für Futtersoja beispielsweise wurden und werden Regenwälder abgeholzt, mit verheerenden Folgen fürs Weltklima.

Auch hierzulande wurden (unter anderem wegen des Booms bei Energiepflanzen) in den vergangenen Jahren viele ökologisch wertvolle Wiesenflächen („Grünland“) umgepflügt und in Mais- oder Getreideäcker verwandelt. „Das verursacht erhebliche CO2-Emissionen“, erklärt BUND-Agrarexpertin Benning. Und ausgerechnet Sonnleitner habe sich dafür eingesetzt, dass das sogenannte Grünlandumbruchverbot aufgeweicht wurde.

„Der Verzicht auf Fleisch und die Reduktion tierischer Lebensmittel an unserer täglichen Kalorienzufuhr bilden das größte Potential für den Klimaschutz bei unserer Ernährung“, betont Benning. Um mehr als 40 Prozent lässt sich dadurch der Treibhausgas-Ausstoßes senken. Doch Sonnleitner biegt sich die Realität zurechtnicht zum ersten Mal übrigens: Vor mehr als einem Jahr wies ihn der Vizepräsident des Umweltbundesamt in einem persönlichen Brief darauf hin. Genützt hat es offensichtlicht nichts.

Danke an Gergely R. für den Hinweis


 

Focus: Fakten, Fakten, Fakten??

Die Erderwärmung hat für Journalisten einen großen Nachteil: Während Themen wie Arbeitslosigkeit oder politische Stimmung durch ihr Auf und Ab laufend Nachrichtenstoff liefern, geht es beim Klima im Großen und Ganzen in die gleiche Richtung, seit der Mensch seine Finger im Spiel hat. Schlagzeilen und Auflage aber macht man bekanntlich eher mit Neuigkeiten.

Und so hat der Focus (Werbeslogan: „Fakten, Fakten, Fakten“) diese Woche – passenderweise ist das Wetter grad ziemlich kalt – eine drohende „Kalt-Zeit“ auf den Titel gehievt. In waschechtem Klimaskeptiker-Jargon steht da:

Das macht neugierig und reizt vermutlich wirklich viele Kunden zum Kauf. Aber das Fragezeichen am Ende der knalligen Schlagzeile sollte einen schon stutzig machen.

Über mehrere Seiten breitet das Münchner Nachrichtenmagazin aus, dass es in den vergangenen Monaten eine ungewöhnlich lange Phase ohne Sonnenflecken gab und angeblich einen Stillstand bei der Erderwärmung. Da werden Experten  zitiert, die schon immer der Ansicht waren, die Sonne und nicht der Mensch sei der bestimmende Faktor für das Erdklima: Horst Malberg etwa, Ex-Direktor des Instituts für Meteorologie der FU Berlin, der inzwischen nicht mehr unter deren Namen publizieren darf, Horst-Joachim Lüdecke vom klimaleugnerischen  Europäischen Institut für Klima und Energie e.V. – EIKE (offizielles Motto: „Nicht das Klima ist bedroht, sondern unsere Freiheit!“) oder Khabibullo Abdusamatow, Astronom am Observatorium von St. Petersburg.

Doch der gesamte Text wirkt, als glaube Focus-Autor Michael Odenwald den drei Experten selbst nicht. Zu Recht: Natürlich bestimmt die Sonne das Erdklima mit, aber längst ist erwiesen, dass ihr Einfluss auf den derzeitigen Klimawandel deutlich kleiner ist als die vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen. Der Focus lässt dann auch mehrere Experten zu Wort kommen, die diese von der großen Mehrheit der Sonnen- und Klimaforscher geteilte Sicht erklären: „Die fleckenlosen Perioden sind zu kurz, um signifikant auf das Erdklima zu wirken“, sagt etwa Wolfgang Schmidt vom Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg. „Die Strahlungswirkung der Treibhausgase ist inzwischen um ein Mehrfaches stärker“, resümiert Manfred Schüssler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Eine Grafik am Rande des Artikels zeigt denn auch, wie in den letzten Jahrzehnten die Erdtemperatur kräftig steigt – bei gleichzeitig sinkender Sonnenhelligkeit.

Kurz gesagt: Die Sache mit der Sonne ist eigentlich ein alter Hut, und das weiß auch der Focus-Autor. Doch in der Top Ten der beliebtesten Klimaskeptiker-Argumente der BBC rangiert diese „Theorie“ auf Rang 6.

Und auch die Behauptung, der Klimawandel stagniere, entkräftet der Focus schließlich selbst. Zwar fragt die Redaktion im Inhaltsverzeichnis noch: „Legt die Erderwärmung nur eine Pause ein, oder droht gar eine globale Abkühlung?“ Im Artikel aber wird dann mit Stefan Rahmstorf ein Klimaforscher zitiert, der eine dritte – und wahrscheinlich zutreffende – These vertritt: Dass nämlich von einer Pause keine Rede sein kann, weil der geringere Temperaturanstieg der letzten paar Jahre im Bereich natürlicher Schwankungen liege. 2009 war nach den vorläufigen Daten das fünftwärmste Jahr seit Beginn der Messungen, 2010 könnte nach einer Prognose des britischen Hadley Centers sogar noch heißer werden als das bisherige Rekordjahr 1998.

Ganz am Ende des Artikels – aber eben erst dort – kommt dann der endgültige  Storykiller: Die Sonne habe sich kurz vor Weihnachten (also Wochen vor Redaktionsschluss des Heftes) „eindrucksvoll“ zurückgemeldet, es kam zu einer „mächtigen Eruption“. Zum Jahresende tauchten dann auch wieder Sonnenflecken auf – die inzwischen kräftig gewachsen sind. Auf dem Cover steht trotzdem noch etwas von „fehlender Sonnenaktivität“.

Die sensationsheischende Frage des „Nachrichtenmagazins“, ob die Klimakatastrophe ausfalle, lässt sich also kurz und bündig beantworten: Leider nein!

P.S.: Die NASA hat gerade die Temperaturdaten für 2009 analysiert – es war das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, auf der Südhalbkugel gar das wärmste überhaupt.


 

Wie grün sind Flexstrom, Vattenfall & Co.?

Na, auch mit guten Vorsätzen ins Neue Jahr gestartet? Etwa mit dem, endlich zu Ökostrom zu wechseln? Prima! Blöderweise gibt es inzwischen eine schier unüberschaubare Vielfalt von Anbietern.

Verbraucherportale wie Verivox haben darauf mit Vergleichsrechnern ausschließlich für Ökostrom reagiert. An erster Stelle rangieren dort weithin unbekannte Anbieter – aber nicht wegen besonders grüner Elektrizität, sondern wegen niedriger Preise. Zum „Discountpreis“ tritt etwa Stromio an:

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Diese Information zur Herkunft ist wenig erhellend. Denn RECS-Zertifikate allein sagen nichts über die Qualität des Ökostroms. Häufig stammt er aus uralten Wasserkraftanlagen irgendwo in Europa, er wird nun lediglich aus dem üblichen Energiemix ausgegliedert und – meist mit Aufschlag – an öko-bewusste Kunden verkauft. Umweltschützer kritisieren das RECS-System seit langem, denn man kann dreckigen Kohlestrom damit grün etikettieren, und bisweilen scheint RECS vor allem den Gewinnen der Stromanbieter zu nützen. Experten bewerten die Güte von Ökostrom danach, ob es einen „zusätzlichen Umweltnutzen“ gibt – ob also der Wechsel von Kunden dazu führt, dass wirklich neue Anlagen gebaut werden.

Das aber ist schwer herauszufinden, die Suche eines guten Anbieters gleicht deshalb einer mühsamen Odyssee. Auf der Website von Envacom etwa finden sich überhaupt keine Detailinformationen zur Stromherkunft. Und ein Anruf beim Kundentelefon verläuft bizarr: Man liefere Sonnen-, Wind- und Wasserkraft und zwar aus der Schweiz, sagt eine freundliche Frauenstimme, und, „ja, das müssten Neuanlagen sein“. Auf Nachfragen schaltet sie mehrfach die Wartemusik an und macht sich kundig. Am Ende heißt es, der Strom stamme größtenteils aus österreichischer Wasserkraft und nicht aus Neuanlagen – weiteres erfahre man auf der RECS-Website, so die abwimmelnde Antwort. Dort aber gibt es nur allgemeine Informationen zur Zertifizierung und natürlich nicht zum Envacom-Strom. Billig-Konkurrent Flexstrom verspricht einen „wertvollen Beitrag zum Klimaschutz“ („garantiert zertifiziert“) – doch bezieht auch er bloß RECS-Strom aus bestehenden Wasser- und Windkraftanlagen in Skandinavien. Mit niedlichen Affenbildchen und einem Regenwaldprojekt von Costa Rica versucht man hier die Kunden zu beeindrucken.

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Nachfragen zur Stromherkunft oder dazu, wieviel Geld genau in den Schutz des Regenwald fließt, wollte die Flexstrom-Hotline nicht beantworten. Auf die erbetene E-Mail kam lediglich ein Formbrief zurück: „Wenn Sie Ihre Vertragsnummer nicht angeben, kann Ihre Anfrage leider nicht bearbeitet werden und wird automatisch nach 2 Wochen geloescht.“ Aha.

Orientierung in diesem Dschungel versprechen Tarif-Gütesiegel, das wohl wichtigste heißt „o.k. power“ und wird unter anderem vom Umweltverband WWF getragen. Anbieter mit diesem Siegel müssen beispielsweise nachweisen, dass ein Drittel ihres Ökostroms aus Anlagen stammt, die nicht älter als sechs Jahre sind. Fein! Aber auch hier wundert sich der Kunde, denn an erster Stelle im Preisvergleich rangiert ausgerechnet Vattenfall.

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Nach dem Atom- und Kohlegiganten folgen etliche Stadtwerke und Kleinanbieter. Ihnen allen bescheinigt das Siegel, auf die eine oder andere Art Neuanlagen zu fördern. Und paradoxerweise ist das für Firmen wie Vattenfall besonders einfach: Die Stromriesen haben die Energiewende geradezu verschlafen, bei Vattenfall kommt hierzulande bisher nur etwa ein Prozent des Stroms aus neuen Windkraftanlagen (und drei Viertel aus der besonders dreckigen Braunkohle). In seiner Heimat Skandinavien baut Vattenfall seit langem Wasser- und Windkraftanlagen, und wegen des großen Nachholbedarfs muss der Konzern in Deutschland sowieso Milliardensummen in Ökostrom investieren – da kann er das schmückende o.k.-Gütesiegel quasi nebenher mitnehmen.

Dieses Dilemma kennen viele umweltbewusste Verbraucher: Der Smart von Daimler mag ja korrekt sein – aber der Konzern ist auch ein Waffenlieferant. Siemens hat energiesparende Haushaltsgeräte – aber baut auch Atomkraftwerke. Neuerdings gibt es Biomilch bei Lidl – doch die Discounterkette ist für ihren rüden Umgang mit Beschäftigten bekannt. Bei Ökostrom rät deshalb ein Bündnis von 21 Umweltverbänden wirklich öko-bewussten Verbrauchern, nicht nur auf Preis und Herkunft zu gucken, sondern auch auf den Lieferanten – und empfiehlt die unabhängigen Anbieter Lichtblick, Greenpeace Energy, EWS und Naturstrom. Denn auch wenn an Vattenfalls „Easy Natur Privatstrom“ direkt wenig auszusetzen sein mag, könnten die Gewinne daraus doch in neue Atom- oder Kohlekraftwerke fließen.

Danke an Manfred S. und Magdalena S. für die Hinweise


 

Linkspartei: Klimaheuchelnd ins Neue Jahr

Jahreswechsel sind bekanntlich Gelegenheiten für besinnliche Rückblicke und gute Vorsätze. Dementsprechend hat die Berliner Zeitung in ihrer Neujahrsausgabe den Ministerinnen und Ministern der neuen Brandenburger Landesregierung einen kleinen Fragebogen vorgelegt. Worüber sie sich denn 2009 am meisten geärgert hätten, sollten die Politiker von SPD und Linkspartei dort aufschreiben. linkspartei_berlztg1„Ärgernisse vergesse ich meist schnell“, antwortete etwa Finanzminister Helmuth Markov (Die Linke). „Nur nicht die Scheinheiligkeit der Bundesregierung zum Einsatz in Afghanistan.“ Und seinen Genossen Justizminister Volkmar Schöneburg wurmte im vergangenen Jahr am meisten „das dürftige Ergebnis der Weltklimakonferenz“.

Nunja, bei den Worten „Scheinheiligkeit“ und „dürftiges Ergebnis“ fällt Klimaschützern in Brandenburg vor allem die Linkspartei selbst ein: Im vergangenen Jahr nämlich hatte sie ein Volksbegehren gegen neue Braunkohletagebaue unterstützt, die Vattenfall in Brandenburg plant. In den Wahlkampf zog die Linkspartei dann – siehe Seite 13 des Wahlprogramms – mit dem Slogan: „Keine neuen Tagebaue!“ Wörtlich hieß es dort: „Der Abbau der Braunkohle schädigt den Grundwasserhaushalt für Jahrhunderte, ihre Verbrennung ist energetisch wenig effektiv und beschleunigt den Klimawandel durch den Ausstoß von Millionen Tonnen Kohlendioxid.“

Wohl wahr. Was aber passierte, als die Linkspartei nach der Wahl Gelegenheit zur Regierungsbeteiligung bekam? Genau, sie stimmte einem Koalitionsvertrag mit der Brandenburger Braunkohle-SPD zu – der natürlich nicht den zügigen Ausstieg aus diesem klimaschädlichen Brennstoff festschreibt, die versprochene Energiewende vollzieht, neue Tagebaue verhindert oder Vattenfalls CCS-Alibiforschung stoppt. Der schwedische Staatskonzern darf deshalb auch in den kommenden Jahrzehnten in Brandenburg Milliardenprofite einfahren – auf Kosten der Umwelt, der Tagebauvertriebenen und natürlich auf Kosten des Weltklimas.

Maliziös fragten die Kollegen der Berliner Zeitung noch: „Was ist Ihr persönlicher Beitrag zur Rettung des Weltklimas?“ Zugegeben, auch von Sozialdemokraten kamen schräge Antworten, Ministerpräsident Matthias Platzeck etwa will „kalt duschen“. Aber die SPD hatte im Wahlkampf zumindest nie einen Hehl daraus gemacht, dass in Brandenburg unter ihr einige der größten Kohlendioxid-Schleudern Europas weiterlaufen dürfen. Die Antworten der Linkspartei dagegen sind angesichts ihres klimapolitischen Wortbruchs pure Heuchelei. Umweltministerin Anita Tack:

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Ja, ja, sie verspricht zu kämpfen – hat aber längst verloren. Die anderen Minister der Ex-PDS bleiben deshalb gleich im Privaten: Finanzminister Markov verweist auf sein Solardach und eine Holzheizung, Justizminister Schöneburg will „am Wochenende auf das Auto verzichten“. Die Solaranlage des Finanzspezialisten Markov dürfte (neben dem unbestrittenen Umweltnutzen) für ihn privat ein hübsches Geschäft sein. Und der Autoverzicht von Justizminister Schöneburg brächte hochgerechnet (fünf Jahre Amtszeit, 52 Wochenende pro Jahr, 250 km pro Wochenende, durchschnittlicher CO2-Ausstoß ca. 160 Gramm pro km) insgesamt gut zehn Tonnen Kohlendioxid-Einsparung. Dagegen stößt allein das Vattenfall-Kraftwerk Jänschwalde, das dank der Umfaller von der Linkspartei noch weit über das Jahr 2020 laufen wird, jährlich mehr als 20 MILLIONEN Tonnen des Klimagases aus.

Politiker sollten lieber gute Politik machen, statt ihr Privatleben klimaschützerisch zu optimieren.


 

Mitmachen: Verbraucherschützer vs. Grünfärber

Was man lange ahnen konnte, ist nun belegt: Klima-Werbung verwirrt die Konsumenten. Der Verbraucherzentralen-Bundesverband (vzbv) hat gut 1.100 repräsentativ ausgewählte Personen befragen lassen, was sie denn unter „klimaneutral“ und „klimafreundlich“ verstehen. Ergebnis: die Begriffe führen „Verbraucher hinters Licht“. Der vzbv hat deshalb eine Website geschaltet, auf der jedermann und jedefrau zweifelhafte Klimawerbung melden kann – sie wird dann rechtlich geprüft und die entsprechende Firma im Zweifelsfall abgemahnt. vzbv_kl(Über besonders „schöne“ Fälle werden wir auch auf diesem Blog berichten.)

Die Grünfärber in Industrie und Werbeagenturen können sich angesichts der Umfrage-Ergebnisse jedenfalls die Hände reiben. Ihre Werbeslogans klingen prima – aber kaum ein Verbraucher weiß, was sie bedeuten. Fast 30 Prozent der Befragten hatte keine Ahnung, was „klimafreundlich“ heißt. Gut zehn Prozent glaubten gar, „klimafreundliche“ Produkte belasteten das Klima überhaupt nicht. In der Realität dagegen pappt dieses Wort so ziemlich auf allem, was auch nur ein kleines bisschen weniger klimaschädlich ist als der Durchschnitt.

Besonders erfolgreich sind in der Vergangenheit offenbar die Greenwashing-Mühen der Autolobby gewesen. Auf die Frage, welche Produkte Konsumenten denn mit dem Begriff „klimafreundlich“ verbinden, lautete die zweithäufigste Antwort „neue Autos“ (elf Prozent). Auch Fluggesellschaften und Stromkonzerne haben ganze Arbeit geleistet – ihre miese Klimabilanz fällt kaum einem Verbraucher auf. Jedenfalls bezeichneten bloße vier Prozent der Befragten Flugzeuge als „nicht klimafreundlich“ (die häufigste Antwort mit über 20 Prozent lautete: „alte Autos/Lkw, Busse, Motorräder“) – dabei ist Fliegen die klimaschädlichste Art der Fortbewegung überhaupt. Und Kohlekraftwerke wurden lediglich von sieben Prozent der Verbraucher als „nicht klimafreundlich“ genannt – dabei ist die Kohleverstromung hierzulande für viel mehr Kohlendioxid verantwortlich als alle „alten Autos“.

„Mehr Transparenz“, fordert deshalb vzbv-Chef Gerd Billen. „Erforderlich sind verbindliche Standards für Werbung mit Klimaschutzargumenten.“ Das ist doch ein schöner Wunsch fürs Neue Jahr!

Apropos: Unseren Leserinnen und Lesern (und ganz besonders allen unseren Hinweisgebern) danken wir für das Interesse im vergangenen Jahr und wünschen alles Gute für 2010!


 

RWE: Kohle + Kohle = Klimaschutz

Wie so viele andere Firmen wollte auch RWE sich die Chance nicht entgehen lassen, den Klimagipfel von Kopenhagen für Imagewerbung zu nutzen. Und weil der Essener Konzern so superkreative Werber hat, kam genau das Motiv heraus, was einem als erstes bei den Stichworten „Kopenhagen“ und „Umwelt“ einfällt: Die kleine Meerjungfrau aus dem Kopenhagener Hafen hält eine Erde in der Hand. In der aktuellen ZEIT ist das Motiv beispielsweise zu finden.

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Im Text der Annonce schmückt sich RWE damit, weltweit ganz, ganz viele Klimaprojekte durchzuführen,

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In Sambia, heißt es weiter, bekämen 30.000 Haushalte dank RWE effizientere Kocher, damit im Land weniger Bäume abgeholzt werden müssen. Toll!

Doch nicht aus purer Menschenfreundlichkeit betreibt RWE solche Projekte, sondern weil der Konzern sich die anderswo erbrachten CO2-Einsparungen zuhause auf die Klimabilanz anrechnen lassen kann. „Clean Development Mechanism“ (CDM) heißt das Prinzip. Es wurde im Rahmen des Kyoto-Protokoll eingeführt und erlaubt eine Art weltweiten Emissionshandel: Seit 2005 müssen Kraftwerksbetreiber in Europa bekanntlich so viele CO2-Zertifikate vorweisen, wie ihre Anlagen jährlich ausstoßen. Den größten Teil bekommen sie bisher geschenkt – aber weil RWE besonders ineffiziente Braunkohlekraftwerke betreibt, muss der Konzern etwa ein Drittel der benötigten Zertifikate zukaufen. Und eine besonders preiswerte Möglichkeit sind CDM-Projekt im Ausland. Rund 40 Mitarbeiter kümmern sich in der Essener Konzernzentrale allein um die Zertifikatebeschaffung, satte 1,1 Milliarden Euro musste RWE dafür nach eigenen Angaben im Jahr 2008 ausgeben.

Unter Umweltschützern aber wird der „Clean Development Mechanism“ heftig kritisiert. Denn ob die CO2-Sparmaßnahmen in fernen Ländern wie Sambia wirklich stattfinden, lässt sich schwer kontrollieren. Viele Projekte, das ergab vor zwei Jahren eine Studie im Auftrag des WWF, wären auch ganz ohne Zutun von Konzernen wie RWE gestartet. Friends of the Earth nennt CDM eine „gefährliche Ablenkung“: Durch billige Maßnahmen in den Entwicklungsländern könnten sich nämlich die Industriestaaten zu lange darum drücken, ihre eigene Wirtschaft auf CO2-arme Gleise zu setzen.

Ein besonders bizarres Projekt hat die Organisation CDM-Watch anlässlich des Klimagipfels bekanntgemacht: In der chinesischen Stadt Ningbo (Distrikt Beilun, Provinz Zhejiang) beteiligt sich RWE am Bau eines Kohlekraftwerks. Weil es technisch auf dem neuesten Stand sei, würden dadurch mehr als 460.000 Tonnen CO2 pro Jahr gespart, heißt es in den Projektunterlagen, die beim UN-Klimasekretariat zur Anerkennung eingereicht wurden. Laut CDM-Watch aber wäre das Kraftwerk sowieso gebaut worden. Eine reale CO2-Einsparung bedeutet es ohnehin nicht, denn es ist ja ein neues Kraftwerk, das den steigenden Energiebedarf Chinas decken soll. Doch RWE will Zertifikate aus diesem Projekt als CO2-Minderung in Europa anrechnen lassen, für sein neues Riesenkraftwerk in Neurath etwa bräuchte der Konzern dann weniger Zertifikate hierzulande teuer einkaufen. Im Klartext: RWE investiert in China in ein Kohlekraftwerk und kann damit Kohlekraftwerke in Deutschland verbilligen. Genial, oder?

Nun versteht man auch, warum sich RWE so für den UN-Klimagipfel interessiert – und warum der Konzern CDM-Projekte in einem neuen Klimaabkommen verankert wissen will.

rwe_kopenhagen_zitRWE-Chef Jürgen Großmann fordert das nicht nur auf der Firmenwebsite, sondern reiste auch höchstpersönlich nach Kopenhagen. Er würde gern alle Klimapflichten ins Ausland verlagern dürfen, auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangt einen „Ausbau“ der CDM-Projekte. Wieso, erklärt bündig Wolfgang Sterk vom Wuppertal Institut: „CDM ist kein Instrument für den Klimaschutz, sondern zur Senkung der Kosten für die Industrieländer. Für die Atmosphäre ist der Mechanismus bestenfalls ein Nullsummenspiel.“


 

Vattenfall: Makabres Spielchen in Kopenhagen

Seit einer Woche tagt in Kopenhagen der UN-Klimagipfel; parallel dazu findet auf dem Rathausplatz der dänischen Hauptstadt „Hopenhagen LIVE“ statt, eine Art Weihnachtskirmes von Umweltfirmen – oder solchen, die dafür gehalten werden wollen. vattenfall_hopenhagenBesonders imposant ist der Auftritt am frühen Abend, wenn eine riesige, erleuchtete Erdkugel über dem Markt schwebt – darauf die Logos von Sponsoren wie Siemens oder auch Vattenfall.

„Ich weiß schon, dass Vattenfalls Ruf in Deutschland nicht unbedingt der beste ist“, sagt Andrine Nordby, die das schwedische Staatsunternehmen dort vertritt. „In Skandinavien ist der Ruf viel besser.“ Wie das kommt, lässt sich in „Hopenhagen“ besichtigen. Vattenfall schmückt sich dort mit Designprojekten – und natürlich nicht damit, dass das Unternehmen in Brandenburg ganze Dörfer umsiedeln lässt, um Klimakiller wie das Kraftwerk Jänschwalde mit Kohle zu versorgen, und auch nicht mit dem umstrittenen Neubauprojekt in Hamburg-Moorburg.

„Vattenfall hat mir die künstlerische Freiheit gegeben, die ich für mein Projekt benötigte“, sagt Ejvind Chang. Dass der Energiekonzern nach Greenpeace-Berechnungen mit einem CO2-Ausstoß von knapp 900 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde „Deutschlands klimaschädlichster Stromanbieter“ ist, davon hat der junge Designer noch nie gehört. Seine und die Arbeit vier anderer Studenten der dänischen Designschule werden hier ausgestellt. In spielerischen Filmen werden Begriffe aus dem Bereich Klimaschutz „kreativ“ verarbeitet – so greift in einem Film ein „Klimasuperheld“ immer dann ein, wenn etwa Glühbirnen zu lange brennen.

„Unser Konzern möchte Leute auf eine spaßorientierte und kreative Weise zum Klimaschutz bewegen“, erklärt Andrine Nordby. Und einen ganz besonderen „Spaß“ bietet Vattenfall in seinem Ausstellungswagen auf dem Weihnachtsmarkt tatsächlich: Per Knopfdruck können Besucher auf einem großen Bildschirm den Wasserstand in verschiedenen Küstenstädten um eine beliebige Anzahl von Metern steigen lassen. Die Simulation zeigt exakt, welche Straßen überschwemmt werden. „Man kann gucken, ob man überlebt“, frohlockt Andrine Nordby.

Echt lustig.

Wieviele Menschen den Klimawandel der nächsten Jahrzehnte überleben, wird nämlich auch davon abhängen, wann Vattenfall endlich seine dreckigen Kohlekraftwerke abschaltet.


 

Klimagipfel Kopenhagen: Versager als Sponsoren

COP15_LOGO_web_shAls „wichtigste Konferenz seit dem zweiten Weltkrieg“ hat der britische Regierungsberater Sir Nicholas Stern den UN-Klimagipfel in Kopenhagen bezeichnet. Für Mark Grundy ist es „die weltgrößte Gelegenheit fürs Klimamarketing in den nächsten vier Jahren – mindestens“. Grundy ist PR-Berater bei der weltweit agierenden Agentur Edelman, und bereits im Oktober 2008 riet er seinen Kunden, in Kopenhagen präsent zu sein, um im „grünen Image-Krieg“ zu punkten.

Die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Volvo und Honda haben – bewusst oder unbewusst – seinen Rat befolgt. Sie können sich nun schmücken, „Sponsor“ der Konferenz zu sein. Ja, richtig: Automarken dürfen bei der UN-Konferenz zur Rettung der Welt als Sponsoren auftreten! Was sie dafür tun müssen? Ganz einfach, sie brauchten dem Gastgeber, dem dänischen Außenministerium, bloß ein paar Limousinen zur Verfügung stellen.

Natürlich fahren Marketingprofis nicht irgendwelche Fahrzeuge  bei einer Klimakonferenz auf. Vielmehr repräsentieren die Autos „eine breite Spanne der Wege, wie die Sponsoren die Klima-Herausforderung angehen“, so die Konferenzwebsite. Die Volvos zum Beispiel werden mit Stroh-Sprit betankt, der aus einer gerade fertig gestellten Fabrik für Bioethanol der zweiten Generation nahe Kopenhagen stammt. Honda spendiert sein Hybridauto „Insight“, und BMW führt seinen „Hydrogen 7“ vor (den der Spiegel einmal einen „grünen Schluckspecht“ nannte – und den neuesten Meldungen zufolge auch der Konzern selbst als Irrweg erkannt hat). Mercedes schließlich hat Brennstoffzellen-Fahrzeuge nach Kopenhagen bringen lassen, die an der jüngst eröffneten ersten Wasserstoff-Tankstelle Dänemarks tanken – und darüber hinaus zehn Mercedes-Benz S 420 CDI Guard, „das erste in Serie produzierte gepanzerte Auto mit Dieselmotor“ (280 Gramm CO2/Kilometer).

Mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen bemüht sich die dänische Regierung, den Gipfel so „grün“ wie möglich zu gestalten. Doch, so heißt es, bei der Auswahl von Fahrzeugen, die den Sicherheitsstandards der Staatsgäste entsprächen, seien dem Gastgeber weitgehend die Hände gebunden gewesen.

Wirkliche Klimaschützer sind die vier Autokonzerne jedenfalls nicht. Im wahren Leben, also jenseits ihrer Vorzeigelimousinen, ist die Klimabilanz nämlich lausig. Mercedes-Neuwagen beispielsweise stoßen (im Durchschnitt der 2008 in Deutschland verkauften Neuwagen) satte 188,7 Gramm CO2 pro Kilometer aus, bei Volvo sind es 186,6 Gramm. BMW kommt immerhin auf 160,2 Gramm, Honda liegt bei 154 Gramm. Bei der Erfüllung ihres vor gut zehn Jahren selbstgesetzten Zieles, nämlich bis 2008 den Ausstoß ihrer gesamten Neuwagenflotte auf  140 Gramm CO2 pro Kilometer zu senken, haben sie alle versagt.

Mit der gleichen Logik könnte sich die Weltgesundheitsorganisation WHO von Tabakriesen sponsern lassen – sofern diese auch ein paar Light-Zigaretten im Programm haben.