wibo: Täuschend echte Effizienz

Es ist vielleicht gerade heute bei 34 Grad im Schatten das falsche Thema: Die Hamburger Firma wibo wirbt für die „neue Wärme-Effizienz-Heizung“. Es geht um Elektroheizungen per Postwurf

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und um „heimelige Atmosphäre auf Knopfdruck“: Das „täuschend echte Flammenspiel – brandneu entwickelt“ ist die „erste elektrische Kamin-Serie mit Wärme-Effizienz-System“:

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Die Geräte sind „Partner der Energiewende“, wie das Siegel rechts unten in der Ecke verrät, sie sind „eco Systems Niedrigenergie“ und vor allem zeichnen sie sich aus durch

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„Jetzt von den Sommer-Angeboten profitieren“, rät die Firma wibo. Besser nicht, raten wir: Heizen mit Strom ist extrem ineffizient und obendrein teuer. Verbraucherzentralen warnen deshalb seit Langem vor der Anschaffung solcher Geräte. Und weil der Strom natürlich nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern hierzulande immer noch vor allem aus Kohlekraftwerken, sind Elektroheizungen und -kamine alles andere als „Partner der Energiewende“.

Laut einer Studie des Instituts für Zukunftsenergiesysteme (IZES) verursachen Elektroheizungen 3,6-mal mehr Treibhausgase als moderne Gasbrennwertheizungen und 13-mal mehr als Holzpelletheizungen. In Deutschland sind sie für den Ausstoß von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich, das sind mehr als drei Prozent der gesamten bundesdeutschen Emissionen.

Früher hieß es in den wibo-Postwurfsendungen, die Öfen sorgten für „CO2-freie“ Wärme. Heute werben die Elektroheizer mit dem Slogan:

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Der Bund der Energieverbraucher hatte 2004 geurteilt: „Eine Stromheizung als wirtschaftlich und umweltschonend anzupreisen stellt nach Auffassung des Bundes der Energieverbraucher eine Irreführung von Verbrauchern dar.“ Aus diesem Grund hat der Verbraucherverband einen bayerischen Hersteller abgemahnt, der daraufhin seine Werbebroschüren ändern musste.

Bund der Engieverbraucher: Bitte übernehmen!

PS: Die auf der Werbung verwendeten Siegel „eco Systems Niedrigenergie“, „Wärme-Effizienz-Heizung“ und „Partner der Energiewende“ gibt es nur bei wibo. Und als „Partner der Energiewende“ sieht sich auch die deutsche Steinkohlenwirtschaft.

Danke an Michael M. aus Lechbruck am See für den Hinweis


 

Handelsblatt: Die falsche Umlage

„Deutschlands Wirtschafts- und Finanzzeitung“ – wie das Handelsblatt in seinem Untertitel heißt – hat die Woche mit folgender Top-Story eröffnet:

Das Handelsblatt schreibt: „Die Kosten der Energiewende belaufen sich für die Stromkunden auf 28 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden zahlt somit 270 Euro im Jahr für die Umsetzung der Energiewende. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für das Handelsblatt.“

Das Instituts der deutschen Wirtschaft? Die hatten wir doch im Februar 2013 schon einmal mit dem Strompreis auf dem Klima-Lügendetektor! Damals hatte das IW getitelt: „Die steigenden Strompreise machen nicht nur den privaten Haushalten immer mehr zu schaffen, sondern auch den Industrieunternehmen. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) schadet diese Entwicklung dem Industriestandort Deutschland.“

Konzentrieren wir uns aber auf den Handelsblatt-Aufmacher! Auf Seite 5 wird die Rechnung der Energiewende präsentiert. „Sehr geehrter Stromverbraucher“, heißt es da recht plakativ, „auf Basis der Energiewende erhalten Sie folgende Rechnung“. Es folgt die Kostenaufstellung pro Haushalt im Jahr:

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Leider unterläuft den Kollegen dabei ein Fehler. Und mindestens drei Ungenauigkeiten.

Sie legen die Gesamtkosten nämlich – der Fehler – auf die Haushalte „in Euro und Jahr“ um. Nach Ermittlung des Umweltbundesamtes gehen auf das Konto der Privathaushalte aber nur 26,9 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland.  Im Jahr 2013 waren das 138 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie. Statt die „Gesamtkosten in Mio. Euro im Jahr“ auf 21.066 zu taxieren, hätten dort also nur knapp 27 Prozent auftauchen dürfen – 5.688 Millionen.

Den Großteil des Stromes verbraucht in Deutschland die Wirtschaft. Zwar sind die größeren Konzerne von der EEG-Umlage ausgenommen. Aber es macht eben die Masse der Klein- und Mittelständler, denen das Handelsblatt die Rechnung schicken müsste. Und weil die gesamten Umlagen, die das Handelsblatt in seiner präsentierten Kostenaufstellung immer zu 100 Prozent auf die Haushalte umlegt, wird die Rechnung glatter Humbug!

Zudem drei Ungenauigkeiten: Erstens machen die Erneuerbaren den Strom nicht teurer, sondern billiger. Wegen des sogenannten Merit-Order-Effekts sorgt der Ausbau der Erneuerbaren dafür, dass an der Stromhandelsbörse die Kilowattstunde für Großkunden Schritt für Schritt billiger wurde. Während die meisten von uns um die 28 Cent für eine Kilowattstunde bezahlen, kostet diese am Terminmarkt nur noch 3,5 Cent. Das Handelsblatt hat seine Leser leider nicht darüber aufgeklärt, wer sich den beträchtlichen Gewinn einstreicht.

Zweitens gehört es zu guter Wirtschaftsberichterstattung, die Gesamtrechnung aufzumachen. „Die Zusatzkosten der konventionellen Energieträger waren im Jahr 2014 deutlich teurer als die Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG“, heißt es in einer Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Unter Zusatzkosten von Kohle- und Atomstrom subsumieren die Experten „seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang staatliche Förderungen in Form von Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und weiteren begünstigenden  Rahmenbedingungen“. Auf 40 Milliarden Euro addierte sich das 2014, also deutlich mehr als die 28 Milliarden Euro in der Handelsblatt-Titelstory. Die Erneuerbaren kommen uns also ganz schön billig.

Dritte Ungenauigkeit: Das Öko-Institut hat untersucht, was die Haupttreiber beim Strompreis sind. Ergebnis: Allein die Einkaufskosten für Kohle, Uran, Erdgas und Co – die sogenannten Brennstoff-Kosten – verteuerten den Strompreis in den letzten zehn Jahren in Deutschland um um sieben Cent pro Kilowattstunde. Die EEG-Umlage ist lediglich auf 6,17 Cent gestiegen. Aber das lässt das Handelsblatt unerwähnt.

Vielen Dank an Matthias B. aus Berlin für den Hinweis


 

Aus dem Fundus (II): Das Murmeltier Formel 1

Zum 10. Rennen der diesjährigen Formel-1-Saison: Beim langweiligsten Sportereignis der Welt steht Mercedes längst als Saisonsieger fest. Als Bleifuß-Sieger wohlgemerkt: Vor fünf Jahren fragte sich der Klima-Lügendetektor, was wohl aus der fünf Jahre alten Ankündigung geworden ist, „klimafreundlicher“ über die Rennstrecken zu brettern. Fünf Jahre nach der Fünfjahresbilanz liest sich die Bilanz erfrischend aufschlussreich. Lesen Sie mal den Text vom Juli 2010:

 

Eine „bahnbrechende“ Nachricht ist zu vermelden: Die Formel 1 wird grün! Dies ist kein Witz, sondern ein Zitat. Als „ground-breaking“ bezeichnet der Verband der Formel-1-Teams, FOTA, seine Bemühungen zur Minderung des eigenen Kohlendioxid-Ausstoßes. Um 12,4 Prozent will er innerhalb der nächsten drei Jahre die Emissionen senken. formel1_mclarenMartin Whitmarsh, FOTA-Vorsitzender und Chef des Vodafone-McLaren-Mercedes-Teams, erklärte wörtlich: „Ich bin entzückt, dass unser Sport eine weltweite Führerschaft in Sachen Umwelt einnimmt.“

Nun, weltweit führend sind die Formel-1-Wagen wirklich. Bei Spritverbrauch und CO2-Ausstoß nämlich. Die Fahrzeuge schlucken gern mal hundert Liter Sprit auf hundert Kilometer. Und mit CO2-Werten von anderthalb Kilogramm pro gefahrenem Kilometer liegen die Boliden etwa beim Zehnfachen eines deutschen Durchschnitts-Pkw. Da ist tatsächlich jede Menge Raum für Emissionsminderungen – um weit mehr als 12,4 Prozent.

Doch diese Zahl, so zeigt ein genauer Blick, bezieht sich gar nicht auf den Kohlendioxid-Ausstoß der Rennautos. Der Umweltreport, den sich FOTA von der britischen Beratungsfirma Trucost hat schreiben lassen, blickt auch auf indirekte Emissionen, etwa durch Flugreisen der Teams oder die Herstellung der Auto-Komponenten (unberücksichtigt bleiben hingegen viele andere Emissionsquellen, etwa die Anreise der Millionen Zuschauer zu den Rennen). Im Jahr 2009, so jedenfalls das Ergebnis, habe die Formel 1 exakt 215.588 Tonnen Kohlendioxid verursacht. Was etwa den Emissionen einer deutschen Kleinstadt entspricht.

Der größte Umweltschaden der Rennliga ist aber ein ganz anderer: Die Formel 1 vermittelt ein Autoverständnis, das Raserei und PS-Wettrüsten frönt und durch die Dekoration mit halbnackten Frauen erotisch auflädt – zig Millionen Macho-Männer eifern dem dann weltweit Tag für Tag nach. Dass dies nicht mehr recht in die Zeit passt, haben inzwischen selbst die Formel-1-Strategen verstanden. Und weil es ihnen mit dem Öko-Engagement so ernst ist, kündigen sie es ständig aufs Neue an, wie ein kleiner Blick ins Archiv zeigt:

2006

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2007

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2008

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2009

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Ebenfalls 2009 versuchte man, sich mit der sogenannten KERS-Technologie an den Hybrid-Hype zu hängen (mit peinlichem Ausgang). Und nun, 2010, also ein „bahnbrechendes“ Klimaschutzprogramm.

Die einzig sinnvolle Konsequenz aus dem Formel-1-Wahnsinn zog im vergangenen Jahr BMW: Mit Verweis auf eine künftig ökologische Unternehmensausrichtung verkündeten die Münchner ihren Komplett-Ausstieg aus dem Rennzirkus.

Dieser Text erschien vor fünf Jahren. Trotzdem ist er noch aktuell.


 

Yahoo, n-tv & Co: Maxi-Quatsch zur ‚Mini-Eiszeit‘

Hach, wäre das nicht toll, wenn uns die Sonne den Klimaschutz abnähme? Wenn ein Sinken der Sonnenaktivität die Erderwärmung ausbremsen würde, ja, dann könnten RWE und Vattenfall weiterhin fröhlich Braunkohle verfeuern, dann könnten alle Menschen einen dieser bulligen SUV-Stadtgeländewagen fahren, und wir könnten weiterhin jeden Sommer hemmungslos riesige Fleischbatzen auf den Grill legen, die dank Sojafütterung aus abgeholzten Regenwäldern geilbillig sind.

Diese Woche ist unser Wunsch in Erfüllung gegangen. Jedenfalls den Schlagzeilen von Yahoo-News

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… oder focus.de

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… oder auch n-tv nach zu urteilen.

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Blöd nur: Dass es auf der Erde „klirrend kalt wird“ und wir bald „zittern müssen“ wegen der „Mini-Eiszeit“ – das ist alles Maxi-Quatsch.

Die Berichte gehen zurück auf eine Pressemitteilung der britischen Royal Astronomical Society (RAS) vom Donnerstag vergangener Woche. „Ungleichmäßiger Herzschlag der Sonne getrieben von Doppel-Dynamo“, lautete die wenig spektakuläre Überschrift. In der Mitteilung ging es um einen Vortrag, den Valentina Zharkova, eine Mathematik-Professorin an der Northumbria-University in Newcastle, auf der RAS-Jahrestagung im walisischen Seebad Llandudno hielt.

Dort referierte sie also ihre Erkenntnisse über die künftige Sonnenaktivität. Dass diese schwankt und mit ihr dieZahl der Sonnenflecken, ist in der Wissenschaft lange bekannt. Eine Reihe von Forschern hält es für ziemlich wahrscheinlich, dass die nächsten beiden Sonnenzyklen (in der Wissenschaft als 25 und 26 nummeriert) deutlich schwächer ausfallen als das langjährige Mittel. Valentina Zharkova gehört zu ihnen. Und laut Pressemitteilung prognostiziert sie, dass „während der 2030er Jahre die Sonnenaktivität um 60 Prozent fallen wird auf einen Stand, wie er zuletzt während der ‚Mini-Eiszeit‘ beobachtet wurde, die 1645 begann“.

Huh, das klingt in der Tat frostig. Während jener „Kleinen Eiszeit“ nämlich fror beispielsweise die Themse in London wochenlang zu. Damals war die Sonnenaktivität sehr schwach, als „Maunder-Minimum“ wird diese Phase bezeichnet. Eine etwas weniger ausgeprägte Schwächephase, das „Dalton-Minimum“, folgte übrigens im frühen 19. Jahrhundert, die wiederum mit einer Temperaturabkühlung auf der Erde zusammenfiel.

Doch die reißerischen Berichte haben gleich mehrere Haken:

1. Zwar beziffert Zharkova die Sicherheit ihrer Prognose zur schwächeren Sonnenaktivität auf 97 Prozent – doch viele andere Forscher bezweifeln, dass solche Aussagen mit so großer Sicherheit seriös getroffen werden können. Die Aktivität der Sonne sei „derart komplex, dass niemand in der Lage ist, eine zuverlässige Prognose für die nächsten 15 Jahre zu treffen“, sagt beispielsweise Sami Solanki vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. „Eine Abnahme der solaren Aktivität über die nächsten Dekaden ist nicht auszuschließen, aber die Vorhersagen dieser Entwicklung sind generell als sehr unsicher eingestuft“, sagt Reto Knutti von der ETH Zürich.

2. Die „Kleine Eiszeit“ war laut neuester Forschung kein weltweites Phänomen, sondern auf die nördliche Halbkugel begrenzt. Außerdem waren die Ursachen der Kältephasen nicht allein das Maunder- oder Dalton-Minimum – auch Vulkanausbrüche spielten eine Rolle, bei der Partikel in die Atmosphäre geschleudert werden, die die Sonneneinstrahlung verringern.

3. Vor allem aber haben die Journalistenkollegen von n-tv, focus.de und vielen anderen Medien die Pressemitteilung nicht richtig gelesen. (Falls sie die überhaupt gelesen haben.) Dort steht nämlich kein einziges Wort darüber, welche Folgen die von Valentina Zharkova prognostizierte schwächere Sonnenaktivität für das Erdklima hätte. (Was man ihr kaum vorwerfen kann, weil sie ja keine Klimatologin ist.) Kurz gesagt: 60 Prozent weniger Sonnenflecken bedeuten nicht 60 Prozent weniger Sonnenstrahlung und erst recht nicht 60 Prozent weniger Erderwärmung.

Aber was würde denn ein neues Maunder- oder Dalton-Minimum (wenn es denn käme) wirklich für den Klimawandel bedeuten?

Genau diese Frage ist in den vergangenen Jahren von zahlreichen Klimaforschern untersucht worden, hier eine Auswahl der Studien zum Thema: Rahmstorf/Feulner 2010, Jones et al. 2012, Anet et al. 2013, Meehl et al. 2013, Zhao et al. 2014, Ineson et al. 2015. Alle diese Studien kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis: Die Abkühlung infolge sinkender Sonnenaktivität werde bis Ende des Jahrhunderts nicht mehr als 0,3 °C betragen – bei einer (laut IPCC) insgesamt erwarteten Erwärmung von bis zu 4,8 °C. 

Zwar könne es gut sein, heißt es etwa in dem Aufsatz von Ineson et al., der vor gerade vier Wochen in Nature Communications erschienen ist, dass eine neue „Mini-Eiszeit“ regional spürbar wird (wie eben vor Jahrhunderten beim Zufrieren der Themse) – doch weltweit betrachtet und im Vergleich zum Klimaeffekt der menschengemachten Treibhausgase falle sie kaum ins Gewicht:

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Einfach (und in einer Autofahrer-Analogie) zusammengefasst: Ein Sinken der Sonnenaktivität hülfe ungefähr so viel, wie wenn Sie mal kurz auf die Bremse tippen, während auf dem Gaspedal ein Backstein liegt.

Aber weil ein Bild mehr sagt als tausend Worte, zeigen wir hier noch eine Grafik, in der die Kollegen von der Website skepticalscience.com die Ergebnisse der Forschung visualisiert haben:

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Die schwarze Zick-Zack-Kurve zeigt die real gemessene Erdmitteltemperatur seit dem Jahr 1900. Die rote und die blaue Linie zeigen, wie es laut Klimamodellrechnungen bei einem bestimmten Niveau menschengemachter Treibhausgasemissionen mit der Erwärmung wohl weitergeht – einmal bei einer Sonnenaktivität auf bisherigem Niveau (rot) und einmal im Falle eines Großen Solarminimums (blau).

Sieht insgesamt irgendwie nicht nach „klirrend kalt“ oder einer Eiszeit aus, oder?


 

RWE: Den Feind ins eigene Haus holen

hier: heißt das „Nachbarschaftsmagazin“ von RWE Power, also jener Tochtergesellschaft, in der das Kraftwerksgeschäft gebündelt ist. Und hier war „hier„ – „Das Magazin für unsere Nachbarn im Rheinischen Braunkohlenrevier“, wie es im Untertitel heißt – schon einmal zu Gast auf unserem Lügendetektor.

Aber jetzt will ja auch RWE bei der Energiewende mitziehen, in der aktuellen Ausgabe präsentiert das Nachbarschaftsmagazin nichts geringeres als die

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Es geht um den Strukturwandel, die Arbeit der Gesellschaft „Innovationsregion Rheinisches Revier“, das „Innovationszentrum Kohle“, in dem an der „Kohle von morgen“ geforscht wird. Es geht um ressourcenschonendes Bauen, um den Fotowettbewerb „Rekultivierung“ und den Windpark auf der Königshovener Höhe.

RWE baut dort auf einer rekultivierten Fläche des Tagebaus Garzweiler neun weitere Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 3,2 Megawatt auf. Die ersten zwölf Windkraftanlagen laufen schon, das Investitionsvolumen …

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Allerdings könnte diese Partnerschaft bei RWE jetzt einen Knacks bekommen. Auf Seite 5 des Nachbarschaftsmagazins wird nämlich folgendes vermeldet:

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… beteiligen, wie es im Text heißt.

Der Knackpunkt: Im Vorstand sitzt, das erfahren wir im Text auch, der Alu-Lobbyist und Anti-Windkraft-Anwalt Thomas Mock, der bereits seit Jahren anwaltlich überall in Deutschland gegen Windeergieanlagen vorgeht. Mock spricht von „Verzweiflung von Menschen, deren gesamte Lebensplanung von Windrädern über den Haufen geweht wird“, das ARD-Politmagazin Monitor bezeichnete Mock bereits 2004 als einen, der überall auftaucht, wo Lobbyarbeit gegen Windkraft gefragt ist.

Tja, liebe „Nachbarn“ von RWE Power: Könnte sein, dass es nun doch nichts wird mit der „Zukunft im Revier“ und den „zuverlässigen und nachhaltigen Partnerschaften“! Statt Strukturwandel, Innovation und Windkraft gibt’s dann weiter nur aus der Erde gebuddelten Kohledreck.

Vielen Dank an Udo H. aus Düren für den Hinweis!


 

Spiegel TV: Viel Lärm um Nichtlärm

Die Spiegel-Verlagsgruppe setzt ihren „War on Windkraft“ fort: „Krank durch Infraschall. Der stumme Lärm der Windräder“ heißt ein Bericht von Spiegel TV, der sich mit niederfrequenten Geräuschen beschäftigt, die von Windkraftanlagen erzeugt werden und die Menschen krankmachen sollen. Und das, obwohl Infraschall per Definition unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegt. Die Töne sind so tief, dass wir sie nicht hören können.

Statt auf den üblichen mehr oder minder feinsinnigen Sarkasmus setzt das TV-Team des „Nachrichtenmagazins“ diesmal auf platte Schwarz-Weiß-Betroffenheitslyrik ohne Endreim. Da sind einerseits die bösen Landwirte, die – stets allein auftretend – rücksichtslos Reibach machen mit ihren Windrädern. Und da sind ihre gepeinigten Nachbarn – ordentliche deutsche Familien mit Vater, Mutter, Kindern – die sich durch die Windräder der Geldgierigen gequält sehen. Sie können nicht schlafen, müssen sich im Keller des Eigenheims verbunkern oder sogar umziehen. Selbst ihre Rindviecher sind betroffen: Sie weigern sich zu kopulieren – weswegen kaum noch süße Kälbchen geboren werden!

Alles nach der „Invasion der Windräder“. Spiegel TV präsentiert uns eine Untersuchung des Umweltbundesamtes zur Wirkungen von Infraschall. Aus dieser, publiziert genau vor einem Jahr, zitiert Spiegel TV:

spiegel-tv-Screenshot

In der Tat, das steht da so: Negative Auswirkungen sind nicht ausgeschlossen. Was die Kollegen von Spiegel TV aber nicht aus der UBA-Studie zitieren, ist folgende Passage:

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„Keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse“ – die Forscher des Umweltbundesamts sehen also erheblichen Forschungsbedarf, das ist die Kernbotschaft der 135-seitigen Studie. Denn bisher, auch das haben die Spiegel TV-Macher ihrem Publikum unterschlagen, werden nicht einmal die Beschwerden über vermeintlich durch Infraschall erzeugte Probleme systematisch erfasst. Und auf Seite 93 der Studie heißt es, bei den bekannten Fällen „fehlen objektive Nachweise über die Höhe der Geräuscheinwirkungen häufig vollständig“.

Aber beschweren sich die Beschwerdeführer denn wenigstens im Sinne der Windverächter von Spiegel TV? Nicht ganz. Nur in jedem dreißigsten der dokumentierten Fälle spielt Windkraft als Ursache eine Rolle – glaubt man der Studie des Umweltbundesamts. Selbst Wärmepumpen und Biogasanlagen werden häufiger subjektiv als Infraschall-Problemquelle wahrgenommen.

Zweiter-Ausschnitt-UBA-Studie

Es ist klar, dass die Wissenschaft schnell und seriös die Ängste und Anliegen der Betroffenen klären muss. Interessanterweise steht in der ein Jahr alten UBA-Studie aber auch schon, was Spiegel TV ein Jahr später mit seinem Beitrag machen wird. Auf Seite 20 heißt es: „Interessengruppen“ und Betroffene würden „meist stark verkürzt ihre Vermutungen über die Ursache der Geräuscheinwirkungen äußern“.

PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

Polarstern: Stromsparn is a Schmarrn??

Der Ökostromanbieter Polarstern hat neulich eine Mitteilung an die Presse verschickt, Titel:

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Und weiter hieß es da: Es gebe „kaum Sparpotenzial beim Stromverbrauch“.

Häh?

Eigentlich will die junge Münchner Firma Polarstern ja zu den Guten gehören. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood empfiehlt sie als einen von sechs bundesweiten Ökostromanbietern. Auf seiner Website schreibt das Unternehmen über sich: „Die Polarstern GmbH wurde im Sommer 2011 gegründet, um mit Energie die Welt zu verändern. Der unabhängige Ökoenergieversorger will die Menschen für einen bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit Energie begeistern.“

Ahja. Und wie tut man das am besten? Indem man ihnen zuruft: „Stromsparn is a Schmarrn“?

Ausführlich wird in der Pressemitteilung ein Herr namens Günther Ohland zitiert, seines Zeichens Geschäftsführer einer „Smart Home Initiative Deutschland“. Und er darf da allen Ernstes erklären: „Beim Strom lässt sich heute kaum mehr etwas sparen, weil der Geräte-Energieverbrauch ohnehin schon sehr niedrig ist.“ Zur Erklärung sagt Ohland dann: „Man bekommt heute fast ausschließlich Geräte mit Energieeffizienzklasse A oder besser.“

Leider ist die Aussage ziemlicher Quatsch. Sie stimmt allenfalls für Waschmaschinen, Kühlgeräte oder Geschirrspüler – da sind inzwischen keine Geräte im Handel mehr erlaubt, die schlechter als A oder A+ firmieren. Aber warum ist das so? Weil die Effizienzklassen schon seit Jahren nicht an den technischen Fortschritt angepasst werden. Statt „A“ immer nur an die sparsamsten Geräte zu vergeben, werden munter neue Klassen erfunden: „A+“, „A++“ und sogar „A+++“. Mittlerweile sind – etwa bei Kühlschränken – die Geräte in der A-Klasse in Wirklichkeit fiese Stromfresser. In anderen Produktkategorien hingegen, etwa Wäschetrocknern oder Staubsaugern, gibt es noch reihenweise Geräte der Klassen B, C oder  schlechter auf dem Markt. Sowas müsste ein Ökostromanbieter, der seinen Anspruch ernst nimmt, den Kunden eigentlich mitteilen! Der von Polarstern zitierte Herr Ohland hingegen versteigt sich zu der Behauptung, Energiesparen könne „auf Kosten der Lebensqualität“ gehen. Klar, und wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, gehen in Deutschland die Lichter aus 

Polarstern hätte sich lieber bei wirklichen Experten fürs Thema umhören sollen. Dann hätte das Unternehmen in seine Pressemitteilung beispielsweise schreiben können, dass Haushaltsgroßgeräte für rund die Hälfte des Stromverbrauchs in Privathaushalten verantwortlich sind. Und bei Kühl- und Gefriergeräten der Verbrauchsunterschied zwischen Klasse A und der besten Klasse A+++ satte 60 Prozent ausmacht. Aber sowas steht nicht in der Polarstern-Mitteilung, sondern beispielsweise in einer Broschüre der halbstaatlichen Deutschen Energieagentur (dena).

Das Umweltbundesamt hat ausgerechnet, wie viel Strom die privaten Haushalte bis zum Jahr 2030 sparen können – nicht durch ein Zurück in die Steinzeit, sondern durch einen klugen Einsatz effizienter Geräte:

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Zwischen 2015 und 2030, so diese Szenarienberechnungen (Seite 149), könnte der Stromverbrauch demnach um 14,2 Terawattstunden sinken. Für Herrn Ohland: Das sind 14.200.000.000 Kilowattstunden – so viel, wie heute ungefähr 3,5 Millionen durchschnittliche Drei-Personen-Haushalte verbrauchen. Und das kann man vernachlässigen?

Selbst die großen Atom- und Kohlekonzerne Eon, RWE, Vattenfall und EnBW sind da inzwischen klüger und bieten Tipps zum Stromsparen an. Energieberatung sehen sie als einen Markt der Zukunft. Nur Polarstern meint, in der Öffentlichkeit den Eindruck erwecken zu müssen,  Stromsparen bringe nicht viel.

Warum veröffentlicht das Unternehmen überhaupt die schrägen Äußerungen von Günther Ohland? Auf der Website der Smart Home Initiative wird er als „Autor mehrerer Bücher“ angepriesen – die jedoch alle bei Books on Demand erschienen sind. Ein etablierter Verlag hat sich anscheinend nicht für die Werke gefunden. Ohland ist auch nicht Mitarbeiter irgendeiner renommierten Forschungsinstitution, sondern schlicht Inhaber eines PR- und Pressebüros. Der Sinn der gesamten Mitteilung erschließt sich auch bei mehrfachem Lesen nicht – irgendwie geht es da vor allem ums Sparen von Heizenergie (was ja auch wichtig ist) und um intelligente Heizungs- und Klimasteuerung (tolle Sache) und um „Smart Home“ (wer’s mag) ganz allgemein.

Immerhin, am Ende war die ganze Sache den Leuten von Polarstern offenbar selbst peinlich. Auf der Firmenwebsite trägt die Pressemitteilung nun jedenfalls eine andere Überschrift: „Smart Home: Sparpotenzial beim Stromverbrauch und Heizen“, steht da jetzt etwas kryptisch. Die einstige Überschrift ist nur noch ganz klein zu lesen. Aber der ganze andere Schmarrn steht da trotzdem immer noch …

P.S. vom 12. Juni 2015: Nach Erscheinen dieses Textes hat sich Florian Henle, einer der Gründer von Polarstern, bei der Redaktion gemeldet. Der Beitrag sei „sehr befremdend“, schreibt er, der Inhalt der Pressemeldung darin „krass verdreht“. Polarstern und dem Experten Günther Ohland sei es „nicht um Stromsparen allgemein“ gegangen, sondern „ausschließlich um das Stromsparpotenzial von Smart Home“. Und dies sei halt „begrenzt“; besser geeignet sei Smart Home im Moment zur Steigerung des Wohnkomforts oder zur Senkung von Heizkosten. Dies betonte auch Günther Ohland in einem separaten Schreiben an die Redaktion. Im Übrigen, so Florian Henle, fänden sich auf der Polarstern-Website viele andere Texte zum Thema Stromsparen – beispielsweise hier oder hier oder auch hier.

Diese Klarstellungen veröffentlichen wir hiermit gern.

Zur konkreten Kritik an den Falschaussagen zu den Effizienzklassen von Haushaltsgeräten äußerten sich beide nicht.


 

Die Bahn: Ein schwarzes Loch produzieren

Punkt 3 nennt sich eine Publikation, die von der Berliner S-Bahn und der Regionaltochter der Bahn für Berlin und Brandenburg herausgegeben wird. Die Kundenzeitschrift „erscheint alle 2 Wochen in einer Mindestauflage von 150.000 Exemplaren“, erfahren wir auf der Website der S-Bahn. Die Zeitschrift ist kostenlos und informiert über Fahrplanänderungen, Bauarbeiten und Reiseangebote.

Gefördert wird sie von der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, die das „Reiseland Brandenburg“ anpreist. Für Hauptstadt-müde Berliner bietet Punkt 3 einiges Interessantes. Zum Beispiel den Aufmacher der aktuellen Ausgabe, in dem es um die 1. Nationale Sonderausstellung zum Reformationsjubiläum „Luther und die Fürsten“ geht:

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Auf Seite 18 geht es um das „Themenjahr 2015″: Unter dem Kulturland-Motto „Gestalten – nutzen – bewahren. Landschaft im Wandel“ beschäftigen sich in diesem Jahr „zahlreiche Künstler mit den Herausforderungen der Zukunft, wie Klimawandel, demografische und ökologische Entwicklung“. Dazugestellt sind nicht nur die Veranstaltungstermine, sondern praktischerweise auch die Anreisemöglichkeiten mit der Bahn. Auf Seite 22 geht es um das „Bugabike“ – nebst allen Servicedetails: „Die Bundesgartenschau in der Havelregion lässt sich umweltfreundlich mit dem Regionalexpress RE 1 und dem Fahrrad erkunden.“

So weit, so schön. Auf Seite 27 ist Folgendes zu lesen:

p31
Ups! Was hat denn dieser finster Dreinblickende mit – Punkt 3-Eigenwerbung – „Informationen für unterwegs in bahnbrechenden Zeiten“ zu tun?

Also Anruf bei der Redaktion: Was soll das schwarze Loch auf Seite 27? Wie ist der KOHLEteralschaden in die Kundenzeitung der Bahn gekommen? Das Kraftwerk, das die Bahn im nördlichen Ruhrgebiet, in Datteln, bauen will, ist doch ein Steinkohlekraftwerk! Soll jetzt auch noch ein Braunkohlekraftwerk folgen? Will uns die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH die KOHLE REGION! als Sommerspecial empfehlen? Und vor allem: Gucken alle jungen Männer in der Lausitz so finster wie der Abgebildete?

Antwort einer Vertreterin von Punkt 3: „Das ist eine Anzeige des Vereins Pro-Lausitz.“ Eine Anzeige in der Kundenzeitschrift der Bahn, die nicht als Anzeige gekennzeichnet ist? „Hat der Verleger eines periodischen Druckwerks oder der Verantwortliche (§ 8 Abs. 2 Satz 4) für eine Veröffentlichung ein Entgelt erhalten, gefordert oder sich versprechen lassen, so hat er diese Veröffentlichung, soweit sie nicht schon durch Anordnung und Gestaltung allgemein als Anzeige zu erkennen ist, deutlich mit dem Wort ‚Anzeige‘ zu bezeichnen“, heißt es im Medienrecht.

Antwort der Punkt 3-Vertreterin: „Ich werd’s weitergeben!“


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RWE: In der Lügenfalle

Spielen Sie Schach?

Da kann es folgende Situation geben: Sie spielen Zug um Zug, haben das Gefühl, dass alles super läuft. Der Gegner wird bald geschlagen sein, Sie werden Ihren König sicher durchs Spiel bringen. Und da passiert es: Sie haben sich in eine Situation hineinmanövriert, in der Sie nichts mehr richtig machen können. Egal, welchen Zug Sie als nächstes auch tun, es wird ein falscher sein. Sie sind überführt, noch bevor Sie Ihre Figur setzen.

So geht es auch Peter Terium und RWE.

Und folgendermaßen läuft die Partie: Unter dem Druck der Kritiker behauptete das Unternehmen jahrelang, dass es genügend Geld für den Rückbau der Atomkraftwerke zur Seite gelegt hat. Das Geld sei sicher, hieß es. Wieder und wieder und wieder. Zehn Milliarden Euro an Atomrückstellungen stünden bereit und warteten nur darauf, bei Bedarf für den AKW-Rückbau und die Lagerung der strahlenden Altlasten ihren Einsatz zu finden. Schachfigur gesetzt.

Angriff an der Nuklearflanke fürs Erste abgewehrt.

Die Partie geht aber weiter. Scheinbar überraschend gibt es einen Angriff an der Kohleflanke. Die Klimaabgabe, die sich das Bundeswirtschaftsministerium unter dem verhaltenen Jubel der Umweltverbände ausgedacht hat, droht das fossile Kraftwerksgeschäft zu schmälern.

Was nun?

Um die RWE-Figuren zu retten, tat Konzernchef Peter Terium in einem Interview mit dem Sender n-tv in dieser Woche den nächsten Schachzug: Er behauptete, dass die Klimaabgabe 80 bis 90 Prozent der Braunkohle in einem Ausmaß treffen würde, „wo RWE es nicht mehr stemmen würde“. Das Geld aus dem Braunkohlegeschäft aber brauche man auch dafür – holte Terium die ganz große Keule raus –, um die Versprechungen zu den Atomrückstellungen einzuhalten.

Und jetzt sitzt er in der Falle.

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Denn:

Gilt sein Argument, hat er gerade – als erster führender Vertreter der großen Energiekonzerne und in aller Öffentlichkeit – zugegeben, dass RWE die Öffentlichkeit bei der Sicherheit der Atomrückstellungen all die Jahre über belogen hat. Mit seiner Aussage würde er bestätigen, wovor Umweltverbände und Anti-Atom-Gruppen immer gewarnt haben: Die Energieriesen haben mit der Nuklearenergie das Geschäft gemacht, auf der teuren Entsorgung der Altlasten aber bleiben die Steuerzahler sitzen. Eine Bankrotterklärung und Blamage auf ganzer Linie.

Sollte das Ganze aber „so nicht gemeint gewesen“ sein, kann Terium die Partie ebenso wenig für sich retten. Denn dann würde sich sein Rückstellungs-Argument als ein überaus dreister Erpressungsversuch erweisen, um die drohende Klimaabgabe abzuwenden. (Experten sind sich einig, dass die Abgabe den zum Erreichen des deutschen Klimaziels wichtigen Strukturwandel auf sehr sanfte Weise einläutet.)

So oder so, an dieser Stelle der Partie kann der RWE-Chef nichts mehr richtig machen. Er trägt eine peinliche Niederlage davon.

Vielen Dank an Jürgen D. für den Hinweis


 

Der Lügendetektor: Noch gebraucht?

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„Wolfgang Clement: Die Lüge von der Energie-Abhängigkeit“, lautete am 20. Januar 2008 die Überschrift im Klima-Lügendetektor. Wohlgemerkt: Über dem allerersten Text! Am vergangenen Dienstag hieß die Schlagzeile: „CDU-Wirtschaftsrat: Nicht rechnen können!“ Jubel, Tusch und „Aber Hallo!“ Es war der 400. Text auf dem Watchblog zu den Lügen und Halbwahrheiten, die rund um die Energie- und Klimawende verbreitet werden.

Das macht ein Dankeschön an unsere Leser notwendig: Viele Texte sind nur deshalb entstanden, weil Sie uns beauftragt haben.

Einerseits gibt es viele Leser, die unsere Arbeit finanzieren. Seit Oktober 2011 ist der Klima-Lügendetektor leserfinanziert. Andererseits übermitteln uns die Leser immer wieder Verdachtsmomente. Die Bahn ist jetzt klimafreundlich, weil die Bahncard grün ist? Die Deutsche Post ist vorbildlich, weil sie mit grünem Elektrostrom fährt? Der Weltklimarat IPCC hat bei seinem neuen Sachstandsbericht wirklich geschlampt, wie es im Spiegel stand? Fragen Sie uns, dann wird Ihnen geholfen!

Allerdings nicht immer: Die 400 Texte befassen sich nämlich mit den Lügen, die wir aufdecken konnten. Jene Verdachtsmomente, die eingesandt, aber nicht bestätigt werden konnten, sind natürlich nicht veröffentlicht wurden. Wir haben überlegt, eine Rubrik „ungelogen“ einzuführen, damit die Arbeit, die wir in die Recherche gesteckt haben, nicht umsonst war. Aber uns dagegen entschieden: Lügen sollten nicht mit der Wahrheit verquickt werden.

Beim Greenwashing werden „die Techniken der Öffentlichkeitsarbeit, der Rhetorik und der Manipulation benutzt, um einer Firmengeschichte eine reine Weste zu verpassen“, wie es in der Wikipedia heißt. Es sind nur selten glatte Lügen, mit denen heutzutage Grünfärberei betrieben wird. Vielmehr werden Informationen verdreht, weggelassen oder in irreführende Zusammen­hänge gestellt. Oder man schmückt sich mit Stars, schreibt Preise mit wohlklingenden Namen aus. Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat 2007 in einer Titelgeschichte fünf Methoden dieses „grünen Schmierentheaters“ beschrieben.

Seidem hat die Branche viel gelernt. Unsere Arbeit ist schwieriger geworden, „die Gegenseite geht subtiler vor“, wie Redaktionsleiter Toralf Staud urteilt. Vielleicht liegt es daran, dass uns zuletzt nicht mehr so viele Prüfaufträge aus der Leserschaft erreichten. Vielleicht ist aber auch nur unsere Leserschaft sensibler und weniger aufregbar geworden. Vielleicht braucht es den Klima-Lügendetektor gar nicht mehr?

Was sagen Sie dazu?