Uniper: Alte Energie in neuen Schläuchen

Folgende Anzeige wurde uns eingereicht:

ImageFile_{246A8CB5-C694-410D-94CB-0D2225DC1B7D}1

Zunächst: Das stimmt! Tatsächlich gibt es einen neuen Energiekonzern auf dem deutschen Markt, der von sich reden machen wird.

Uniper nennt sich jene Abspaltung, mit der Eon diesmal seine Haut zu retten versucht. Wir hatten hier ja schon die satten Laufzeitverlängerungen zum Thema, die Schwarz-Gelb den Herren in den Chefetagen für ihre hochprofitablen Alt-Reaktoren versprochen hatte. Dann waren es die neuen Kohleblöcke Staudinger und Datteln, die das Eon-Säckel vollmachen sollten. Jetzt versucht es Europas größter Energiekonzern mit der Diät.

Alles, was nämlich alte Energiewirtschaft ist, wird einfach ausgelagert. Auf der Eon-Homepage findet sich folgender Hinweis:

eon

Die Sparte der erneuerbaren Energie bleibt bei Eon, bei Uniper findet sich das, was für das Energiesystem von gestern steht: Kohlekraftwerke, Gasspeicher, fossile Rohstoffe und jede Menge Treibhausgase.

Eine Art Kernspaltung im eigenen Haus! Deshalb müsste die Anzeige eigentlich folgenden Text haben:

uni

Danke an Tobias A. aus Berlin für den Hinweis


 

Wildtierstiftung: Die Axt im Walde

Heute geht es um den Vogelschutz. Unser Leser Sebastian M. sandte uns folgenden Bericht aus der Neuen Osnabrücker Zeitung mit der Bitte um Prüfung zu:

Vögel

„Dass die Rotoren von Windrädern lebensgefährlich für Vögel sind, kritisieren Naturschützer schon lange“, schreibt die Osnabrücker. „Jetzt erheben Umweltverbände außerdem den Vorwurf, dass bereits vor dem Bau von Windparks Vögel sterben müssen.“

Dabei beziehen sich die Redakteure offenbar auf eine Pressemeldung der Deutschen Wildtier Stiftung von Anfang Dezember:

wildtier1

Das ist wirklich die hohe Kunst der Pressearbeit: „Während in Paris der Klimagipfel tagt, laufen in Deutschland die Kettensägen.“ Vorwurf der Deutschen Wildtier Stiftung: Um Platz für Windkraftanlagen zu schaffen, würden immer öfter geschützte Horstbäume illegal gefällt und Vögel getötet. Eigene Recherchen würden einen rasanten Anstieg solcher Straftaten belegen, so die Wildtier Stiftung:

wildtier

Meingott, VIERZIG Fälle! Das muss man sich mal vorstellen!

In welchem Zeitraum?

Das sagt uns die Deutsche Wildtier Stiftung nicht. Wir erfahren nur, dass es vor drei Jahren zwei Fälle gab, 2014 dann schon 10 und im vergangenen Jahr 19. Genau genommen erfahren wir auch nicht, ob 40 Horstbäume illegal gefällt oder 40 geschützte Vögel getötet wurden. Im Pressetext heißt es lediglich, dass es „mindestens 40 Fälle illegaler Verfolgung von Großvögeln“ gegeben hat. Wer die Daten wie erhoben hat? Es gibt einen Meldebogen zum Ankreuzen.

Wer etwas zu den Hintergründen wissen will, der kommt vielleicht beim Vorstandschef der Wildtier Stiftung Fritz Vahrenholt weiter. Der war einst mit den Erneuerbaren bei RWE gescheitert, seit seinem klima“skeptischen“ Buch Die Kalte Sonne steht Vahrenholt mit der Energiewende auf Kriegsfuß. Diesmal sagt er im Pressetext: „Biodiversität und Artenschutz werden unter dem Deckmantel der Windenergie und des Klimaschutzes gnadenlos geopfert.“

Nicht dass wir bezweifeln, dass die Windradbauer immer nur korrekt handeln! Wir bezweifeln aber, dass die Datenlage der Deutschen Wildtier Stiftung tatsächlich bedeutet, dass in Deutschland wegen der Windenergie die Kettensägen heiß laufen.

Just heute kam in Schleswig-Holstein der Jagd- und Artenschutzbericht 2015 heraus. Der belegt: Zwischen 2008 und 2015 wurden 70 in dem nörlichsten Bundesland verendete  Greifvögel untersucht. In 30 von ihnen wurden tödliche Vergiftungen – zumeist durch Jagdmunition – nachgewiesen, also fast bei jedem zweiten. Offensichtlich gibt es größere Gefahren für Schreiadler, Rotmilane oder Mäusebussarde. Aber dazu erfahren wir bei der Deutschen Wildtier Stiftung leider nichts.

Danke an Sebastian M. aus Bad Neustadt für den Hinweis


 

Atomlobby: Ein vergiftetes Angebot

Die World Nuclear Association, so etwas wie die Weltlobby für die Atomkraft, fordert von den Klimadiplomaten in Paris ein „ambitioniertes Klimaabkommen“. Agneta Rising ist als Generaldirektorin sozusagen die oberste Lobbyistin der Weltlobby für die Atomkraft. Sie erklärt: 

002Interessant! Um die Ziele eines ehrgeizigen Klimavertrages zu erreichen, müsse die Politik „Investitionen besonders in die Kernenergie“ fördern. Agneta Rising: Wir brauchen 1.000 Gigawatt neuer Kernkraftkapazitäten bis zum Jahr 2050, um den Klimawandel zu bekämpfen.“

Um eine Vorstellung zu bekommen: 1.000 neue Gigawatt entsprechen mindestens 1.000 neuen Atomkraftwerken. Das sind mehr als doppelt so viele, wie derzeit am Netz sind.  Nach Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA liefern derzeit 438 Reaktoren in 31 Ländern mit einer installierten elektrischen Gesamtnettoleistung von rund 379 Gigawatt Strom. Und weil viele Reaktoren älter als 40 Jahre sind, werden in den kommenden Jahren etliche AKWs abgeschaltet.

Dankenswerteweise hat uns die World Nuclear Association auch eine Website mitgeliefert, die die klimafreundlichen Details zur Forderung „1.000 Gigawatt Atomkraft zusätzlich bis 2050″ liefert:

001Huups. Bei Minute 1:15 hat sich doch glatt eine kleine Lüge eingeschlichen! Dort heißt es: „Atomkraft sorgt nur für 16 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde mit einer kleinen Menge Müll, der mit größter Obacht behandelt wird.“

Nein, liebe Atomlobby! Der Müll wird eben gar nicht behandelt. Es gibt nach nunmehr 60-jähriger Nutzung der Atomkraft weltweit nicht ein einziges Endlager für den Hunderttausende Jahre strahlenden Müll. Es gibt in manchen Staaten noch nicht einmal eine Idee, wie dieses Problem in den Griff zu bekommen ist.

Stattdessen gibt es verseuchte Gebiete, die trotz viel Aufwand und jeder Menge Energie nicht in den Griff zu bekommen sind. Und: Es lohnt sich wirtschaftlich gar nicht, wie der Bau des AKW Olkiluoto in Finnland zeigt. Ursprünglich sollte der 1.600-Megawatt-Koloss drei Milliarden Euro teuer werden und 2009 ans Netz gehen. Inzwischen ist 2018 als Startdatum geplant – und mehr als das Doppelte an Kosten.

Die Investitionskosten wird das Kraftwerk niemals einspielen.

Vielen Dank an Verena K. für den Hinweis.


 

RWE: Ist das wirklich die kehRtWEnde?

Also, echt, dass wir das noch erleben dürfen! Diese Titelschlagzeile der Süddeutschen Zeitung heute:

rwe_kehrtwende

RWE? War das nicht der Konzern, dessen Vorstandschef noch vor dreieinhalb Jahren lästerte, Solarenergie in Deutschland sei so sinnvoll „wie Ananas züchten in Alaska“? Ja, Jürgen Großmann hieß dieser Herr. Der wie ein Bulldozer für die alten Energien kämpfte – und es schaffte, dass Angela Merkels schwarz-gelbe Regierung 2010 den rot-grünen Atomkonsens kündigte. Der viele Milliarden in Kohlekraftwerke versenkte und maßgeblich für die heutige Existenzkrise bei RWE verantwortlich ist. Ende 2008 notierte die RWE-Aktie bei knapp hundert Euro, vor einer Woche waren es noch gut zehn Euro.

Die Lage des Unternehmes ist zu traurig, als dass wir uns Schadenfreude erlauben. Großmanns Nachfolger Peter Terium versucht seit 2012, die Scherben zusammenzukehren, er muss sparen, Unternehmensteile verkaufen, Leute entlassen. Nun, endlich, will er offenbar das Ruder herumreißen und auf das Geschäft mit klimaschonender Energie setzen. Wie ernsthaft er das tut, werden wir genau verfolgen – und beispielsweise gucken, wie es mit dem geplanten Braunkohle-Monster BoA plus im rheinischen Niederaußem weitergeht. Zweifellos hat Terium einen langen Weg vor sich – im vergangenen Jahr lag der Erneuerbaren-Anteil an der RWE-Stromversorgung bei gerade fünf Prozent.

Wir wünschen jedenfalls viel Erfolg bei der kehRtWEnde!


 

COP 21: Der Gipfel der Grünfärberei

Was stellen Sie sich unter dem Spruch: „Kommen Sie und erleben Sie die Klima-Erfahrung!“ vor? Damit wirbt die Veranstaltung „Solutions“ am Rande der Pariser Klimakonferenz:

ld

Vielleicht kann man hier einen Tag in der sengenden Hitze und ohne Wasser ein Feeling dafür bekommen, was Dürre bedeutet? Einmal im Wasser auf einer Eisscholle stehen, die immer kleiner wird? Oder in einem Starkregen-Pavillon mal am eigenen Leib spüren, wie lebensgefährlich Sturzfluten sein können?

Weit gefehlt! Im Grand Palais im Zentrum von Paris laden europäische Wirtschaftskonzerne zu ihrem Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und zur UN-Vertragsstaatenkonferenz COP 21 ein. Im Werbevideo zum Event heißt es schunkelnd: „We can make a change, we can make a change“ – kurze Pause – „We can make a change, we can make …

Richtig toll!!!

Fragt sich nur: Warum macht ihr denn dann keinen „Change“? Mitorganisator GDF Suez beispielsweise – neuerdings heißt der Konzern Engie – hat in Deutschland gerade ein neues Kohlekraftwerk ans Netz gebracht, dass die nächsten 35 Jahre jährlich 4,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid erzeugt. Davon erfährt man in der Pariser Innenstadt natürlich nichts!

Der Autoriese Renault – ein anderer Mitorganisator und „Changer“ – teilte frühzeitig mit:

ld2

Auf dem Gelände der UN-Klimakonferenz kann „jede/r Delegierte“ elektromobil testfahren! Mit „null Emissionen“!!

Tolltolltoll!!

Dumm nur, dass es bei Renault außerhalb des UN-Konferenzgeländes mit den Emissionen nicht so super aussieht. Wie auch Volkswagen mussten sich die Franzosen gerade nachweisen lassen, dass zwischen offiziell gemessenem und dem realen Schadstoff riesige Unterschiede bestehen. Im Normalbetrieb überschreiten die Stickoxid-Emissionen eines Renault Espace 1.6 dCi den geltenden Grenzwert um das 13- bis 25-Fache.

Ganz auf „Change“ eingestellt ist auch Energiekonzern EDF:

ld3

„98 Prozent des Stroms in Frankreich werden ohne CO2 hergestellt“, heißt es auf der EdF-Partnerseite. Atomkraft ist ja schließlich eine Lösung gegen den Klimawandel!

Geflissentlich verschweigt der Atomkonzern, dass die ältesten Reaktoren aus den Anfängen der 1970er Jahre stammen und in den kommenden Jahren abgeschaltet werden müssen. Neue Reaktoren will unter Marktbedingungen niemand mehr bauen - viel zu teuer, abgesehen vom Risiko, dass doch mal einer hochgeht.

„Der Klimawandel ist nicht nur eine Verantwortung, sondern auch eine Chance, unseren Alltag zu verbessern und lebenswerter zu machen“, heißt es auf den Seiten zur Veranstaltung „Solutions“. Jetzt gebe es Gelegenheit zum Wechsel. Spätestens an dieser Stelle wird der Sinn der „Change“-Veranstaltung klar: EdF, Renault, Suez und Co wollen einfach nur so weitermachen wie bisher.

EdF, Renault und Suez sponsern mit anderen großen Treibhausgasschleudern wie Air France den UN-Gipfel – und hoffen offenbar, dass niemand unter ihren Teppich guckt. 


PS: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

Werbung: Geld stinkt doch nicht

Hurra! Jubel!! Tusch!!!

Die Werbeagentur Muehlhausmoers hat gewonnen:

werb

Der Galaxy Award zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für „herausragende Arbeiten der Marketing-Kommunikation“. Seit 1987 wird er von der New Yorker „International Academy of Communications Arts and Sciences“ verliehen, einer Gründung der MerComm Inc. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, durch die Bewertung in zahlreichen Einzeldisziplinen hervorragendes Marketing auszuzeichnen und somit „Werbung“ zu fördern.

Gold gewonnen hat die Werbeagentur Muehlhausmoers für ihre Arbeit gegen den Hunger. Für die Deutsche Welthungerhilfe haben die in Köln und Berlin angesiedelten Werber den Welthungerindex 2015 erarbeitet:

werb1

Eine zentrale Frage dieser Arbeit: „Führt Krieg zu Hunger? Führt Hunger zu Krieg? Der aktuelle Welthunger-Index hat sich diese Frage angeschaut.“

Die Antwort ist nicht ganz eindeutig. Auf Seite 32 heißt es jedenfalls:

werb2

Deshalb ist der zweite Siegerpreis, den die Werbeagentur Muehlhausmoers gewonnen hat, interessant: „Galaxy-Gold gab es für die bereits mehrfach preisgekrönte Publikation ‚Vattenfall Magazine‘, dem fünfsprachigen Stakeholdermagazin des Energieversorgers Vattenfall“, schreibt Muehlhausmoers.

Das ist höchst zweifelhaft formuliert, und zwar nicht nur grammatisch: Vattenfall ist längst kein „Versorger“ mehr, sondern ein Konzern, der für seine Aktionäre das Maximum herauszusaugen sucht – etwa durch Rückforderungen an Kommunen.

Wir schweifen aber ab: Eine weitere Galaxy-Auszeichnung heimsen die Werber von Muehlhausmoers mit folgender Publikation ein:

werb3

„News from Vattenfall“ heißt eines der neuesten Produkte der Agentur. Muehlhausmoers hatte dem größten Klimasünder in Deutschland dabei geholfen, „einen Dialog mit den Stakeholdern“ in Gang zu setzen. Und das in einer Branche, die „immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik steht“, wie die Muehlhausmoers-Werber stolz verkünden.

Donnerwetter: Das ist wirklich preiswürdig! Mit dem einen Kunden schönt Muehlhausmoers ein Problem, dass der Agentur Arbeit bei dem anderen Kunden garantiert! Ohne Fossilkonzerne wie Vattenfall wäre das Klimaproblem nicht so gravierend, ohne Klimawandel wäre der Hunger weniger tödlich.

Für Muehlhausmoers eine wahre Win-win-Situation!

Danke an Dietmar B. aus Berlin für den Tipp!


 

Lügendetektor: Dem Umzug zum Opfer gefallen?

Was war eigentlich die dreisteste Lüge, die jemals enttarnt wurde? „Mein Favorit ist eine Annonce des Bundesverbandes der Braunkohlewirtschaft“, sagte Toralf Staud, einer der Gründer des Klima-Lügendetektors. Im Testimonial-Stil ließ der Bundesverband Fachleute auftreten, die erklärten, warum wir auch die Braunkohle weiter brauchen:

socolow_sh.jpg

Abgebildet ist Professor Robert Socolow von der US-Universität Princeton. Dumm nur, dass der Professor nie mit dem Bundesverband gesprochen hat und auch nie die Auffassung vertrat, dass wir Braunkohle weiter brauchen. „Als wir den Professor darauf hinwiesen, wurde die Anzeige schnell geändert“, sagte Staud.

Das war vor drei Jahren: Damals hat die Otto-Brenner-Stiftung den Klima-Lügendetektor als bestes Medienprojekt des Jahres ausgezeichnet. „Der Kampf für die richtige Energiepolitik ist noch lange nicht zu Ende“, sagte Laudator Harald Schumann damals. Deshalb solle der Preis „eine Anregung sein an viele Leser, ein Beitrag zum Fortbestehen des Lügendetektors zu leisten“. Damals hat das sehr geholfen. Tatsächlich beteiligten sich so viele Leser, dass die Arbeit der Journalisten, die hinter dem Projekt stehen, finanziert werden konnte.

Leider ist uns seitdem kein Preis mehr verliehen worden. Und leider sind Sie umgezogen oder haben die Bank gewechselt (was wir, wenn Sie eine „grüne Bank“ gewählt haben, natürlich ausdrücklich begrüßen!). Dabei haben Sie offensichtlich vergessen, den Dauerauftrag für den Klima-Lügendetektor wieder einzurichten.

Jedenfalls fehlt uns Ihr Geld! Ohne neue Unterstützer können wir im neuen Jahr die Arbeit nicht mehr leisten! Oder haben Sie aus anderen Gründen Ihre finanzielle Unterstützung eingestellt? Dann schreiben Sie uns das!


 

Alpengemeinden: Schluss mit dem Ski-Zirkus

Die Allianz der Alpengemeinden hat eine Erklärung an die Klimadiplomaten vor dem Klimagipfel COP 21 in Paris verabschiedet:

alpena

„Aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen sind die Alpen besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Schmelzende Gletscher, Wetterextreme und schneearme Winter sind Beispiele für die negativen Folgen“, heißt es darin, und weiter:

alpenap

Die Gemeinden der Alpen fordern von den Delegierten der COP 21 „anspruchsvolle Klimaziele, die wirksame Maßnahmen in den Gemeinden möglich machen“.

Daraufhin hat nun heute die „Allianz der Klimadiplomaten“ ihrerseits eine Erklärung an die Alpengemeinden verabschiedet, die dem Klima-Lügendetektor exklusiv vorliegt:

alp

Und weiter heißt es:

„Wir, Klimadiplomaten und Delegierte zur 21. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 21), appellieren an die Gemeinden und Städte der Alpen, endlich verbindlich und anspruchsvoll gegen den Ski-Zirkus vorzugehen. Aufgrund ihrer natürlichen Bedingungen sind viele unserer Staaten besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Während Ihr Euch mit Schneekanonen amüsiert, gehen unsere Inseln im Pazifik unter oder verheeren Stürme und Dürren unsere Länder“.

Tatsächlich wirbt das Schweizer Ski-Gebiet Sass Fe – natürlich Mitglied in der Allianz der Alpengemeinden – jetzt für Sommerski:

alpenapp

Die Webseite Schneehoehen.de bescheinigt Sass Fe auch im Sommer „beste Bedingungen“:

alpe

Das österreichische Pendant Silvretta Montafon in Schruns – selbstverständlich ebenfalls Mitglied der Alpenallianz – rühmt sich sogar seiner „Beschneiungsanlagen“:

alpenappe

In den „News“ erfuhren die Leser Mitte Oktober: „In der Silvretta Montafon werden seit über einer Woche fleißig die Depots am Hochjoch beschneit. Wenn es die Temperaturen zulassen, sind bis zu 80 Schneeerzeuger im Einsatz. Ein Schwerpunkt der Beschneiung liegt in der Optimierung der Weltcup Montafon Strecke für die Ski- und Snowboardcrosser. Für den Bau der Kicker und Steilkurven werden im Dezember riesige Mengen an Schnee benötigt.“

Solche Beispiele lassen sich haufenweise finden, kein Alpen-Ski-Gebiet arbeitet ohne „Beschnei-Anlagen“, es gibt mittlerweile in Deutschland sogar „Kunstschneehallen“ auf dem platten Land, die Skifahren das ganze Jahr über unabhängig vom Wetter anbieten.

Aber – so die Allianz der Klimadiplomaten – „das können wir uns nicht mehr leisten“. Und jetzt kommt in dem Aufruf eine Passage, die den Gemeinden der Alpen zu denken geben muss: „Für uns geht es hier nicht um Spaß und Erlebnis, sondern ums Überleben.“

Der Kunstschnee-Wahn in den Alpen frisst gigantische Mengen an Strom und Wasser. Schon vor Jahren schätzten Wissenschaftler den Wasserbedarf der beschneiten Pisten auf jährlich 95 Millionen Kubikmeter – das entspricht dem Verbrauch einer Metropole mit 1,5 Millionen Einwohnern.

Mit entsprechendem Energieverbrauch: Nach Angaben des Arbeitskreises Alpen beim Bund Naturschutz wird derzeit in den Alpen eine Fläche so groß wie der Bodensee künstlich beschneit. Der Bodensee ist 54.000 Hektar groß – ergo verbraucht nach Datenlage des Verbandes der Seilbahnen und Skilifte die ganzjährige Beschneiung der Alpen um die 13,5 Milliarden Kilowattstunden Strom. So viel Strom erzeugten übrigens die deutschen Braunkohlekraftwerke 2014 binnen eines Monats – bekanntlich die Klimakiller par excellence. 13,5 Milliarden Kilowattstunden fürs Skivergnügen – das ist fast doppelt so viel, wie ganz Sambia mit seinen 16 Millionen Einwohnern pro Jahr zur Verfügung stehen.

Und wegen des ausbleibenden Frosts ist die Beschneiungs-Tendenz steigend: Die Skiliftbetreiber versuchen uns die Taschen vollzulügen, um weitermachen zu können wie bisher. 2010 erzeugten die Gemeinden der Schweiz 2,2 Prozent mehr Treibhausgase, als ihre Klimadiplomaten im Kyoto-Protokoll 1997 vereinbart hatten, die Gemeinden aus Österreich lagen sogar um 8,2 Prozent über der Zusage ihrer Klimadiplomaten. Die deutschen Alpengemeinden stehen nur deshalb besser da, weil der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft – mit den Folgen für ihre Bevölkerung – das deutsche Klimaziel erreichbar gemacht hat.

Noch ein Zitat aus dem Aufruf der „Allianz der Klimadiplomaten“: „Statt von uns Fortschritte zu fordern, bitten wir Euch, endlich zu handeln und die energiefressenden Schneekanonen zu verbieten. Bei Euch geht’s nur um den ‚Fun‘. Bei uns ums nackte Überleben!“

PS: In diesem Fall fragt sich, wieso sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) dafür hergibt, als Feigenblatt vor die unbequeme Wahrheit geschoben zu werden. „Der Appell ist der Abschluss einer Konferenz im Rahmen der deutschen Präsidentschaft der Alpenkonvention im bayerischen Kloster Benediktbeuern“, teilte ihr Ministerium mit.

Achtung: Seit Oktober 2011 ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2015 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

RWE: Die Kandidaten für den Klimaschutz-Preis

Deutschlands zweitgrößter Stromkonzern RWE hat einen Klimaschutz-Preis ausgelobt:

rwe

Im Aufruf heißt es: „Bürger, Vereine, Institutionen und Firmen können zeigen, wie sie vor Ort mit konkreten Projekten die Umwelt schonen und sich für den Klimaschutz einsetzen.“

Also los! Hier sind unsere „starken Ideen für Umwelt und Klima“, die wir dem verehrten Preisgericht vorschlagen:

Erstens: Die Gemeinde Keyenberg schlägt vor, das Umsiedlungsprogramm von RWE zu stoppen. Die im Jahre 893 erstmals urkundlich als cheyenburghc erwähnte Ortschaft steht auf Braunkohle, dem klimaschädlichsten aller Energieträger. Deshalb soll Keyenberg verschwinden, RWE will die 826 Einwohner der Gemeinde abbaggern.

Rohbraunkohle besteht zu 55 Prozent aus Wasser, zu 5 Prozent aus nicht brennbaren Bestandteilen und zu 40 Prozent aus Kohle. Beim Verfeuern einer Tonne Kohle in einem Braunkohlekraftwerk entsteht etwa eine Tonne Kohlendioxid, wenn Förderung und Transport einbezogen werden – so viel wie bei keinem anderen Energieträger.

Eine „starke Idee für Umwelt und Klima“ wäre also, die Abbau-Pläne zu beenden: Ab kommendem Jahr soll es losgehen mit der Umsiedlung von Keyenberg, noch ist es also nicht zu spät. Und seitdem bekannt geworden ist, dass die Braunkohlekraftwerke jetzt sowieso Schritt für Schritt abgeschaltet werden müssen, hat der Vorschlag gute Chancen für den RWE-Klimaschutzpreis 2015!

Zweiter Preis-Vorschlag: Die Gemeinde Niederzier schlägt vor, aus den Resten des Hambacher Forsts ein Klimaschutz-Denkmal zu errichten. Ursprünglich war der Wald nahe dem Ort Hambach 5.500 Hektar groß, schon der heilige Arnold von Arnoldsweiler hatte den Bürgewald im 8. Jahrhundert umritten. Jetzt sollen die Bäume dem Tagebau Hambach weichen, wiederum, um eine zukunftslose Energieversorgung noch ein bisschen weiterbetreiben zu können.

Dagegen hatten immer wieder Klimaschützer protestiert, bei Wind und Wetter Bäume besetzt, um RWE zur Vernunft zu bringen. Jetzt – so die Begründung des Preisvorschlages – könnte sich RWE bedanken bei den Aktivisten: Jawohl, eure Argumente waren die richtigen, wir von RWE haben uns geirrt – und das dokumentieren wir mit dem Klimaschutz-Denkmal Hambacher Forst. Chapeau!

Vorschlag Nummer drei für den RWE-Klimaschutzpreis 2015: Die Stadt Grevenbroich schlägt vor, das RWE-Kohlekraftwerk Neurath dichtzumachen. Mit 33,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr ist es die größte Treibhausgas-Quelle in der Bundesrepublik, und schön sieht die Dinosaurier-Technologie nun auch nicht aus. Geld lässt sich mit den Kohlekraftwerken sowieso nicht mehr verdienen, eine „gute Idee“ und „vorbildliche Aktion aus dem lokalen und regionalen Umfeld“ – wie in der Ausschreibung gefordert – und „für die Öffentlichkeit sichtbar“ wäre das Abschalten allemal. Ein heißer Kandidat für den RWE-Klimaschutzpreis!

Es gibt logischerweise noch viele andere Vorschläge, die RWE berücksichtigen sollte! Ein Umschulungsprogramm der Gemeinde Jüchen beispielsweise, bei dem ehemals fossile Kraftwerksmitarbeiter zu Solarinstallateuren ausgebildet werden. Oder Bürgersolaranlagen wie die in Köln-Brück, die jenen Strom produziert, mit dem ein „Energieversorger“ wie RWE seine Kunden eigentlich heute schon zukunftstauglich versorgen sollte.

Wir aber reichen mit den geschilderten Kandidaten unsere drei Favoriten für das Jahr 2015 ein. Und sind gespannt, wer die 5.000 Euro Preisgeld gewinnen wird.

RWE-Jury: Bitte übernehmen Sie!

rwee

Danke an Timo aus Bonn für den Hinweis!


 

Neues aus dem Fundus (III): Seehofers Bremse

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) fordert eine Strompreisbremse. Er werde das Thema in Berlin auf die Agenda setzen, kündigte Seehofer via Süddeutsche Zeitung an. „Es kann nicht sein, dass der Strom an der Börse immer billiger wird und gleichzeitig der Staat mit seinen Maßnahmen dafür sorgt, dass der Strompreis für den Endverbraucher immer weiter steigt“, sagte der CSU-Chef. „Deshalb haben wir uns entschlossen, massiv für eine Strompreisbremse einzutreten.“

Strompreisbremse?

Da klingelt was bei uns! Lesen Sie mal:

 

»Im Handelsblatt erschien am Freitag ein Kommentar von Rainer Brüderle, der als Spitzenkandidat der FDP im Bundestagswahlkampf das liberale Zugpferd spielen soll.

Überschrift:

brüder

Nein, es geht nicht um Jürgen W. Möllemann, den Brüderle zu dessen Lebzeiten nicht sonderlich mochte: Beim Vor-Vorgänger des aktuellen FDP-Zugpferdes war ja irgendwas mit der Reißleine, die nicht gezogen wurde, weshalb Möllemann einen ziemlich harten Aufprall mit dem Leben bezahlte.

Brüderle geht es nicht um Fallschirmflug, sondern um die Energiewende. „Der Bundesumweltminister warnt die Umweltminister der Länder zu Recht davor, dass die Kosten für die Förderung der Erneuerbaren ohne die Strompreisbremse ungebremst weiter steigen“, schreibt der einstige Wirtschaftsminister. Tausende Betriebe in Deutschland seien schon jetzt betroffen. „Die deutschen Energiepreise sind so hoch wie kaum irgendwo auf der Welt. Energieintensive Unternehmen verlagern bereits Arbeitsplätze ins Ausland.“

Weiter heißt es:

brü2

Um Gottes Willen: Es geht ans Eingemachte! Unser Wohlstand ist bedroht, und zwar von den Wurzeln her! Und wer die Reißleine nicht zieht, endet erwiesenermaßen wie Jürgen W. Möllemann!

Keine Bange, liebe Leser, Rainer Brüderle lügt wie gedruckt. Tatsächlich nämlich sind die Strompreise in Deutschland derzeit so niedrig wie lange nicht mehr. Am Spotmarkt der Strombörse sank der Preis für eine Kilowattstunde im Mai auf durchschnittlich 3,2 Cent – den tiefsten Stand seit vier Jahren. Und auch im Termingeschäft ist Strom so günstig wie lange nicht: So war der Preis für Strom zur Lieferung im Jahr 2014 im April 2013 erstmals unter die Marke von vier Cent je Kilowattstunde gerutscht. Bereits heute kann am Terminmarkt Strom zu vier Cent bis zum Jahr 2019 gekauft werden. Zum Vergleich: Haushaltsstrom kostet im Bundesdurchschnitt 28,5 Cent je Kilowattstunde.

Damit hat Brüderle natürlich recht: Die Strompreise in Deutschland zählen zu den höchsten in Europa. Aber darunter leidet nicht die Industrie, wie der Spitzenliberale glauben machen will: Nach Paragraph 41 Abs. 3 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) müssen Unternehmen mit einem Stromverbrauch bis zu 1.000 Megawattstunden die komplette EEG-Umlage bezahlen. Firmen, deren Stromverbrauch 1.000 Megawattstunden übersteigt, zahlen lediglich zehn Prozent der EEG-Umlage. Wer zwischen 10.000 und 100.000 Megawattstunden verbraucht, muss nur noch ein Prozent der EEG-Umlage bezahlen, für jede weitere Megawattstunde über 100.000 Megawattstunden hinaus werden pauschal 0,05 Cent pro Kilowattstunde fällig.

1.000 Megawattstunden Jahresstromverbrauch – das ist übrigens so viel, wie 285 bundesdeutsche Musterpersonenhaushalte verbrauchen. Faktisch gibt es keinen Industriebetrieb, der so wenig Strom verbraucht. Das bedeutet: Faktisch genießen alle Industriebetriebe Ausnahmen. Und weil die Zahl der Erneuerbaren-Kraftwerke weiter zunimmt, zahlen Handel, Kleingewerbe und Haushalte für die Industriebetriebe mit.

Brüderle führt in seinem Beitrag sogar aus, für wie viele Anlagen die „Kleinen“  mitzahlen müssen: „Zwischen Flensburg und Konstanz stehen heute mehr als 23.000 Windindustrieanlagen. Viele sind höher als der Kölner Dom. Mehr als 1,3 Millionen Solaranlagen sind in Deutschland auf Feldern und Dächern installiert“, schreibt Brüderle. Mehr als 7.200 Biogasanlagen seien in den letzten Jahren gebaut worden.

„Nun könnte man sagen, das alles ist berechtigt, weil es uns unabhängig mache von fossilen Energieträgern und der Kernenergie“, argumentiert Brüderle. Und weil es dem Klimaschutz diene. Der Spitzenliberale weiter: „Aber wenn wir ehrlich sind, müssen wir feststellen, dass wir mit der bisherigen Energiepolitik keines der Ziele erreicht haben und so auch nicht erreichen werden. Wind und Sonne sind keine zuverlässigen Energielieferanten.“

br1

Aber gern, Herr Brüderle: Lassen Sie uns ehrlich sein! Dass Deutschland im vergangenen Jahr wieder mehr Kohle verfeuert hat, liegt an der FDP. Gern nämlich würde die EU-Kommission ihren Zertifikatehandel reparieren. Dummerweise scheiterte das auch am Veto des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler. Deshalb ist Braunkohle heute derat billig, dass klimafreundlichere Kraftwerke wie die Gaskraftwerke stillstehen.

In seinem Handelsblatt-Kommentar verspricht Brüderle: „Direkt nach der Bundestagswahl wird sich die christlich-liberale Koalition gemeinsam mit den Ländern an eine grundlegende Reform des EEG-Gesetzes machen müssen.“ Was für ihn nichts anderes bedeutet als den ganzen Öko-Schnickschnack abzuschaffen.

Voraussetzung ist natürlich, dass die Wähler für die FDP nicht „die Reißleine“ ziehen. Andererseits: Reißleine ziehen kann der FDP womöglich das Möllemann-Schicksal ersparen.«


PS: Der mittlerweile in Vergessenheit geratene ehemalige Politiker Rainer Brüderle ist seit März 2015 Vorstandsvorsitzender des Bundes der Steuerzahler in Rheinland-Pfalz. Vielleicht lässt sich für den zukünftigen Ex-Ministerpräsidenten Horst Seehofer etwas Passenderes finden?