Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet

Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es einfach nicht besser beworben werden kann? Oder handelt es sich gar um Satire?

Ein solches Beispiel liefert die aktuelle Kampagne des Stromkonzern Vattenfall:

Vattenfall hat jede Menge Geld aus seinem PR-Topf in die Sportförderung gesteckt, um am vorhersehbaren Sommerhype um die Olympischen Spiele partizipieren zu können. Wenn zwischen 27. Juli und  12. August Sportler in London um Medaillen kämpfen, will Vattenfall irgendwie dabeisein.

In der Anzeige heißt es:

Langfristiger Einsatz? Vattenfall will damit vermutlich auf sein Festhalten an einer Steinzeittechnologie anspielen: In der Lausitz fressen sich seit hundert Jahren gigantische Schaufelradbagger in den Mutterboden, um Braunkohle zu Strom verbrennen zu können. „In langfristigem Einsatz steckt Energie“, texteten die Werber: Tatsächlich will Vattenfall gleich drei neue Tagebaue in der Lausitz aufschließen, um auch langfristig nach 2030 noch mit dieser Uralt-Technologie Profit aus der Schädigung der Erdatmosphäre zu schlagen. Denn Braunkohle ist bekanntlich der klimaschädlichste aller Brennstoffe, und daran angesichts der heraufziehenden Klimakatastrophe festzuhalten, ist schon dumm. Aber muss man damit auch noch werben?

Wer sich trotz der Annonce auf die Internetseite zur Kampagne verirrt, staunt nicht schlecht: Kein Wort von neuen Tagebauen, statt dessen heißt es dort: „Vattenfall investiert jedes Jahr große Summen in die Entwicklung von neuen und bereits vorhandenen Ressourcen.“ Dann sind da sechs verschiedene Energiequellen genannt: Wind, Wasser, Biomasse, Kernenergie, Kohle und Gas. In einer zugehörigen Karte lässt sich sogar jedes einzelne Kraftwerk bestaunen, das Vattenfall in Deutschland unterhält. Zum Beispiel ein Pumpspeicherkraftwerk Geesthacht bei Dresden: Wir erfahren, dass es mit Wasserkraft 10.ooo Megawattstunden Strom jedes Jahr produziere und so 2.000 Haushalte versorge.

Liebe Werbeagentur, liebes zuständiges Vattenfall-Management, ihnen sind da ein paar kleine Fehler unterlaufen:

Erstens produzieren Pumpspeicherwerke gar keinen Strom, sie speichern ihn lediglich – zum Beispiel dreckigen Braunkohlestrom. Zweitens liegt Geesthacht nicht nahe Dresden, sondern unweit von Hamburg. Drittens versorgt das Kraftwerk, das auf Ihrer Karte im richtigen Geesthacht verzeichnet ist (das AKW Krümmel), weder zwei Millionen Haushalte, wie Sie da schreiben, noch 2.000 Haushalte (Pumpspeicher) jedes Jahr mit Strom. Es wurde viertens auch nicht wegen der Reaktorkatastrophe in Fukushima stillgelegt, wie dort suggeriert wird, sondern stand schon seit Juni 2007 fast ununterbrochen still, weil Vattenfall offenbar unfähig war, das Akw zuverlässig zu betreiben.

„Er hat sich sein Leben lang vorbereitet. Doch die Reise hat erst begonnen“, schreiben Sie über den Sportler, den Sie in ihrer Kampagne abbilden. Vielleicht sollte sich Vattenfall auch etwas länger vorbereiten. Nicht nur für vernünftige Werbekampagnen, sondern für die Reise zu einem wirklich zukunftsfähigen Energiemix.

Danke an Steffi R. aus Berlin für den Hinweis!

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch im zweiten Halbjahr 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER


 

Berliner Wirtschaft: Milliarden für 4.500

Es gibt in der deutschen Presselandschaft einige ausgesprochene Exoten. Berliner Wirtschaft heißt ein solcher – das Magazin der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, so der Untertitel. „Mit einer monatlichen Auflage von 52.000 Exemplaren“, heißt es in den Mediadaten, “ erreicht die Berliner Wirtschaft flächendeckend Unternehmen mit hoher Gewinnumlage ohne jeglichen Streuverlust.“ Zu gut deutsch: Jede Firma, die in Berlin (Zwangs-)Mitglied der IHK ist, hat Monat für Monat das Blatt ungefragt in seinem Briefkasten. Weiter heißt es: „Die Leser der Berliner Wirtschaft repräsentieren ein hohes Investitionspotenzial und stellen eine wichtige Zielgruppe für die Business-to-Business-Kommunikation dar. Sie sind über alle Kompetenzbereiche hinweg an den Entscheidungsprozessen beteiligt.“ Aha.

Also dann mal reingeschaut: Im  70 Seiten dicken Mai-Heft porträtiert die Redaktion unter der Überschrift „Essen per Mausclick“ die Firma „Lieferheld“ – ein Bringedienst für Manager und Angestellte, die es nicht schaffen, Mittags zum Essen zu gehen. Weiter wird über eine „erfolgreiche Dialogreise“ Berliner Unternehmer nach Indien berichtet, es geht um die Wahlen zu den IHK-Gremien oder in der Rubrik „Märkte und Trends“ um das International Design Festival Berlin. Das „Interview des Monats“ trägt die Überschrift

Befragt wird Kurt Blumenröder, einer der Chefs der Firma IAV, einem „Engineering-Unternehmen im Bereich der Automobil- und Zulieferindustrie“, das weltweit mit 4.500 Mitarbeitern Entwicklungsprojekte für Autohersteller anbietet. “ Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf das Automobil“, sagt Blumenröder. Das sei wichtig, weil eine einzelne Komponente „für das Gelingen eines kompletten Autos natürlich nicht isoliert betrachtet werden darf“.

Um jetzt zum Auto der Zukunft zu kommen, erklärt Blumenröder:

Für dieses Megathema müssten seine 4.500 Mitarbeiter an vielen Stellen arbeiten, „nicht nur an den Antriebsaggregaten. Wir brauchen auch neue Materialien, um Autos leichter bauen zu können.“  Berlin sei ja gerade zu einer der vier deutschen Modellregionen für Elektromobilität  erkoren worden. „Gottseidank“, wie  Blumenröder sagt: „Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, an dem die Elektromobilität so gut entwickelt und in Szene gesetzt werden kann, wie in Berlin. Elektromobilität ist eine Technologie für Metropolen und nicht für ländliche Räume.“

Natürlich hat der Visionär auch ein paar konkrete Ideen. Zitieren wir ihn noch einmal: „Wir haben mal angeregt, eine E-Taxi-Flotte am Hauptbahnhof aufzubauen, die ihre Fahrzeuge am Taxistand mit Induktionsstrom auftankt. Ein solcher berührungsloser Ladevorgang ist ideal für Taxis. Oder glauben Sie, dass jeder Taxifahrer beim Aufrücken in der Schlange jedes Mal den Stecker in die nächste Ladesäule umsteckt? Beim berührungslosen Laden wird das Taxi auch mit Strom für die Standheizung oder die Standklimatisierung versorgt. Der Fahrgast steigt in ein angenehm klimatisiertes Taxi ein.“ Dass die Autos dann wohl dreckigen Braunkohlestrom tanken würden – jedenfalls wenn sie das Angebot des Berliner Grundversorgers Vattenfall nutzen –, daran verschwendet Blumenröder kein Wort. Aber leider fehlt ja ohnehin das Geld für solch brilliante Idee.

Nun hat die Deutsche Umwelthilfe just in dieser Woche eine Bilanz der „Nationalen Plattform Elektromobilität“ vorgelegt, die exakt vor zwei Jahren startete. Demnach sei die Pkw-Strategie der Bundesregierung Merkel „im Ansatz falsch und für eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik im Mobilitätssektor sogar kontraproduktiv“. Und erfolglos obendrein: Bis zum Jahresende 2011 seien gerade einmal 4.500 Elektro-Pkw zugelassen gewesen. Autohersteller würden mit Steuergeldern Milliardensummen Förderung einstreichen für praxisfernes Technikspielzeug oder auch E-Fahrräder, die es längst gibt, so der Vorwurf.

In einer anderen Metropole (die es nicht nötig hat, sich selbst den „Weltstadt“-Anstrich aufzukleistern) sind übrigens just diese Woche Taxi-Ideen nicht nur angedacht, sondern umgesetzt worden: New York hat 18.000 neue, sparsame Taxis eingeführt. Allerdings hat man sich am Hudson River einen Dreck um die „Jahrhundertchance Elektromobilität“ geschert. Und auf heute schon verfügbare  Hybridfahrzeuge gesetzt.

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Eon: Die Windkraft-Hochstapler

Seit einiger Zeit läuft das nächste Motiv der Eon-Kampagne „Energie der Zukunft“ – nach der fotogenen „Anna Kuhn“ haben die Casting-Experten der Werbeagentur nun einen gemütlich wirkenden Mann als Protagonisten ausgewählt, Herrn „Stefan Rehm“. Sonst gibt es wenig Neues in der Zeitungsannonce. „Ihr gestaltet also die Zukunft der Energie. Redet Ihr nur, oder macht Ihr auch was“, legt Eon seinem Herrn Rehm in den Mund. Um darauf zu antworten: „Hallo Herr Rehm, wir bauen den Windpark ‚Amrumbank West‘. Für noch mehr grünen Strom.“ Ah, es geht also um dasselbe Eon-Windprojekt in der Nordsee, das Eon schon beim letzten Mal beworben hat.

Aber, Moment. Im Dezember in der „Anna Kuhn“-Annonce hieß es im Kleingedruckten:

Bei Herrn Rehm steht da nun:

Witzig, oder? Aber wir wollen hier gar nicht auf der Vermehrung der versorgten Menschen herumreiten, sondern auf dem Wörtchen

Die Formulierung „weitere 700.000 Menschen in Deutschland“ klingt nämlich so, als würde Eon schon heute eine größere Menge Leute hierzulande mit Windstrom versorgen. Auf der Kampagnenwebsite heißt es denn auch vollmundig „Windparks: 100 in Betrieb“. Klickt man sich dann weiter auf die Landkarte mit den Standorten, dann wird sofort klar, dass der größte Teil von Eons Windrädern im Ausland steht.

Nur 13 Windrädchen haben wir auf dieser Eon-Karte gezählt. Und dann die Pressestelle gefragt, ob das denn so stimme und wann die Anlagen errichtet wurden und wieviele Menschen Eon bisher damit versorgen kann. Die Antworten kamen – nunja, wir würden sagen – etwas zögerlich und lückenhaft. Man verwies lediglich, das aber sehr freundlich, auf ein online veröffentlichtes Eon-Papier namens „Facts&Figures“.

Darin finden sich – neben interessanten Infos wie der, dass Eon im kleinen Dänemark mehr Erneuerbare-Energien-Anlagen besitzt als im Heimatmarkt Deutschland – Tabellen mit den hiesigen Windkraftanlagen (Seite 28/29). Liest man die Liste durch, dann finden sich darauf etliche Standorte mit bloß 2, 3 oder 4 Megawatt, darunter zum Beispiel der „Windpark Breitling“. Schaut man sich dessen Details in einer Windkraft-Datenbank an, dann wird klar, dass es sich hier um eine einzige Windkraftanlage handelt. Schräg, was Europas größter Stromversorger unter „Windpark“ versteht.

Aber darauf wollten wir eigentlich gar nicht hinaus. Sondern auf Eons bisherige Windkraftkapazität in Deutschland. Sie beträgt laut dieser Liste sage und schreibe 226 Megawatt. Zum Vergleich: Das Kohlekraftwerk Scholven, das Eon in Gelsenkirchen betreibt, hat eine Kapazität von 2.200 MW – ein einziges von Eons Steinkohlekraftwerken ist zehnmal so groß wie alle Windkraftanlagen, die der Konzern bisher in Deutschland betreibt.

Aber zurück zur Eon-Annonce und dem Windpark Amrumbank West. Der wird nach Unternehmensangaben, wenn er wie geplant 2015 ans Netz geht, eine Kapazität von 288 MW haben. Nicht dass uns jemand missversteht, wir finden das Projekt ganz großartig. Aber es wird auf einen Schlag deutlich mehr Windstrom erzeugen, als Eon bisher in ganz Deutschland zustande bringt. Dies mit den Worten zu bewerben, man habe bald „noch mehr grünen Strom“ bzw. grünen Strom für „weitere“ 700.000 Menschen, finden wir dann doch ziemlich hochstaplerisch.


 

Jürgen Großmann (RWE): Schönen Ruhestand!

Zugegeben, das Team vom Klima-Lügendetektor war anfangs über diesen Vorgang uneins: Ist das nun eine gute Nachricht? Oder eine schlechte?

RWE-Boss Jürgen Großmann hatte in dieser Woche seinen Abgang. Der Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Stromkonzerns hat letztmalig die Hauptversammlung seines Konzerns geleitet. Und ist von den Aktionären entlastet worden. Das war’s dann für ihn. Schluss, aus, vorbei: Ab Anfang Juli übernimmt der Niederländer Peter Terium die Geschäfte.

Für RWE-Aktionäre mag die Antwort auf die Eingangsfrage einfach ausfallen. Seit Großmann im September 2007 antrat, ist der Aktienkurs um mehr als die Hälfte gesunken. Nicht nur das: Projektverzögerungen, Gewinneinbruch, Sparprogramm – Jürgen Großmann mit seiner Fixierung auf Kohle- und Atomkraft hinterläßt einen größeren Scherbenhaufen, als er von seinem Vorgänger Harry Roels übernommen hatte.

Für den Klima-Lügendetektor ist die Sache defiziler. Kaum jemand hat uns so viel Stoff geliefert wie der PR-Rambo Großmann.

Das „Klumpenrisiko Deutschland“  müsse verringert werden, hatte er zum Beispiel vor einem Jahr der Süddeutschen Zeitung gesagt: Und damit gedroht Firmensitz und Investitionen von RWE ins Ausland zu verlagern – sollte die Regierung ernst machen mit dem Atomausstieg.

Bürgerproteste gegen den Ausbau der Stromnetze seien ein „Riesenproblem“, erläuterte Großmann im Herbst 2010 dem Stern. Und forderte, dass der Rechtstaat das Gewaltmonopol behalten müsse. „Ich würde mir jedenfalls nicht das Recht herausnehmen, eine Sprengladung an einen Hochspannungsmast zu setzen.“

Im Sommer würden wegen der Energiewende tagelange Stomausfälle drohen, warnte der RWE-Chef Anfang 2008 in der Bild. Und die bienenfleißigen Springer-Leute trugen flugs zusammen, was das bedeuten könne: Handy-Netze tot, kein Fernsehen, Verkehrschaos wegen ausgefallener Ampeln, und auch an Tankstellen gehe dann „gar nichts mehr“.

Insofern war Jürgen Großmann ein Segen für unsere Arbeit: Der Elefant polterte stets so herzhaft im Porzellanladen, dass es ein Leichtes war und großen Spaß machte, die Scherben hinterher auf dem Tablett zu präsentieren. Wo Großmann war, war immer etwas los – egal ob er nun in Berlin Elektroautos präsentierte, in Hamm mit Angela Merkel einen Grundstein legte oder zur Klimakonferenz nach Kopenhagen reiste.

Andererseits zeigte der RWE-Chef aber auch, was ein geschickter Kommunikator anrichten kann. Das Bild-Interview beispielsweise enthielt nicht eine einzige Zahl oder irgendeinen Beleg für Großmanns Stromausfall-Szenario – trotzdem verbreiteten Nachrichtenagenturen die Panikmache prompt. Sein Meisterstück aber war der „Energiepolitische Appell“ im Sommer 2010 – ohne Fukushima hätte Großmann sich durchgesetzt mit seiner Forderung nach einer jahrzehntelangen Zukunft für die Atomkraft in Deutschland.

Irgendwie ist es schade, dass wir diesen Blog künftig ohne Großmann füllen müssen. Aber es gibt ja würdige Nachfolger, etwa den ebenfalls ehemaligen RWE-Mann und Klima“skeptiker“ Fritz Vahrenholt. Insofern können wir dem Milliardär Jürgen Großmann von ganzem Herzen einen ruhigen Lebensabend in Gesundheit, Genuss und Frieden wünschen.

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Rewe: Die kompostierbare Leiche im Keller

Der Lebensmittelkonzern Rewe versucht uns gerade seine Geschäftstätigkeit sehr schmackhaft zu machen. Gleich mit einer ganzen Anzeigenserie. „Arbeitsleben oder Familie? Ich lebe beides“, sagt da beispielsweise Maren R. 32 Jahre, Fachverkäuferin und Mutter. Für Rewe sei Familie und Beruf kein Widerspruch, wie es in der Anzeige heißt. Hier geht eben beides – so selbstverständlich wie die tägliche Ernährung.

Oder Sandra G., 34jährige Marktmanagerin und Abdenteurerin: „Ich will im Beruf als Frau meinen Mann stehen. Mach ich ja auch privat“.  Der Anzeigentext erklärt, dass bei Rewe „Anstellung auch Gleichstellung“ bedeutet.

Beim Kauf von Lebensmitteln geht es im 21. Jahrhundert hierzulande eben um mehr als nur ums satt werden: Langsam scheint sich der Gedanke durchzusetzen, dass es ohne Ausbeutung von Individuum und Umwelt schmackhafter ist. „Mein Job soll auch nachhaltig Früchte tragen“, sagt beispielsweise Manfred B., Marktmanager und Hobby-Gärtner. Dabei steht er vor einem Wandbild, ein bisschen wirkt, als stamme es aus realsozialistischen Propagandazeiten. Der Anzeigentext dazu erklärt:

„Rewe – jeden Tag ein bisschen besser“ – das ist der Kampagnenslogan, der uns Hoffnung schenkt. Und Rewe jeden Tag ein paar mehr Kunden bringen soll. Dummerweise hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) diese Woche kritisiert, dass von Rewe vertriebene „Bio“-Einkaufstüten zuviel versprächen. Der Umweltverband beklagt: „Die als kompostierbar beworbenen Tragetaschen aus Bioplastik bestehen zu mehr als zwei Dritteln aus Erdöl. Nach Recherchen der Deutschen Umwelthilfe werden sie weder kompostiert noch recycelt. Die DUH fordert deshalb ein sofortiges Ende der Werbelüge und die Umstellung auf eine umweltfreundlichere Alternative.“

Neben Rewe bieten auch Aldi und andere Ketten diese „Biotüten“ der Firma Victor Güthoff & Partner aus Frechen im Rheinland an. Und werben mit deren angeblichen Umweltvorteilen. So seien die Tragetaschen „so weit wie möglich aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt“ und „100 Prozent kompostierbar“.

Rewe verspricht seinen Kunden, mit dem Kauf der Einwegtüte „gemeinsam Gutes“ zu tun. Aldi Süd ist noch pathetischer mit dem Aufdruck „Zeig der Umwelt ein Lächeln“. Alle Tüten sind mit lieblichen Motiven bedruckt, etwa mit Blumen, Tieren oder Wiesen. Dadurch werde der Eindruck erweckt, dass es sich bei den Plastiktüten um ein ökologisch vorteilhaftes Produkt handele, so die DUH. Die Beutel seien unter gewissen Umständen zwar kompostierbar, wirklich kompostiert würden sie aber nicht, wie eine Umfrage bei Abfallentsorgern ergeben habe.

Wie hieß nochmal der Werbespruch: „Jeden Tag ein bisschen besser“. Einen Tag nach der Pressekonferenz der Umwelthilfe reagierte Rewe denn auch und nahm die Tüten vorläufig aus dem Sortiment. „Mit diesem Schritt wollen wir dafür sorgen, dass es bei unseren Kunden nicht zu Verunsicherung über die tatsächliche Umweltverträglichkeit dieser Tragetaschen kommt“, erläuterte Rewe-Sprecher Martin Brüning. Gemeinsam mit Herstellern und unabhängigen Experten will Rewe die Tüten nun noch einmal auf ihre Umweltverträglichkeit hin untersuchen.

Rewe braucht also offenbar noch ein paar Tage, um wirklich gut zu werden.

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Thermotec: Die Ökostrom-Verschwender

Elektroheizungen sind ja ein Dauerbrenner hier auf dem Blog. Aber der letzte Text liegt tatsächlich schon mehr als ein Jahr zurück, deshalb schauen wir mal wieder auf das Thema. Schließlich wirbt auch die Elektroofen-Branche trotz aller Warnungen von Verbraucherschützern und Umweltverbänden und entgegen eindeutiger Forschungsergebnisse weiter für ihre Stromfresser.

Diesmal hat uns ein Leser auf die Internetseite der sächsischen Firma Thermotec hingewiesen:

Im Kleingedruckten der Homepage heißt es:

Hübsch, oder? Weil es sich mittlerweile herumgesprochen hat, dass Elektroheizungen die Schadstoffemissionen lediglich aus dem eigenen Heizungskeller ins Kraftwerk verschieben, legen viele Hersteller ihren Kunden mittlerweile einen Ökostrom-Vertrag nahe (aber meist nur im Kleingedruckten). Thermotec verzichtet sogar darauf und verweist einfach auf die 20 Prozent sauberen Stroms, die sich dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes mittlerweile im normalen Strommix finden.

Formal stimmt ja auch, dass für diese Elektrizität keine Treibhausgas-Emissionen anfallen (jedenfalls nach der üblichen Bilanzierungsmethode). Trotzdem wäre es falsch, mit Ökostrom zu heizen (jedenfalls wenn es sich nicht um ein Niedrigenergiehaus handelt, wo für den minimalen Wärmebedarf manchmal tatsächlich eine Elektroheizung sinnvoll sein kann). Von „Verschwendung“ spricht klar und deutlich beispielsweise Jens Schuberth vom Umweltbundesamt. Stattdessen sollte Ökostrom, solange es ihn noch nicht im Überfluss gibt, im Interesse des Klimaschutzes dort eingesetzt werden, wo er am meisten Kohlendioxid vermeidet. Und das ist nunmal nicht beim Heizen – denn hierfür gibt es eine ganze Reihe relativ klimaschonender Möglichkeiten: Fernwärme (aus effizienten Gaskraftwerken) zum Beispiel oder Sonnenkollektoren in Kombination mit einem Erdgas-Brennwertkessel oder einer Holzpellet-Heizungen oder ähnliches. “Der wertvolle Ökostrom sollte zur Substitution des Kohle- und Atomstroms verwenden werden in Bereichen, wo man keine andere Energie einsetzen kann“, erklärt Birgit Holfert von der Energieberatung des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes (vzbv), „beispielsweise bei der Beleuchtung oder bei Elektromotoren.“ Wer Ökostrom hingegen zum Heizen nutzt, treibt den Gesamt-Elektrizitätsbedarf hoch und sorgt dafür, dass dreckige Stein- oder Braunkohlekraftwerke unnötig am Netz bleiben.

Achso, Elektroheizungen als „heimliche Klimaschützer“ zu bezeichnen, ist in jedem Falle falsch. Selbst unter Berücksichtigung des 20-prozentigen Ökostrom-Anteils ist der deutsche Strommix mit gut 560 Gramm Kohlendioxid pro Kilowattstunde immer noch so dreckig, dass die (indirekten) CO2-Emissionen fürs Heizen mit Strom mehr als doppelt so hoch sind wie beispielsweise einer modernen Erdgasheizung.

Danke für Mario Sedlak aus Wien für den Hinweis


 

Wildtierstiftung: Klima“skeptiker“ als neuer Chef

Fritz Vahrenholt wird wohl bald viel Zeit haben. Als Vorstand der RWE-Tochter Innogy, in der die bislang eher bescheidenen Aktivitäten des Konzerns auf dem Gebiet der Erneuerbaren Energien gebündelt sind, scheidet er ja Mitte 2012 aus. Sein klima“skeptisches“ Buch Die Kalte Sonne ist auf den Bestsellerlisten schon wieder im Sinkflug, die Zahl der Medienauftritte und Lesungen wird deshalb vermutlich auch schnell zurückgehen. Heute nun wurde sein neuer Job bekannt:

Wir gratulieren Herrn Vahrenholt!

Für eine Stiftung, die laut Selbstdarstellung „Lebensräume von Wildtieren in Deutschland“ erhalten will, gibt es bekanntlich einiges zu tun. Auch und vor allem wegen des Klimawandels. So heißt es auf der Website des Climate Service Center (CSC), das im Auftrag der Bundesregierung die Ergebnisse der Klimaforschung für Deutschland sammelt und aufbereitet:

Und das Bundesamt für Naturschutz schreibt im Internet:

Am Forschungszentrum Biodiversität und Klima in Frankfurt/Main, wo sich mehr als hundert Wissenschaftler mit dem Thema beschäftigen, fand im vergangenen Jahr eine große Konferenz zur Situation in Deutschland statt. Dutzende Vorträge wurden da gehalten, die im Internet nachlesbar sind. Deshalb hier nur ein Schlaglicht – eine Grafik über die Auswirkungen des Klimawandels auf Wildvögel:

Einige Brutvogel-Arten werden durch die Erderwärmung gewinnen, signifikant nimmt lediglich die Verbreitung von Star und Rabenkrähe zu (verzeichnet ganz am rechten Rand der Grafik). Die Zahl der Verlierer-Arten aber ist ungleich größer, deutlich zurückgehen wird demnach die Verbreitung von Singdrossel und Tannenmeise, Bachstelze und Zilpzalp, Feldsperling und Klappergrasmücke, Gartengrasmücke und Jagdfasan, Wintergoldhähnchen und Heckenbraunelle, Waldbaumläufer und Fitis.

Zur Erinnerung: Vahrenholt behauptet in seinem Buch, der Klimawandel werde in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten kein dramatisches Problem werden, einer sinkenden Sonnenaktivität und langfristigen Ozeanzyklen sei dank. Im neuen Job wünschen wir ihm viele neue Erkenntnisse.

Danke an Katrin R. aus Berlin für den Hinweis

P.S. am 29.03.: Im Hamburger Abendblatt hat Fritz Vahrenholt heute schonmal angedeutet, wie er seine künftige Rolle versteht. „Eine Vielzahl der großen Umweltorganisationen wie WWF und Greenpeace kümmert sich um alles Mögliche, von Energiepolitik bis Gesellschaftspolitik, aber der Naturschutz wird nicht mehr hinreichend vertreten“, sagte er dem Blatt. Dabei sei doch ein Verlierer der Energiewende ganz klar „die Natur“, nämlich „durch Vermaisung der Landschaft oder Abholzung von Wäldern für Windkraft- und Solaranlagen“.

Aha. Die Braunkohletagebaue seines bisherigen Arbeitgebers RWE gingen mit der Natur echt voll schonend um.


 

IWO: Zahlentricks für klimaschädliche Ölheizung

Das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) ist – nein, kein Forschungsinstitut. Sondern ein Lobbyverband der deutschen Mineralöl-Industrie, zu dessen Mitgliedern BP, Esso oder auch Shell zählen. IWO wirbt für Ölheizungen. Diesen Monat hat die Organisation zum Beispiel eine ganzseitige Annonce im Schrägstrich geschaltet, dem Mitgliedermagazin der Bündnisgrünen – 4.650 Euro (plus Mwst.) hat sich die Ölindustrie das laut Anzeigenpreisliste kosten lassen.

Noch bis zum 31. Juli veranstaltet IWO eine Kampagne „Deutschland macht Plus“: Wer eine moderne Ölheizung kauft, so die Idee, bekommt 350 bis 500 Liter Heizöl geschenkt, mit etwas Losglück können es sogar 1.111 Liter werden. In Zeitungsannoncen, etwa in der Süddeutschen, bewirbt die Heizöl-Lobby ihre Aktion. Ein junger Mann sitzt da mit weißem Laptop auf einem weißen Sofa, vor ihm auf einem weißen Teppich ein Mädchen, das lächelnd in einem „Was ist was“-Buch zum Thema Klima blättert. Hach, schön sauber alles! Dazu die Slogans „Plus für mein Konto: Ich heize bis zu 40% sparsamer – Plus für unsere Umwelt: Wir heizen mit bis zu 40% weniger Emissionen – Machen Sie Plus mit einer Öl+Solar-Heizung.“

Die Werbung ist natürlich nicht gelogen – aber sie trickst mächtig. Dass eine neue Heizung besser ist als eine alte, ist ja eigentlich banal. Auch sind Einsparungen von bis zu 40 Prozent durch einen hochmodernen Ölkessel mit unterstützender Solaranlage sicherlich nicht unmöglich. Aber, sagt Birgit Holfert vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), „die 40 Prozent sind in aller Regel Augenwischerei: Da werden sehr schlechte alte Ölheizungen durch sehr gute ersetzt, und die große Solaranlage leistet einen wesentlichen Beitrag“. Für eine Heizungssanierung im Eigenheim sei das „ein eher untypischer Fall“.

Was die Anzeige auch ausblendet: Betrachtet man nicht relative Einsparungen, sondern absolute Werte, dann gibt es viel bessere Lösungen als den Einbau einer neuen Ölheizung. Stichwort Konto: „Erdgas-Brennwertkessel sind inzwischen sehr preiswert zu bekommen“, erklärt etwa der Berliner Energieberater Peter Mellwig. „Bei Ölgeräten sieht es da noch schlechter aus.“ Auch beim Stichwort Umwelt liegt Gas vor Öl: „Erdgas verbrennt sehr sauber“, so Mellwig, „sodass fast nur feuchte Luft aus dem Schornstein kommt.“

Grundsätzlich gilt: Erdgas-Brennwertkessel sind klimaschonender als vergleichbare Öl-Anlagen. Die Erklärung ist schlichte Chemie: Erdgas enthält mehr Wasserstoff und weniger Kohlenstoff als Erdöl, woraus gleich zwei Vorteile für Erdgas-Brennwertkessel resultieren. Erstens führt der geringere Kohlenstoffanteil von Erdgas dazu, dass bei dessen Verbrennung weniger Kohlendioxid frei wird als bei Erdöl. Bei idealer Vermischung mit der Zuluft beträgt der CO2-Anteil im Abgas bei Erdgas (Typ LL)  maximal 10,8 Prozent, bei Heizöl (Typ EL) höchstens 15,4 Prozent.* Daneben haben Erdgas-Brennwertkessel noch einen zweiten Klimavorteil, der aus dem höheren Wasserstoff-anteil von Gas folgt: Bei dessen Verbrennung entsteht logischerweise mehr Wasserdampf als bei der Verbrennung von Öl. Nun nutzen Brennwertkessel, egal für welchen Brennstoff, neben der normalen Verbrennungshitze auch die Kondensationswärme des Wasser-dampfes im Abgasstrom. Und weil bei Erdgas mehr Wasserdampf entsteht, können Brennwertkessel aus dem Abgasstrom einer Erdgasverbrennung auch mehr Energie saugen als aus dem eines Ölkessels.

Zurück zum IWO-Inserat: In Wahrheit ist für, wie es da so schön heißt, „unsere Umwelt“ (und auch für „mein Konto“) die Investition in eine neue Ölheizung mitnichten das Beste. Sehr klar sind die Kohlendioxid-Emissionen fossiler Energieträger in einer Grafik der ASUE dargestellt, der „Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch“.

Zwar ist die ASUE ein Interessenverband der deutschen Gaswirtschaft, also die direkte Konkurrenz des IWO – doch in punkto CO2-Ausstoß haben diese Lobbyisten halt wirklich bessere Argumente als die Ölindustrie

 

* Noch klimaschonender sind (wenn man kein Passivhaus hat und damit das Heizen praktisch wegfällt) moderne Holz-Brennwertkessel, denn Holz als Brennstoff gilt ja als klimaneutral. „In Verbindung mit einer Solarthermie zur Unterstützung der Warmwasserbereitung ist das klimatechnisch gesehen das Optimum“, sagt Verbraucherschützerin Holfert.


 

WSJ: Die Zukunft der Atomkraft – war gestern

Irgendwie war diese Schlagzeile ja erwartbar. Pünktlich zum Jahrestag der Atomkatastrophe von Fukushima titelte die deutsche Ausgabe des Wall Street Journal (WSJ):

Der zugehörige Text zitiert die World Nuclear Association, derzufolge im Moment weltweit 60 neue Atomreaktoren Bau seien, 163 weitere geplant. „Das ist kaum weniger als im Februar 2011, als 62 Reaktoren im Bau und 156 in der Planung waren“, schreiben die Autoren des Wall Street Journals. Die Zahlen würden zeigen, „dass Atomenergie durch die Kernschmelze von Fukushima allenfalls einen leichten Dämpfer erhalten hat“.

Oha, das Ungeheuer von Loch Ness ist also wieder da! Denn so zuverlässig wie sich Berichte über „Nessie“ wiederholen, tauchen Behauptungen auf, die Atomkraft stehe vor einer goldenen Zukunft. Wir haben unter anderem hier darüber geschrieben oder auch hier über eine bereits 13 Jahre (!) zurückliegende Sichtung des Ungeheuers.

Aber schauen wir uns den aktuellen WSJ-Text etwas genauer an: Selbst die Schreiber des strengkonservativen Wirtschaftsblattes müssen zugestehen, dass es in Europa um die Atomkraft nicht so toll steht . Deutschland, Italien und die Schweiz hätten angekündigt, ihre Atomprogramme „zurückzubauen oder einzustellen“. Selbst in der Nuklearnation Frankreich traue sich der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande, ein Zurückfahren des Atomanteils im Strommix um ein Drittel anzukündigen. Trübe seien die Aussichten auch in den USA: „Nach Fukushima sind die Sicherheitsauflagen stark erhöht worden, was auch die Baukosten steigen lässt.“ Aber wie ergibt sich dann eine „weltweite Zukunft“ für die Atomkraft?

Okay, Nessie lebt nicht mehr im schottischen Hochland, sondern angeblich in Asien. Obwohl: In Thailand kann die neue Heimat des Ungeheuers nicht liegen, dort ließ die Regierung infolge von Protesten nach Fukushima ihre Atompläne fallen. Auch auf den Philippinen gibt es keine Zuflucht: Die Baustelle des dortigen Atomkraftwerkes Bataan wurde nach Fukushima zu einer Touristenattraktion. In Japan sind bereits 52 der 54 Atomkraftwerke vom Netz, die zwei verbliebenen folgen im April. Und  selbst in China – oben im Text noch als Hort der Renaissance erwähnt – ist erst einmal Schluss mit der Atomkraft. Das Wall Street Journal  schreibt:

Also, wo ist denn jetzt die Zukunft? Schaut man sich auf der Website die Internationalen Atomenergie-Agentur (IAEA) die in Bau befindlichen Reaktoren an, dann stößt zum Beispiel auf: Kursk 5 in Russland – Baustart 1985, Khmelnitski 3 und 4 in der Ukraine – Baustart 1986 bzw. 1987, den Rekord hält Watts Bar 2 in den USA – Baustart 1972, erst kürzlich wurde die Inbetriebnahme wieder einmal verschoben. Einen genauen Überblick hierzu und zu vielen anderen Details der Atombranche gibt der regelmäßig erscheinende World Nuclear Industry Status Report des Pariser Experten Mycle Schneider. Von den mehr als 60 „In-Bau“-Reaktoren, heißt es da, verharre ein Dutzend bereits seit mehr als 20 Jahren in diesem Status. In dem Report bekommt man auch ein Gefühl für Größenordnungen: 60 Reaktorbaustellen, das mag viel klingen. Aber 1987 zum Beispiel gab es weltweit 120, der Höchststand war 1979 zu verzeichnen mit 233 Akw-Blöcken „in Bau“.

Und was ist mit den Planungen? Von 163 Neuprojekten schrieb ja das Wall Street Journal unter Berufung auf die World Nuclear Association (WNA). Doch nur ein Teil der Blöcke wird je ans Netz gehen, zeigt die Erfahrung – und das steht auch in einem Gutachten des Prognos-Instituts von 2009 im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz. Die Autoren rechnen damit, dass nur

Unterm Strich werden die derzeit angekündigten oder bereits begonnenen Reaktoren die Zahl Blöcke nicht wettmachen können, die weltweit in den kommenden Jahren wegen Erreichen der Altersgrenze abgeschaltet werden müssen. In den Worten des World Nuclear Industry Status Reports: „Es wird praktisch unmöglich sein, die Zahl der aktiven Atomreaktoren über die nächsten Jahre konstant zu halten oder gar zu steigern.“

Tolle Zukunft.

P.S.: Seit letztem Herbst ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors rein leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, damit wir auch 2012 voll weiterarbeiten können. Bitte unterstützen Sie uns HIER


 

Mehdorn/Air Berlin: Hoffentlich nicht Alzheimer

Früher war Hartmut Bahnchef Mehdorn ganz auf Linie von Angela Merkel (CDU). „Fliegen muss teurer werden“, hatte Bundesumweltministerin Merkel in einem Bild-Interview 1997 erklärt: „Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den zunehmenden Luftverkehr.“

Das sah Hartmut Bahnchef Mehdorn früher genauso: Die Luftfahrtgesellschaften seien von steuerlichen Belastungen „vollständig befreit“, sagte der Bahnmanager 2008 im Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Und weiter:

In der Tat: Die Bahn muss Mehrwertsteuer zahlen, die Fluglinien bei allen Flügen ins Ausland aber nicht. Die Bahn muss Treibstoffsteuer zahlen, die Airlines auf Kerosin aber nicht. Die Bahn muss Ökosteuer abführen, die Fluglinien aber nicht. Sogar geklagt hatte die Bahn gegen diesen „verkehrs- und klimapolitischen Unsinn“ vor dem höchsten Gericht der Europäischen Union. Die Richter entschieden aber, dass die geltende Steuerbefreiung nicht gegen EU-Recht verstößt. Mehdorn musste eine schwere Niederlage hinnehmen.

Bekanntlich hat sich die Rechtslage aber mittlerweile geändert: Kanzlerin Angela Merkel führte im vergangenem Jahr die Luftverkehrsabgabe ein. Alle Flugzeuge, die in Deutschland starten und landen, zahlen je nach Entfernung pro Passagier acht, 25 oder 45 Euro. „Fliegen muss teurer werden“, weshalb Deutschland auch den Klima-Plänen Brüssels zustimmte: Seit Januar 2012 sind die Airlines zudem auch noch zur Teilnahme am Emissionshandel verpflichtet.

Bekanntlich hat sich auch das Beschäftigungsverhältnis von Hartmut Bahnchef Mehdorn geändert. Nach einem Datenskandal musste Mehdorn 2009 das „Bahnchef“ aus seinem Namen streichen. Im vergangenen Herbst heuerte Mehdorn bei Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin an. Nun sagt er zum Thema „Fliegen muss teurer werden“ in der Berliner Morgenpost :


Weiterhin war zu lesen:


Dass es Mehdorn ernst mit seinem „Kampf“ meint, machte er am Tag danach deutlich: Gemeinsam mit Lufthansa-Chef Christoph Franz  und dem Präsidenten des Luftverkehrsverbandes Klaus-Peter Siegloch trat er vor die Hauptstadt-Presse, um zu lobbyieren. Der Tagesspiegel titelte am Freitag:

Der Ex-Harmut Bahnchef Mehdorn holt sich zur Verstärkung jene, die er einst bekämpft hat?

Natürlich, der Mann ist schon alt, Ende Juli wird er siebzig Jahre. Air Berlin-Kunden sei aber gewünscht, dass Mehdorn nicht an einer dieser fiesen Alterskrankheiten wie Demenz oder Alzheimer leidet. Oder ist Hartmut Mehdorn einfach nur eine neue Illustration der alten Volksweisheit: „Wes‘ Brot ich fress, dess‘ Lied ich sing“?

P.S.: Seit Anfang Oktober ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen etliche Euros, um die Recherche auch 2012 zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER